Freitag, 2. Januar 2015

Tag 190 - ADHS: Das Bug Tracking System einer entmündigten Gesellschaft





AD(H)S ist nichts anderes als eine schändliche Augenwischerei um den mit dem menschlichen Potential der vielfältigen Entfaltungsfreiheit unvereinbaren Status und den Anforderungen des tatsächlichen sozialen Systems scheinbar  zu legitimeren und wieder einmal die Augen vor den wahren Ursachen unserer eigenen Verantwortlichkeit ruhigen Gewissens verschließen zu können, indem wir uns blindgläubig in die Hände der Institutionen die einzig und allein im Dienste des Geldsystems stehen verschreiben. Dieses Verhalten ist nichts weiter als das von abergläubischen und naiven Menschen - nur viel schlimmer, weil wir die Ignoranz und den Unwillen uns der Verantwortung unserer tatsächlichen Fähigkeiten zu stellen freiwillig wählen und zwar aus Angst und purer Bequemlichkeit. Wir nehmen daher die Konsequenzen offensichtlichen Unrechts bei vollem Bewusstsein über ihre Tragweite in Kauf, stellen die persönliche Bequemlichkeit und die Gewohnheit noch vor das Wohl der uns Schutzbefohlenen Kinder und übergeben sie der profitschachernden Maschinerie, dem Kartell der Psycho-pharmakologen die sie eben dem System mit brachialer Gewalt wieder anpassen sollen, in das sie als ganzheitlicher Mensch nicht hineinpassen können. 

Es ist faszinierend und erschreckend – allerdings wenig überraschend, dass wir zu glauben scheinen es sei leichter und auch angemessener die Menschen den Strukturen anzupassen die wir offensichtlich unzureichend ausgearbeitet und umgesetzt haben, als die Strukturen nachzubessern in die wir uns zu zwingen versuchen.

Das laut ICD und DSM immer wieder benannte „unpassende“ Verhalten von Kindern weist in erster Linie auf ein Defizit der systemischen Anforderungen die an sie gestellt werden Angesichts des natürlichen Drangs nach Aktivität und vielschichtiger Entwicklungsmöglichkeiten des Lebendigen hin und nicht etwa auf eine Störung im Sinne einer persönlichen Fehlentwicklung. Dieser fatale Sicht- und Prioritätenwechsel, der offensichtlich der herablassenden Arroganz einer durch soziale Umstände bemächtigt übergeordneten Instanziierung der „menschlichen Welt“ als die Welt der Erwachsenen zu verschulden ist, die überdies noch in dreister Weise versucht ihre eigene offenkundige Fehlorientierung und Beschränktheit den Kindern zur Last zu legen, stellt ein Verbrechen am Leben und einen Verrat an der Nachkommenschaft dar, der unvergleichlich unethisch und verwerflich ist.

