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Samstag, 4. Juli 2015

Tag 205 - Zersetzende Prozesse der Gruppen- und Cliquenildung #1

KittyKat3756 / Foter / CC BY



Gruppenbildung ist das verheerendste Element jeder sozialen Gemeinschaft.

In der Gruppenbildung, die den Individuen das Gefühl vermittelt „angekommen“ zu sein, eine Interessengemeinschaft die autark vom Rest der Welt existieren und sich entwickeln könnte, wird das freiheitliche Potential eines jeden Menschen blockiert und wendet sich letztlich gegen ihn selbst, so wie die Gruppen- oder Cliquenbildung sich gegen die Gemeinschaft im Ganzen wendet.

Jede Form der auf Dauer angelegten Gruppierung, bis hin zur Familiären, dort wo sie nicht der reinen, praktischen und gegenseitigen Förderung bei gleichzeitiger Freiheit und Unabhängigkeit dient, ist im Grunde rückständig und der Fähigkeiten es menschlichen Verstandes überhaupt nicht mehr angemessen.

Alle Gruppenbildung idealistischer Art, kultureller und auch politischer Art dient letztlich nur der Sedierung des Verstandes, dem Vermitteln von Gefühlen und Empfindungen, der Beruhigung des Gewissens und der Abwälzung von Eigenverantwortung, und all das findet einzig in der Vorstellungswelt der Individuen, niemals aber wirklich und wahrhaftig real statt.

Die Clique in der Gruppe

Der krankhafte Gedanke der Abspaltung vom Ganzen, der rettenden Flucht in eine abgeschottete Blase der Illusionen wird immer auch in die jeweilige Gruppe mit hineingetragen und zeigt auch dort weiter seinen zersetzenden Charakter. Innerhalb von Gruppierungen  nämlich findet man wiederum Gruppierungen einzelner Individuen, die sich innerhalb dieser Scheingemeinschaft wieder separieren, abheben und absondern wollen. Oftmals sind die ersten innerhalb der Gruppe sich abspaltenden elitäre Führungsgruppen, meistens eine einzige, die sich aufgrund unterschiedlichster Rechtfertigungen als Schöpfer, als Gründer, als die Ältesten, die Weisesten, die stärksten, was auch immer betrachtet. Und selbst wenn sie sich noch so sehr als Gleiche unter Gleichen innerhalb dieser Gruppe darzustellen versuchen, so tritt die Tatsache dieser Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung immer wieder zutage, wenn innerhalb der Gruppe an vorgeschlagenen Ideen oder Vorträgen der elitären Kritik geübt werden sollte, bzw. von einem nicht zu dieser Abspaltung zählenden andere Vorschläge eingebracht werden. Leider geschieht solches Ohnehin äußerst selten innerhalb einer Gruppierung, weil natürlich jeder Teilnehmer dieser Gedankengemeinschaft darauf bedacht ist, die positiven Gefühle die er mit der Sicherheit der Gemeinschaft verbindet nicht zu gefährden. Und das ist eben einer der Faktoren die meine Behauptung der zerstörerischen Kraft von Gruppierungen stützen. Wenn aber Kritik geäußert oder eben scheinbar abgestimmt wird, beobachtet man eben dieses Phänomen der unausgesprochenen Überlegenheitsannahme dieser Führungselite dadurch, dass offensichtlich jeder ihrer Vorschläge und Ideen etwa doppelt so wertvoll geschätzt wird, wie eine gleichwertige eines anderen Gruppenmitglieds. Das kann und sollte jeder für sich selbst herausfinden. Dazu braucht es etwas Beobachtungsgeschick und natürlich Geduld, aber vor allem natürlich die eigene Teilnahme an einer Gruppierung irgendeiner Art. Diese Form der Cliquenbildung innerhalb der Gruppe ist ein zersetzender Prozess der geschwürartig den eigentlichen Zweck der Gruppierung zerstört und sozusagen den Zellkern der Gruppe umprogrammiert. Oftmals geschieht dies nahezu unbemerkt sowohl von den elitären Cliquen als auch von den anderen Teilen, den Individuen der Gruppe.

Von all dem einmal abgesehen bin ich natürlich nicht der Meinung, dass eine Gruppierung von Menschen überhaupt ohne eine Führungselite möglich ist. Es muss eine Autorität und einen Zwang geben, weil nämlich die Menschen obwohl sie die trügerische Sicherheit der Gruppe suchen immer unzufrieden sind wenn sie sich in einer Gemeinschaft verlieren. Doch ist der Grund dafür nicht die Gemeinschaft per se, wäre es die Gemeinschaft des Lebens, des Gesamten in die man sich einfügt, und nicht eine künstliche von Illusionen geprägte. Das Individuum kann sich nur im Gesamten verwirklichen, nicht in einer kleinen, abstrakten Kopie des Lebens das auf mikroskopische Bruchteile reduziert ist. Schon gar nicht, da diese Abspaltung der Gruppe rein illusionär ist. Es ist eine Glaubensfrage. Und wie auch in den Religionen muss es in jeder Gruppierung idealistischer Art eine Führung geben. Und natürlich muss es in dieser Welt der Spaltung, der selbstgeschaffenen Konflikte und Reibungen Gruppen geben. Und wollen wir diese Welt, das Leben selbst wieder vereinen müssen wir damit als eine Gruppe, als eine Gemeinschaft innerhalb der Gemeinschaft beginnen. Ohne eine verlässliche, vertrauenswürdige Führung ist das kaum zu schaffen. Doch was für eine Führung braucht man, damit dieser Gedanke der die Gruppe trägt nicht von eben den menschlichen Programmen korrumpiert wird, die es aufzulösen Gilt? Es muss eine Führung sein die selbst von diesen Prinzipien frei ist, oder aber die sich wahrhaftig als gleich mit allen sieht, selbst mit denen die am Anfang ihrer Entwicklung und der Selbstschau in Hingabe an die Einheit und Gesamtheit des Lebens stehen. Der Unterstützende und leitende Charakter muss immer auch bei seiner Arbeit der Führung in selbstschau an der Aufgabe wachsen können, d.h. selbstkritisch und in keinem Fall totalitär oder elitär sein. Solche Menschen zu finden aber ist nahezu unmöglich, und sollten diese sich einmal doch finden, werden sie irgendwann nicht mehr sein, bevor die Aufgabe erfüllt und auch die Gruppierung obsolet geworden ist. Und das ist ein weiterer Punkt der den Unterschied einer tatsächlich in Einheit mit allem existierenden Gruppierung ausmacht, die Gewissheit dass sie eben nicht auf Dauer ausgelegt ist, sondern ein Ziel verfolgt, dessen Erreichen die Gruppe selbst überflüssig macht. So wie Menschen die sich zusammentun um eine Aufgabe zu erfüllen die einer allein nicht bewältigen kann, deren Erfüllung aber letztendlich allen zugutekommt, nach Erledigung dieser Aufgabe die Gemeinschaft wieder auflösen.


Fortsetzung folgt:

Demokratische Prozesse und Verantwortung

Führung des Selbst und der Beweis der bestätigungsfreien Sicherheit

Sonntag, 14. Juni 2015

Tag 204 - Vielseitig orientierungslos - über die Ursachen von Unzufriedenheit Teil 1

Wade Morgen / Foter / CC BY-NC


Vielseitig oder orientierungslos?

Diese Frage stellt sich mir unter anderem in der Rückschau und auch der Prognose meines Lebens, vor allem in Anbetracht der Systemimmanenten Anforderung an den einzelnen Menschen, also auch an mich, angesichts der Eigenverantwortung für mein eigenes und das Leben all derer die von meinem betroffen sind. Da muss man natürlich fragen wer genau das ist und ob sich dieser Einfluss des Einzelnen tatsächlich begrenzen lässt auf beispielsweise die Familie und all jene, mit denen man in direktem Kontakt steht oder ob der Einfluss des Einzelnen nicht immer auch Wellen schlägt und in unüberschaubare Bereiche hineinwirkt, besonders in einer digitalisierten und vernetzten Welt.
Und bereits hier, bei der Wortwahl „vernetzt“ fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass dies kein neuer Begriff ist, der erst mit der digitalen Vernetzung entstanden ist, denn vom sozialen Netzwerk hat man auch schon vor der allgemeinen Verfügbarkeit des Internets gesprochen und natürlich ist der Mensch seit jeher auf Netzwerke angewiesen gewesen. Es scheint also als hätte sich lediglich die Geschwindigkeit des Datenaustauschs verändert und nicht etwa eine völlig neue Entwicklung stattgefunden. Die Rahmenbedingungen sind anders, die Möglichkeiten des Einzelnen vielseitiger und vielleicht mächtiger, einflussreicher. Dennoch kann man ja auch im Internet dieselben menschlichen Züge wiederentdecken die im sozialen Umgang „face to face“ schon immer präsent waren, wenn sie auch anders verschlüsselt oder verborgen wurden und werden, aus unterschiedlichsten Gründen. Zum einen weil die direkte Erfahrung einer Konsequenz nicht durch die abgeschottete Situation und das Verbergen hinter falschen Profilen, Avataren und Namen im drei dimensionalen Raum des Lebens vermieden werden kann, zum anderen auch deshalb weil Gestik und Mimik, die Körpersprache in der Welt der online Kommunikation wegfallen. Das ist allerdings auch im Postalischen Schriftverkehr der Fall.

