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Sonntag, 14. Juni 2015

Tag 204 - Vielseitig orientierungslos - über die Ursachen von Unzufriedenheit Teil 1

Wade Morgen / Foter / CC BY-NC


Vielseitig oder orientierungslos?

Diese Frage stellt sich mir unter anderem in der Rückschau und auch der Prognose meines Lebens, vor allem in Anbetracht der Systemimmanenten Anforderung an den einzelnen Menschen, also auch an mich, angesichts der Eigenverantwortung für mein eigenes und das Leben all derer die von meinem betroffen sind. Da muss man natürlich fragen wer genau das ist und ob sich dieser Einfluss des Einzelnen tatsächlich begrenzen lässt auf beispielsweise die Familie und all jene, mit denen man in direktem Kontakt steht oder ob der Einfluss des Einzelnen nicht immer auch Wellen schlägt und in unüberschaubare Bereiche hineinwirkt, besonders in einer digitalisierten und vernetzten Welt.
Und bereits hier, bei der Wortwahl „vernetzt“ fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass dies kein neuer Begriff ist, der erst mit der digitalen Vernetzung entstanden ist, denn vom sozialen Netzwerk hat man auch schon vor der allgemeinen Verfügbarkeit des Internets gesprochen und natürlich ist der Mensch seit jeher auf Netzwerke angewiesen gewesen. Es scheint also als hätte sich lediglich die Geschwindigkeit des Datenaustauschs verändert und nicht etwa eine völlig neue Entwicklung stattgefunden. Die Rahmenbedingungen sind anders, die Möglichkeiten des Einzelnen vielseitiger und vielleicht mächtiger, einflussreicher. Dennoch kann man ja auch im Internet dieselben menschlichen Züge wiederentdecken die im sozialen Umgang „face to face“ schon immer präsent waren, wenn sie auch anders verschlüsselt oder verborgen wurden und werden, aus unterschiedlichsten Gründen. Zum einen weil die direkte Erfahrung einer Konsequenz nicht durch die abgeschottete Situation und das Verbergen hinter falschen Profilen, Avataren und Namen im drei dimensionalen Raum des Lebens vermieden werden kann, zum anderen auch deshalb weil Gestik und Mimik, die Körpersprache in der Welt der online Kommunikation wegfallen. Das ist allerdings auch im Postalischen Schriftverkehr der Fall.

Es gilt also ein vielschichtiges Problem oder Phänomen gezielt auf bestimmte Bereiche zu durchleuchten, das ist sicher nicht in einem Blog Beitrag umfassend möglich, wahrscheinlich auch gar nicht erforderlich, da es sicher hunderte wissenschaftlicher Untersuchungen bereits gibt und die online Recherche dazu umfassendes Material liefern sollte. Man denke nur an bereits verfügbare Studiengänge wie die Sozioinformatik.

Also zurück zu meinem Ausgangspunkt der mich ganz persönlich betrifft und beschäftigt:
Meine Systemqualifikation und wie sie zu betrachten oder zu bewerten ist.
Die ganze Problematik dieser Fragestellung hat für mich persönlich natürlich vielseitige Facetten und führt in ihrer Bewertung als Problematik auf unterschiedlichste Erfahrungsschlüsse und Schlüsselerlebnisse zurück. Wir Menschen haben die Angewohnheit uns selbst und unser eigenes Schicksal als einzigartig zu betrachten und das ist es ja in gewisser Weise auch. Allerdings sind die Konsequenzen unserer erlernten Verhaltensmuster eben nicht einzig auf uns selbst beschränkt sondern bedingen sich durch und finden sich in den Reaktionen und Beeinflussungen unseres Umfeldes wieder. Der Prozess der Anpassung und der Manipulation und das Reagieren auf die Reaktionen anderer sind ununterbrochen durch unser eigenes Verhalten und Denken mitbestimmt. Und daher ist jede Situation in der wir uns gegenwärtig wiederfinden eine die von uns selbst in gleichem Maße mitgestaltet wurde wie durch andere oder eben – und das ist der Knackpunkt – durch unsere Wahrnehmung und Interpretation ihres Verhaltens. Das Denken, die innere Gedankenwelt und damit die Motive und Vorhaben anderer können wir eben immer nur interpretieren und nicht wie bei uns selbst direkt einsehen und analysieren. Das fatale ist, dass wir diese Möglichkeit der direkten Einsichtnahme und Selbstanalyse unserer eigenen Gedanken, Motive und Gefühlsregungen eben so wenig nutzen und unsere Reaktionen emotionaler und scheinbar rationaler Beweggründe als gegeben und unveränderbare Natur unserer Persönlichkeit hinnehmen. Dadurch werden wir hilf- und willenlose Opfer unserer eigenen Programmierung und verbauen uns die Sicht auf das tatsächliche Geschehen und Vorgehen, innerlich und äußerlich, das notwendig wäre um unseren Entscheidungen das Potential einer vernunftbegabten Spezies in mündiger und auch das Gemeinwohl anerkennender Weise zukommen zu lassen. Unsere Reaktionen aber, so und hier vor allem auch meine eigenen, sind in hohem Maße von dem Bedürfnis der Leidvermeidung bestimmt, ohne dass wir uns darüber im Klaren wären woher dieses „Leid“ überhaupt kommt und wodurch es entsteht, ob wir tatsächlich selbst mit der jeweiligen Situation im Unreinen sind oder uns das eben lediglich eingeredet und einprogrammiert wurde.

Meine immer wiederkehrende Unzufriedenheit mit meiner Lebenssituation heute, mit fast vierzig Jahren, ist mit großer Sicherheit durch eine solche selbst zugelassene und durch Ignoranz und Unwillen mich selbst zu durchleuchten verursachte Programmierung entstanden. Denn tatsächlich ist meine Lebenssituation eine vergleichsweise hervorragende, die mich mit vielen Freiheiten und Möglichkeiten ausstattet.

