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Freitag, 15. Juli 2016

Tag 210 - Und noch ein "Islam-Experte" (wo sind eigentlich die Mensch-Experten?)






Gerne wird in letzter Zeit dieser Artikel geteilt und er verspricht "unerwünschte Offenbarungen"... mal sehen...


Und wieder ein „Islam-Experte“ der unsere „Flüchtlingspolitik“ kritisiert und Öl ins Feuer der Angst gießen möchte. Interessant wie die Gelehrten dieser Generation es in ihrem Alter immer noch schaffen, auf einen so schnellen Zug aufzuspringen. 

Bassam Tibi, der Erfinder der „Leitkultur“, (oder sollte ich sagen ihr „Entdecker“?) der aufgrund seiner eigenen Herkunft Zugang zu Bildung, Geld und der Möglichkeit hatte zu reisen und auszuwandern, ist ein Musterbeispiel der „Draufseher“, ein „Beobachter“ aus der Elitenperspektive, und er spricht ganz im Sinne althergebrachter arroganter Glaubenssätze, dass die Worte der „gelehrten Herren“ ungefragt Gültigkeit zu besitzen haben. 

„Die unerwünschte Offenbarung eines Deutschen Syrers“ 
titelt dieser Beitrag von „Audiatur Online“ und verspricht erfahrungsbedingte Erkenntnisse. Allerdings bleiben diese weitestgehend aus, lediglich spekulative Behauptungen bleiben hängen und diese werden allein aufgrund seines Titels zu einer diffusen Hintergrundwahrheit, ein Gedankenfilter der die Realität an das verängstigte Weltbild vieler anzupassen gedacht ist. Dabei dient der gleich zu Beginn eingestreute Hinweis, Bassam Tibi sei Schüler Adornos gewesen als Ankerpunkt der Schlüssigkeit, denn es muss ja etwas dran sein, wenn er unter einem derart großen Namen gelernt hat. Nun, das ist natürlich auch so nicht haltbar, denn er hat unter anderem bei Adorno und Horkheimer studiert, was aber nicht heißt, dass er „sein Schüler“ war. Auch ich habe beispielsweise schon Vorlesungen des Prof. Dr. Gerald Hüther besucht, bin deshalb aber noch lange nicht „sein Schüler“ gewesen.

Seine Behauptungen in diesem Artikel sind also nicht mehr als das, hier wird nichts detailliert hergeleitet oder begründet, sondern einfach nur gesagt. Allein die erste Behauptung ist schlichtweg falsch, wenn er sagt in Deutschland gäbe es nur Extreme, und „die Deutschen“ würden zwischen ihnen „pendeln“, als seien sie ein Volk ohne eigene Meinung, das sich rein emotional steuern lässt. Den Eindruck kann man zwar gewinnen, wenn ich mich auch ebenfalls als Teil Deutschlands bezeichnen möchte und viele meine Bekannten und Freunde ebenfalls, und in keiner Weise lässt sich diese Ansicht an meiner Erfahrung bestätigen. Allein die hergestellte, medial produzierte und präsentierte „öffentliche Meinung“, die Projektion der Gesellschaft in Funk und Fernsehen stellt ein derartiges Bild dar und es ist eine Tragödie, dass wir als Gesellschaft tatsächlich in extrem hohem Maße in unserer Sichtweise von diesen Medien beeinflusst werden. Das ist allerdings kein rein deutsches Phänomen, sondern ein menschliches. So wie unsere „öffentliche Meinung“ vorgefertigt verkauft wird, wird dieses Medium natürlich in allen Ländern zur Manipulation benutzt, in denen die Bevölkerung freien Zugang zu ihnen hat. Nicht umsonst bringt jede Regierung große Anstrengungen auf, vor allem die Rundfunk- und Fernsehanstalten unter ihre Kontrolle zu bringen, und selbst in den ärmsten Ländern wird darauf geachtet, dass annähernd jeder Zugang zu den Endgeräten hat. Umso erstaunlicher, dass der Kritiker dieses angeblichen Schwarz/Weiß Denkens selbst nicht differenzieren möchte und sich in eine Reihe mit den generalisierenden Anklägern stellt. Da können von mir aus zehn Doktortitel vor seinem Namen stehen, deren Bedeutung für seine Aussagen in diesem Zusammenhang sind gleich null.  Er sagt es selbst: er fällt ein Urteil über „die Deutschen“, ebenso wie über „die Araber“, und beruft sich dabei auf seine persönliche Erfahrung. Das ist natürlich an Anmaßung nicht zu übertreffen und vollkommen uninteressant für eine Lösungsorientierte Herangehensweise an Problematiken, die im Grunde alle Menschen betreffen. Aber hier kommt eben dieser bereits angesprochene, imaginäre Obrigkeitsanspruch einer Generation „gelehrter Herren“ zum Vorschein. Da hilft es auch nicht weiter, dass er sich hinter großen Namen und Zitaten versteckt, bzw. versucht durch auswendig gelerntes Eindruck zu schinden. 

Es ist in dem gesamten Artikel, wie übrigens in vielen „Gelehrtenmeinungen“ zur aktuellen Situation, nicht ein Ansatz zu erkennen, wie die Problematik entstanden sein könnte, bzw. welche Wege diese Problemgrundlagen beseitigen würden Es ist ein fatalistischer Grundsatz in solchen Kreisen, der von einer arroganten Selbstüberschätzung ausgeht, die das Ego zum Urteile fällenden Beobachter macht, weil es sich als fähiger ansieht als alle anderen Menschen. Tatsache ist, dass die Fähigkeit den Menschen und damit auch die Zusammenhänge der Reaktionen, des Verhaltens, der Ignoranz und des Egoismus zu verstehen jedem Einzelnen zugänglich ist, nämlich in der selbstehrlichen Selbstschau. Doch dieser Ansatz grenzt vor allem in sogenannten Gelehrten Kreisen an Blasphemie und wird entweder verunglimpft oder eben durch Ausschluss mit aller Härte bekämpft.  Wie auch immer, der Schein einer Expertenmeinung mit Offenbarungscharakter der im Titel laut angekündigt wird, verblasst bereits nach dem aufmerksamen Lesen des ersten Absatzes. 