Es gilt also ein vielschichtiges Problem oder Phänomen gezielt auf bestimmte Bereiche zu durchleuchten, das ist sicher nicht in einem Blog Beitrag umfassend möglich, wahrscheinlich auch gar nicht erforderlich, da es sicher hunderte wissenschaftlicher Untersuchungen bereits gibt und die online Recherche dazu umfassendes Material liefern sollte. Man denke nur an bereits verfügbare Studiengänge wie die Sozioinformatik.

Also zurück zu meinem Ausgangspunkt der mich ganz persönlich betrifft und beschäftigt:
Meine Systemqualifikation und wie sie zu betrachten oder zu bewerten ist.
Die ganze Problematik dieser Fragestellung hat für mich persönlich natürlich vielseitige Facetten und führt in ihrer Bewertung als Problematik auf unterschiedlichste Erfahrungsschlüsse und Schlüsselerlebnisse zurück. Wir Menschen haben die Angewohnheit uns selbst und unser eigenes Schicksal als einzigartig zu betrachten und das ist es ja in gewisser Weise auch. Allerdings sind die Konsequenzen unserer erlernten Verhaltensmuster eben nicht einzig auf uns selbst beschränkt sondern bedingen sich durch und finden sich in den Reaktionen und Beeinflussungen unseres Umfeldes wieder. Der Prozess der Anpassung und der Manipulation und das Reagieren auf die Reaktionen anderer sind ununterbrochen durch unser eigenes Verhalten und Denken mitbestimmt. Und daher ist jede Situation in der wir uns gegenwärtig wiederfinden eine die von uns selbst in gleichem Maße mitgestaltet wurde wie durch andere oder eben – und das ist der Knackpunkt – durch unsere Wahrnehmung und Interpretation ihres Verhaltens. Das Denken, die innere Gedankenwelt und damit die Motive und Vorhaben anderer können wir eben immer nur interpretieren und nicht wie bei uns selbst direkt einsehen und analysieren. Das fatale ist, dass wir diese Möglichkeit der direkten Einsichtnahme und Selbstanalyse unserer eigenen Gedanken, Motive und Gefühlsregungen eben so wenig nutzen und unsere Reaktionen emotionaler und scheinbar rationaler Beweggründe als gegeben und unveränderbare Natur unserer Persönlichkeit hinnehmen. Dadurch werden wir hilf- und willenlose Opfer unserer eigenen Programmierung und verbauen uns die Sicht auf das tatsächliche Geschehen und Vorgehen, innerlich und äußerlich, das notwendig wäre um unseren Entscheidungen das Potential einer vernunftbegabten Spezies in mündiger und auch das Gemeinwohl anerkennender Weise zukommen zu lassen. Unsere Reaktionen aber, so und hier vor allem auch meine eigenen, sind in hohem Maße von dem Bedürfnis der Leidvermeidung bestimmt, ohne dass wir uns darüber im Klaren wären woher dieses „Leid“ überhaupt kommt und wodurch es entsteht, ob wir tatsächlich selbst mit der jeweiligen Situation im Unreinen sind oder uns das eben lediglich eingeredet und einprogrammiert wurde.

Meine immer wiederkehrende Unzufriedenheit mit meiner Lebenssituation heute, mit fast vierzig Jahren, ist mit großer Sicherheit durch eine solche selbst zugelassene und durch Ignoranz und Unwillen mich selbst zu durchleuchten verursachte Programmierung entstanden. Denn tatsächlich ist meine Lebenssituation eine vergleichsweise hervorragende, die mich mit vielen Freiheiten und Möglichkeiten ausstattet.

Habe ich „Depression“?
Doch unmittelbar nach der Einsicht in diese Tatsache lasse ich Gedanken zu die diese Sicht auf die Gegebenheiten trüben, wie zum Beispiel mein Alter, da ich mich nicht mehr als jung genug betrachten kann/will um neue Dinge zu beginnen, um mich leidenschaftlich einer Sache zu widmen oder um mir selbst neue Dinge beizubringen. Die Vorstellungen und Projektionen reichen dabei weit in die Zukunft und zeichnen einen Lebensweg der natürlich allein auf meinen derzeitigen Erfahrungen und Erlebnissen als auch auf meiner ganz persönlichen Interpretation dieser beruht. Dadurch blockiere ich meine Sicht auf die tatsächlichen Gegebenheiten, mein Befinden, mein Potential, meine Möglichkeiten und natürlich auch die Nutzung des Verstandes im Sinne einer praktikablen Ausrichtung meiner Entscheidungswerte an den Prinzipien für die ich stehe, stehen kann und will, nämlich dem was das Beste ist für das Leben als Eins, also für alle. In meinem Umfeld werden diese Phasen der Unzufriedenheit natürlich mit Bedauern aufgenommen und nicht selten ist man auch genervt oder verärgert, was natürlich verständlich ist. Diese Reaktionen wiederum führen dazu, dass ich mich vor mir selbst und den anderen zu rechtfertigen versuche und ein systemlegitimer Umgang mit dieser emotionalen Unmündigkeit ist die „Diagnose“, die Wandlung des Symptoms in eine Ursache, letztlich in die einzige Ursache des eigenen Verhaltens. Somit wird das, was eine Konsequenz mangelnder Selbstreflexion und Analyse, also verantwortungsloser Ignoranz gegenüber den Faktoren der Selbstbestimmung ist, in der Rechtfertigung zur Ursache gemacht, zu einer imaginären, invasorischen Einheit der man zum Opfer gefallen ist und auf deren Verlauf man kaum einen Einfluss habe. Die Depression ist dafür bekannt, dass sie einen fremdbestimmten Umgang mit den persönlichen Lebensproblemen und dem Leidensdruck fördert der es einem ermöglicht die Ursachen und auch die eigene Verantwortlichkeit für sich selbst, als auch für das gesellschaftliche Leben zu externalisieren. Reine Symptombekämpfung und Unterdrückung sind die Folge. Sogenannte Behandlung mit der Hammerschlagmethode. Überall dort wo die Konsequenzen und Auswüchse der eigenen Unmündigkeit, der Verantwortungslosigkeit und dem lachsen Umgang mit den eigenen Persönlichkeitsstrukturen zum Vorschein kommen wird mit aller Gewalt draufgeschlagen, wobei die alles überdeckende Schicht, die Fassade die das nach außen getragene Bild darstellt immer dünner und brüchiger wird. Wir wissen sehr genau, dass man Symptome nicht erfolgreich verdrängen kann, ohne die Ursachen jemals zu berühren. Wir wissen, dass wir durch Unterdrückung und das Hinausschieben keine Probleme Lösen und die Auswirkungen dieser nur noch vergrößern. Dennoch ist es oder scheint es ein leichter, schneller Weg zu sein zumindest kurzfristig mit den Problemen fertigzuwerden. Und darauf sind wir ja alle gepolt in unserer Gesellschaft, schnell wieder zu funktionieren, mit allem „fertig“- zu werden, für alles eine schnelle, effiziente Lösung parat zu haben. Doch so funktioniert das nicht, und auch das wissen wir genau. Nichts hat sich geändert, keine Behandlung von sogenannten Depressionen hat bisher eine Lösung des Problems herbeigeführt und dort wo ein „Patient“ durch kontinuierliche medikamentöse Sedierung dem Glauben der Heilung anheimgefallen ist kommen zehn neue Fälle depressiver Personen nach.

Weiter zu meinen persönlichen Gedanken, Projektionen, Ängsten und emotionalen Schlüsselreizen:
Die Ursachen dieser gedanklichen Projektionen sind nur bedingt in meinen Erfahrungen und Erlebnissen selbst zu suchen, beispielsweise in wiederkehrenden Enttäuschungen und Momenten des Versagens. Denn diese Erfahrungen selbst sind nichts Außergewöhnliches und jeder Mensch hat sie. Tatsächlich sind die unmittelbaren Schlüsse die man in dem Moment des Erlebens zieht und die man dann als diese emotionale, audiovisuelle, sensorische Momentaufnahme abspeichert, die relevanten Schlüsselmomente auf die es ankommt und durch die man in späteren Erlebnismomenten eben diese passenden Schlüsselreize zu erkennen glaubt, wodurch sich die emotionale, gedankliche und biochemische Drogenkiste öffnet, ohne dass man sich dessen bewusst wäre. Ein „Bauchgefühl“ schleicht sich ein, eine Ahnung und etwas das man leicht und gerne mit Intuition verwechselt, was aber im Grunde nichts weiter als ein halbbewusstes Erinnern ist, ein Aufrufen bestimmter Reaktionsmuster in einer Art Routine nach der man dann funktioniert.