Wie kann es sein, dass erwachsene Menschen die sich dafür entscheiden ein Kind in diese Welt zu setzen bei den Schwierigkeiten die dieses Kind mit der vorgesehenen oder vorgeschriebenen Entwicklungslaufbahn in der Gesellschaft und durch die Institutionen hat sich selbst nicht zu helfen wissen und die Institutionen allein verantwortlich machen wollen? Wie kann es sein, dass Eltern sich ratlos zeigen wenn ihr Kind nicht mehr „funktioniert“ und es die Erwartungen einer vorprogrammierten Entwicklung nicht erfüllt? Wir müssen uns endlich eingestehen, dass eine solche Erwartungshaltung nichts anderes bedeutet, als dass wir unsere Kinder und auch uns selbst für nicht mehr als einfache programmierbare Biomaschinen, also für Roboter halten. Und wenn diese Maschine den Code nicht schluckt, dann muss eine Fehlfunktion der Maschine selbst der Grund dafür sein, denn bei allen anderen „funktioniert“ er doch, oder etwa nicht…? Nun, wir glauben jedenfalls, dass der Code unserer sozialen Programmierung bei uns funktioniert, wissen tun wir es allerdings nicht. Wir wissen ganz andere Dinge, nämlich dass diese Programme höchst fehlerhaft sind und trügerische Sicherheiten schaffen die eben nicht real sind sondern nur so lange für wahr gehalten werden, wie niemand offen Zweifel äußert und alle den Wahn aufrecht erhalten. Daher muss jeder Störfaktor eliminiert werden und niemals darf die Systemfrage gestellt werden, niemals darf sie Teil der Diskussion zur Lösungsfindung sein, weil wir vor diesem Moment des mentalen Vakuums eine enorme Angst haben. Die Angst rührt von der offenkundigen Eigenverantwortlichkeit für die tatsächlichen Umstände in die wir uns gezwungen haben her. In erster Linie aber befürchten wir natürlich selbst für fehlerhaft gehalten zu werden, einen Stempel aufgedrückt zu bekommen, dass etwas mit uns nicht stimmt. Daher behalten die Menschen jeden Konflikt und ihre innere Zerrissenheit angesichts der beschränkenden und beschneidenden Anpassungszwänge so lange für sich, bis der Leidensdruck unerträglich wird oder sich durch körperliche Beschwerden, Depressionen und ähnliche Zustände Luft macht. Bei unseren Kindern allerdings haben wir scheinbar weniger Probleme ihnen dieses Stigma zu verpassen, sie unter Drogen zu setzen und sie ohne Sinn und Verstand von ihrer Möglichkeit der eigenen Entwicklung und selbstbestimmten Erkenntnis über ihren Zustand und den der Welt in der sie leben zu befreien. 

ADHS ist reine Imagination, ein verzweifelter Versuch Symptome so zu interpretieren, dass diese Interpretationen nicht die wahren Ursachen der Entwicklung des jeweiligen Zustands berühren. Eine Ohnmachtshaltung offenbart sich in solchem Verhalten, die der Rolle der Generationen von Experten und vom System ausgebildeter Erwachsener, die einen Auftrag zumindest theoretisch und ideologisch angenommen haben die Nachkommen verantwortungsbewusst auf das Leben vorzubereiten und auszubilden, nicht zusteht, bzw. für sie nicht angemessen ist.
Die Haltung des mit den Schultern zuckenden und hilflosen Vormunds der angesichts einer unerwarteten Verhaltensweise des Mündels auf Hilfe von außen hofft. Doch woher soll diese Hilfe denn kommen? Welcher andere Erwachsene hat denn das Wissen über sich selbst und seine Entwicklung, seine Psyche und den Verstand, die Gedanken und das Bewusstsein, dass er in der Lage wäre diese Prozesse nachvollziehen zu können, die zu einem „abweichenden Verhalten“ führen? Wenn dieses Verständnis in der Wissenschaft gelehrt werden würde wäre es ohnehin zu spät, ganz davon abgesehen dass nur ein intensives und diszipliniertes Selbst-Studium zu einem Fortschritt der Erkenntnis über diese menschlichen Entwicklungsprozesse führen kann und dieses Studium im Grunde ein ganzes Leben dauert. Schon im frühen Kindesalter müssten der Umgang mit den eigenen Emotionen, sie zu verstehen und zu beobachten, ihr Zustandekommen und vor allem auch die eigene Situation im Leben und in der Welt dem Kind so nahegebracht werden, dass es die Werkzeuge besitzt sich selbst verstehen und kennenlernen zu können. Denn nur so würde sich ein Selbst-Bewusstsein entwickeln, das unabhängig von Beurteilungen und Bewertungen von außen ist, das auf der Basis einer Gleichheit und Einheit als ein Leben unter vielen Leben verstanden und eben auch gelebt wird und welches ein resigniertes Schulterzucken angesichts der Probleme eigener Verantwortlichkeitsbereiche absurd machen würde.

