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Freitag, 15. Juli 2016

Tag 210 - Und noch ein "Islam-Experte" (wo sind eigentlich die Mensch-Experten?)






Gerne wird in letzter Zeit dieser Artikel geteilt und er verspricht "unerwünschte Offenbarungen"... mal sehen...


Und wieder ein „Islam-Experte“ der unsere „Flüchtlingspolitik“ kritisiert und Öl ins Feuer der Angst gießen möchte. Interessant wie die Gelehrten dieser Generation es in ihrem Alter immer noch schaffen, auf einen so schnellen Zug aufzuspringen. 

Bassam Tibi, der Erfinder der „Leitkultur“, (oder sollte ich sagen ihr „Entdecker“?) der aufgrund seiner eigenen Herkunft Zugang zu Bildung, Geld und der Möglichkeit hatte zu reisen und auszuwandern, ist ein Musterbeispiel der „Draufseher“, ein „Beobachter“ aus der Elitenperspektive, und er spricht ganz im Sinne althergebrachter arroganter Glaubenssätze, dass die Worte der „gelehrten Herren“ ungefragt Gültigkeit zu besitzen haben. 

„Die unerwünschte Offenbarung eines Deutschen Syrers“ 
titelt dieser Beitrag von „Audiatur Online“ und verspricht erfahrungsbedingte Erkenntnisse. Allerdings bleiben diese weitestgehend aus, lediglich spekulative Behauptungen bleiben hängen und diese werden allein aufgrund seines Titels zu einer diffusen Hintergrundwahrheit, ein Gedankenfilter der die Realität an das verängstigte Weltbild vieler anzupassen gedacht ist. Dabei dient der gleich zu Beginn eingestreute Hinweis, Bassam Tibi sei Schüler Adornos gewesen als Ankerpunkt der Schlüssigkeit, denn es muss ja etwas dran sein, wenn er unter einem derart großen Namen gelernt hat. Nun, das ist natürlich auch so nicht haltbar, denn er hat unter anderem bei Adorno und Horkheimer studiert, was aber nicht heißt, dass er „sein Schüler“ war. Auch ich habe beispielsweise schon Vorlesungen des Prof. Dr. Gerald Hüther besucht, bin deshalb aber noch lange nicht „sein Schüler“ gewesen.

Seine Behauptungen in diesem Artikel sind also nicht mehr als das, hier wird nichts detailliert hergeleitet oder begründet, sondern einfach nur gesagt. Allein die erste Behauptung ist schlichtweg falsch, wenn er sagt in Deutschland gäbe es nur Extreme, und „die Deutschen“ würden zwischen ihnen „pendeln“, als seien sie ein Volk ohne eigene Meinung, das sich rein emotional steuern lässt. Den Eindruck kann man zwar gewinnen, wenn ich mich auch ebenfalls als Teil Deutschlands bezeichnen möchte und viele meine Bekannten und Freunde ebenfalls, und in keiner Weise lässt sich diese Ansicht an meiner Erfahrung bestätigen. Allein die hergestellte, medial produzierte und präsentierte „öffentliche Meinung“, die Projektion der Gesellschaft in Funk und Fernsehen stellt ein derartiges Bild dar und es ist eine Tragödie, dass wir als Gesellschaft tatsächlich in extrem hohem Maße in unserer Sichtweise von diesen Medien beeinflusst werden. Das ist allerdings kein rein deutsches Phänomen, sondern ein menschliches. So wie unsere „öffentliche Meinung“ vorgefertigt verkauft wird, wird dieses Medium natürlich in allen Ländern zur Manipulation benutzt, in denen die Bevölkerung freien Zugang zu ihnen hat. Nicht umsonst bringt jede Regierung große Anstrengungen auf, vor allem die Rundfunk- und Fernsehanstalten unter ihre Kontrolle zu bringen, und selbst in den ärmsten Ländern wird darauf geachtet, dass annähernd jeder Zugang zu den Endgeräten hat. Umso erstaunlicher, dass der Kritiker dieses angeblichen Schwarz/Weiß Denkens selbst nicht differenzieren möchte und sich in eine Reihe mit den generalisierenden Anklägern stellt. Da können von mir aus zehn Doktortitel vor seinem Namen stehen, deren Bedeutung für seine Aussagen in diesem Zusammenhang sind gleich null.  Er sagt es selbst: er fällt ein Urteil über „die Deutschen“, ebenso wie über „die Araber“, und beruft sich dabei auf seine persönliche Erfahrung. Das ist natürlich an Anmaßung nicht zu übertreffen und vollkommen uninteressant für eine Lösungsorientierte Herangehensweise an Problematiken, die im Grunde alle Menschen betreffen. Aber hier kommt eben dieser bereits angesprochene, imaginäre Obrigkeitsanspruch einer Generation „gelehrter Herren“ zum Vorschein. Da hilft es auch nicht weiter, dass er sich hinter großen Namen und Zitaten versteckt, bzw. versucht durch auswendig gelerntes Eindruck zu schinden. 