Nun, ich gehe nicht davon aus, dass dieser Artikel das tatsächliche Potential des Herrn Tibi auch nur annähernd wiedergibt, jedoch lässt er sich (wahrscheinlich) aus Gründen der Selbstverliebtheit hier gerne vor den Karren spannen, um das altbewährte mediale Spiel des „divide & conquer“ Publikumswirksam weiter voranzutreiben. Dafür ist sich ja auch sonst kaum jemand zu schade. Schade ist nur, dass wir gerade auch durch solche Artikel genau diejenigen gesellschaftlichen Charakteristiken verstärken und ausprägen, die Herr Tibi hier zu kritisieren meint.

Zu den „störenden Flüchtlingen“ in der Göttinger Innenstadt, von denen Herr Tibi hier spricht:
Ich kenne Göttingen sehr gut, habe lange dort gelebt und ich kenne auch die elitäre Bildungs- und Öko- Schickeria, die dort immer noch den Anspruch erhebt, die Innenstadt zu „besitzen“ und schon seit ewigen Jahren Festlichkeiten und Veranstaltungen boykottiert, weil sie sich in ihrem ruhigen Altstadtleben gestört fühlt. Dass diese sich nun auch durch „Flüchtlinge“, also durch noch mehr Menschen noch erheblicher gestört fühlen ist wenig verwunderlich und kann diesen wohl kaum allein zum Vorwurf gemacht werden, ist aber vor allen Dingen kein Maßstab. Noch dazu, dass Göttingen eine Universitäts- und Studentenstadt ist, sich ziemlich etwas auf diese Universität einbildet (Elite-Uni…) und mit dieser Doppelmoral einerseits jung und lebendig wirken zu wollen, aber andererseits durch einen konservativen Geldadel ständig getadelt zu werden schon seit je her zu kämpfen hat.

Wie dem auch sei, ich lasse mich selbstverständlich nicht mit in die Urteile des Herrn Tibi einbeziehen, weder wenn er über „die Deutschen“ noch wenn er über „die Araber“ und deren antisemitische Kultur spricht. Schon gar nicht, und da sehe ich mich persönlich als tragender Teil einer Deutschen Kultur, übernehme, borge oder assimiliere ich eine Sichtweise eines anderen, und vor allem dann nicht, wenn dieser jemand sich auf Grund seiner Graduierung zur Urteilsfällung berufen fühlt. Ich kultiviere Deutschtum dadurch, dass ich meinen Verstand, mein Wissen und meine Fähigkeiten der Ursachenfindung eigenständig und möglichst unbeeinflusst schule, mich nicht in einem Urteil schlussfolgernd festlege und immer möglichst die eigene Beteiligung und vor allem auch die möglichen Konsequenzen meines Wirkens langfristig mit einbeziehe. Darin sehe ich die Verantwortung des Menschen an sich, die Verantwortung gegenüber dem leben, unseren Kindern und deren zukünftiger Lebenswelt.

~ BeastIan

Freitag, 8. Juli 2016

Tag 208 - Anabel Schunke: "Ihr nehmt mir meine Heimat" - Ich nehme dir dein Selbstmitleid



Dies ist ein mir am Herzen liegender Kommentar zu folgendem online Artikel und der Verfasserin Anabel Schunke:


http://www.rolandtichy.de/meinungen/ihr-nehmt-mir-meine-heimat/

Wenn mir eins gehörig auf die Nerven geht, dieser Tage, dann die unsäglichen Aussagen der plötzlich auf dem Deutsch-nationalen-Identitätsfindungstrip verrannten Bequemlichkeitsnörgler, die offenbar das Jammervokabluar der sich in der imaginären Abgrenzung zu „Ausländern“ neu definierten Deutsch-Stämmigkeit befindlichen Medialen Hetze auswendig gelernt und sich in dieser Gruppierung, der in dauernden Wiederholungsschleifen von Kultur und Deutschen Werten faselnden Mantra Sänger aufgehoben fühlen. Das ist sehr wohl religiös anmutend, so wie jeder medial losgetretene Trend. Und auch dieser wurde medial aufgekocht, denn die sogenannte „Lügenpresse“, welche diesen Titel durchaus verdient, allerdings aus ganz anderen Gründen als es die Pegidisten, Afd’ler und Anhänger ähnlicher Gruppierungen durchschaut zu haben glauben, arbeitet natürlich mit wesentlich subtileren und vielschichtigeren Methoden als, und diese Unterstellung wage ich durchaus zu halten, die meisten der neuen Verteidiger des Wortes „Kultur“ zu analysieren in der Lage sind, zumal es noch nicht einen Artikel gab, durch den ich mich gequält habe, in dem allein der Begriff „Deutscher Kultur“ oder „Deutscher Werte“ von den Propagandisten annähernd definiert wurde.

So ist auch dieser Beispielartikel mit Mustergültigkeit, der den Titel „Tichys Einblick“ der liberal konservativen Meinungsseite trägt, lediglich eine Draufsicht ohne erkenntnisfähige Analysefunktion.