Offenbar muss man aber nicht einmal tatsächlich ein solches Erlebnis haben um in der vorprogrammierten Weise zu „reagieren“ ohne bewusst zu agieren, denn dieselben Ahnungen, Befürchtungen und andere gedankliche Hemmnisse werden eben auch während der Vorstellung von Zukunft, also durch rein imaginäre Projektionen der Gedanken ausgelöst oder erwartet, so dass man sich selbst die Erlebnismomente gar nicht mehr „gönnt“ sondern sie eher vermeidet, weil man glaubt all das schon erlebt zu haben oder eben abschätzen zu können, was sich daraus entwickelt.
Natürlich ist diese Funktion des intelligenten Bewusstseins nicht per se ein Hemmnis oder in irgendeiner Weise einseitig negativ zu bewerten. Wenn man beispielsweise die Erfahrung macht, dass das Berühren von Feuer zu schmerzhaften Verbrennungen führt und daraus den Schluss zieht, dass das wohl in jedem Fall dasselbe Resultat zur Folge hat, so ist das natürlich ein sinnvolles Hemmnis das man sich selbst damit auferlegt wenn man nicht mehr in offenes Feuer greift. Doch sind diese offensichtlichen Dinge hier nicht gemeint und es sei nur am Rande erwähnt, dass es auch nicht um das Vermeiden solcher Gedankenstrategien, Schlussfolgerungen und Ahnungen geht, und im Besonderen nicht um eine Bewertung dieser Muster. Es geht lediglich darum, mich selbst in jedem Gedanken, in jeder Emotionalität, in jeder Reaktion verstehen zu können, erkennen zu lernen wo ich selbstbestimmt teilnehme an meinen eigenen Verhaltensmustern und wo ich mich ohne eigenverantwortliche Kontrolle durch meine eigenen, selbst zugelassenen Programme bestimmen lasse. Die Frage nach dem Grund ist ganz einfach: will ich mich selbst als eigenständigen, verantwortungsbewussten, vernunftbegabten und vertrauenswürdigen Mensch unter anderen Menschen bewegen, muss ich für mich selbst - also mein Handeln in jedem Moment gerade stehen und Verantwortung auch übernehmen können. Das ist eben nur dann konfliktfrei und ohne die Gefahr des Selbstbetruges und der ignoranten Vermeidung eigener Selbstreflektion möglich, wenn ich mich stetig darum bemühe mich und mein Innenleben zu verstehen um überhaupt erst in mündiger Weise entscheiden zu können ob ich eine Reaktion zulasse, ob ich mich aus einem selbstbestimmten und bewussten Antrieb für oder gegen etwas entscheide, welche Konsequenzen jedwede Entscheidung für mich und andere hat oder sehr wahrscheinlich haben könnte und ob ich letztlich vor mir selbst in aufrichtiger Selbstehrlichkeit für diese Konsequenzen gerade stehen kann.

Es ist im Grunde  nicht schwer zu erkennen, dass eine der am häufigsten verbreiteten und am besten entwickelten Vermeidungstaktiken menschlicher Persönlichkeit in unserer Welt die Externalisierung der Verantwortung ist. Die Projektion sozusagen, die jedwede persönliche Enttäuschung und Niederlage, jedes Versagen oder jeden Mangel den man verspürt äußeren Umständen und dem Verhalten anderer Menschen zuschreibt. Das ist sozusagen zu einem Dogma geworden, das überhaupt nicht mehr hinterfragt wird. Ich kann behaupten, dass ich dieses Dogma für mich selbst in vielen Bereichen meiner Persönlichkeitsstruktur bereits auflösen konnte und dass es kaum einen anderen Weg gibt, seine eigenen Freiheit und Selbstbestimmung zu erlangen, als sich eben dieser Eigenverantwortung in allen Bereichen des Lebens zu stellen.

Unsere Welt ist voll von institutionalisierter Verantwortungsübertragung und das ist nicht ohne Grund so. Denn das, wovor wir als einzelne am meisten Angst haben, und dazu zählt bedauerlicher Weise in unserer Zeit die Eigenverantwortung, wäre gleichzeitig der Schlüssel zu Freiheit, Selbstbestimmung und lösungsorientiertem Gemeinschaftssinn. In der Übernahme und Anerkennung der Verantwortlichkeit aller am Funktionieren und auch an der Art und Entwicklung einer Gemeinschaft oder Gesellschaft liegt nämlich ebenso die Erkenntnis der unabdingbaren Einheit des Lebens, der gegenseitigen Abhängigkeit und Bedingtheit aller. Erst die Flucht vor der Verantwortungsübernahme macht die Massenmanipulationen durch Angst, die missbräuchliche Beherrschbarkeit einer Gesellschaft und ihre Ausbeutung im Namen des Profits ohne Rücksicht auf Verluste möglich. Eine derart widersinnige, gegen unsere eigene Existenz, gegen unser eigenes Potential als Menschen und gegen den Intellekt an sich gerichtete Lebensstrategie die wir als Gesellschaften heute und seit ewigen Zeiten verfolgen ist eben nur durch gezielte, grundlegende Manipulation unserer eigenen Selbsterkenntnis überhaupt möglich und Umsetzbar. Die Institutionen sind vielfältig und in allen Lebensbereichen anzutreffen. Übergeordnet ist der Staat, dann folgen institutionalisierte Verwaltungsapparate, die Justiz, die Exekutive Gewalt, die Versicherungen, doch letztendlich steckt hinter all diesen Abteilungen die mächtigste Institution, nämlich das Geldsystem, repräsentiert durch die Wirkungskräfte der Industrie, der sogenannten Wirtschaft, die eigentlich immer eine Misswirtschaft ist.

Wir haben als einzelne Individuen, als Bürger, als Arbeitnehmer, als Eltern immer genügend Möglichkeiten uns selbst in die Nischen treiben zu lassen und an jeder Stelle an der wir mit unserem Lebensweg oder unseren spärlichen Entscheidungen anecken einen Grund außerhalb unserer Selbst zu finden, bzw. eine übergeordnete Instanz zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wenn das zunächst positiv klingen mag, so ist diese Rechenschaft doch in aller Regel ein fauler Kompromiss, eine kurzzeitige Einbildung der Zufriedenstellung, oder aber wo ich schon Versicherungen angesprochen habe, ein Kämpfen um eine Wiedergutmachung im Zuge derer man mehr und mehr zum wiederholten Male Opfer wird. Hier wird sicher immer wieder das Argument der gesetzlichen Krankenversicherungen angebracht um die Positive Seite dieses Systems zu unterstreichen, aber auch wenn diese Idee eine gute zu sein scheint muss man nicht lange an der Oberfläche kratzen bis schließlich zum Vorschein kommt, dass die zahlende Seite der Absicherung nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Gesundheitssystems ausmacht und dass die Manipulation, die nutzbar-Machung und die Ausbeutung der betroffenen als profitable Ressource innerhalb der Maschinerie des gesamten Gesundheitssystems geschickt eingewoben und verpackt sind und der „Nutzer“ dieser Versicherungen, der ja auch nicht in unerheblichem Maße hineinbezahlt, dafür an anderer Stelle, wo er es nicht direkt merkt oder einfach der institutionalisierten Autorität der Medizin unterworfen ist, doppelt und dreifach gemolken wird, wenn erst einmal in das Mahlwerk geraten. Mal ganz davon abgesehen, dass natürlich eine Gesellschaft die die Ausbildung von Pflegern, Pharmazeutikern, Ärzten und Forschern mit trägt und ermöglicht selbstverständlich die Resultate auch als Allgemeingüter behandeln sollte.

In anderen Bereichen sieht es aber ebenso düster aus, wenn wir unsere Eigenverantwortung leichtfertig aufgeben und nach Lösungen unserer eigenen Probleme durch andere suchen lassen, anstatt dort nach Veränderung zu suchen, wo wir tatsächlich selbst einen direkten Einfluss haben. Was für eine idiotische Verhaltensweise, wenn man mal angestrengt darüber nachdenkt. Mensch, was ist aus dir geworden und was könntest du sein muss man sich da fragen.