Es ist in dem gesamten Artikel, wie übrigens in vielen „Gelehrtenmeinungen“ zur aktuellen Situation, nicht ein Ansatz zu erkennen, wie die Problematik entstanden sein könnte, bzw. welche Wege diese Problemgrundlagen beseitigen würden Es ist ein fatalistischer Grundsatz in solchen Kreisen, der von einer arroganten Selbstüberschätzung ausgeht, die das Ego zum Urteile fällenden Beobachter macht, weil es sich als fähiger ansieht als alle anderen Menschen. Tatsache ist, dass die Fähigkeit den Menschen und damit auch die Zusammenhänge der Reaktionen, des Verhaltens, der Ignoranz und des Egoismus zu verstehen jedem Einzelnen zugänglich ist, nämlich in der selbstehrlichen Selbstschau. Doch dieser Ansatz grenzt vor allem in sogenannten Gelehrten Kreisen an Blasphemie und wird entweder verunglimpft oder eben durch Ausschluss mit aller Härte bekämpft.  Wie auch immer, der Schein einer Expertenmeinung mit Offenbarungscharakter der im Titel laut angekündigt wird, verblasst bereits nach dem aufmerksamen Lesen des ersten Absatzes. 

Nun, ich gehe nicht davon aus, dass dieser Artikel das tatsächliche Potential des Herrn Tibi auch nur annähernd wiedergibt, jedoch lässt er sich (wahrscheinlich) aus Gründen der Selbstverliebtheit hier gerne vor den Karren spannen, um das altbewährte mediale Spiel des „divide & conquer“ Publikumswirksam weiter voranzutreiben. Dafür ist sich ja auch sonst kaum jemand zu schade. Schade ist nur, dass wir gerade auch durch solche Artikel genau diejenigen gesellschaftlichen Charakteristiken verstärken und ausprägen, die Herr Tibi hier zu kritisieren meint.

Zu den „störenden Flüchtlingen“ in der Göttinger Innenstadt, von denen Herr Tibi hier spricht:
Ich kenne Göttingen sehr gut, habe lange dort gelebt und ich kenne auch die elitäre Bildungs- und Öko- Schickeria, die dort immer noch den Anspruch erhebt, die Innenstadt zu „besitzen“ und schon seit ewigen Jahren Festlichkeiten und Veranstaltungen boykottiert, weil sie sich in ihrem ruhigen Altstadtleben gestört fühlt. Dass diese sich nun auch durch „Flüchtlinge“, also durch noch mehr Menschen noch erheblicher gestört fühlen ist wenig verwunderlich und kann diesen wohl kaum allein zum Vorwurf gemacht werden, ist aber vor allen Dingen kein Maßstab. Noch dazu, dass Göttingen eine Universitäts- und Studentenstadt ist, sich ziemlich etwas auf diese Universität einbildet (Elite-Uni…) und mit dieser Doppelmoral einerseits jung und lebendig wirken zu wollen, aber andererseits durch einen konservativen Geldadel ständig getadelt zu werden schon seit je her zu kämpfen hat.