Aber noch viel mehr als das, ist er eine Beschreibung der Indentitäts-basierten Unsicherheit einer Gesellschaft, die sich von den Medien berieselt seit ungewisser Zeit in einem schlaftrunkenen Zustand der imaginären Konsumidentifikation befindet, und nun in einem schreckhaften Erwachen die Unwirklichkeit ihrer bisherigen Gefühlswelt erkennt. Und genau in diesem Moment bieten alle Bildschirme ein hervorragendes, fast märchenhaftes Feindbild, einen Blitzableiter der emotionalen Schreckreaktion die anderenfalls zu einem Erwachen zum Selbst führen könnte, um diese Menschen für die eigenen Geschicke der System-Maschinerie zu lenken:
den Immigranten.
 
Da sich gerade die nun in wertender Abgrenzung befindlichen gefühls-Deutschen ungerecht kategorisiert fühlen, wenn man ihnen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus unterstellt, nehme ich gleich hier den verunglimpfenden Gegenargumenten den Wind aus den Segeln, dass es sich hier um das Geschwafel eines „linksversifften Gutmenschen“ handeln würde:
Zunächst handelt es sich bei ausnahmslos jeder fremdenfeindlichen Äußerung nur um eine Symptombeschreibung, denn im Grunde sind es aus FremdenAngst geborene Meinungsmuster und die feindselige Einstellung resultiert aus der psychologisch eindeutig herleitbaren Schutzreaktion, welche eben aus der Angst geboren wird, die wiederum immer in Unverständnis gründet. Weiterhin stelle ich keineswegs die begründeten Sorgen angesichts der Probleme die in unserer Gesellschaft und dem von uns getragenen System eine unkontrollierte Zuwanderung verursacht in Frage. Im Gegenteil, ich unterstreiche sogar die Wichtigkeit der offenen, aufrichtigen Betrachtung dieser Phänomene, vor allem aber die Notwendigkeit ihrer ehrlichen Analyse. Diese Analyse ist allerdings nicht aus dem Kontext einer über Generationen andauernden Entwicklung zu lösen und genau hier liegt eben der infantile Denkfehler, bzw. die naive Ignoranz derer, die sich nun beschweren, die nun ihre Finger gegen Politiker und gegen die moralische Verwerflichkeit fremder kultureller Werte erheben. Denn die Probleme die nun aus einer diffusen Deutschen Identität heraus abgeurteilt werden, wurden bereits hundertfach von eigenständig denkenden Systemkritikern aufgezeigt und über die Jahre mehrfach öffentlich hervorgehoben, vorausgeahnt und vor allem mit Lösungsvorschlägen für einen ernsthaften Weg der Veränderung, der Prävention und im Sinne einer zukunftsorientierten Wandlung der Gemeinschaft behandelt.

Es gibt in keinem Bereich nur Schwarz oder Weiß, es sind die Meinungen natürlich im Einzelfall zu betrachten. Allerdings entsteht nicht zuletzt durch die mediale Beeinflussung ein öffentliches Bild, welches gerade zu diesem Thema die gern angenommene Abkürzung, den schnellen, leichten Weg zur Lösung einer vielschichtigen Problematik anbietet. Und dagegen gehe ich entschieden vor, vor allem dann, wenn diese Scheinlogik mit einer dreisten Lüge offen eingeleitet wird. Und diese Lüge ist, dass die Konsequenz der Ursache zugrunde läge. Die Immigranten, Flüchtlinge und die, welche sich nur bereichern wollen sind eine Tatsache, sie sind als gesellschaftliche Phänomene „der Fall“. Das ist unbestritten. Dass sie allerdings die Ursache unserer gesamtgesellschaftlichen Probleme und ihre Beseitigung im Umkehrschluss die Lösung eben dieser bedeuten würde, könnte von der Wahrheit kaum weiter entfernt liegen.

Unser Bewusstsein, darauf getrimmt schnelle Bedürfnisbefriedigung und eine gedankliche Sicherheit zu erreichen, nimmt über die Schnittstelle der Angst gerne eine allgemein als gültig akzeptierte Sichtweise an, denn sie bewahrt vor der Anstrengung der Entwicklung eines selbst-ehrlichen, persönlichen Standpunktes und verknüpft gleichzeitig die Vermeidung der Angst des „alleine Stehens“. Was hier zu vermeiden gesucht wird, sind im Übrigen genau solche Attribute, welche es dann argumentativ als „Werte“ einer Nation stolzer, mündiger Bürger zu verteidigen gilt. Hier liegt schon ein Knotenpunkt des Selbstbetrugs vor, ein paradoxer Fehlschluss, der die Meinung zu einem dogmatischen Glaubenssatz verkümmern lässt. Natürlich kann sich auch hier jeder Einzelne, der sich vielleicht angesprochen fühlt, leicht herausreden. Aber es geht mir nicht darum, zu überzeugen, sondern lediglich Denkanstöße zu geben, da ich aus eigener Erfahrung genau weiß, dass jedem Einzelnen die Unwahrheiten und Fehlinterpretationen, sowie ihre Gründe und Ursachen, durchaus bekannt sind, wenn sie auch oft sehr unterschwellig gehalten und zwanghaft ignoriert werden.