Habe ich „Depression“?
Doch unmittelbar nach der Einsicht in diese Tatsache lasse ich Gedanken zu die diese Sicht auf die Gegebenheiten trüben, wie zum Beispiel mein Alter, da ich mich nicht mehr als jung genug betrachten kann/will um neue Dinge zu beginnen, um mich leidenschaftlich einer Sache zu widmen oder um mir selbst neue Dinge beizubringen. Die Vorstellungen und Projektionen reichen dabei weit in die Zukunft und zeichnen einen Lebensweg der natürlich allein auf meinen derzeitigen Erfahrungen und Erlebnissen als auch auf meiner ganz persönlichen Interpretation dieser beruht. Dadurch blockiere ich meine Sicht auf die tatsächlichen Gegebenheiten, mein Befinden, mein Potential, meine Möglichkeiten und natürlich auch die Nutzung des Verstandes im Sinne einer praktikablen Ausrichtung meiner Entscheidungswerte an den Prinzipien für die ich stehe, stehen kann und will, nämlich dem was das Beste ist für das Leben als Eins, also für alle. In meinem Umfeld werden diese Phasen der Unzufriedenheit natürlich mit Bedauern aufgenommen und nicht selten ist man auch genervt oder verärgert, was natürlich verständlich ist. Diese Reaktionen wiederum führen dazu, dass ich mich vor mir selbst und den anderen zu rechtfertigen versuche und ein systemlegitimer Umgang mit dieser emotionalen Unmündigkeit ist die „Diagnose“, die Wandlung des Symptoms in eine Ursache, letztlich in die einzige Ursache des eigenen Verhaltens. Somit wird das, was eine Konsequenz mangelnder Selbstreflexion und Analyse, also verantwortungsloser Ignoranz gegenüber den Faktoren der Selbstbestimmung ist, in der Rechtfertigung zur Ursache gemacht, zu einer imaginären, invasorischen Einheit der man zum Opfer gefallen ist und auf deren Verlauf man kaum einen Einfluss habe. Die Depression ist dafür bekannt, dass sie einen fremdbestimmten Umgang mit den persönlichen Lebensproblemen und dem Leidensdruck fördert der es einem ermöglicht die Ursachen und auch die eigene Verantwortlichkeit für sich selbst, als auch für das gesellschaftliche Leben zu externalisieren. Reine Symptombekämpfung und Unterdrückung sind die Folge. Sogenannte Behandlung mit der Hammerschlagmethode. Überall dort wo die Konsequenzen und Auswüchse der eigenen Unmündigkeit, der Verantwortungslosigkeit und dem lachsen Umgang mit den eigenen Persönlichkeitsstrukturen zum Vorschein kommen wird mit aller Gewalt draufgeschlagen, wobei die alles überdeckende Schicht, die Fassade die das nach außen getragene Bild darstellt immer dünner und brüchiger wird. Wir wissen sehr genau, dass man Symptome nicht erfolgreich verdrängen kann, ohne die Ursachen jemals zu berühren. Wir wissen, dass wir durch Unterdrückung und das Hinausschieben keine Probleme Lösen und die Auswirkungen dieser nur noch vergrößern. Dennoch ist es oder scheint es ein leichter, schneller Weg zu sein zumindest kurzfristig mit den Problemen fertigzuwerden. Und darauf sind wir ja alle gepolt in unserer Gesellschaft, schnell wieder zu funktionieren, mit allem „fertig“- zu werden, für alles eine schnelle, effiziente Lösung parat zu haben. Doch so funktioniert das nicht, und auch das wissen wir genau. Nichts hat sich geändert, keine Behandlung von sogenannten Depressionen hat bisher eine Lösung des Problems herbeigeführt und dort wo ein „Patient“ durch kontinuierliche medikamentöse Sedierung dem Glauben der Heilung anheimgefallen ist kommen zehn neue Fälle depressiver Personen nach.

Weiter zu meinen persönlichen Gedanken, Projektionen, Ängsten und emotionalen Schlüsselreizen:
Die Ursachen dieser gedanklichen Projektionen sind nur bedingt in meinen Erfahrungen und Erlebnissen selbst zu suchen, beispielsweise in wiederkehrenden Enttäuschungen und Momenten des Versagens. Denn diese Erfahrungen selbst sind nichts Außergewöhnliches und jeder Mensch hat sie. Tatsächlich sind die unmittelbaren Schlüsse die man in dem Moment des Erlebens zieht und die man dann als diese emotionale, audiovisuelle, sensorische Momentaufnahme abspeichert, die relevanten Schlüsselmomente auf die es ankommt und durch die man in späteren Erlebnismomenten eben diese passenden Schlüsselreize zu erkennen glaubt, wodurch sich die emotionale, gedankliche und biochemische Drogenkiste öffnet, ohne dass man sich dessen bewusst wäre. Ein „Bauchgefühl“ schleicht sich ein, eine Ahnung und etwas das man leicht und gerne mit Intuition verwechselt, was aber im Grunde nichts weiter als ein halbbewusstes Erinnern ist, ein Aufrufen bestimmter Reaktionsmuster in einer Art Routine nach der man dann funktioniert.