Kürzlich habe ich einen Beitrag gelesen in dem es um die Ausbeutung von Gefängnisinsassen in verschiedenen Produktionsbereichen ging. Das Problem ist bekannt, ebenso die Resultate der Privatisierung solcher “Anstalten“ zur Profitgewinnung. Doch was mich an diesem Beitrag am meisten in Erstaunen versetzt hat waren die Kommentare und Diskussionen der Leser unter dem Bericht. Denn hier wird ganz deutlich wie sehr wir uns von der Eigenverantwortung für die und als die Gesellschaft entfernt haben. Die Äußerungen auf die ich anspiele sind die, die eben diese Ausbeutung, und nichts anderes ist diese Verfahrensweise, da den Insassen nicht einmal ein Mindestlohn für ihre Arbeit bezahlt wird, zu rechtfertigen versuchen, indem sie mit den enormen Kosten einer Unterbringung von Gefangenen argumentieren und sich zu beschweren versuchen, dass diese von ihren Steuern getragen werden. Was das zeigt ist, dass man sich von allem was unangenehme Konsequenzen in einer Gesellschaft hat und wofür man sich anstrengen müsste um eine Lösung herbeizuführen, also eben alles was Arbeit macht und mir selbst keinen Vorteil, zumindest keinen direkten verschafft, am liebsten ausgeklammert wird und in den Augen der Menschen beseitigt und ignoriert werden sollte. Die Gesellschaft produziert Verbrechen, die Entwicklung eines Menschen und seine Entscheidung Gesetze zu brechen ist eine Konsequenz unseres Umgangs miteinander und der rücksichtslosen und oftmals widersinnigen Umgangsweise mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen. Die Verantwortung für Verbrechen tragen wir alle gemeinsam als Gesellschaft. Daher ist es unsere Pflicht für die Konsequenzen gerade zu stehen und ein mündiger Bürger mit Verstand und Verantwortungsbewusstsein würde auch dafür gerade stehen, so lange bis die Ursachen in gemeinschaftlicher Anstrengung gefunden und bereinigt sind. Doch die Ursachen sind vielschichtig, multifaktoriell und haben immer etwas mit dem eigenen Tun und der eigenen, ganz persönlichen Teilnahme am gemeinschaftlichen, gesamtgesellschaftlichen Leben zu tun. Da möchte der Einzelne eben ungern drin herumstochern.

Ein weiteres Beispiel dieser Ignoranz gegenüber grundlegenden Lösungsmöglichkeiten durch persönliches Engagement, durch Einsatz für Veränderungen im System, sind die Fälle von Suizid in unserer Gesellschaft, die Fälle in denen Menschen nicht nur zu lebendigen, mitlaufenden Opfern ihrer eigenen Ignoranz, sondern tatsächlich zu Menschenopfern unserer Verantwortungslosigkeit werden. Die Symptome die wir real feststellen, die sogenannten Fälle von Depression, sind  natürlich nicht von jetzt auf gleich zu beseitigen und müssen auch behandelt werden. Das Leid dieser Menschen muss zunächst gemildert werden, gegen diese Form der Symptombehandlung ist ja auch überhaupt nichts einzuwenden. Doch muss sie eben unter der Prämisse der temporären Linderung erfolgen und darf nicht als Heilung betrachtet werden. Man hört und liest immer wieder die Aussagen aus dem persönlichen Umfeld von Suizid Opfern, dass diese Menschen vor ihrer Tat einen so ausgeglichenen und zufriedenen Eindruck gemacht hätten und somit auch niemand mehr mit einem derart drastischen Entschluss gerechnet habe. Nun weiß man aber heute sehr genau, wie eine solche suizidale Phase in der Regel verläuft und dass gerade diese Endphase der Ausgeglichenheit im Besonderen alarmierend sein müsste, da sich die Menschen genau dann ernsthaft und fest zu einem Selbstmord entschlossen haben. Genau aus dieser Entschlossenheit resultiert eben die Ruhe und scheinbare Entspannung des Gemüts. Das ist nicht schwer zu verstehen oder nachzuvollziehen, warum also ist dieses „Wissen“ nicht verbreitet? Warum sind solche grundlegenden Elemente der Psychologie nicht Teil der Ausbildungsinstitute? Warum kann jeder Heilpraktiker diese Dinge in seinen ersten Lehrwochen erfahren, aber kein Schüler wird je tatsächlich über Erkenntnisse der Psychologie, also letztlich über die Funktionsweise der eigenen Psyche aufgeklärt? Warum ist Religion, die fadenscheinigen Aberglauben und reine Hoffnungen unterrichtet an den Schulen ein gängiges Fach, Psychologie aber eher exotisch?
Weil man Machtgefälle schafft, um einen Beruf ausüben zu können der letztlich aus der Unwissenheit vieler Profit schlägt. Wir erkennen es ja heute in stetig steigendem Maße, dass eben die Berufszweige, die dem Wohl der Gemeinschaft und des Zusammenlebens dienen und seine Entwicklung fördern sollten mehr und mehr bedroht sind durch das zunehmende Allgemeinwissen, durch das Verbreiten von Informationen auf digitalisierten Wegen. Diese Institutionen, die über Jahrhunderte elitäres Wissen benutzt haben um sich persönlich zu bereichern an dem Unwissen der Masse, die Ärzte, Psychiater, Professoren, sind nur aus diesem missbräuchlichen Prinzip heraus zu solcher „Anerkennung“ gelangt. Ich setze „Anerkennung“ bewusst in Anführungszeichen, denn tatsächlich ist diese keine wirkliche Anerkennung im Sinne der Achtung oder des Respekts aufgrund moralischer Betrachtung, sondern eine Anerkennung aus Unterlegenheitsbewusstsein, aus der aus Abhängigkeit geborenen Angst und der Ungleichheit ihrer wirtschaftlichen Stellung gegenüber der der der „Gewöhnlichen“. Es ist eine Mystifizierung des Berufsstandes, die in der Wirklichkeit allein aufgrund des Geldes repräsentiert wird und wurde.

Ich glaube keineswegs, dass es keine spezialisierten Berufsgruppen geben sollte oder muss, das wäre unlogisch und unsinnig. Ich spreche nur von der Art und Weise wie diese systematisch umgesetzt sind, und diese ist schlicht und einfach inakzeptabel. Grundlegendes Wissen in diesen Bereichen muss der gesamten Gemeinschaft verfügbar gemacht werden, vor allem in psychologischer Hinsicht. Grundlegende Informationen müssen kompetent in der schulischen Ausbildung vermittelt werden, um einen mündigen Umgang auch mit den Ärzten, mit dem Gesundheitssystem im Ganzen jedem zu ermöglichen. Das allein ist natürlich noch keine Lösung, denn die Angst vor der Eigenverantwortung verhindert diesen Umgang weiterhin, da müssen dann andere Strategien der gesellschaftlichen Bildung greifen. Doch ist dies eine Maßnahme die Notwendig wäre. Wenn diese Gemeinschaft die Ausbildung, die Forschung, die Entwicklung im medizinischen Sektor durch ihre Arbeit mit unterstützt, so haben alle gleichermaßen ein Recht auf direkten Zugang zu den erlangten Informationen. Das erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nahezu automatisch. Allein das Dogma der profitorientierten Ausbeutung aller Ressourcen, den Menschen und sein Bewusstsein inbegriffen, verhindert diese fruchtbare Nutzung des menschlichen Potentials im Sinne des Gemeinwohls.

Es ist erstaunlich, dass stattdessen ermüdende Debatten über den Weg aus der Depression über medikamentöse Behandlung, Modifikation und Training des Verhaltens, also quasi über Dressur geführt werden, und dadurch die Probleme an der Wurzel dieser Entwicklungen Gelegenheit bekommen unbemerkt immer weiter zu wuchern. Depression mag ein Krankheit sein, und wer sie erlebt hat kaum eine Möglichkeit in dieser Gesellschaft aus eigenem Antrieb zu entkommen. Allerdings ist die Depression, in welcher Form auch immer sie auftritt, eine pathologische Entwicklung der gesamten Gesellschaft. Einer Gesellschaft die den Einzelnen als Image zu vermarkten versucht und jedem Einzelnen suggeriert er müsse sich selbst anhand bestimmter Modetrends und Richtlinien vermarkten, sich bewerben und gegen die anderen Durchsetzen um erfolgreich, zufrieden und glücklich zu leben. Eine Gesinnung die wider die Prinzipien des Lebens selbst gerichtet ist, die aus einer seit Jahrhunderten Missverstandenen Idee der natürlichen Auslese aufgrund einer Wettkampfgesteuerten Evolution heraus entstanden ist. Der Wettkampf mag ein Wettbewerb sein, auch ein Motor für Fortschritt und Entwicklung, ein Motiv für Verbesserung, aber er wird in der menschlichen Welt eben verzerrt und zu einer „Highlander“-Ideologie nach dem Motto „es kann nur einen geben“. Eine Ideologie die letztlich auf Zerstörung hinauslaufen muss, weil sie der Sinnhaftigkeit beraubt auf einer Plattform stattfindet, die einen gesunden, ausgeglichenen Wettbewerb, eine Angleichung der Chancen und Startvoraussetzungen von vornherein ausschließt. Wir werden gegeneinander ausgespielt und dabei trachtet ganz natürlich jeder Einzelne nach seinem Vorteil. Allerdings ist diese Ideologie von einer Elite des Intellektuellen, bzw. Bildungsmäßigen Machtgefälles ausgelegt und verbreitet worden, um die halbwegs natürlichen Motive des Einzelnen auf eine Ebene zu bringen, auf der er in seinen Handlungen zwar seinem Antrieb folgt, sowohl die Schlüsselreize dieses Antriebs aber, als auch die Handlungen zu denen er sich genötigt fühlt nicht mehr wirkungsvoll im Sinne seines tatsächlichen, persönlichen Vorteils oder gar dem Vorteil der Gemeinschaft, sondern eben nur dem Vorteil der wenigen, von vornherein bevorteilten Eliten wirken.
Ich schweife natürlich in diesem ausführlichen Blog immer wieder scheinbar von meinen persönlichen Punkten ab, allerdings zeigt diese Ausführlichkeit ganz deutlich, dass wir eben nicht vereinzelt und isoliert sind, dass unsere Persönlichkeiten bestimmt werden durch die Einflüsse und Eindrücke unseres Umfeldes und dass unsere eigenen Handlungen und Reaktionen Auswirkungen haben auf alle anderen und alles andere. Daher ist diese Ausführlichkeit auch ganz eindeutig gewollt. Man kann von seinen eigenen Selbstreflexion fast zwingen auf die Gegebenheiten des eigenen Umfeldes, der Gesellschaftlichen Strukturen und die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens schließen und umgekehrt. Dahinter steht die eigentlich ganz schlichte, nahezu banale Einsicht, dass wir Menschen diese Gesellschaft sind, dass wir sie bilden, tragen und akzeptiert haben, dass wir uns selbst in ihrer Entwicklung und ihrem Zustand wiederspiegeln. Und genau hier ist eben auch die Einsicht in die eigenen Bereiche der persönlichen Verantwortlichkeit gefragt, das Akzeptieren der Mitträgerschaft, der Mitgestaltung und auch die Übernahme der Eigenverantwortung für das was ist und wie es sein wird.