Wie dem auch sei, ich lasse mich selbstverständlich nicht mit in die Urteile des Herrn Tibi einbeziehen, weder wenn er über „die Deutschen“ noch wenn er über „die Araber“ und deren antisemitische Kultur spricht. Schon gar nicht, und da sehe ich mich persönlich als tragender Teil einer Deutschen Kultur, übernehme, borge oder assimiliere ich eine Sichtweise eines anderen, und vor allem dann nicht, wenn dieser jemand sich auf Grund seiner Graduierung zur Urteilsfällung berufen fühlt. Ich kultiviere Deutschtum dadurch, dass ich meinen Verstand, mein Wissen und meine Fähigkeiten der Ursachenfindung eigenständig und möglichst unbeeinflusst schule, mich nicht in einem Urteil schlussfolgernd festlege und immer möglichst die eigene Beteiligung und vor allem auch die möglichen Konsequenzen meines Wirkens langfristig mit einbeziehe. Darin sehe ich die Verantwortung des Menschen an sich, die Verantwortung gegenüber dem leben, unseren Kindern und deren zukünftiger Lebenswelt.

~ BeastIan

Donnerstag, 14. Juli 2016

Tag 209 - 'Kings & Queens' - Wahre Herrschaft #1





„Leben wie ein König“ / "Leben wie die Könige"

Eine weit verbreitete Aussage, meist im Zusammenhang mit der Vorstellung eines Lebens im Überfluss, in zurücklehnender Bequemlichkeit oder überschwänglicher Konsumgier. Doch was steckt wirklich hinter dem Wunsch zu „herrschen“, Macht zu besitzen und zu bestimmen? Es ist der Wunsch die Zügel für das eigene Leben, die eigenen Geschicke tatsächlich wieder in den Händen zu halten. Sich selbstbestimmt zu entwickeln und im Leben zu bewegen. Da wir das völlig verlernt haben, da wir in unserem Selbstwert durch die Verlagerung desselben in imaginäre Images und konsumabhängige Waren zutiefst verunsichert sind, halten wir Herrschen für etwas, das andere über uns tun, oder aber das wir über andere tun müssten. Dieser pervertierte Gedanke der Machtausübung ist eines der größten Hemmnisse tatsächlicher Entwicklung und eine Sabotage des menschlichen Potentials. Herrschen, Be-herrschen und alleinige Macht gibt es nur über dich, bzw. dein Selbst. Und genau da beginnt der Königsweg.

Leben wie die Könige bedeute eben nicht, wie es seit jeher in den Büchern und Geschichten, bzw. den Geschichtsbüchern beschrieben wird ein Leben in Völlerei und habgieriger Grausamkeit. Es bedeute auch nicht Ein König als Herrscher über das Volk, nicht Despot, Monarch oder Diktator. Ein Leben wie die Könige gibt es nur unter Königen und Königinnen, unter gleichgestellten Herrschern. Wie soll man die Gesellschaft derer genießen die man in wahnkranker Selbstverliebtheit missachtet? Die Perfektionierung gestalterischer Herrschaft muss Gleichstellung anstreben, einen Ausgleich und eine gemeinschaftliche Anstrengung. Der Drang selbst zu herrschen und die Geschicke zu bestimmen, als ein einzelner Teil vom Ganzen, kann nur sabotierende Wirkung auf die Möglichkeiten der potentiellen, eigenverantwortlich getragenen Entwicklung einer Gesellschaft oder Gemeinschaft haben. Ganz davon abgesehen, dass eine solche Position allein durch gewaltsame, räuberische Unterdrückung und Ausbeutung errichtet und gehalten werden kann.

Die eigentliche Macht als Mensch richtet sich letztendlich immer auf dich selbst und mündet konsequent in das Leben eines Verantwortung tragenden, in sich selbst ruhenden Menschen, der sich nicht beherrschen lässt und über nichts anderes herrschen will als sein eigenes Selbst. Und wer sich der eigene König und die eigene Königin ist achtet, ehrt und respektiert sich selbst ausschließlich angesichts seiner Taten, worin sie gründen und wohin sie führen. Darin ist er unantastbar, weder zu verurteilen noch sich selbst verurteilend, unbestechlich und sicher. Einen sich selbst bestimmenden, lenkenden und beobachtenden Menschen kann man nur in seiner eigenen Sprache, mit gleichgestellten Mitteln derart beeindrucken, dass er beeinflusst, bzw. bereichert wird. Und dieser Eindruck kann nur gelebt vermittelt werden, als das Beispiel, das hier und jetzt der Fall ist.
Seine eigene Natur in dieser Weise zu schulen, zu kultivieren,  an die Prinzipien des tatsächlichen Lebens und all seiner bedingten Abhängigkeiten anzugleichen und die eingeschlagenen Wege an den Prinzipien der einheitlichen Entwicklung eines Ganzen zum Wohl aller auszurichten, das ist die schöpferische Kraft die das gesamte Potential des Menschen abverlangt und ihn wahrhaft lebendig und stark macht. Es gibt nichts erbärmlicheres als einen Sklaven seines fremdbestimmt emotionalen Körpers und jeder Versuch der Rechtfertigung solch reaktionärer Bequemlichkeitsmuster verlagert die eigene Existent mehr und mehr in die imaginäre Welt der Gedanken, während die körperliche Existenz zu einem Instrument des Systems verkümmert.