Offenbar muss man aber nicht einmal tatsächlich ein solches Erlebnis haben um in der vorprogrammierten Weise zu „reagieren“ ohne bewusst zu agieren, denn dieselben Ahnungen, Befürchtungen und andere gedankliche Hemmnisse werden eben auch während der Vorstellung von Zukunft, also durch rein imaginäre Projektionen der Gedanken ausgelöst oder erwartet, so dass man sich selbst die Erlebnismomente gar nicht mehr „gönnt“ sondern sie eher vermeidet, weil man glaubt all das schon erlebt zu haben oder eben abschätzen zu können, was sich daraus entwickelt.
Natürlich ist diese Funktion des intelligenten Bewusstseins nicht per se ein Hemmnis oder in irgendeiner Weise einseitig negativ zu bewerten. Wenn man beispielsweise die Erfahrung macht, dass das Berühren von Feuer zu schmerzhaften Verbrennungen führt und daraus den Schluss zieht, dass das wohl in jedem Fall dasselbe Resultat zur Folge hat, so ist das natürlich ein sinnvolles Hemmnis das man sich selbst damit auferlegt wenn man nicht mehr in offenes Feuer greift. Doch sind diese offensichtlichen Dinge hier nicht gemeint und es sei nur am Rande erwähnt, dass es auch nicht um das Vermeiden solcher Gedankenstrategien, Schlussfolgerungen und Ahnungen geht, und im Besonderen nicht um eine Bewertung dieser Muster. Es geht lediglich darum, mich selbst in jedem Gedanken, in jeder Emotionalität, in jeder Reaktion verstehen zu können, erkennen zu lernen wo ich selbstbestimmt teilnehme an meinen eigenen Verhaltensmustern und wo ich mich ohne eigenverantwortliche Kontrolle durch meine eigenen, selbst zugelassenen Programme bestimmen lasse. Die Frage nach dem Grund ist ganz einfach: will ich mich selbst als eigenständigen, verantwortungsbewussten, vernunftbegabten und vertrauenswürdigen Mensch unter anderen Menschen bewegen, muss ich für mich selbst - also mein Handeln in jedem Moment gerade stehen und Verantwortung auch übernehmen können. Das ist eben nur dann konfliktfrei und ohne die Gefahr des Selbstbetruges und der ignoranten Vermeidung eigener Selbstreflektion möglich, wenn ich mich stetig darum bemühe mich und mein Innenleben zu verstehen um überhaupt erst in mündiger Weise entscheiden zu können ob ich eine Reaktion zulasse, ob ich mich aus einem selbstbestimmten und bewussten Antrieb für oder gegen etwas entscheide, welche Konsequenzen jedwede Entscheidung für mich und andere hat oder sehr wahrscheinlich haben könnte und ob ich letztlich vor mir selbst in aufrichtiger Selbstehrlichkeit für diese Konsequenzen gerade stehen kann.

Es ist im Grunde  nicht schwer zu erkennen, dass eine der am häufigsten verbreiteten und am besten entwickelten Vermeidungstaktiken menschlicher Persönlichkeit in unserer Welt die Externalisierung der Verantwortung ist. Die Projektion sozusagen, die jedwede persönliche Enttäuschung und Niederlage, jedes Versagen oder jeden Mangel den man verspürt äußeren Umständen und dem Verhalten anderer Menschen zuschreibt. Das ist sozusagen zu einem Dogma geworden, das überhaupt nicht mehr hinterfragt wird. Ich kann behaupten, dass ich dieses Dogma für mich selbst in vielen Bereichen meiner Persönlichkeitsstruktur bereits auflösen konnte und dass es kaum einen anderen Weg gibt, seine eigenen Freiheit und Selbstbestimmung zu erlangen, als sich eben dieser Eigenverantwortung in allen Bereichen des Lebens zu stellen.

Unsere Welt ist voll von institutionalisierter Verantwortungsübertragung und das ist nicht ohne Grund so. Denn das, wovor wir als einzelne am meisten Angst haben, und dazu zählt bedauerlicher Weise in unserer Zeit die Eigenverantwortung, wäre gleichzeitig der Schlüssel zu Freiheit, Selbstbestimmung und lösungsorientiertem Gemeinschaftssinn. In der Übernahme und Anerkennung der Verantwortlichkeit aller am Funktionieren und auch an der Art und Entwicklung einer Gemeinschaft oder Gesellschaft liegt nämlich ebenso die Erkenntnis der unabdingbaren Einheit des Lebens, der gegenseitigen Abhängigkeit und Bedingtheit aller. Erst die Flucht vor der Verantwortungsübernahme macht die Massenmanipulationen durch Angst, die missbräuchliche Beherrschbarkeit einer Gesellschaft und ihre Ausbeutung im Namen des Profits ohne Rücksicht auf Verluste möglich. Eine derart widersinnige, gegen unsere eigene Existenz, gegen unser eigenes Potential als Menschen und gegen den Intellekt an sich gerichtete Lebensstrategie die wir als Gesellschaften heute und seit ewigen Zeiten verfolgen ist eben nur durch gezielte, grundlegende Manipulation unserer eigenen Selbsterkenntnis überhaupt möglich und Umsetzbar. Die Institutionen sind vielfältig und in allen Lebensbereichen anzutreffen. Übergeordnet ist der Staat, dann folgen institutionalisierte Verwaltungsapparate, die Justiz, die Exekutive Gewalt, die Versicherungen, doch letztendlich steckt hinter all diesen Abteilungen die mächtigste Institution, nämlich das Geldsystem, repräsentiert durch die Wirkungskräfte der Industrie, der sogenannten Wirtschaft, die eigentlich immer eine Misswirtschaft ist.

Wir haben als einzelne Individuen, als Bürger, als Arbeitnehmer, als Eltern immer genügend Möglichkeiten uns selbst in die Nischen treiben zu lassen und an jeder Stelle an der wir mit unserem Lebensweg oder unseren spärlichen Entscheidungen anecken einen Grund außerhalb unserer Selbst zu finden, bzw. eine übergeordnete Instanz zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wenn das zunächst positiv klingen mag, so ist diese Rechenschaft doch in aller Regel ein fauler Kompromiss, eine kurzzeitige Einbildung der Zufriedenstellung, oder aber wo ich schon Versicherungen angesprochen habe, ein Kämpfen um eine Wiedergutmachung im Zuge derer man mehr und mehr zum wiederholten Male Opfer wird. Hier wird sicher immer wieder das Argument der gesetzlichen Krankenversicherungen angebracht um die Positive Seite dieses Systems zu unterstreichen, aber auch wenn diese Idee eine gute zu sein scheint muss man nicht lange an der Oberfläche kratzen bis schließlich zum Vorschein kommt, dass die zahlende Seite der Absicherung nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Gesundheitssystems ausmacht und dass die Manipulation, die nutzbar-Machung und die Ausbeutung der betroffenen als profitable Ressource innerhalb der Maschinerie des gesamten Gesundheitssystems geschickt eingewoben und verpackt sind und der „Nutzer“ dieser Versicherungen, der ja auch nicht in unerheblichem Maße hineinbezahlt, dafür an anderer Stelle, wo er es nicht direkt merkt oder einfach der institutionalisierten Autorität der Medizin unterworfen ist, doppelt und dreifach gemolken wird, wenn erst einmal in das Mahlwerk geraten. Mal ganz davon abgesehen, dass natürlich eine Gesellschaft die die Ausbildung von Pflegern, Pharmazeutikern, Ärzten und Forschern mit trägt und ermöglicht selbstverständlich die Resultate auch als Allgemeingüter behandeln sollte.