Erst so können wir unseren Kindern tatsächlich ein Vorbild sein und erst so werden wir die Verantwortung übernehmen und ihnen den Weg in ein Leben bereiten können, das allen dieselbe Würde und die gleichen Voraussetzungen der Grundversorgung sowie eine angstfreie Entfaltungsprognose bieten kann. 
Doch das kann eben nur unter Einbeziehung der Eigeninitiative eines jeden Einzelnen geschehen indem wir unsere Verantwortlichkeiten anerkennen und sie aktiv übernehmen und die fatalistisch selbstsüchtige Angststarre eines selbstverlorenen Persönlichkeitsbildes aufgeben.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Tag 189 - Was mache ich hier und wie bin ich dahin gekommen?




















Was mache ich hier und wie bin ich hier her gekommen?

(bzw.: Was ich hier mache und wie ich dahin gekommen bin)

Es ist nicht so, dass ich mich von der Verantwortung lossagen möchte mit dieser Frage. Im Gegenteil. Meine Intention ist es, dieser Frage auf den Grund zu gehen, und zwar gerade im Hinblick auf meine ganz persönlichen und eigenen Handlungen und Entscheidungen.


Die Momentaufnahme (10 Selbsturteile):




1. Ich bin zutiefst enttäuscht von mir selbst.

2. Ich habe große Schwierigkeiten mich selbst zu definieren.

3. Ich habe ein starkes Verlangen nach Veränderung.

4. Ich kann diese Veränderung nicht beschreiben, ich weiß weder wohin ich will, noch was ich  
    dafür tun kann etwas zu verändern.

5. Ich empfinde mich selbst als unzulänglich in fast allen Bereichen.

6. Ich habe starke Schuldgefühle, weil ich das Potential und die Ressourcen die mir zur
    Verfügung stehen nicht nutze.

7. Ich habe keine Schwierigkeiten mich als Versager zu definieren.

8. Das Leben das ich führe kommt mir fremd und aufgezwungen vor.

9. Ich verstehe mich selbst nicht, bzw. vermeide es, mich selbst wirklich aufrichtig zu 
    hinterfragen.

10. Ich stecke fest.
 



Auslegung:

1. Die Enttäuschung im Sinne der Definition des Wortes als eine Wegnahme einer Täuschung hängt mit der Selbsttäuschung zusammen, die ich über mich und von mir selbst gestaltet und aufrechterhalten habe. Ich habe ein diffuses, schwer fassbares, von Emotionen geprägtes Bild von mir selbst. Ich sehe mich als einen Menschen mit einer bewegten Vergangenheit, die vornehmlich von einer Aneinanderreihung von Fehlschlägen und mittleren Katastrophen bestimmt zu sein scheint. Ich habe immer wieder Wege beschritten und diese wieder vorzeitig verlassen, habe keine Kontinuität  und keinen Biss, keinen Ehrgeiz bewiesen. Ich habe keine Erfolge vorzuweisen, keine Leistungen erbracht die mich in irgendeiner Weise nach offiziellen Maßstäben auszeichnen würden.  Bei alledem habe ich aber von mir selbst die Überzeugung getragen, dass ich durchaus in der Lage gewesen wäre und bin, diese Leistungen zu erbringen. Warum und weshalb ich das dennoch nie zu meiner Zufriedenheit geschafft habe war mir nie wirklich klar, und ich habe über viele Jahre hinweg die Verantwortung dafür im Verhalten anderer gesucht und die Umstände meines Lebens beschuldigt. Heute weiß ich, dass ich in der Lage bin vieles zu schaffen, dass ich mir selbst im Weg gestanden habe weil ich mir selbst nicht vertraut und mir selbst nie wirklich etwas zugetraut hatte und weil ich die Disziplin nicht aufbringen wollte durchzuhalten. Ich habe mich immer verleiten lassen den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und dabei immer zur Rechtfertigung ein Gefühl und eine Vorstellung herangezogen die in etwa so lautet: Ich habe so viel Pech gehabt und mir wurde so viel vorenthalten, anderen geht es viel besser und sie haben es leichter. Deshalb steht es mir zu, jede Möglichkeit des persönlichen Vorteils, jede Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung zu ergreifen ohne mich dabei um meine Verantwortlichkeiten und die Folgen dieses kurzsichtigen Handelns kümmern zu müssen.