So wird beispielsweise in der Jammerschrift „Ihr nehmt mir meine Heimat“ dieses Artikels vom Stolz der Anabel Schunke gesprochen, den sie immer empfunden habe, Deutsche zu sein. Anabel Schunke ist Model und studiert Politikwissenschaft und Geschichte, ist somit sehr in die westliche Wertewelt integriert, indem sie ihre Erscheinung vermarktet, sich über die Medien verkauft und damit ihren Wohlstand, ihre Bildung und alle Errungenschaften westlicher Wertestrukturen sichert. Kulturell ist ein solcher Lebensweg nicht eindeutig einer Landeskultur zuzuordnen, damit auch nicht abgrenzbar, jedenfalls nicht eindeutig. Die Werte um die es hier geht sind jedenfalls allein in dieser Bio nicht als rein „Deutsche“ erkennbar. Sie erstellt Fotostrecken mit politischer Aussage, die, und da nehme ich Bezug auf die in diesem Artikel verknüpften Fotos, eindeutig sein können, allerdings keineswegs besonders Tiefsinnig durchdacht erscheinen, sondern eher wie platte Stammtischparolen anmuten. Das Bild einer Familie, bzw. dreier Frauen mit Kindern, von denen zwei Frauen Kopftücher tragen in Verbindung mit dem Titel „Ihr nehmt mir meine Heimat“ ist jedenfalls an banalem Populismus kaum zu übertreffen. Auf derselben Schiene allerdings, die ich bereits ausführlich weiter oben beschrieben habe, geht es den gesamten Artikel hindurch weiter. Es ist nicht ein einziger Aussagesatz dabei, der einer Verstandesbasierten Prüfung an der Wirklichkeit standhalten würde, wobei die meisten ohnehin für eine Analyse nicht geeignet sind, da ihnen der relevante, greifbare Inhalt fehlt.

Nehmen wir nur einmal diesen:
„Grüne, warum immer gegen Deutsche?“

Zunächst einmal sind „die Grünen“ ja auch Deutsche, also werden sie sicher nicht „gegen Deutsche“ Politik machen. Doch ist mangels einer genaueren Definition des „Deutschen“ und was ihn, außer seiner Geburtsstätte, ausmacht, erstens die Frage eine leere, und auch die Erörterung dieser Position kann nur ins Nichts führen, es sei denn, man versucht zwischen den Zeilen zu lesen, was natürlich Fehlinterpretationen nicht ausschließt. Das aber, und das ist mein Standpunkt, ist auch genau die Absicht solcher Parolen. Denn das lässt natürlich endlos freien Raum sich aus den eigenen Aussagen herausreden zu können, sollte man auf Denkfehler hingewiesen werden.

Dass die Politik im Allgemeinen, bestimmt und gelenkt von Wirtschaftsinteressen, für die Menschenleben und auch die Menschlichkeit keinerlei Wert haben oder eine Rolle spielen, gegen die Interessen von Menschen gerichtet ist, ist keine Frage mehr in der heutigen Zeit. Dass sie aber gegen eine diffuse Begrifflichkeit „der Deutschen“ gerichtet sei, den man selbst nicht definieren kann oder will, ist nichts weiter als eine haltlose Behauptung.

Die Bezugspunkte der Identifizierung, von denen sie weiter schreibt sind ebenfalls in keiner Weise dargestellt oder definiert, schon gar nicht als allgemeingültig für alle „Deutschen“, auch für die Deutschen beispielsweise, die keinerlei Angst vor kultureller Überfremdung haben und ihre Identität eben nicht nach vorgegebenen Normen richten, sondern nach dem Mensch-Sein, dem selbstbestimmten Denken und der eigenständigen Einsicht. Und genau da ist wieder der Fehlschluss, dass es eine Rechtsnorm geben müsse, nach der sich die eigene Identität richtet. Und genau diese Einstellung geht einhundert Prozent gegen das, was die Kultur und die Identität eines Volkes ausmacht, wahrhaftig von Wert ist und die Mündigkeit und Eigenständigkeit eines Volkes repräsentiert: nämlich freie Selbstbestimmung die sich nicht auf Politik oder Gesetze berufen muss, sondern die Mitgestaltend tätig ist, Schöpferisch und nicht dogmatisch stagniert sich an etwas „festklammern“ möchte, was ein Zeichen absoluter Unmündigkeit ist. Und alle Denker und kreativen Köpfe, die gestalterisch mitgewirkt haben an der „Deutschen Kultur“ waren eben solche Menschen, und diese haben nie Angst gegenüber fremden Einflüssen gehabt, denn diese Angst steht im krassen Gegensatz zu kultureller Entwicklung des Menschen.

Und nun zu der Problematik, dass wir diese Freiheit nicht mehr haben, dass sie immer mehr eingeschränkt und beschnitten wird:
Die Ursachen dessen sind zur Gänze in der verheerenden Entwicklung unserer wirtschaftlichen Welt, des Kapitalistischen Systems zu suchen und sie sind sogar schon längst gefunden. Nicht etwa die „Ströme“, die „Flut“, die „Masse“ an Scheinflüchtigen, an Immigranten und in der öffentlichen Meinung ohnehin als moralisch unterlegenen Fremdartigen ist hierfür verantwortlich. Die Wirtschaftsphilosophie des noch immer von uns getragenen Systems ist in ihrer Fehlerhaftigkeit schon lange als zerstörerischste menschliche Kraft entlarvt, jedoch eben nicht für Menschen wie Anabel Schunke, die in ihren jungen Jahren noch zu einhundert Prozent Nutznießerin der Ausbeutungswirtschaft ist und geschützt durch die Gnade der Geburt und das Geld die Traumwelt eines Weiße-Weste-Kapitalismus lebt, der mit tatsächlicher „Deutscher Kultur“ im Sinne von beispielsweise Thomas Mann, Hermann Hesse, Martin Heidegger, Friedrich Nietzsche, Gottfried Wilhelm Leibnitz, Karl Marx, Theodor W. Adorno, Mozart, Schumann, Wagner, Kraftwerk, Heino, Extrabreit, Nena…. nicht das Geringste zu tun hat. Diese Scheinwerte, die sie hier so freizügig im Namen der Xenophobie ohne sie zu nennen propagiert werden sollen, waren noch nie reale, wirkliche Werte. Es sind ideologisch verblendete elite-Positionen, die hier die Angst und damit den Hass der Bevölkerung zu schüren versuchen, in der verzweifelten Anstrengung, allein ihren persönlichen Status aufrecht zu erhalten und dabei über Leichen zu gehen. Denn eigentliche Werte kultureller oder auch nationalpolitischer Natur können einem nicht genommen werden. Heimat übrigens schon, indem man gewaltsam von dort vertrieben wird. Ich bin sogenannter „Deutscher“, und ich fühle mich motiviert durch Träger der Deutschen Kultur. Motiviert und Angespornt, ihre Arbeit fortzuführen. Aber mich auf ihren Lorbeeren auszuruhen und zu hoffen, dass sich das noch eine Weile irgendwie so aushalten lässt, dafür ist mir Deutschland, die Lehren und Erfahrungen die wir hier machen dürfen und durften, viel zu schade, auch im Namen der Anabel Schunke. In dem Moment, in dem man den Finger erhebt und auf andere Zeigt, ihnen die Verantwortung für Probleme die einen selbst betreffen zuschiebt, in dem Moment hat man sich an der Kultur vorbeigeschlichen. ~ Beastian