In anderen Bereichen sieht es aber ebenso düster aus, wenn wir unsere Eigenverantwortung leichtfertig aufgeben und nach Lösungen unserer eigenen Probleme durch andere suchen lassen, anstatt dort nach Veränderung zu suchen, wo wir tatsächlich selbst einen direkten Einfluss haben. Was für eine idiotische Verhaltensweise, wenn man mal angestrengt darüber nachdenkt. Mensch, was ist aus dir geworden und was könntest du sein muss man sich da fragen.

Kürzlich habe ich einen Beitrag gelesen in dem es um die Ausbeutung von Gefängnisinsassen in verschiedenen Produktionsbereichen ging. Das Problem ist bekannt, ebenso die Resultate der Privatisierung solcher “Anstalten“ zur Profitgewinnung. Doch was mich an diesem Beitrag am meisten in Erstaunen versetzt hat waren die Kommentare und Diskussionen der Leser unter dem Bericht. Denn hier wird ganz deutlich wie sehr wir uns von der Eigenverantwortung für die und als die Gesellschaft entfernt haben. Die Äußerungen auf die ich anspiele sind die, die eben diese Ausbeutung, und nichts anderes ist diese Verfahrensweise, da den Insassen nicht einmal ein Mindestlohn für ihre Arbeit bezahlt wird, zu rechtfertigen versuchen, indem sie mit den enormen Kosten einer Unterbringung von Gefangenen argumentieren und sich zu beschweren versuchen, dass diese von ihren Steuern getragen werden. Was das zeigt ist, dass man sich von allem was unangenehme Konsequenzen in einer Gesellschaft hat und wofür man sich anstrengen müsste um eine Lösung herbeizuführen, also eben alles was Arbeit macht und mir selbst keinen Vorteil, zumindest keinen direkten verschafft, am liebsten ausgeklammert wird und in den Augen der Menschen beseitigt und ignoriert werden sollte. Die Gesellschaft produziert Verbrechen, die Entwicklung eines Menschen und seine Entscheidung Gesetze zu brechen ist eine Konsequenz unseres Umgangs miteinander und der rücksichtslosen und oftmals widersinnigen Umgangsweise mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen. Die Verantwortung für Verbrechen tragen wir alle gemeinsam als Gesellschaft. Daher ist es unsere Pflicht für die Konsequenzen gerade zu stehen und ein mündiger Bürger mit Verstand und Verantwortungsbewusstsein würde auch dafür gerade stehen, so lange bis die Ursachen in gemeinschaftlicher Anstrengung gefunden und bereinigt sind. Doch die Ursachen sind vielschichtig, multifaktoriell und haben immer etwas mit dem eigenen Tun und der eigenen, ganz persönlichen Teilnahme am gemeinschaftlichen, gesamtgesellschaftlichen Leben zu tun. Da möchte der Einzelne eben ungern drin herumstochern.

Ein weiteres Beispiel dieser Ignoranz gegenüber grundlegenden Lösungsmöglichkeiten durch persönliches Engagement, durch Einsatz für Veränderungen im System, sind die Fälle von Suizid in unserer Gesellschaft, die Fälle in denen Menschen nicht nur zu lebendigen, mitlaufenden Opfern ihrer eigenen Ignoranz, sondern tatsächlich zu Menschenopfern unserer Verantwortungslosigkeit werden. Die Symptome die wir real feststellen, die sogenannten Fälle von Depression, sind  natürlich nicht von jetzt auf gleich zu beseitigen und müssen auch behandelt werden. Das Leid dieser Menschen muss zunächst gemildert werden, gegen diese Form der Symptombehandlung ist ja auch überhaupt nichts einzuwenden. Doch muss sie eben unter der Prämisse der temporären Linderung erfolgen und darf nicht als Heilung betrachtet werden. Man hört und liest immer wieder die Aussagen aus dem persönlichen Umfeld von Suizid Opfern, dass diese Menschen vor ihrer Tat einen so ausgeglichenen und zufriedenen Eindruck gemacht hätten und somit auch niemand mehr mit einem derart drastischen Entschluss gerechnet habe. Nun weiß man aber heute sehr genau, wie eine solche suizidale Phase in der Regel verläuft und dass gerade diese Endphase der Ausgeglichenheit im Besonderen alarmierend sein müsste, da sich die Menschen genau dann ernsthaft und fest zu einem Selbstmord entschlossen haben. Genau aus dieser Entschlossenheit resultiert eben die Ruhe und scheinbare Entspannung des Gemüts. Das ist nicht schwer zu verstehen oder nachzuvollziehen, warum also ist dieses „Wissen“ nicht verbreitet? Warum sind solche grundlegenden Elemente der Psychologie nicht Teil der Ausbildungsinstitute? Warum kann jeder Heilpraktiker diese Dinge in seinen ersten Lehrwochen erfahren, aber kein Schüler wird je tatsächlich über Erkenntnisse der Psychologie, also letztlich über die Funktionsweise der eigenen Psyche aufgeklärt? Warum ist Religion, die fadenscheinigen Aberglauben und reine Hoffnungen unterrichtet an den Schulen ein gängiges Fach, Psychologie aber eher exotisch?
Weil man Machtgefälle schafft, um einen Beruf ausüben zu können der letztlich aus der Unwissenheit vieler Profit schlägt. Wir erkennen es ja heute in stetig steigendem Maße, dass eben die Berufszweige, die dem Wohl der Gemeinschaft und des Zusammenlebens dienen und seine Entwicklung fördern sollten mehr und mehr bedroht sind durch das zunehmende Allgemeinwissen, durch das Verbreiten von Informationen auf digitalisierten Wegen. Diese Institutionen, die über Jahrhunderte elitäres Wissen benutzt haben um sich persönlich zu bereichern an dem Unwissen der Masse, die Ärzte, Psychiater, Professoren, sind nur aus diesem missbräuchlichen Prinzip heraus zu solcher „Anerkennung“ gelangt. Ich setze „Anerkennung“ bewusst in Anführungszeichen, denn tatsächlich ist diese keine wirkliche Anerkennung im Sinne der Achtung oder des Respekts aufgrund moralischer Betrachtung, sondern eine Anerkennung aus Unterlegenheitsbewusstsein, aus der aus Abhängigkeit geborenen Angst und der Ungleichheit ihrer wirtschaftlichen Stellung gegenüber der der der „Gewöhnlichen“. Es ist eine Mystifizierung des Berufsstandes, die in der Wirklichkeit allein aufgrund des Geldes repräsentiert wird und wurde.