Eine Urteilsfreie Betrachtung dieser Selbstrechtfertigung deckt folgendes auf:
Wenn es so ist, dass andere Menschen ein „besseres“ Leben und es allgemein leichter haben, dann gibt es mir das Recht, meiner Verantwortung für mein Leben so wie es ist den Rücken zuzukehren und mich mit diesen Menschen zu messen, indem ich mir nehme was ich an Komfort, Bequemlichkeit und Befriedigung bekommen kann. Den Vergleich mit den „anderen“ Menschen und ihrem Leben ziehe ich dabei auf der Grundlage meiner Vermutungen und Interpretationen ihres Alltags und diese richten sich von mir unbemerkt ausschließlich nach dem Konzept meiner eigenen Selbstrechtfertigung. Diese Interpretationen werden  also meine ganz persönlichen Vorlieben, Wünsche und Bedürfnisse in die Leben dieser Menschen hineinprojizieren. Die Wirklichkeit der Lebenssituation und die Systemischen Bedingungen der Lebenswelt machen es für mich aber unmöglich, dieselben Möglichkeiten die anderen Menschen zur Verfügung stehen für mich zu nutzen. Ganz banal was die finanziellen Mittel angeht, beispielsweise. Daher werden meine Mittel zur Bedürfnisbefriedigung nur Ersatzmittel sein. Letztlich bedingt die soziale Situation eines auf der Basis von Neid und Trotz geführten Lebens ohne klare Zieldefinition und Prinzipien, dass diese Ersatz-Befriedigungen die eigene Situation noch verschlechtern, oder gar die eigene Gesundheit gefährden. Ganz davon abgesehen, wie diese Menschen in ihre Situation gekommen sind, in der sie es angeblich „besser“ haben als ich, wird mein Leben auf dieser Ebene von meinen Imaginationen und meinem Wahn bestimmt. Dieser kann verschiedenste Formen annehmen, er kann in Hass ausarten, er kann mich zu einem Süchtigen von bestimmten Substanzen werden lassen, die mir scheinbar Ersatzbefriedigung verschaffen, er kann rein auf die sozialen Statussymbole ausgelegt sein so dass ich diese zu erlangen versuche ohne wirklich hinter dem zu stehen, was sie repräsentieren, er kann auf die emotionale Ebene eines „besseren“ Lebens ausgerichtet sein, so dass ich immer wieder nach den Momenten suche, die mir eine solche Emotion verschaffen so wie ich sie mir in meinen Vorstellungen erwünsche, aber in jedem Fall ist er Selbstzerstörerisch, weil er die eigene Verantwortlichkeit, vor allem auch für die realen Konsequenzen solchen Verhaltens zu ignorieren versucht.

Diese Wahnhafte Flucht vor der Eigenverantwortung lässt alle Vernunft und alle verstandesmäßigen Möglichkeiten einer Selbstreflexion in Anbetracht und Analyse der realen Lebensumstände von vornherein außer Acht. Es ist ein vornehmlich mental konstruiertes Lebenskonzept das einer Ideologie entspricht die der reine Selbstzweck ist. Dabei werden die tatsächlichen Bedingungen nur insoweit beachtet, als sie der persönlichen Bedürfnisbefriedigung des mentalen Konstruktes der Ego-Persönlichkeit von Nutzen sind. Alle andere Gegebenheiten menschlicher Fähigkeit, die Subsumtion der Konsequenzen des eigenen strategischen Handelns, die Wahrnehmung des eigenen Selbst als die Person in einer tatsächlichen Situation,  die Möglichkeit der Selbstbestimmung und der Selbstdisziplin zielgerichteten Handelns, werden bewusst ignoriert. Es wird also eine Selbst-Täuschung aufgebaut, weil sie der Selbst-Sucht der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung gelegen kommt. Der freiwillige Verzicht auf einen Teil der eigenen Fähigkeiten aufgrund egoistischer Motive entlarvt einerseits die selbstzerstörerische Natur des eigens aufgebauten Egos und andererseits die Eigenverantwortung für die eigene, tatsächliche Lebenssituation, vor allem aber natürlich auch für die universalen Konsequenzen des selbstsüchtigen Handelns. Davon abgesehen schwelt im Hintergrund des Bewusstseins das Wissen um die Sinnlosigkeit dieses Selbstbetrugs und die Wahrheit über die Wertlosigkeit dieser künstlichen Strukturen für das eigene Selbst. Das Schuldgefühl ist also zumindest in Teilen offensichtlich in dem Wissen um den alltäglichen Selbstbetrug begründet. Die Enttäuschung ist eine logische Konsequenz eines anhaltenden Versuchs der Aufrechterhaltung schwankender, unsteter und substanzloser Strukturen die in der Begrenztheit der mentalen Fähigkeiten begründet ist. Ein gedankliches Konstrukt kann nur so lange bestehen und wachsen, sich verändern und entwickeln, wie das eigene Bewusstsein in der Lage ist sich zu erinnern, Bezüge wieder herzustellen und die Vielseitigkeit und Vielfältigkeit der realen Umstände in das enge Konzept der Selbstsucht einzufügen. 