Ein Volk von Königen und Königinnen, das ist das zivilisatorische Ziel, das dem Menschen und seinem Potential würdig ist. Was wir bisher verfolgt haben und immer noch mit einem rückwärts gerichteten Blick in die Zukunft als unseren Weg akzeptieren ist das genaue Gegenteil davon. Es ist der krankhaft sehnsuchtsvolle Wunsch nach Führung, nach externalisierter Schuld und damit auch der Auslagerung jeder Eigenverantwortung, nach Regulation und gewaltsamer Ordnungserhaltung. Es ist ein in einem programmierten Identitätsverlust gründender Wunsch nach gefühlter Sicherheit, die wir im Grunde nur uns selbst geben können.
…
Man könnte das Ganze auch andersherum beschreiben, indem man sagt ein Leben wie die Könige kann es nur ohne Könige geben. Allerdings wirkt dieser Gedanke im derzeitigen Angst-Zustand, in einer vollkommen menschen- und lebensfeindlichen Weltordnung, einem heuchlerischen Wertesystem und der permanent angetriebenen Flucht vor dem Selbst und seiner Verantwortlichkeit vielmehr Angstverstärkend als einladend.
Richtiger wäre diese Herangehensweise dennoch, denn im Sinne einer Entwicklung gesellschaftlichen Zusammenlebens zum Vorteil aller kann das Herrschen nicht in der herkömmlichen Weise verstanden werden. Das Herrschen wird vielmehr zum Beherrschen im Sinne einer Fertigkeit, sowohl im Umgang mit sich selbst, als naturgegeben auch im Umgang mit den anderen. Dieses „sich selbst beherrschen“ lässt vor allem aber auch keine andere Einsicht zu, als dass das Verstehen seines eigenen Selbst immer in Abhängigkeit zu den anderen und in Interaktion mit ihnen stattfindet, ob rein gedanklich oder auch körperlich, (wobei das Erstere nur bedingt durch die Erfahrung des physischen Erfassens möglich ist), und dass sich genau darin alle gleichen. Anderenfalls wäre überhaupt keine Art der sinngebenden Verständigung möglich.

Es ist und muss jeder Versuch der persönlichen Ausgrenzung durch eine Annahme der eigenen Erhabenheit motiviert sein und ist damit ein gewaltsamer Akt zum Schaden des Ganzen, und damit natürlich auch zum Schaden des betreffenden Individuums selbst. Das öffentliche Jammern, das selbstmitleidige Fingerzeigen, ist ein heute allgegenwärtiges Symptom einer feigen Selbstaufgabe und des Versuches, sich in scheinlogischen, abstrakten Gedankenwelten eine neue, im Vergleich zur wahren Natur lächerlich anmutenden Lebens- und Identitätsgrundlage anzueignen. Ein billiger Ersatz ohne Gehalt, ohne solide Beständigkeit, Gedanken und Worte ohne jegliche Bedeutung. Daher sind alle Debatten, jede politische Wendung innerhalb dieser Strukturen lediglich Ablenkungen, Beschäftigung für den Verstand, damit er sich nicht selbst in seiner erbärmlichen, geduckten, beschnittenen Position erblickt, erkennt und traumatisiert.