Ich glaube keineswegs, dass es keine spezialisierten Berufsgruppen geben sollte oder muss, das wäre unlogisch und unsinnig. Ich spreche nur von der Art und Weise wie diese systematisch umgesetzt sind, und diese ist schlicht und einfach inakzeptabel. Grundlegendes Wissen in diesen Bereichen muss der gesamten Gemeinschaft verfügbar gemacht werden, vor allem in psychologischer Hinsicht. Grundlegende Informationen müssen kompetent in der schulischen Ausbildung vermittelt werden, um einen mündigen Umgang auch mit den Ärzten, mit dem Gesundheitssystem im Ganzen jedem zu ermöglichen. Das allein ist natürlich noch keine Lösung, denn die Angst vor der Eigenverantwortung verhindert diesen Umgang weiterhin, da müssen dann andere Strategien der gesellschaftlichen Bildung greifen. Doch ist dies eine Maßnahme die Notwendig wäre. Wenn diese Gemeinschaft die Ausbildung, die Forschung, die Entwicklung im medizinischen Sektor durch ihre Arbeit mit unterstützt, so haben alle gleichermaßen ein Recht auf direkten Zugang zu den erlangten Informationen. Das erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nahezu automatisch. Allein das Dogma der profitorientierten Ausbeutung aller Ressourcen, den Menschen und sein Bewusstsein inbegriffen, verhindert diese fruchtbare Nutzung des menschlichen Potentials im Sinne des Gemeinwohls.

Es ist erstaunlich, dass stattdessen ermüdende Debatten über den Weg aus der Depression über medikamentöse Behandlung, Modifikation und Training des Verhaltens, also quasi über Dressur geführt werden, und dadurch die Probleme an der Wurzel dieser Entwicklungen Gelegenheit bekommen unbemerkt immer weiter zu wuchern. Depression mag ein Krankheit sein, und wer sie erlebt hat kaum eine Möglichkeit in dieser Gesellschaft aus eigenem Antrieb zu entkommen. Allerdings ist die Depression, in welcher Form auch immer sie auftritt, eine pathologische Entwicklung der gesamten Gesellschaft. Einer Gesellschaft die den Einzelnen als Image zu vermarkten versucht und jedem Einzelnen suggeriert er müsse sich selbst anhand bestimmter Modetrends und Richtlinien vermarkten, sich bewerben und gegen die anderen Durchsetzen um erfolgreich, zufrieden und glücklich zu leben. Eine Gesinnung die wider die Prinzipien des Lebens selbst gerichtet ist, die aus einer seit Jahrhunderten Missverstandenen Idee der natürlichen Auslese aufgrund einer Wettkampfgesteuerten Evolution heraus entstanden ist. Der Wettkampf mag ein Wettbewerb sein, auch ein Motor für Fortschritt und Entwicklung, ein Motiv für Verbesserung, aber er wird in der menschlichen Welt eben verzerrt und zu einer „Highlander“-Ideologie nach dem Motto „es kann nur einen geben“. Eine Ideologie die letztlich auf Zerstörung hinauslaufen muss, weil sie der Sinnhaftigkeit beraubt auf einer Plattform stattfindet, die einen gesunden, ausgeglichenen Wettbewerb, eine Angleichung der Chancen und Startvoraussetzungen von vornherein ausschließt. Wir werden gegeneinander ausgespielt und dabei trachtet ganz natürlich jeder Einzelne nach seinem Vorteil. Allerdings ist diese Ideologie von einer Elite des Intellektuellen, bzw. Bildungsmäßigen Machtgefälles ausgelegt und verbreitet worden, um die halbwegs natürlichen Motive des Einzelnen auf eine Ebene zu bringen, auf der er in seinen Handlungen zwar seinem Antrieb folgt, sowohl die Schlüsselreize dieses Antriebs aber, als auch die Handlungen zu denen er sich genötigt fühlt nicht mehr wirkungsvoll im Sinne seines tatsächlichen, persönlichen Vorteils oder gar dem Vorteil der Gemeinschaft, sondern eben nur dem Vorteil der wenigen, von vornherein bevorteilten Eliten wirken.
Ich schweife natürlich in diesem ausführlichen Blog immer wieder scheinbar von meinen persönlichen Punkten ab, allerdings zeigt diese Ausführlichkeit ganz deutlich, dass wir eben nicht vereinzelt und isoliert sind, dass unsere Persönlichkeiten bestimmt werden durch die Einflüsse und Eindrücke unseres Umfeldes und dass unsere eigenen Handlungen und Reaktionen Auswirkungen haben auf alle anderen und alles andere. Daher ist diese Ausführlichkeit auch ganz eindeutig gewollt. Man kann von seinen eigenen Selbstreflexion fast zwingen auf die Gegebenheiten des eigenen Umfeldes, der Gesellschaftlichen Strukturen und die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens schließen und umgekehrt. Dahinter steht die eigentlich ganz schlichte, nahezu banale Einsicht, dass wir Menschen diese Gesellschaft sind, dass wir sie bilden, tragen und akzeptiert haben, dass wir uns selbst in ihrer Entwicklung und ihrem Zustand wiederspiegeln. Und genau hier ist eben auch die Einsicht in die eigenen Bereiche der persönlichen Verantwortlichkeit gefragt, das Akzeptieren der Mitträgerschaft, der Mitgestaltung und auch die Übernahme der Eigenverantwortung für das was ist und wie es sein wird.