Aus der Ent-Täuschung resultiert die Hilflosigkeit die die Schwierigkeiten der Selbstdefinierung  darstellt. Die (vor)getäuschte Identität hat versagt, sie konnte nicht aufrechterhalten werden, was bleibt ist ein unbekanntes Selbst, eine Unsicherheit, etwas scheinbar Fremdes. Die Reaktion ist in natürlicher Weise mit Ängsten verbunden. Diese Ängste werden verstärkt und gerechtfertigt durch das Verlangen nach Geborgenheit im „Gewohnten“. Doch dieses Gewohnte ist bereits als Täuschung entlarvt, bietet also auch keinen scheinbaren Schutz mehr. 

Ein Verlangen nach Veränderung das auf dieser Basis der Verängstigung und der gefühlte Leere und einem empfundenen Verlust beruht kann dann dazu führen, dass diese Veränderung in einem ähnlichen Konzept wie dem ursprünglichen gesucht wird. Man versucht, ein neues Gebilde der Selbsttäuschung aufzubauen, indem man das ursprüngliche einfach nur verändert. Man kann dadurch beispielsweise neue Feindbilder schaffen, die Schuld für das eigene Versagen nun anderen zuschreiben, sich einen neuen Lebensweg suchen, neuen Systemen oder Ideologien folgen ohne sich dabei auch nur einen Deut besser zu verstehen. Tatsächlich macht man immer wieder diesen Fehler sich ein neues Weltbild zu erschaffen, nur um sich selbst den Blick auf die eigene Verbundenheit und die eigene Verantwortung sowohl für sich selbst, sein eigenes Leben als auch die Umstände in denen es sich befindet zu verstellen. Ein auf und Ab, neue Bilder, neue Reize, neue Ziele sorgen für ein Gefühl der Erregung, eine Leidenschaftlichkeit die rein emotional ist und dem Ego als Futter dient, nicht aber dem eigentlichen Leben das man führt als Basis. Daher kommt derselbe Moment der Enttäuschung fast zwangsläufig und verstärkt noch das Gefühl des Versagens, der Nutzlosigkeit und der Sinnlosigkeit eines jeden Unterfangens. Wie auch immer, wann auch immer dieser Moment kommt -und bei manchen mag er niemals kommen, weil ihre Konzepte der Selbsttäuschung gepaart mit privilegierter Stellung im System so gestärkt und clever ausgearbeitet sind, dass sie ein Leben lang anhalten können- er bietet einem die Chance sich selbst zu finden und sich daraufhin zu verstehen, sich selbst kennen zu lernen und einzusehen, dass nur das Selbst-Bewusstsein das die Eigenverantwortung in Einheit und Gleichheit mit allem anderen Wahrhaftigkeit besitzt und einen substanziellen Boden für die eigene Sinnentfaltung bieten kann. Nur das Bewusstsein für die Wirklichkeit der eigenen Beteiligung an allem und die Möglichkeit des eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Einflusses anerkennt die Fähigkeiten und das gesamte Potential eines menschlichen Lebens. Das ist dann der Weg wirklicher Veränderung, der grundlegenden Veränderung des eigenen Selbst und der Natur der Selbst-Täuschung des Bewusstseins.