Wo sind die Individualisten in unserer Welt? Woher nehmen sie ihre Meinungen, ihr Erscheinungsbild, ihre Werte des Anstands, der Moral und der Ethik? Sie übernehmen sie, sie akzeptieren vorgegebene Nischen, niemand stellt sich gegen den allgemeinen Strom. Im Gegenteil, sie suchen nach Mit-treibenden, um sich ihnen anzuschließen, sie möchten sich nicht selbst rechtfertigen, sondern kopieren zirkelschlüssige Argumentationsketten unter völliger Ignoranz ihrer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit. Angst, und aus Angst geborener Hass, projizierte Wut die durch den gerichteten Finger wie durch einen Blitzableiter auf Feindbilder gelenkt wird veranlassen sie zu permanenter Bestätigungssuche. Spaltung, Unsicherheit, ängstliche Verhaltenheit, Misstrauen und Missgunst sind das Ergebnis und sie schaffen so eine hervorragend lenkbare Masse, ein Volk nutzbar gemacht als Ressource eines alles verdauenden Konsumsystems.

Es gibt keine wahren Individuen mehr. Diese würden hervorstechen, nicht in ihrer Rücksichtslosigkeit, in ihrem zwanghaften Versuch zu glänzen, sich mit den geborgten Werten zu schmücken um falsche Anerkennung einzuheimsen. Sie würden durch ihr Brennen für das Leben, ihren hingebungsvollen Einsatz für die Bereicherung der Gemeinschaft leuchtend hervortreten. Sie würden sich vor sich selbst rechtfertigen können und vor jeder Anklage für sich selbst geradestehen. Sie würden ihre erlernten Fähigkeiten nicht verbergen, sie nicht mystifizieren um sich Vorteile zu verschaffen, sondern offen und vollkommen transparent ein Beispiel geben, wie jeder Einzelne sich selbst zum Leben verhelfen, sich selbst als gleichwertiger Teil einbringen und als solcher teilhaben kann. 

Wir leben als Sklaven unserer eigenen Schöpfung, mehr denn je. Und der einzige Grund ist der Unwille, uns unseren Ängsten zu stellen, anstatt sie zu verdrängen und irgendwelchen Machtapparaten und Institutionen imaginär die Verantwortung zu überlassen.

Freitag, 21. August 2015

Tag 207 - Morgenstimmung und Selbstzweifel - Ursachenfindung (Teil 2)




Teil 1 dieses Posts ist privat und kann auf Wunsch eingesehen werden.

 [...]

Mir ist im Laufe der Zeit, wenn ich mich dazu durchgerungen habe diese Situationen für mich noch einmal zu durchleben klar geworden, dass die eigentlichen Ängste die mich in einem solchen Moment überfallen mit den Persönlichkeiten zu tun haben, denen ich gegenüberstehe und die in diesen Momenten die Macht besitzen, mich zu beurteilen, und in dieser Weise meine Zukünftigen Wege mitzubestimmen. Es sind die Persönlichkeitsmuster die ich eben durch die Arbeit mit mir, meinem eigenen Selbst, meiner Charakterentwicklung kenne und die ich bereits in vielschichtiger Analyse als nicht vertrauenswürdig entlarvt habe. Diese Muster die eben Menschen dazu bringen ihre Macht zur egoistischen Selbstbehauptung zu missbrauchen, andere Menschen als minderwertig zu betrachten, ihr eigenes falsches Selbstbewusstsein an der gesellschaftlichen Position die sie innehaben aufzublasen. 

Das ist nicht als Vorwurf oder Beschuldigung gemeint. Es geht vielmehr darum für mich selbst klarzustellen wo und wie meine emotionalen Reaktionen von mir selbst zugelassen, erlaubt und kultiviert wurden und in welcher Weise sie mich selbst davon abhalten diese Muster zu durchbrechen um eigenständig und eigenverantwortlich solche emotionalen Schranken zu überwinden.