Dass es aber so unmöglich oder undenkbar erscheint einzusehen, dass man als Mensch für sich selbst, für die Gemeinschaft und das Leben nach einem selbst mit verantwortlich ist, das ist das Ergebnis von über Generationen vermittelter Gehirnwäsche, der ständigen Neuaufbereitung von Ängsten und der Unfähigkeit der Elterngenerationen für sich selbst und damit für die Zukunft ihrer Kinder geradezustehen. Wie Lemminge, über deren Verhalten wir uns so gerne wundern, geben wir Fehler und Ignoranz immer wieder an unsere Kinder weiter, scheinbar nur um uns selbst nicht eingestehen zu müssen wie feige und unmündig wir tatsächlich sind. Fatalistisch nehmen wir die Welt, die Systeme als unabänderbare, fixe Zustände an und glauben es ginge stets nur darum für uns selbst den gangbarsten Weg zu finden. Genau dieses Hindurchschlängeln durchs Leben, durch die Jahre, bringen wir unseren Kindern bei. Und jedes Mal wenn ein Mensch der das Leben als eine solche Ego-Achterbahn kennengelernt hat vor die Wand fährt macht er die Umstände, die Außenwelt, die „Anderen“ allein dafür verantwortlich, machen uns zum Opfer unserer eigenen Angst vor Verantwortung.

Immer wieder habe ich in meiner Vergangenheit einen Weg gesucht, mich derart in das Leben einzugliedern, dass daraus die ersehnten Vorteile für mich entstehen. Doch was waren diese Vorteile die ich mir erhofft hatte, abgesehen von der Deckung meiner Grundbedürfnisse, der Sicherung meines Lebensunterhalts am absoluten Minimum? Ich dachte die Dinge die ich mir erhoffe seien Anerkennung von anderen, Respekt, Wertschätzung und das Gefühl gebraucht zu werden. Doch ich war darin nicht ehrlich zu mir selbst, denn ich wusste bereits sehr früh, dass all diese Dinge in unserer Gesellschaft, in dieser Welt in der jeder Einzelne darauf getrimmt ist als Ego die Welt zu benutzen anstatt an ihr produktiv teilzunehmen, dass all diese Wertschätzung und Anerkennung in ihrer wahren Form so gut wie nicht existieren. Der Respekt den man hier jemandem der als erfolgreich gilt entgegenbringt ist lediglich verdeckter Neid und Wertschätzung hält meist nur so lange an wie der andere sich einen Vorteil oder einen Profit von dir verspricht. Aber wer ist schuld, wenn täuschende Erwartungen enttäuscht werden? Wer ist Opfer und wer Täter? Oder gibt es beides gar nicht?
Das Schwierige bei der Beantwortung dieser Fragen ist, dass die eigene Ego-Persönlichkeit immer exzessiv nach außen gerichtet ist. Sie kennt quasi keinen anderen Standpunkt als den vor sich selbst, mit dem eigentlichen Sein des Menschen im Rücken und dem eigenen Rücken sozusagen an der imaginären Wand die man um sich aufgebaut hat stehend, nach außen gaffend und geifernd. Die gesamte Handlungs- und Wesensäußerung eines durch und durch im ego-Bewusstsein gefangenen Menschen ist ein permanentes Angstbellen. Die Angst selbst aber wird projiziert in die Wahrnehmung der Außenwelt und dabei verkennt man zum Einen die Angst selbst als eine Bestätigung der eigenen Existenz als Ego und zum anderen den wahren Grund dieser Angst, die eine Angst vor dem Unbekannten des eigenen Selbst ist. Das fatale daran ist, dass durch diese verzerrte Selbstwahrnehmung natürlich auch jede Wahrnehmung des Äußeren, des Umfeldes verzerrt und fehlinterpretiert[1] wird, und zwar immer im Sinne einer Bestätigung der eigenen emotionalen Angstreaktion. Daher ist es ja auch so einfach den Menschen Angst zu machen. Die Angst brauchen sie in diesem Zustand nämlich einerseits als aufreibende, energetisch-gedankliche Bestätigung der eigenen Identität als Persönlichkeit und zum anderen sehen sie ständig und überall Bedrohungen dieser Identität, was sie verleitet nahezu alles zu tun um diese Bedrohung auszuschalten, ohne zu wissen, dass sie sie selbst permanent generieren.

Viel zu oft streicht man sich selbst nämlich völlig aus dem Kontext aus dem heraus man das Beobachtete oder das Erfahrene interpretiert. Dabei betrachtet man wiederum sich selbst isoliert vom Umfeld und das Umfeld isoliert und unabhängig von sich selbst und seinem eigenen Wirken und vernachlässigt dadurch überaus relevante Aspekte die Teil der Reaktionsgrundlagen und Motive der „anderen“ sind. Diese Aspekte sind für einen selbst aber eben genau diejenigen, die der selbstbestimmten Steuerung und Entscheidung unterliegen und die einem das abverlangen, was man gesunden Menschenverstand oder die verantwortungsbewusste Benutzung des eigenen Verstandes nennen könnte. Denn wenn man sich selbst den Tatsachen entsprechend in die grundlegenden Gegebenheiten der Situation mit einbezieht, dann kann man nicht länger die Verantwortung für den Verlauf von Situationen den anderen und den äußeren Umständen zuschreiben, sondern beginnt selbst bewusst einzugreifen in die eigene Wirkungsweise, unter Berücksichtigung der Reaktionen und Empfindungen die einem aus dem Umfeld entgegengebracht werden. Man erkennt auch, dass viele als dogmatisch feststehend geglaubte Ursache-Wirkungs-Beziehungen tatsächlich gar nicht existieren und ist dementsprechend auch nicht mehr enttäuscht, wenn sich das Umfeld den undefinierten Wunschvorstellungen der eigenen, unbedacht dahintreibenden Persönlichkeitsstruktur nicht wie erwartet anpasst.  

Die Welt und das was ist zunächst zu akzeptieren, in allen Zusammenhängen, nichts abzulehnen oder zu vermeiden zu suchen, das ist der Ausgangspunkt von dem eine produktive, wirkungsvolle Veränderung gangbar wird. Und diese Veränderung kann nur dann wahrhaftig sein, wenn sie von dir selbst ausgeht, von deinem eigenen Sein als gestaltender Teil des Ganzen, als Ursache und Wirkungsempfänger zugleich.