Wieder ist es die eigene Verantwortung diesen Moment der Enttäuschung und der Frustration, das Verlangen nach Veränderung zu nutzen und sich den Ängsten vor der Einsicht in das unbeachtete wahre Selbst zu stellen. Wenn man sich eingesteht was man geworden ist, in vollem Umfang und sei die Einsicht auch noch so schmerzhaft, kann man sich eben auch wahrhaft und aufrichtig ändern. Etwas, das ich nicht kenne oder kennen will kann ich nur ignorieren, unterdrücken oder gewaltsam beiseiteschieben. Aber all diese Maßnahmen beseitigen nicht das Problem, sondern schaffen nur neue Schwierigkeiten, da sich die ursächlichen Unsicherheiten und die Schuldgefühle  an allen Schwachstellen der künstlichen Persönlichkeit Freiraum verschaffen werden. 

Dies führt zu einem permanenten Kampf, zu einer immer wiederkehrenden Situation der Unterdrückung oder Bekämpfung eben der Unsicherheit, die aus dem verdeckten Wissen um die Unaufrichtigkeit mir selbst gegenüber herrührt und darauf hinweist, dass ich mich in meiner künstlichen Ummantelung nicht sicher fühlen sollte. Alle Anstrengung sich auf diesem Fundament gedanklicher Konzepte zu bewegen und zu bewähren ist letztlich vergebens und wird auf die eine oder andere Weise scheitern müssen, weil eben die Basis eine reine Einbildung ist. Die Prämisse ist fehlerhaft. Das führt natürlich zwangsläufig zu immer weiteren Unsicherheiten und dem Gefühl der persönlichen Unzulänglichkeit für die wiederum Verantwortliche Umstände gefunden werden müssen, um der Annahme der eigenen Fehlbeurteilungen zu entgehen und die selbstehrliche Selbstanalyse zu vermeiden.

Wenn aber die Suche nach Verantwortlichen Umständen und/oder Personen nicht mehr ausreicht um die emotionale Selbstbewertung durchzusetzen und wenigstens temporäre Beruhigung oder das Gefühl einer Sicherheit zu erlangen, dann kann sich das anklagende Konstrukt gedanklicher Rechtfertigung auch gegen dich selbst richten, genauer gesagt gegen die Person/Persönlichkeit die man eben zu sein glaubt und zu der man sich gemacht hat. Denn in dieser Vorgehensweise bietet sich die Möglichkeit einer Kapitulation vor dem Mechanismus der Selbstverurteilung indem man sich als Versager oder als unfähige Person wahrnimmt und endgültig akzeptiert. Darin liegt eine scheinbar dauerhafte Befriedigung oder Befriedung die natürlich nicht wirklich ist. Es scheint eine Flucht nach vorn zu sein bei der man die ohnehin aus dem eigenen Verhalten resultierenden Konsequenzen bereits vor dem Eintritt als Notwendigkeiten voraussetzt und somit dem eigenen Verhalten eine Sicherheit gibt die mit einem freiwilligen Sturz in unbekannte Tiefen vergleichbar ist. Man versucht gar nicht erst mehr, überhaupt etwas Sinnvolles zu verwirklichen, man schreibt den Erfolg jeder Handlung von vornherein ab und bildet sich ein, nicht mehr selbst verantwortlich zu sein. Allerdings hat man lediglich das verantwortungslose Verhalten bewusst als einen Teil der eigenen Natur akzeptiert und bleibt natürlich umso offensichtlicher (sollte man meinen) verantwortlich für die Konsequenzen des eigenen Handelns und der persönlichen Entscheidungen.