Dass es aber so unmöglich oder undenkbar erscheint einzusehen, dass man als Mensch für sich selbst, für die Gemeinschaft und das Leben nach einem selbst mit verantwortlich ist, das ist das Ergebnis von über Generationen vermittelter Gehirnwäsche, der ständigen Neuaufbereitung von Ängsten und der Unfähigkeit der Elterngenerationen für sich selbst und damit für die Zukunft ihrer Kinder geradezustehen. Wie Lemminge, über deren Verhalten wir uns so gerne wundern, geben wir Fehler und Ignoranz immer wieder an unsere Kinder weiter, scheinbar nur um uns selbst nicht eingestehen zu müssen wie feige und unmündig wir tatsächlich sind. Fatalistisch nehmen wir die Welt, die Systeme als unabänderbare, fixe Zustände an und glauben es ginge stets nur darum für uns selbst den gangbarsten Weg zu finden. Genau dieses Hindurchschlängeln durchs Leben, durch die Jahre, bringen wir unseren Kindern bei. Und jedes Mal wenn ein Mensch der das Leben als eine solche Ego-Achterbahn kennengelernt hat vor die Wand fährt macht er die Umstände, die Außenwelt, die „Anderen“ allein dafür verantwortlich, machen uns zum Opfer unserer eigenen Angst vor Verantwortung.

Immer wieder habe ich in meiner Vergangenheit einen Weg gesucht, mich derart in das Leben einzugliedern, dass daraus die ersehnten Vorteile für mich entstehen. Doch was waren diese Vorteile die ich mir erhofft hatte, abgesehen von der Deckung meiner Grundbedürfnisse, der Sicherung meines Lebensunterhalts am absoluten Minimum? Ich dachte die Dinge die ich mir erhoffe seien Anerkennung von anderen, Respekt, Wertschätzung und das Gefühl gebraucht zu werden. Doch ich war darin nicht ehrlich zu mir selbst, denn ich wusste bereits sehr früh, dass all diese Dinge in unserer Gesellschaft, in dieser Welt in der jeder Einzelne darauf getrimmt ist als Ego die Welt zu benutzen anstatt an ihr produktiv teilzunehmen, dass all diese Wertschätzung und Anerkennung in ihrer wahren Form so gut wie nicht existieren. Der Respekt den man hier jemandem der als erfolgreich gilt entgegenbringt ist lediglich verdeckter Neid und Wertschätzung hält meist nur so lange an wie der andere sich einen Vorteil oder einen Profit von dir verspricht. Aber wer ist schuld, wenn täuschende Erwartungen enttäuscht werden? Wer ist Opfer und wer Täter? Oder gibt es beides gar nicht?
Das Schwierige bei der Beantwortung dieser Fragen ist, dass die eigene Ego-Persönlichkeit immer exzessiv nach außen gerichtet ist. Sie kennt quasi keinen anderen Standpunkt als den vor sich selbst, mit dem eigentlichen Sein des Menschen im Rücken und dem eigenen Rücken sozusagen an der imaginären Wand die man um sich aufgebaut hat stehend, nach außen gaffend und geifernd. Die gesamte Handlungs- und Wesensäußerung eines durch und durch im ego-Bewusstsein gefangenen Menschen ist ein permanentes Angstbellen. Die Angst selbst aber wird projiziert in die Wahrnehmung der Außenwelt und dabei verkennt man zum Einen die Angst selbst als eine Bestätigung der eigenen Existenz als Ego und zum anderen den wahren Grund dieser Angst, die eine Angst vor dem Unbekannten des eigenen Selbst ist. Das fatale daran ist, dass durch diese verzerrte Selbstwahrnehmung natürlich auch jede Wahrnehmung des Äußeren, des Umfeldes verzerrt und fehlinterpretiert[1] wird, und zwar immer im Sinne einer Bestätigung der eigenen emotionalen Angstreaktion. Daher ist es ja auch so einfach den Menschen Angst zu machen. Die Angst brauchen sie in diesem Zustand nämlich einerseits als aufreibende, energetisch-gedankliche Bestätigung der eigenen Identität als Persönlichkeit und zum anderen sehen sie ständig und überall Bedrohungen dieser Identität, was sie verleitet nahezu alles zu tun um diese Bedrohung auszuschalten, ohne zu wissen, dass sie sie selbst permanent generieren.

Viel zu oft streicht man sich selbst nämlich völlig aus dem Kontext aus dem heraus man das Beobachtete oder das Erfahrene interpretiert. Dabei betrachtet man wiederum sich selbst isoliert vom Umfeld und das Umfeld isoliert und unabhängig von sich selbst und seinem eigenen Wirken und vernachlässigt dadurch überaus relevante Aspekte die Teil der Reaktionsgrundlagen und Motive der „anderen“ sind. Diese Aspekte sind für einen selbst aber eben genau diejenigen, die der selbstbestimmten Steuerung und Entscheidung unterliegen und die einem das abverlangen, was man gesunden Menschenverstand oder die verantwortungsbewusste Benutzung des eigenen Verstandes nennen könnte. Denn wenn man sich selbst den Tatsachen entsprechend in die grundlegenden Gegebenheiten der Situation mit einbezieht, dann kann man nicht länger die Verantwortung für den Verlauf von Situationen den anderen und den äußeren Umständen zuschreiben, sondern beginnt selbst bewusst einzugreifen in die eigene Wirkungsweise, unter Berücksichtigung der Reaktionen und Empfindungen die einem aus dem Umfeld entgegengebracht werden. Man erkennt auch, dass viele als dogmatisch feststehend geglaubte Ursache-Wirkungs-Beziehungen tatsächlich gar nicht existieren und ist dementsprechend auch nicht mehr enttäuscht, wenn sich das Umfeld den undefinierten Wunschvorstellungen der eigenen, unbedacht dahintreibenden Persönlichkeitsstruktur nicht wie erwartet anpasst.  

Die Welt und das was ist zunächst zu akzeptieren, in allen Zusammenhängen, nichts abzulehnen oder zu vermeiden zu suchen, das ist der Ausgangspunkt von dem eine produktive, wirkungsvolle Veränderung gangbar wird. Und diese Veränderung kann nur dann wahrhaftig sein, wenn sie von dir selbst ausgeht, von deinem eigenen Sein als gestaltender Teil des Ganzen, als Ursache und Wirkungsempfänger zugleich.