Und eben das ist es, was ich immer mal wieder aus den Augen verliere, weil es eben so leicht ist, sich wieder in das alte Gedankenmuster, das erlernte Paradigma sinken zu lassen. Weil überall die gesamten Strukturen unserer  Gesellschaft derart ausgerichtet sind, dass man diese Denkmuster aufgezwungen bekommt und das nimmt man in vielen Bereichen eben auch gerne und dankbar an.
Meine aktuelle Lebenssituation ist eigentlich gar nicht relevant für mein persönliches Empfinden oder meine persönlichen selbst-Bewertungen. Es gab unzählige, völlig unterschiedliche soziale und ökonomische Situationen in denen ich mich gefunden habe und meine Zufriedenheit oder Unzufriedenheit war immer nur ein temporäres Empfinden, dessen Ursache ich zwar immer wieder in die Umstände meiner Lebenssituation einzuweben versucht habe, aber tatsächlich war es nie wirklich von Bedeutung ob ich beispielsweise finanzielle Schwierigkeiten hatte, ob ich eine Perspektive für meine Zukunft hatte oder nicht oder ob ich ein gutes soziales Netzwerk hatte. Von Bedeutung waren einzig und allein meine Gedanken, meine Wertungsgrundlagen, meine Interpretationen der Wirklichkeit. Und so ist es noch immer. Wann immer ich meine eigene persönliche Situation mit einem Gefühl des Bedauerns oder der Reue wahrnehme weiß ich im Grunde, dass es allein meine Ignoranz gegenüber der Eigenverantwortung für mich und das Leben selbst ist, die dieses Gefühl möglich macht. Es ist meine Entscheidung, bewusst oder unbewusst.[2]

Wenn ich also diese Empfindungen habe, wenn ich mich selbst in der Welt, in der Lebenssituation als unzulänglich und unvollständig wahrnehme, muss ich, wenn ich mich selbst nicht weiter täuschen und hinters Licht führen will, in dieser emotionalen Lage innehalten und mir vor Augen führen, welche Gedanken und Interpretationen genau diese Empfindungen begründen. Und wenn ich diese Gedanken, meist sind es Gedankenmuster, erkannt habe, dann muss ich sie prüfend hinterfragen, ihre Entstehung verfolgen und mir vergegenwärtigen, aus welchem Grund diese gedanklichen Schlüsselreize mit einer emotionalen Ladung versehen sind, die mir diese Empfindung/Stimmung verschafft. In allen Fällen, in denen man sich zu dieser Selbstarbeit entscheidet, endet die Stimmung und man sieht und erkennt deutlich, dass man ganz allein verantwortlich für die Entwicklung dieser Reaktionsmuster ist. Das schließt natürlich in keiner Weise aus, dass es Momente gibt in denen man eine emotionale Stimmung auch ganz bewusst zulassen und genießen kann. Es geht aber hier ja eben um diejenigen Momente oder Phasen, in denen ich mich zum Opfer einer eingebildeten, äußeren Bedingung mache und mich somit selbst hemme, mich selbst beschränke in meiner Fähigkeit zu handeln und etwas zu verändern. Diese Opferhaltung geht gesellschaftlich aus meiner Sicht ziemlich eindeutig einher mit der Ablehnung der eigenen Verantwortung, der Angst vor der eigenen Beteiligung am Leben. Dennoch weiß man im Grunde immer, dass diese Beteiligung unvermeidbar ist, auch wenn wir sprachlich solche Dinge behaupten wie „sich nicht mehr am gesellschaftlichen Leben beteiligen“ oder „aus der Gesellschaft aussteigen“. Der uns gegebene und dennoch oft so eingeschränkt genutzte Verstand aber lässt keine Täuschung zu, was das angeht. Wir können uns niemals abnabeln von dem was ist, weil wir ein Teil dessen sind. Wir sind nicht mal wirklich ein Teil, weil im Grunde alles eins ist, nur das Bewusstsein grenzt sich als eine Entität gedanklich vom Ganzen ab, weil wir eben lernen so zu denken und uns so zu betrachten.

Das allein ist aber nicht ausreichend, die Erkenntnis allein ist niemals ausreichend um etwas zu verändern. Das was man zu erkennen meint ist alles nicht das was sich in den anderen zeigt, sondern das was sich in dir selbst zeigt. Du sprichst immer nur dich selbst an, und niemals den anderen.
Wieviel davon dein eigenes ist, kannst du eben immer nur dann erkennen, wenn du bereit bist dich selbst zu durchleuchten. Das ist aber ein schmerzhafter Prozess, der eben mit enormen Widerständen verbunden ist. Dir selbst ins Gesicht zu schauen, ohne Widerstände und ohne die Möglichkeit sich selbst zu maskieren, das ist ein Schritt der von den wenigsten wirklich geleistet wird und werden kann. Das ist nicht zuletzt der Grund, warum sich in den menschlichen Gesellschaften nichts ändert, warum sich niemals wirklich etwas geändert hat, außer die Art der Maskierung.

Fortsetzung folgt!




[1] Hier muss man natürlich hinterfragen, ob es überhaupt eine korrekte und den Tatsachen angemessene Interpretation geben kann oder ob nicht alle persönliche Interpretation eine Anmaßung ist, d.h. sich der Angemessenheit nur annähern kann.
[2] Wobei „unbewusst“ auch fälschlicherweise den Eindruck der Unschuld vermittelt. Tatsächlich ist das „Unbewusste“ ebenfalls ein ganz eigener Bereich der Verantwortlichkeit und nicht etwa etwas Unzugängliches, dessen Opfer man wird.