In dieser fatalistischen Akzeptanz einer selbst gewählten „Versager-Persönlichkeit“ lebt man ebenso wenig selbstbestimmt und gibt sich freiwillig in die Hände dieses mentalen Konstrukts. Immer dann, wenn das Verlangen nach Selbstbestimmung und nach der freien Entfaltung eines eigenverantwortlichen Selbst an die Oberfläche tritt und sich in der Unzufriedenheit mit dem Verlauf des eigenen Lebens zeigt, wirkt dieser Zustand als fremdbestimmt und aufgezwungen, was er ja auch ist. Allerdings, und hier beißt sich die Katze in den Schwanz, von dir selbst. Die eigene Ergebenheit gegenüber der Person/Natur die man sich selbst zugewiesen hat ist die eigene Entscheidung und die eigene Verantwortung, doch will und kann man das sich selbst natürlich nicht eingestehen, denn das würde das gesamte System des permanenten Selbstbetruges aus den Angeln heben und unwirksam machen, so dass man wieder vor der Fremdartigkeit und dem Unbekannten des eigenen Selbst in Einheit und Gleichheit, in universaler Verantwortlichkeit stehen würde. Davor aber hat man die größte Angst, der Grund warum man überhaupt diese Anstrengungen sich selbst derart zu blenden auf sich genommen hat. 

Alle Konsequenzen die aus einer verantwortlichen Annahme der eigenen Person als Schöpfung der persönlichen Zustimmungen und Bewertungen resultieren würden stehen im totalen Gegensatz zu der kurzsichtigen Sucht nach Bedürfnisbefriedigung und persönlichem Vorteil in permanenter Suche nach energetischer Aufladung die das Ego als reines Gedankenkonstrukt benötigt um sich durch emotionale Reibung, durch das Erleben von Gefühlsmomenten der Auf- und Entladung immer wieder seiner eigenen Existenz zu versichern. Diese bleibt dabei immer nur ein temporärer Annahmefaktor, eine Einbildung die in ihrer Art, in ihrem Zustand und ihrer Konsequenz immer variiert und nicht verlässlich, vertrauenswürdig oder zuverlässig sein kann. Die Einsicht in die Einheit und die Verantwortlichkeit für das Leben im Ganzen bedeutet auch zu akzeptieren, dass die Welt so wie wir sie alle mitgestaltet und getragen haben neu geordnet werden muss und dass dieser Prozess der Umkehr notwendigerweise ein langwieriger und schwieriger Weg ist, der die Selbstdisziplin und das Verantwortungsbewusstsein eines jeden abverlangt. Notwendig und unerlässlich aber ist dieser Weg, wenn wir tatsächlich als Menschen in Würde und zusammen leben wollen, so dass wir unser Potential gemeinsam entfalten können, entsprechend unserer tatsächlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Aller Wahn und Glaube kann den Verrat am Leben selbst den wir Menschen begehen und begangen haben nicht verdecken oder ungeschehen machen, und rechtfertigen schon gar nicht. Denn was sind Wahn und Glaube oder aber der Fatalismus anderes als die freiwillige Ignoranz gegenüber der Wirklichkeit, der Wirklichkeit der Welt die wir gestaltet und akzeptiert haben, und der Wirklichkeit unserer tatsächlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten als Menschen? Dieses Verhalten, das ziemlich exakt das der Menschen überall auf der Welt, in den Systemen und den politischen Strukturen beschreibt, ist nicht nur ein einfacher Verrat am Leben selbst, es ist auch noch ein unvergleichlich feiger Verrat. 

Ich stecke fest – das beschreibt eben genau den Zustand der sich durch den Kreislauf immer wiederkehrender Ent-Täuschungen und erneuter Selbstaufgabe durch das Schaffen neuer gedanklicher Rechtfertigungen und imaginärer Persönlichkeitsmerkmale bei gleichzeitigem Wissen um die Wirklichkeit der Angst vor sich selbst und der eigenen Verantwortung ergibt.
Dabei ergeben sich in jedem Moment der Ent-Täuschung Möglichkeiten den Kreislauf zu durchbrechen und einmal den Weg direkt in die Angst zu gehen und sich ihr – und damit sich selbst – zu stellen. 