Donnerstag, 7. Mai 2015

Tag 203 - Arbeit und Arbeitsplatz, Kollegen und kollegiales Verhalten

LauraLewis23 / Photo / CC BY
Nachdem ich einen online Artikel über Stress am Arbeitsplatz, Mobbing am Arbeitsplatz und die Alltäglichen Probleme, Auseinandersetzungen und Konflikte mit Arbeitskollegen gelesen habe, sind mir ein paar Parallelen zu meiner Erfahrung aufgefallen die ich in diesem Blog teilen möchte.

Interessant, die Stimmungen und die sozialen Probleme am Arbeitsplatz scheinen immer und überall die gleichen zu sein. Ich habe in meinem bisherigen Arbeitseben schon sehr viele unterschiedliche Tätigkeiten ausgeübt, und habe dabei überall ähnliche soziale Strukturen und Verhaltensweisen einmal unter den Mitarbeitern selbst und auch zwischen Chef, Vorgesetzten und Angestellten vorgefunden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen.
Faszinierender Weise scheinen wir was unser sozialverhalten angeht überall auf die gleiche Weise programmiert zu sein in gegenseitigen Wettkampf zu treten. Und damit meine ich keineswegs einen gesunden Wettkampf, etwa eine Gegenüberstellung die alle Beteiligten mit Freude und freiwillig eingehen um sich gegenseitig zu motivieren immer noch bessere Leistungen zu erbringen. Nein, hier handelt es sich meist um einen stillschweigenden Wettkampf, den auch lägst nicht jeder Beteiligte freiwillig beginnt, sondern zu dem sich die meisten sogar herausgefordert sehen, weil sie nämlich – und das ist der Knackpunkt auf den es immer hinausläuft – von Ängsten gepeinigt sind. Von der Angst einerseits um den Arbeitsplatz, um die Anerkennung, in Ungnade zu fallen oder zu leicht ersetzbar zu sein. Und faszinierend dabei ist, dass  es nicht notwendigerweise mit dem Verhalten und der Art der Führung, also des Chefs oder der Chefetage zu tun haben muss, sondern dass unter den unterschiedlichsten Voraussetzungen was diesen Faktor angeht das Verhalten der Arbeitnehmer untereinander sich kaum unterscheidet.

Es zeigt sich eben ganz einfach dieser pathologische, von unseren selbstgeschaffenen sozialen Strukturen geformte Gedanke des gegenseitigen Wettstreits, der Profilierung auf Kosten des oder über den anderen, das Gefühl herausstechen zu müssen um etwas zu sein, um daraufhin Anerkennung zu bekommen, und zwar von genau denen, über die man sich unrechtmäßig stellt oder gestellt hat. Neid tut es auch, Neid ist ein Äquivalent der Anerkennung geworden, so wie Gehässigkeit das Gefühl von Selbstbewusstsein ersetzt hat. Beides ist natürlich ein parasitäres, also krankmachendes Konstrukt reinen Glaubens und hat nichts mit der Wirklichkeit des Lebens gemein, aber wir haben uns dafür entschieden uns selbst und unsere Kinder derart programmieren zu lassen und ihnen auch noch vor zu machen, diese Art selbstzerstörerischen Verhaltens sei ihre menschliche Natur. Damit haben wir uns natürlich zu leicht manipulierbaren und beherrschbaren Sklaven gemacht, Sklaven unserer selbst natürlich, auch wenn im wirklichen Leben sozusagen einige wenige von unserer Sklavenmentalität profitieren und sich daran ergötzen. Wo mehr als zwei einigermaßen gleichgestellte Kollegen oder Kolleginnen aufeinandertreffen jedenfalls, da ist es ein Frage kurzer Zeit bis einer versucht einen andere zu vereinnahmen, und zwar nicht aus freundschaftlichem Interesse, sondern um sich gegen einen anderen zu stellen, nicht offen, sondern durch das Streuen von Gerüchten, das Äußern von Vermutungen und Verdächtigungen, durch die Herablassung oder Ähnliches.

Ich persönlich bin immer wieder von dieser Art der Inanspruchnahme als Lobby, als Verstärkung überrascht worden und habe in aller Regel verhalten darauf reagiert, beziehungsweise habe verunsichert reagiert und dadurch in vielen Bereichen auch gar nicht erst den Weg in ein kollegiales Arbeitsverhältnis finden können. Allerdings gab es ja auch offensichtlich überhaupt keines, aber das ist einem in dem jeweiligen Moment nicht immer hundertprozentig oder auch überhaupt nicht bewusst.