Und eben das ist es, was ich immer mal wieder aus den Augen verliere, weil es eben so leicht ist, sich wieder in das alte Gedankenmuster, das erlernte Paradigma sinken zu lassen. Weil überall die gesamten Strukturen unserer  Gesellschaft derart ausgerichtet sind, dass man diese Denkmuster aufgezwungen bekommt und das nimmt man in vielen Bereichen eben auch gerne und dankbar an.
Meine aktuelle Lebenssituation ist eigentlich gar nicht relevant für mein persönliches Empfinden oder meine persönlichen selbst-Bewertungen. Es gab unzählige, völlig unterschiedliche soziale und ökonomische Situationen in denen ich mich gefunden habe und meine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit war immer nur ein temporäres Empfinden, dessen Ursache ich zwar immer wieder in die Umstände meiner Lebenssituation einzuweben versucht habe, aber tatsächlich war es nie wirklich von Bedeutung ob ich beispielsweise finanzielle Schwierigkeiten hatte, ob ich eine Perspektive für meine Zukunft hatte oder nicht oder ob ich ein gutes soziales Netzwerk hatte. Von Bedeutung waren einzig und allein meine Gedanken, meine Wertungsgrundlagen, meine Interpretationen der Wirklichkeit. Und so ist es noch immer. Wann immer ich meine eigene persönliche Situation mit einem Gefühl des Bedauerns oder der Reue wahrnehme weiß ich im Grunde, dass es allein meine Ignoranz gegenüber der Eigenverantwortung für mich und das Leben selbst ist, die dieses Gefühl möglich macht. Es ist meine Entscheidung, bewusst oder unbewusst.[2]

Wenn ich also diese Empfindungen habe, wenn ich mich selbst in der Welt, in der Lebenssituation als unzulänglich und unvollständig wahrnehme, muss ich, wenn ich mich selbst nicht weiter täuschen und hinters Licht führen will, in dieser emotionalen Lage innehalten und mir vor Augen führen, welche Gedanken und Interpretationen genau diese Empfindungen begründen. Und wenn ich diese Gedanken, meist sind es Gedankenmuster, erkannt habe, dann muss ich sie prüfend hinterfragen, ihre Entstehung verfolgen und mir vergegenwärtigen, aus welchem Grund diese gedanklichen Schlüsselreize mit einer emotionalen Ladung versehen sind, die mir diese Empfindung/Stimmung verschafft. In allen Fällen, in denen man sich zu dieser Selbstarbeit entscheidet, endet die Stimmung und man sieht und erkennt deutlich, dass man ganz allein verantwortlich für die Entwicklung dieser Reaktionsmuster ist. Das schließt natürlich in keiner Weise aus, dass es Momente gibt in denen man eine emotionale Stimmung auch ganz bewusst zulassen und genießen kann. Es geht aber hier ja eben um diejenigen Momente oder Phasen, in denen ich mich zum Opfer einer eingebildeten, äußeren Bedingung mache und mich somit selbst hemme, mich selbst beschränke in meiner Fähigkeit zu handeln und etwas zu verändern. Diese Opferhaltung geht gesellschaftlich aus meiner Sicht ziemlich eindeutig einher mit der Ablehnung der eigenen Verantwortung, der Angst vor der eigenen Beteiligung am Leben. Dennoch weiß man im Grunde immer, dass diese Beteiligung unvermeidbar ist, auch wenn wir sprachlich solche Dinge behaupten wie „sich nicht mehr am gesellschaftlichen Leben beteiligen“ oder „aus der Gesellschaft aussteigen“. Der uns gegebene und dennoch oft so eingeschränkt genutzte Verstand aber lässt keine Täuschung zu, was das angeht. Wir können uns niemals abnabeln von dem was ist, weil wir ein Teil dessen sind. Wir sind nicht mal wirklich ein Teil, weil im Grunde alles eins ist, nur das Bewusstsein grenzt sich als eine Entität gedanklich vom Ganzen ab, weil wir eben lernen so zu denken und uns so zu betrachten.

Das allein ist aber nicht ausreichend, die Erkenntnis allein ist niemals ausreichend um etwas zu verändern. Das was man zu erkennen meint ist alles nicht das was sich in den anderen zeigt, sondern das was sich in dir selbst zeigt. Du sprichst immer nur dich selbst an, und niemals den anderen.
Wieviel davon dein eigenes ist, kannst du eben immer nur dann erkennen, wenn du bereit bist dich selbst zu durchleuchten. Das ist aber ein schmerzhafter Prozess, der eben mit enormen Widerständen verbunden ist. Dir selbst ins Gesicht zu schauen, ohne Widerstände und ohne die Möglichkeit sich selbst zu maskieren, das ist ein Schritt der von den wenigsten wirklich geleistet wird und werden kann. Das ist nicht zuletzt der Grund, warum sich in den menschlichen Gesellschaften nichts ändert, warum sich niemals wirklich etwas geändert hat, außer die Art der Maskierung.

Fortsetzung folgt!




[1] Hier muss man natürlich hinterfragen, ob es überhaupt eine korrekte und den Tatsachen angemessene Interpretation geben kann oder ob nicht alle persönliche Interpretation eine Anmaßung ist, d.h. sich der Angemessenheit nur annähern kann.
[2] Wobei „unbewusst“ auch fälschlicherweise den Eindruck der Unschuld vermittelt. Tatsächlich ist das „Unbewusste“ ebenfalls ein ganz eigener Bereich der Verantwortlichkeit und nicht etwa etwas Unzugängliches, dessen Opfer man wird.




Dienstag, 24. Februar 2015

Tag 199 - Living process & Self correction - coming back to life pt2

The principles of waking a collective structured process in the face of tasks, duties, jobs and other requirements of everyday life can become a challenge. Here I am working on points of my own experience and resistances, reactions and actual facts where I have/had to make clear decisions in order to commit myself fully to the principles of what is best for all, to the responsibilities of life, of the group and my self.

pt1 here:
http://youtu.be/ebpKAGifuTI


Desteni I Process:
http://desteniiprocess.com

Montag, 26. Januar 2015

Tag 196 - Selbstanalyse Teil 5 - Angst vor den eigenen Fähigkeiten (?)


Das Leugnen der eigenen Fähigkeiten als Mensch bewahrt letztlich nicht vor der Verantwortlichkeit für die Konsequenzen eigenen Handelns.

Teil 5 der Vlogreihe

Mein Blog:
reiseinsleben.blogspot.com

Desteni I-Process:
desteniiprocess.com

Donnerstag, 15. Januar 2015

Tag 194 - Analyse der Selbstbeschränkungen Teil 3 - Exkurs


"Im Kleinen wie im Großen"
Das System der menschlichen Gemeinschaft ist ein Spiegel des Inneren eines jeden Einzelnen.

Ein Exkurs in deutsch und englisch über eine Dokumentation mit dem Titel:
"JFK to 911 everything is a rich Mans trick"

Teil 1 & 2:
http://youtu.be/Qb79cWjdXXE         http://youtu.be/kYgU-trCKLU

Mittwoch, 14. Januar 2015

Tag 193 - Selbstanalyse beschränkender Persönlichkeitsmuster T2



Themen im zweiten Teil:

Eigenverantwortung, Selbstbestimmung,Egoismus, Gesellschaft, "System", gesunder Menschenverstand (common sense)

Desteni I-Process:
http://detseniiprocess.com

Freitag, 2. Januar 2015

Tag 190 - ADHS: Das Bug Tracking System einer entmündigten Gesellschaft





AD(H)S ist nichts anderes als eine schändliche Augenwischerei um den mit dem menschlichen Potential der vielfältigen Entfaltungsfreiheit unvereinbaren Status und den Anforderungen des tatsächlichen sozialen Systems scheinbar  zu legitimeren und wieder einmal die Augen vor den wahren Ursachen unserer eigenen Verantwortlichkeit ruhigen Gewissens verschließen zu können, indem wir uns blindgläubig in die Hände der Institutionen die einzig und allein im Dienste des Geldsystems stehen verschreiben. Dieses Verhalten ist nichts weiter als das von abergläubischen und naiven Menschen - nur viel schlimmer, weil wir die Ignoranz und den Unwillen uns der Verantwortung unserer tatsächlichen Fähigkeiten zu stellen freiwillig wählen und zwar aus Angst und purer Bequemlichkeit. Wir nehmen daher die Konsequenzen offensichtlichen Unrechts bei vollem Bewusstsein über ihre Tragweite in Kauf, stellen die persönliche Bequemlichkeit und die Gewohnheit noch vor das Wohl der uns Schutzbefohlenen Kinder und übergeben sie der profitschachernden Maschinerie, dem Kartell der Psycho-pharmakologen die sie eben dem System mit brachialer Gewalt wieder anpassen sollen, in das sie als ganzheitlicher Mensch nicht hineinpassen können. 

Es ist faszinierend und erschreckend – allerdings wenig überraschend, dass wir zu glauben scheinen es sei leichter und auch angemessener die Menschen den Strukturen anzupassen die wir offensichtlich unzureichend ausgearbeitet und umgesetzt haben, als die Strukturen nachzubessern in die wir uns zu zwingen versuchen.

Das laut ICD und DSM immer wieder benannte „unpassende“ Verhalten von Kindern weist in erster Linie auf ein Defizit der systemischen Anforderungen die an sie gestellt werden Angesichts des natürlichen Drangs nach Aktivität und vielschichtiger Entwicklungsmöglichkeiten des Lebendigen hin und nicht etwa auf eine Störung im Sinne einer persönlichen Fehlentwicklung. Dieser fatale Sicht- und Prioritätenwechsel, der offensichtlich der herablassenden Arroganz einer durch soziale Umstände bemächtigt übergeordneten Instanziierung der „menschlichen Welt“ als die Welt der Erwachsenen zu verschulden ist, die überdies noch in dreister Weise versucht ihre eigene offenkundige Fehlorientierung und Beschränktheit den Kindern zur Last zu legen, stellt ein Verbrechen am Leben und einen Verrat an der Nachkommenschaft dar, der unvergleichlich unethisch und verwerflich ist.