Ich erkenne und erahne solche Beweggründe und Verhaltensmuster in den anderen Menschen, in den Personen die mich beispielsweise prüfen und beurteilen sollen und erkenne dadurch ihre Unfähigkeit dies tatsächlich angemessen zu tun. Denn ich weiß, dass kein Mensch wirklich in der Lage ist einen anderen Menschen umfassend zu beurteilen. Bei dieser Prüfung geht es aber im mündlichen Teil eben auch genau darum, in künstlich erzeugten Situationen die soziale Fähigkeit eines Menschen zu beurteilen, sein erlerntes Wissen fachgerecht anzuwenden. Das ist aus meiner Sicht völlig unmöglich, also ist diese ganze Veranstaltung nicht mehr als ein Theaterspiel. Eigentlich, so sollte man meinen, ist es gerade deshalb auch kein Problem sich durch diese Prüfung zu bringen. Allerdings gibt es bei mir eben diese innere Angst davor, beurteilt zu werden. Im Grunde plagt und beeinflusst diese Angst mich schon mein ganzes Leben und ich lerne mehr und mehr zu erkennen, wie extrem man sich doch lenken lässt und wie wenig selbstbestimmt man lebt, wenn solche Gedanken- und Emotionsmuster unbehandelt und unbemerkt in einem wirken. Die Wurzeln dieser Unsicherheit liegen zu einem großen Teil in meinen Erfahrungen in meiner Familie während meiner Kindheit. Ich spreche nicht über extreme Erfahrungen, Misshandlungen oder Missbrauch, sondern über ganz einfache, fast banale Erlebnisse und emotionale Erfahrungen, die für mich persönlich vollkommen normal erschienen, die aber zu einer emotionalen und gedanklichen Entwicklung geführt haben, die mich in einem falschen Glauben, einer grundfalschen Annahme hat älter werden lassen, dass ich der Anerkennung und des positiven Feedbacks von außen, in dem Fall  im Besonderen meines Vaters bedarf um mich gut zu fühlen und mit mir selbst im Reinen und zufrieden zu sein. Es ist nicht ungewöhnlich in diesem Glauben aufzuwachsen, oftmals funktioniert das ja auch, eben genau so lange wie man einen oder mehrere Menschen im Leben findet, die einem genau dieses Gefühl der Anerkennung und Achtung regelmäßig und kontinuierlich vermitteln. Ob das Partner, Familienangehörige oder Freunde sind. Aber es resultiert eben kein wahrhaftiges Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aus einer solchen Gedanklichen und emotionalen Abhängigkeit heraus. Es ist immer ein gekünsteltes Konstrukt das von der unbewussten oder auch bewussten Angst des Verlustes dieser Beziehungen begleitet und geprägt wird. 

Dennoch, die Erkenntnis allein reicht offenbar nicht aus um sich von den Verstrickungen innerhalb der eigenen Persönlichkeitsmuster zu lösen. Man muss den einzelnen Strängen direkt auf den Grund gehen, sie dort lösen und entfernen. Die Verzweigungen in der Entwicklung, die einzelnen Knotenpunkte sind enorm vielschichtig und verzweigen sich wiederum in verschiedene Richtungen, es liegt also ein stetiger Prozess vor einem, bei dem man immer wieder auf Spuren einer Prägung/Programmierung stößt, deren grundlegende Routine man bereits an anderer Stelle, in einem anderen Bezugspunkt erkannt, bearbeitet und aufgelöst hat. 

Sich selbst derart aufzugeben, dass man das eigene Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl von den Gefühlsregungen und Bekundungen anderer Menschen, die ihrerseits in der Regel wiederum auf die Rückmeldungen und Äußerungen anderer diesbezüglich hoffen, abhängig zu machen ist eine aus Angst geborene Opferhaltung die uns einerseits anerzogen, andererseits aber von uns selbst auch gerne angenommen wird, weil sie eben die Verantwortung und die unabdingbare Konsequenz der eigenen Handlungsnot scheinbar und oberflächlich von unseren Schultern nimmt. Das ist bequem und macht mich zum Beobachter der Welt, zu einem Nutznießer der Taten anderer, zu einem Parasiten der lauert und abstaubt wann immer es etwas zu holen gibt. Das mag übertrieben klingen, allerdings ist der Grundcharakter des Menschen innerhalb dieser Systeme in denen wir nun fast ausnahmslos alle leben von dieser eher wenig würdevollen Attitüde geprägt. Das lässt sich an unzähligen Beispielen belegen und aufzeigen. Eines davon ist eben auch meine „Morgenstimmung“ …