Mittlerweile finde ich dieses Verhalten nur noch schade, ich finde es auch bedauernswert und möchte fast sagen erbärmlich, denn es macht auch etwas traurig zu sehen, wie Menschen ihr eigenes Potential und auch das ihrer temporären Gemeinschaft verschwenden und versacken lassen indem sie sich innerlich in ständigem Konflikt mit ihrer Umgebung befinden, sei es real oder auch nur in Gedanken. Man übersieht völlig die Möglichkeiten und Chancen. Aber es ist nicht einmal nur das, ich habe vielmehr den Eindruck die Menschen würden im Grunde schon gern, oder lieber offen und Vertrauensvoll miteinander umgehen, allerdings glauben sie nicht daran, dass so etwas überhaupt möglich ist und sind dabei von so vielen scheinkulturellen Wertvorstellungen, Ideen und Ideologischen Konzepten beeinflusst, dass sie auch gar nicht für sich selbst diese Entscheidung treffen könnten, bzw. die Verantwortung überhaupt nicht selbst tragen wollten. Anpassung ist das A und O, eben auch wenn die Anpassung bedeutet hinterhältig, misstrauisch, verschlagen oder sogar intrigant sein zu müssen.


Das ist trauriger Alltag an vielen Arbeitsplätzen und dieser Alltag führt natürlich nicht nur zu einem Absinken der Produktivität, sondern auch letztlich zur Erkrankung der Arbeitnehmer, und auch der Arbeitgeber die unter Umständen unter diesem Zustand ebenso zu leiden haben. Burn-Out, Depressionen, chronische Schmerzen, Schwächung des Immunsystems, Angstzustände und viele weitere Symptome ein und derselben Ursache sind da zu nennen. Diese Ursache ist aber eben unser gesamtes Wirtschafts- und Arbeitssystem, das letztlich auch alle unsere sozialen und kulturellen Lebensbereiche beherrscht und gestaltet und daher uns vollkommen auf diese Art und Weise vereinnahmt und programmiert hat.
Fürchte deinen Nächsten, oder besser gesagt fürchte das Image deines Nächsten. Denn es ist ein Kampf um Images, des Coolsten, Fleißigsten, Schlausten, Witzigsten, Stärksten, Teuersten, Längsten… Bilder, Einbildungen, Vorstellungen, nicht das wirkliche Sein, das wahre Selbst in vollem Bewusstsein, sondern die Imagination einer bedrohten da begehrten Position wollen wir sein. Das führt zu einem ständigen Wettstreit mit der Scheinwelt unserer Gedanken, mit dem immer wieder schwankenden Gefühl von gelungenem Blenden und der Gefahr durchschaut zu werden. Eine Energie- und Zeitverschwendung sondergleichen.

Montag, 16. Juni 2014

Tag 175 - Vom Scheitern zu gefallen Teil II (SV I)

Chris Devers / Foter / Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)




Fortsetzung zu:

Tag 174 - Vom Scheitern zu gefallen Teil I

 

Auszug:

"Sich dieser Angst zu stellen und sie zu überleben als das, was von dir übrig bleibt, das ist der steinige und unangenehme Weg in die Freiheit für das wahre, eigentliche Selbst das erst dann zu seiner Größe und Stärke heranwachsen kann, wenn dieses Monster seinen Schrecken verloren hat und wir erkennen, dass es in Wahrheit ein treuer Freund und Begleiter ist, ein Sicherheitsfaktor der uns immer wieder vor den Fallen der institutionalisierten Programme unseres gesteuerten Bewusstseins warnt, und zwar immer dort, wo wir den Kontakt zu uns selbst, zu der Einheit und der bodenständigen Wahrhaftigkeit des Lebens hier in diesem Moment, diesem Atemzug der Körperlichkeit zu verlieren drohen."

Teil II
 

Was bedeutet die Anerkennung der Anderen wirklich? Was für einen tatsächlichen Sinn soll sie haben? Die Persönlichkeiten, die einem die Anerkennung scheinbar entgegenbringen sind ebenso flüchtig wie die eigene. Es ist nichts Substanzielles hinter dieser Anerkennung, nichts, was einem wirklich hilft, was wirklich die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach Bestätigung der eigenen Identität erfüllen könnte. 

Es läuft darauf hinaus, dass die Anerkennung, die Achtung anderer eine symbolische Überlieferung bleibt, sofern sie eben an eine Person, bzw. eine Persönlichkeit gebunden ist. Diese Form der Anerkennung ist durchsetzt von Wahnideen, von Vermutungen und Mutmaßungen über eine Person. Und wenn diese Form der Achtung oder auch Wertschätzung einer Person gesellschaftlich generalisiert wird, wenn sie Generationen überdauert, dann wird daraus eine Geschichte, man könnte sagen ein Märchen, denn die Überlieferung, die Geschichten und ihre Wahrnehmung und Interpretation entfernen sich mit der Zeit mehr und mehr von der Wirklichkeit des ersten Erlebens, welches an sich schon nicht verlässlich gewesen ist.

Anerkennung ist flüchtig, substanzlos, unbedeutend und bringt den faden Beigeschmack von Neid mit sich. Im Grunde sollte niemand danach streben, vielmehr sollte man erforschen, was diese Sehnsucht und das Verlangen nach einer solchen, kurzfristigen, emotionalen Befriedigung tatsächlich hervorruft und welche unerfüllbaren Erwartungen man an diese Anerkennung durch andere stellt, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Im Übrigen ist auch der feste Glaube man sei eben gerade nicht auf die Anerkennung anderer angewiesen in vielen Fällen eine Form der Effekthascherei, ein verdeckter Versuch eine Art ‚negativer Anerkennung‘ zu erhalten, indem man sich besonders individualistisch, nonkonformistisch oder rebellisch darstellt, vor sich selbst und vor den anderen.