Wie kann es sein, dass erwachsene Menschen die sich dafür entscheiden ein Kind in diese Welt zu setzen bei den Schwierigkeiten die dieses Kind mit der vorgesehenen oder vorgeschriebenen Entwicklungslaufbahn in der Gesellschaft und durch die Institutionen hat sich selbst nicht zu helfen wissen und die Institutionen allein verantwortlich machen wollen? Wie kann es sein, dass Eltern sich ratlos zeigen wenn ihr Kind nicht mehr „funktioniert“ und es die Erwartungen einer vorprogrammierten Entwicklung nicht erfüllt? Wir müssen uns endlich eingestehen, dass eine solche Erwartungshaltung nichts anderes bedeutet, als dass wir unsere Kinder und auch uns selbst für nicht mehr als einfache programmierbare Biomaschinen, also für Roboter halten. Und wenn diese Maschine den Code nicht schluckt, dann muss eine Fehlfunktion der Maschine selbst der Grund dafür sein, denn bei allen anderen „funktioniert“ er doch, oder etwa nicht…? Nun, wir glauben jedenfalls, dass der Code unserer sozialen Programmierung bei uns funktioniert, wissen tun wir es allerdings nicht. Wir wissen ganz andere Dinge, nämlich dass diese Programme höchst fehlerhaft sind und trügerische Sicherheiten schaffen die eben nicht real sind sondern nur so lange für wahr gehalten werden, wie niemand offen Zweifel äußert und alle den Wahn aufrecht erhalten. Daher muss jeder Störfaktor eliminiert werden und niemals darf die Systemfrage gestellt werden, niemals darf sie Teil der Diskussion zur Lösungsfindung sein, weil wir vor diesem Moment des mentalen Vakuums eine enorme Angst haben. Die Angst rührt von der offenkundigen Eigenverantwortlichkeit für die tatsächlichen Umstände in die wir uns gezwungen haben her. In erster Linie aber befürchten wir natürlich selbst für fehlerhaft gehalten zu werden, einen Stempel aufgedrückt zu bekommen, dass etwas mit uns nicht stimmt. Daher behalten die Menschen jeden Konflikt und ihre innere Zerrissenheit angesichts der beschränkenden und beschneidenden Anpassungszwänge so lange für sich, bis der Leidensdruck unerträglich wird oder sich durch körperliche Beschwerden, Depressionen und ähnliche Zustände Luft macht. Bei unseren Kindern allerdings haben wir scheinbar weniger Probleme ihnen dieses Stigma zu verpassen, sie unter Drogen zu setzen und sie ohne Sinn und Verstand von ihrer Möglichkeit der eigenen Entwicklung und selbstbestimmten Erkenntnis über ihren Zustand und den der Welt in der sie leben zu befreien. 

ADHS ist reine Imagination, ein verzweifelter Versuch Symptome so zu interpretieren, dass diese Interpretationen nicht die wahren Ursachen der Entwicklung des jeweiligen Zustands berühren. Eine Ohnmachtshaltung offenbart sich in solchem Verhalten, die der Rolle der Generationen von Experten und vom System ausgebildeter Erwachsener, die einen Auftrag zumindest theoretisch und ideologisch angenommen haben die Nachkommen verantwortungsbewusst auf das Leben vorzubereiten und auszubilden, nicht zusteht, bzw. für sie nicht angemessen ist.
Die Haltung des mit den Schultern zuckenden und hilflosen Vormunds der angesichts einer unerwarteten Verhaltensweise des Mündels auf Hilfe von außen hofft. Doch woher soll diese Hilfe denn kommen? Welcher andere Erwachsene hat denn das Wissen über sich selbst und seine Entwicklung, seine Psyche und den Verstand, die Gedanken und das Bewusstsein, dass er in der Lage wäre diese Prozesse nachvollziehen zu können, die zu einem „abweichenden Verhalten“ führen? Wenn dieses Verständnis in der Wissenschaft gelehrt werden würde wäre es ohnehin zu spät, ganz davon abgesehen dass nur ein intensives und diszipliniertes Selbst-Studium zu einem Fortschritt der Erkenntnis über diese menschlichen Entwicklungsprozesse führen kann und dieses Studium im Grunde ein ganzes Leben dauert. Schon im frühen Kindesalter müssten der Umgang mit den eigenen Emotionen, sie zu verstehen und zu beobachten, ihr Zustandekommen und vor allem auch die eigene Situation im Leben und in der Welt dem Kind so nahegebracht werden, dass es die Werkzeuge besitzt sich selbst verstehen und kennenlernen zu können. Denn nur so würde sich ein Selbst-Bewusstsein entwickeln, das unabhängig von Beurteilungen und Bewertungen von außen ist, das auf der Basis einer Gleichheit und Einheit als ein Leben unter vielen Leben verstanden und eben auch gelebt wird und welches ein resigniertes Schulterzucken angesichts der Probleme eigener Verantwortlichkeitsbereiche absurd machen würde.

Erst so können wir unseren Kindern tatsächlich ein Vorbild sein und erst so werden wir die Verantwortung übernehmen und ihnen den Weg in ein Leben bereiten können, das allen dieselbe Würde und die gleichen Voraussetzungen der Grundversorgung sowie eine angstfreie Entfaltungsprognose bieten kann. 
Doch das kann eben nur unter Einbeziehung der Eigeninitiative eines jeden Einzelnen geschehen indem wir unsere Verantwortlichkeiten anerkennen und sie aktiv übernehmen und die fatalistisch selbstsüchtige Angststarre eines selbstverlorenen Persönlichkeitsbildes aufgeben.

Montag, 21. Juli 2014

Tag 180 - Immer geduckt (persönlicher Selbstanalyse und Korrekturprozess 2. Teil)

Pictoscribe / Foter / Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)




Das ist der zweite Beitrag einer Reihe zum persönlichen Selbstanalyse-, Entwicklungs- und Korrekturprozess
Teil 1:

Tag 179 - Warten auf das "Jetzt" 

 

Auszug:

"Große Pläne? Nein, denn das, was ich bin und was ich zu tun gedenke, das beginnt jetzt und hier. Mit jedem Schritt und jedem Atemzug. Bleibe ich gesund liegen nach Abschluss des Studiums noch gute zwanzig Jahre Arbeitsleben vor mir, mehr als genug um mcih entsprechend einzubringen. Ich will hier nicht klingen wie ein unreifer Idealist, daher stoppe ich diesen Gedankengang hier. Die Entscheidung ist gefallen und diese Entscheidung wird in dieser Größenordnung wohl meine letzte sein. Ich konnte immer schon am besten unter existentiellem Druck arbeiten also habe ich die besten Voraussetzungen für mich und diesen Moment geschaffen. "



 2. Teil

Ich habe mein Leben in geduckter Haltung verbracht und werde diesen Fehler jetzt Schritt für Schritt und Stück für Stück beseitigen. 

Verantwortlich für meine Haltung oder besser gesagt meine Zurückhaltung bin immer ich selbst und niemand sonst, keine äußeren Umstände, kein Verhalten anderer und auch nicht meine Natur oder das, was man gemeinhin die „Natur“ und den „Charakter“ nennt, ohne genau zu wissen wovon man da eigentlich spricht. Verantwortung beginnt immer bei einem selbst und erst in zweiter Linie sind andere mit verantwortlich für die Situation in der man lebt und die das eigene Leben mitbestimmt. Doch auch die Verantwortlichkeit anderer ist eine Eigenverantwortung die sie zunächst sich selbst gegenüber zu akzeptieren und zu erfüllen haben, denn nur dann kann man davon ausgehen, es mit Selbst-bewussten und vertrauenswürdigen Menschen zu tun zu haben und nur dann ist es möglich ein produktives Miteinander zu gestalten das nicht auf Misstrauen, Missgunst, Angst und gegenseitiger Ausbeutung beruht.