Auch diese Entscheidung obliegt allein der Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen. 

Tatsächlich ist also die Frage „Was mache ich hier und wie bin ich hier her gekommen?“ nur an sich selbst zu stellen, da sie ausschließlich von dir selbst in aller Tiefe und in allen Details beantwortet werden kann. Man muss es aber auch wollen, man muss sich dieser Antwort stellen, weil sie keine einfache, schnelle Lösung bereithält, sondern in aller Regel zunächst eine schmerzhafte, peinigende Erkenntnis, nämlich die der Lebenslüge auf deren Basis man sein bisheriges Leben geführt und seine Entscheidungen getroffen hat. Es ist also nicht überraschend, dass vor allem diejenigen Menschen die sich soweit zum Opfer der Systeme gemacht haben, dass ihnen alles zu entgleiten droht, die sich existenziell und in ihrer Identität extrem bedroht fühlen die Entscheidung zur Selbstbefreiung von der eigenen Lüge treffen und bereit sind, sich dieser enormen Angst zu stellen. Denn sie haben bereits viel ertragen und sich selbst leiden lassen. Ein Mensch der sich noch in der rosaroten Wolke des Komforts eines räuberischen Systems und der parasitären Gesinnung befindet wird sich zunächst kaum davon befreien wollen, bis er bemerkt dass die rosarote Färbung seiner Wolke vom Blut des Lebens vieler anderer herrührt und es ihm klar wird, dass er eins mit ihnen ist und der Unterschied der Wertigkeiten reine Einbildung ist.

Fortsetzung vorgesehen.
 

Sonntag, 14. Dezember 2014

Tag 188 - Wut und Zorn, Definitionen und Ursachen

















- Was ist Wut, was ist Zorn und woher stammt diese Energie? Wir sind in der unreflektierten Handlung in emotionalem Zustand menschliche Maschinen die sich selbst nicht verstehen und lenken. Unsere Persönlichkeit, unsere Selbstwahrnehmung stützt sich auf Interpretationen innerer Gemütszustände und wir leben diese aus, lassen sie zu als wären sie natürlich gegebene Werkzeuge. Der Zustand selbst, die Emotion selbst, ist Teil unseres Seins. Die Ursachen und Wirkungen aber sind unsere eigenen, ganz persönlichen Kreationen. Wenn wir glauben, dass alles was Wut in uns auslöst einfach durch die Annahme, dass der Zustand des „Wütend-Seins“ ein natürlicher Zustand unseres Seins wäre die Reaktionen und wütenden Handlungen rechtfertige, dann sind wir nichts weiter als irre-geleitete Biomaschinen ohne Sinn und Verstand.  Wir sind dann einfach zu lenken, zu manipulieren und wir verpulvern unser fruchtbares Potential als Menschen, das uns dazu befähigen sollte konstruktiv und im Sinne des allgemeinen Lebens Probleme zu lösen durch zerstörerische, sinnfreie Gewalthandlungen deren Konsequenzen auf uns alle zurückfallen, auf die welche Ziele unserer Emo-Reaktionen sind, die welche einfach nur zusehen wie auch auf die emotional Handelnden selbst. Die Energie die wir in wütendem Zustand spüren und nur zu gerne herauslassen würden, während unsere eingebildete Geschichte des Selbst uns zu einer Heldenfigur eines wahnhaften Märchens stilisiert, ist das Potential das durch disziplinierte, selbst-ehrliche Reflexion und eine  verantwortungsbewusste Haltung die eines Menschen mit dieser Befähigung würdig wäre, die Ursachen und die Folgen des eigentlichen Problems zum Wohle aller, also eben auch zu dem eigenen,  ein für alle Mal ausräumen könnte. Doch im Zustand des hoch-emotionalen Egoismus ist die Lösung nebensächlich und im Grunde gar nicht gewollt. Daher dienen alle gesellschaftlichen und politischen Konflikte auf der Bühne der öffentlichen Medien lediglich dem Entertainment und der kurzweiligen Ereiferung im menschlichen Schattendasein der Unwürdigkeit.