Selbstvergebung 
Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und es zugelassen habe mir nie wirklich die Frage zu stellen, ob das was ich tue, was ich anstrebe und mir für mein Leben wünsche tatsächlich von mir selbst stammt, ob diese Vorstellungen und Ideale wirklich die meinen sind, dass ich nie den wahren Motiven meiner Handlungen und Pläne auf den Grund gegangen bin um zu erkennen, dass ich selbst mit diesen Vorstellungen überhaupt nichts anfangen kann, nichts zu tun habe und dass keines meiner Motive tatsächlich von mir selbst stammt und ich daher auch für die meisten Entscheidungen meiner Vergangenheit nicht selbst gerade stehen konnte und wollte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe immer dann, wenn meine halbherzigen Pläne aufgrund der Tatsache, dass ich sie nicht wirklich wollte, nicht wirklich hinter ihnen gestanden habe gescheitert sind nicht nach den wahren Gründen bei mir selbst zu suchen, die Ursachen meines Scheiterns in Selbstehrlicher Selbstbefragung zu erforschen, sondern in Gedanken und Vorstellungen Konzepte entwickelt und Glaubenssysteme geschaffen habe, die andere für mich verantwortlich scheinen ließen, entweder direkt andere Personen oder aber auch äußere Umstände, mein Umfeld, meine Bedingungen, selbst die Fähigkeiten die ich habe für deren Mangel ich beispielsweise meine Familie, meine Erziehung und ähnliches verantwortlich machen wollte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe, mich und meine 
Entscheidungen immer wieder an meiner Vermutung über das, was gerade in den Augen anderer, für mich wichtig erscheinender Personen  als respektabel und angesehen zu sein schien auszurichten, anstatt meine Eigenverantwortlichkeit für mich selbst, das Leben und die Auswirkungen meiner Entscheidungen und Taten auf mein Leben und das anderer zu erkennen, zu akzeptieren und zu übernehmen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe in dieser Verantwortung, der Eigenverantwortung als Teil des Lebens nicht de einzig wahren Schritt zur Selbstbestimmung, zu Selbst-Bewusstsein und Standfestigkeit zu erkennen den sie bedeutet und mit sich bringt, sondern sie zu fürchten, sie zu vermeiden und stattdessen mich selbst zum Sklaven der Ideologien der Selbstunterdrückung einer Welt und Gesellschaft zu machen, die außer der Unmündigen Selbstsucht und ihrer Maskerade kaum etwas wirklich „kultiviertes“ hervorgebracht hat.

Selbstkorrigierende Statements folgen ...


Donnerstag, 5. Juni 2014

Tag 172 - Das höchstmögliche Potential Leben Teil I "Selbstzweifel"

@Doug88888 / Foter / Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)


Dies ist ein eigenständiger Post, er ist allerdings zweiter Teil einer Reihe die mit


Tag 171 - The Desteni of Living - My declaration of Principle

beginnt.


Ich habe immer an mir gezweifelt. Und anstatt meine Zweifel selbst aus dem Weg zu räumen, habe ich darauf gehofft und gewartet, dass andere das für mich tun würden. Ich habe geglaubt, dass ich durch ihre Anerkennung und ihr Verhalten mir Gegenüber die Zweifel über mich selbst ausräumen könnte. Und bei all dem Streben nach Anerkennung und Respekt habe ich mich nur noch weiter von mir selbst entfernt. Wir werden erzogen und darauf abgerichtet uns in die sozialen Strukturen um uns herum einzufügen, ohne diese zu hinterfragen, ohne die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass sie falsch, lebensfeindlich und wertlos sein könnten. Wir lernen sie zu akzeptieren und übernehmen alle Bewusstseinsprogramme die dazu notwendig sind, vor allem aber das der Angst, der Angst davor ein Außenseiter zu werden, nicht dazu zu gehören, nicht Teil zu haben. Diese Angst bestärkt das verzerrte Selbstbild, das man sich durch die Reflektion in den Gedanken und Werturteilen anderer anzueignen erhofft. Dieses Selbstbild aber ist nichts weiter als ein Köder, eine Illusion und sie ist alles andere als das wahre Selbst. Das wahre Selbst kann nur durch die Freiheit von Angst erkannt werden. Die unerschrockene Überzeugung die eigenen Entscheidungen verantworten und für das eigene Dasein gerade stehen zu können. Auf sich allein gestellt sein, sich vor sich selbst Rechenschaft abzulegen und sich selbst zu prüfen, ob man für sich alleine stehen kann. Allein für sich selbst stehen heißt dabei nicht, dass man nicht auf andere angewiesen ist, es bedeutet nicht, sich aus dem sozialen Gefüge auszuklinken, denn das ist ohnehin unmöglich, das ist gegen die Natur des Lebens und allen Lebendigen, sondern  es bedeutet ein eigenständiges, eigenverantwortliches Leben zu führen, sich selbst, bzw. sein Selbst zu repräsentieren so dass es eine Bereicherung für die Gemeinschaft darstellt und nicht etwa eine Belastung, so wie es in der menschlichen Welt, in den meisten sozialen Gefügen und Kulturen heute der Fall ist. Die externalisierte Selbstfindung führt immer auch zu einer externalisierten Schuldzuweisung, alles, was nicht den angeblichen Erwartungen und Wünschen gemäß verläuft wird anderen zugeschrieben, die Ursachen werden verschleiert und es werden fadenscheinige Gründe erdacht, zu Ideologien und Dogmen verknüpft die einem wieder ein Handlungskonzept vorgeben, in dem oder durch das man sich eine Stärkung der eigenen Identität erhofft. All das ist ein aussichtsloses Unterfangen und im Grunde wissen wir das auch. All die jämmerlichen Versuche uns selbst anhand externer Ideologien und Konzepten zu identifizieren, die Hoffnung durch die Gruppierung unter ein Ideal eine Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls real werden zu lassen, all diese mental-emotionalen Anstrengungen sind zum scheitern verurteilt und alles scheinbar Große und Großartige das daraus erwachsen ist, ist letztlich zugrunde gegangen und überdauert nichts und niemanden. Werte wie wir sie heute zu leben glauben sind nichts als Heucheleien, Lügen die wir uns selbst erzählen während unsere Augen und Ohren, und auch unsere innersten und geheimsten Gedanken das genaue Gegenteil der Wirklichkeit zeigen.