Ich habe diese verdrängten und verborgenen Ängste in mir herangezüchtet und es ihnen gestattet mich zu bestimmen. Wenn man ein Leben im Verborgenen führt, wenn man sich versteckt hinter Fassaden, hinter Heuchelei und Schauspielerei, wenn man nur in seinem geheimen Bewusstsein eine „intime Persönlichkeit“ kultiviert, dann bleibt keine Wahl außer sich selbst zu belügen und damit auch die anderen. Und mit der Zeit glaubt man seine eigenen Lügen und identifiziert sich tatsächlich mit dieser geheimen Instanz und man bemerkt nicht, dass das Gefühl des Mangels und der Unzulänglichkeit, die Unzufriedenheit und die ständige Suche nach Erfüllung nur aus diesem unglücklichen Selbstbetrug erwachsen. Man bemerkt diese ständige Fremdbestimmung durch die inneren Programme, die Ängste sich zu offenbaren in allen Entscheidungen und Taten nicht mehr, man wird verkrampft und verbittert, man verliert den Blick und die Wahrnehmung für das Hier, den wirklichen Moment des Lebendigen Seins. Die Last der erdrückenden Gedankenmuster und Konstrukte die man sich als Schutzwall vor der Wirklichkeit aufgebaut hat lassen einen in die Knie gehen, man versucht ständig auch das wahre körperliche Selbst verborgen zu halten. Entweder man verkleidet sich wie ein Pfau oder man versucht so unauffällig und normal wie möglich zu wirken, oder aber man senkt den Kopf um nicht gesehen oder erkannt zu werden, lässt die Schultern hängen und steht geduckt, versuch sich in sich selbst zurückzuziehen. Doch dort gibt es keinen Lebensraum, sondern nur die Welt der eigenen Gedanken, welche nur durch das Körperliche überhaupt existiert.
Es mag erscheinen wie ein defensiver Zustand der Zurückhaltung aber wenn man es genauer betrachtet erkennt man, dass das Gegenteil der Fall ist. Denn durch diesen permanenten Selbstbetrug, die Anstrengung das Geheimnis der eigenen innersten Ängste, der verborgenen selbstsüchtigen Pläne, der verbitterten Gedanken dass man es ja schließlich verdient habe sich zu bereichern wo es nur geht, ohne Rücksicht auf Verluste in der Hoffnung dass es einem dadurch besser ginge, ist man in ständigem  Kampfmodus, man ist eigentlich aggressiv-passiv, man versucht Gelegenheiten zu nutzen um aus dem Verborgenen zuzuschlagen. Die Verteidigungs- und Opferhaltung ist hier nur eine Konsequenz der eigenen Unaufrichtigkeit und der Versuch einer Rechtfertigung, denn man muss sich nur dort verteidigen, wo man auf unsicherem Grund steht und wenn die eigene Selbstidentifikation unsicher und wackelig ist lebt man in Angst und kann sicher sein, dass sie nicht wahrhaftig ist.
In meinem letzten Blog habe ich die Komplexe meiner Vergangenheitserlebnisse und der mentalen Systeme die ich auf meiner Interpretation dieser Erfahrungen aufgebaut habe beschrieben und gezeigt, dass es immer wieder darauf hinausläuft mich mit einer gedanklichen Idealvorstellung zu vergleichen, einer imaginären Person die bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen erfüllt, die ich erst noch erreichen muss um so zu sein, wie ich es mir vorstelle. Stark, Standhaft, Selbstbewusst und Zielgerichtet. Diese Eigenschaften zu erwerben war für mich immer mit der Laufbahn einer durch die Gesellschaft und das System vorgegebenen Weise verbunden und nur so zu erreichen. Die Aufrichtigkeit und Selbstehrlichkeit immer als das was man ist, was man sich erlaubt hat zu werden einfach zu SEIN und in dieser Akzeptanz das eigene Potential zu entfalten, zu nutzen und selbst zu bestimmen wohin man dabei geht ist aber immer Hier und in jedem Atemzug wählbar. Auf dieser Aufrichtigkeit und Selbstehrlichkeit basiert das Selbstbewusstsein das unumstößlich ist, weil es die eigene Gleichheit/Gleichwertigkeit und Einheit mit allem Leben anerkennt und in das Sein integriert, also lebt. Dieser Selbstwert ist dann nicht nur ein Gefühl oder ein Gedankenkonstrukt, sondern basiert auf den Fakten des Lebens das unabhängig von den Idealen und Ideologien existiert. All das scheinbare Versagen und die Niederlagen die ich als solche in meine Persönlichkeit eingeflochten habe sind nur aus dem einen Grund für mich, mein Leben, meine Entscheidungen und meine Selbstwahrnehmung bestimmend geworden, weil ich das zugelassen habe. Ich habe mich vor mir selbst versteckt und den Wunsch nach Anerkennung durch das Erfüllen von äußeren Bedingungen als Rechtfertigung dafür benutzt, mich immer weiter in die gedanklichen Wahrnehmungen meiner Selbst und meines Umfeldes zu flüchten, ohne die Verantwortung für all die Schwierigkeiten die diese Welt bereithält zu übernehmen und meinen eigenen Beitrag anzuerkennen. Was ist das Beschuldigen und die Abwälzung von Verantwortung anderes als das Betteln um eine Sonderbehandlung?
Bei alledem war mir nie wirklich klar, weil ich es nicht wollte, dass meine Selbstwahrnehmung und die Minderwertigkeitsgefühle meine eigene Kreation sind und ich nur durch meine Unehrlichkeit mir selbst gegenüber die Ängste in mir geschaffen habe, die diese Wahrheit vor mir verbergen sollten. Tatsächlich habe ich immer ein großes Potential an Fähigkeiten, an Durchhaltevermögen, Disziplin und Fleiß gezeigt, wenn es darauf ankam mich und meine imaginäre Selbstidentifikation zu schützen. Und diesen Schutz hatte ich immer dann nötig, wenn ich mich eben durch den stetigen Selbstbetrug in eine bedrohliche Lage gebracht habe. Durch diesen selbst geschaffenen Teufelskreis konnte ich mir selbst die Fähigkeiten die ich darin aufgebracht habe nie eingestehen oder sie schätzen lernen, denn sie waren ja immer nur zu dem Zweck da, ein zum Scheitern verurteiltes Selbstbild aufrecht zu erhalten, das mit der Wirklichkeit in Konflikt kommen musste, und diese Konflikt offenbarte eben immer wieder die eigentliche Lüge dieser Konstruktion meiner Persönlichkeit. Daher müssen selbst erdachte Illusionen, Fantasien und scheinlogische Konstrukte die Konflikte verbergen und aus ihnen Angriffe machen, Attacken auf ein schuldloses Opfer, Bedrohungen durch ein übermächtiges System von dem ich mich selbst getrennt wahrnehme. Aber genau diese Trennung ist die größte Illusion und die Ursache oder besser gesagt der gedankliche Nährboden für alle irrationalen Ängste.

Die Herausforderungen des Systems annehmen das wir alle mit tragen und dessen längst überfällige Überarbeitung nur dann angegangen werden kann, wenn wir alle gemeinsam und jeder für sich diese Flucht in Illusionen aufgeben, wenn wir nicht mehr die symbolischen Artefakte des Ideals repräsentieren, sondern die Aufrichtigkeit, die Einheit und Gleichheit des Lebens wahrhaftig Umsetzen indem wir sie auch in jedem Augenblick leben, bedeutet einen Schritt in die eigenverantwortliche Selbstbestimmung die dem Potential entspricht, das der Mensch hat. Die Verantwortung die seine Fähigkeiten mit sich bringen zu übernehmen bedeutet alles in Betracht zu ziehen was möglich ist, Konsequenzen bewusst zu überschauen und herauszukommen aus der stickigen Höhle des geheimen Bewusstseins, sich zu offenbaren und sich in jedem anderen zu erkennen, zu respektieren und zu ehren mit der Würde die uns allen zusteht.
Wenn wir dafür die äußeren und inneren Bedingungen erfüllen gibt es keinen Grund mehr für defensives und/oder aggressives Verhalten, keinen Grund sich selbst zu beschränken, sich zu unterdrücken und zu verstellen. Es gibt keinen Grund für ein geheimes Bewusstsein oder eine persönliche Agenda der Selbstsucht. Und es kann auch nichts und niemand den eigenen Selbstwert entkräften. 

Ich habe in diesen zwei Blogs bereits sehr viel über mich und weitere Bereiche meiner Persönlichkeit erfahren und zu akzeptieren und verstehen gelernt. Ich habe erkannt wie sehr ich mich selbst unterschätzt, mich selbst beschränkt und unterdrückt habe und dass ich mir ein Selbstbild erschaffen habe das weit entfernt von meinem wirklichen Potenzial und Fähigkeiten liegt. Tatsächlich war das Potenzial immer da, nur mein Bewusstsein, meine Gedanken und die Persönlichkeitsprogramme haben es ermöglicht, meine Sicht auf die tatsächlichen Ereignisse, meine Handlungen, Erfolge und Errungenschaften zu verstellen, die mir trotz aller Widerstände und aller widrigen Umstände gelungen sind. Die Akzeptanz dieser Möglichkeiten und dieses Potentials bedeutet aber eben auch die Verantwortung zu übernehmen beides im Sinne und zum Besten allen Lebens einzusetzen. Und die Angst vor dieser Verantwortung, die eine Eigenverantwortung ist zu der dich niemand auffordert und die dir auch niemand hoch anrechnet in unserer Welt, ist der Antrieb und der Trigger für all die Selbstrechtfertigungen, die Entschuldigungen und selbstgefälligen Ausreden dafür, sich der Wirklichkeit unserer menschlichen Welt nicht zu stellen. 

Veränderung ist unumgänglich in dieser Welt. Doch wenn man nicht einmal bereit ist den IST-Zustand anzuerkennen und die eigene Verantwortung dafür mit in die Berechnungen zu nehmen, dann wird man wirkungslos in seinem Tun und hat keine Möglichkeit für etwas wirklich einzustehen.