Zunächst einmal ist diese Stimmung von einem Grundlegenden Gefühl der Sinnlosigkeit geprägt. Es ist die empfundene Sinnlosigkeit dessen, was mich ausmacht, was ich getan habe in meinem Leben und wo es mich hingebracht hat, und darüber hinaus die Sinnlosigkeit dessen, was vor mir liegt, was ich tun kann, muss oder sollte an diesem Tag und überhaupt. Alles erscheint mir in lächerlicher Weise gezwungen, verkrampft und überflüssig. Nichts ändert sich in meinen Augen an den Menschen, an mir selbst und an dem sinnlosen Elend und Leid das Menschen überall verbreiten. Was also sollte es nutzen, wenn ich für mich selbst und auch für meine Familie versuche innerhalb unserer Möglichkeiten ein „gutes“ Leben zu führen? Letztendlich ist es nur eine Blase die irgendwann platzen wird, oder wenn sie nicht platzt dann ist sie eben nur eine Illusion, eine durch Ignoranz und Einbildung getragene Idee eines „guten“ Lebens. Selbst jedwede Anstrengung sich und die eigene Natur zu verändern um als Beispiel die Veränderung der menschlichen Systeme zu leben ist dann in meinen Augen nur ein Tropfen auf dem glühend heißen Stein der zerstörerischen Mentalität der Kulturen und Völker, ein verschwindend kleines, mikroskopisch kleines Tröpfchen, ein Furz im Wind sozusagen.

Ich bemerke schon beim Schreiben, dass ich versuche bestimmte Begriffe zu vermeiden, beispielsweise wenn ich „gutes“ Leben schreibe und dabei „gutes“ in Anführungszeichen setze, so hat das den Grund, dass ich damit andeuten will, dass ich darunter etwas ganz bestimmtes verstehe, das etwas diffus und vielschichtig über meinem Bedeutungshorizont herumschwebt. Ich hatte zunächst „glückliches“ Leben im Sinn, doch ist das glückliche Leben etwas, das für mich mit Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen geladen ist. Denn ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass das was man als glücklich sein betrachtet keineswegs immer wirklich glücklich macht, zumal das Glück der Familien in unseren Systemen in aller Regel auf dem Unglück und dem Elend vieler anderer Menschen aufbaut. Weiterhin erscheint mir persönlich ein permanentes Glück wenig erstrebenswert, vielmehr ist Leben und lebendig sein etwas das in Reibung mit dem gesamten Leben, dem Umfeld und mit Unsicherheiten und Problembewältigungen einhergeht, ein brodelndes, kontinuierliches „Hier-Sein“ und ein aktives Teilnehmen am Geschehen. Das scheint so ziemlich das Gegenteil der individuellen Zielsetzungen in unserer Kultur zu sein. Vielmehr strebt man ein Konfliktarmes, eigenbrötlerisches, sorgenfreies und bequemes Leben an. Ein „gutes“ Leben hingegen stellt für mich die Optimierung des eigenen Potentials als Mensch dar, die einen dazu befähigt die eigene Existenz und das eigene Wirken für das Leben als Ganzes einzusetzen, sich in seinen Entscheidungen an den Konsequenzen zu orientieren die diese Handlungen für alle haben, das heißt bei seinen Überlegungen das Umfeld und die Interessen der anderen mit einzubeziehen. Und natürlich ist es notwendig, wenn man als Mensch sich selbst entfalten und seine eigenen Fähigkeiten entwickeln will, dass man sich dafür eine Basis schafft, die einem zumindest in existenziellen Fragen eine weitgehend sorgenfreie Grundlage bietet. Das ist notwendig, denn das System das wir alle gemeinsam im derzeitigen Zustand bilden und das unser aller Leben bestimmt baut auf dem Zwang auf, sich das Recht, bzw. die Möglichkeit zu leben erst verdienen zu müssen, und zwar nach ganz bestimmten Regeln des Finanzsystems. Geld bedeutet Leben und alles was dazugehört. Diese systemimmanenten Schranken und Strukturen erst einmal zu erkennen und sie zu verstehen ist eine Aufgabe die unabdingbar ist, wenn man die Intention hat etwas verändern zu wollen. Jeder andere Weg, jeder Versuch der Flucht oder des Ausstiegs ist eine Selbsttäuschung und ihre Motive sind Bequemlichkeit, Egoismus und Angst.