Und während wir uns aus Angst uns zu verlieren an diesen Wahnideen festklammern, zieht das Leben sprichwörtlich an unseren Augen vorbei, zeigt uns all die offenen Wunden und das Leid das unsere Unachtsamkeit und Verantwortungslosigkeit verursachen, führt uns unseren eigenen Verlust und Untergang vor Augen und wir schauen zu als handle es sich um einen Film. Wir grabschen dabei gierig nach kurzfristigen Leckereien, betäubenden Substanzen, Unterhaltung und emotionalen Höhenflügen, schlingen wertlose Erlebnisse in uns hinein, werden immer träger, fetter, süchtiger, abhängiger, bis die Zeit abläuft und unser Potential wieder den Nullpunkt erreicht.

Das Potential des menschlichen Lebens liegt in der verantwortlichen Lebensweise die in Anerkennung der unumstößlichen Wahrheit der Einheit und Zusammengehörigkeit allen Lebens , und dieses Leben zur vollen Erfüllung zu bringen, das Potential zu nutzen das einem zur Verfügung steht um sich selbst als ein würdiger Teil des ganzen zu erweisen und nicht als einen bedauerlichen Fehler, als der evolutionäre Fehlgriff oder besser gesagt die Sackgasse der Entwicklung zu der wir uns selbst gemacht haben, für die wir uns selbst entschieden haben. Wir entscheiden uns in jedem Moment der Angst wieder dafür, entscheiden uns für die Vernichtung, die Zerstörung und  verleugnen uns selbst als das Leben das wir sind. Die Angst davor vom Plan abzuweichen, die Achtung vor den bestehenden Werten und Strukturen als seine sie etwas unumstößliches, etwas unantastbares. Dabei wissen wir alle, dass wir eine Möglichkeit zur freien Entscheidung haben. Wir können, jeder einzelne für das einstehen und aufstehen, was das Beste für alle bedeutet. Wir können alle Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten der bestehenden „Ordnung“ erkennen und einsehen, dass wir selbst es so haben entstehen lassen, dass wir aufgrund unbegründeter, irrationaler Ängste zugelassen haben, dass eine Ideologie zu unserer Gottheit wird, die alles Leben verbraucht, die die Formen und Möglichkeiten zur Entfaltung und zur Freiheitlichen Entwicklung zerstört. Wir alle haben das Geschaffen, was wir heute die menschliche Zivilisation nennen und von dem wir wissen, dass wir es uns nicht länger schöndenken und schönreden können, von dem wir wissen, dass es gescheitert ist.
Viel zu leicht verliert man all das wieder aus den Augen, viel zu leicht lässt man sich ablenken, wird man durch die gebetsmühlenartige Wiederholung von Angstgründen aus den Mündern der Menschen mit denen man umgeben ist, aus den Lautsprechern der Medien, in allen erdenklichen Formen zur Anpassung verführt und verliert sich wieder im Gewühl der Bunten Bilder eines programmierten und fremdbestimmten Geistes.

Man muss am Schreiben festhalten, das Schreiben nur für sich selbst eröffnet wieder Horizonte, lässt dich selbst tiefer blicken hinter deine eigene Verblendung und hinter die Maskerade die du dein eigenes Selbst und dein eigenes Leben nennst. Nur durch diesen selbstehrlichen Prozess der Selbstbefreiung durch das Schreiben habe ich festgestellt entsteht ein Selbstbewusstsein, eine Stärke die tatsächlich wächst und überdauert, so dass eben diese Rückfälle, die Ablenkungen und Versuchungen immer schwächer und weniger werden, so dass in immer mehr Momenten das Selbst die eigene Direktive ist und die Entscheidungen die das eigene und das Leben anderer Bestimmen werden klarer, verantwortungsvoller und stehen selbst gegen den Widerstand aller anderen. Doch darf man das nicht mit revolutionärem Charakter oder rebellischem Gehabe verwechseln. Es gibt Momente i denen ist Konfrontation und Konflikt unausweichlich und wenn in diesen Momenten kein Zweifel aufkommt, dann ist es eben so. Doch ruft ein aggressives Vorgehen oder gar zynisches Gehabe nur Blockade, Aggression und letztlich Gewalt hervor und man muss erkennen, dass gegen ein zugemauertes, festgefahrenes Bewusstsein kaum ein Mittel gewachsen ist. Das Potential dient nicht der Überzeugung, sondern ausschließlich dazu sich selbst zu verändern, als ein Beispiel. Aber es ist eins der wirksamsten und wahrhaftigsten Beispiele, weil es ein lebendiges, reales ist und somit jede noch so konsequent strukturierte und komplexe Ideologie der Verblendung und des Selbstbetruges über die Unausweichlichkeit der menschlichen Natur und die Unveränderlichkeit der Zustände in Nichts auflöst und den Sehenden vor vollendete Tatsachen stellt.

Fortsetzung folgt…