Montag, 14. Juli 2014

Tag 178 - Wird Facebook die Welt retten?

boltron- / Foter / Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)




Ich als Individuum habe es ehrlich gesagt satt auf Facebook nett gerahmte Zitate zur Weltverbesserung zu lesen. Nicht, dass ich diese nicht auch schon zu Hauf geteilt und gepostet hätte. Doch ich frage mich immer öfter: wann fangen die Menschen an selbst etwas zu schreiben zu dem / für das sie stehen können? Warum berufen wir uns immer auf irgendwelche, meist lange verstorbene, als großartig wahrgenommene Persönlichkeiten? Wir halten sie vor uns wie einen Schild oder eine Verkleidung, damit man uns selbst nicht sieht / erkennt und nicht von uns selbst Taten erwartet. Wie eine Bauchrednerpuppe setzen wir uns Persönlichkeiten auf den Schoß, drehen uns zum Publikum und lassen sie sprechen, ohne dabei tatsächlich selbst für die Worte zu stehen, in vielen Fällen verstehen wir sie nicht einmal wirklich. Wer spricht noch selbst? Wer zeigt sich noch selbst, so wie er ist? Wer sagt offen „so bin ich, und ich sehe und verstehe, dass dieses und jenes an meinen Verhaltensweisen inakzeptabel ist, ich habe es so gelernt und akzeptiert und nun werde ich mich selbst verändern, ich werde mich selbst umschulen und mich neu gestalten an einem einzigen Prinzip, dem des Lebens und dem was das Beste ist für alle.“ ? 

Der einfachste Weg.
Gib den Menschen die Möglichkeit ihre Sehnsucht nach Anerkennung, nach Gemeinschaft und nach einem ruhigen Gewissen auf die einfachste Art die möglich ist mit Ersatzhandlungen zu befriedigen und du hast sie geködert, sie beißen sich fest an der Angel. Facebook ist so eine geniale Idee, eine immer wieder in utopischen Szenarien verherrlichte technologische Errungenschaft die die Menschen und ihre Welt verändern soll. Das tut sie nicht. Lediglich die Umsetzung der Verhaltensmuster ändert sich, solche, die in der Öffentlichkeit des Persönlichen Umfelds Hemmungen haben können sich im Schutze der Anonymität jetzt ausleben, die Gehässigkeit, das Verlangen nach Überlegenheit, der Wunsch Besser zu sein, all die kulturell in unsere Charaktere eingefrästen Gedankenmuster werden mit anderen Mitteln verstärkt ausgelebt. Aber eben virtuell, in einer künstlichen Welt. Das Bewusstsein lässt seine Programme in einer Simulation laufen in der zwar wirkliche Menschen reagieren, aber eben durch die Filter einer Maschinerie deren Software genau die gewünschten psychologischen Muster auslöst. Dass diese „Befriedigung“ der menschlichen Wünsche und Sehnsüchte durch künstliche Ersatz-Szenarien die Sucht und die Wirkungstoleranzen nur erhöht zeigt sich an dem exzessiven Gebrauch dieser Medien, dem Verfall des menschlichen Potentials, seiner sozialen Kompetenz, der wachsenden Unfähigkeit vieler vor allem junger Menschen sich überhaupt noch körperlich wahrzunehmen, zu interagieren wenn man sich unter freiem Himmel trifft ohne dabei auf irgendeinen Bildschirm zu starren oder Tasten zu drücken und ohne dass einem Kabel aus den Ohren hängen. Aber neu ist das im Grunde nicht. Vor allem seit ich vor vielen Jahren den Fernseher komplett aus meinem Leben verbannt habe ist mir bewusst geworden, wie stark wir von diesem Mediengerät programmiert werden. Manche Menschen kennen kaum andere Themen und Sichtweisen auf Themen als die, die ihnen in diesen Medien vorgekaut werden. Vereinheitlicht wiederholen sie all das, was dort verkauft wird, selbst das „Querdenken“ wird in den Medien geschickt verkauft, so dass man sich auf eine sichere Weise wie ein eigenständig denkender, vielleicht sogar rebellischer Mensch vorkommen kann, ohne dabei Gefahr zu laufen nicht mehr mitreden zu können  oder gar ausgestoßen zu werden. Und so treffen sich dann die Fernsehgesteuerten und „diskutieren“ indem sie die vorgefertigten Argumente gegeneinander abspulen lassen. 

Manchmal weiß ich überhaupt nicht worum es geht wenn Menschen wie selbstverständlich im Gespräch mit mir davon ausgehen, dass ich gestern oder letzte Woche mehrere Stunden vor dem Fernseher verbracht und mir eine bestimmte Sendung angeschaut habe oder über ein bestimmtes Thema das gerade medial ausgeschlachtet wurde Bescheid weiß, wobei Bescheid wissen in dem Fall bedeutet, dass ich die medial präsentierten Scheinmeinungen kenne und mich für eine davon entschieden habe. Ich glaube ich habe keine Entscheidung in meinem Leben als so befreiend empfunden wie die, keinen Fernseher mehr im Haus zu haben.  Wir glauben es sei unheimlich fortschrittlich und eine logisch-konsequente Entwicklung für unsere Gesellschaft, dass wir mehr und mehr über virtuelle Medien kommunizieren und unsere Profile dort präsentieren. Wir scheinen es kaum erwarten zu können, die Wirklichkeit des physisch-lebendigen hinter uns zu lassen um uns virtuell unendlich und unbegrenzt nach Werten auszugestalten, die eben der Programmierung des Marktes entsprechen, der uns diese Möglichkeiten eröffnet. Eine freiwillige Selbstaufgabe, eine durch Ignoranz und Feigheit selbst gewählte Versklavung. Die einzig wirklich realen Dinge an dieser Welt der social-media sind die Macht und der Reichtum der Eliten des Systems, die unser Herdenverhalten ausnutzen um uns noch mehr und noch gezielter, noch besser zu manipulieren. Diese Menschen wissen genau, was das Leben bereithält, und zwar das wirkliche Leben, denn sie sitzen in Positionen, in denen sie auch die Ressourcen haben das wahre Leben zu „genießen“. Wir aber lassen uns lieber abspeisen und fallen auf die scheinbare Mitbestimmung und unseren angeblichen Einfluss herein ohne zu wissen, dass bereits das was wir uns wünschen manipuliert und beeinflusst ist. Der Missbrauch ist unglaublich, einerseits der an uns selbst, und andererseits der am Leben, am Physischen, Körperlichen, Lebendigen. Denn auch diejenigen die uns mit bestimmen, die das System leiten sind natürlich von derselben selbstsüchtigen Programmierung bestimmt und da sie uns, das Leben und alles was ihnen ihre Macht ermöglicht zu eigennützigen Zwecken nutzen, missbrauchen sie das Leben und hinterlassen Zerstörung anstatt ihre Ressourcen eizusetzen um dem Leben, den Menschen, der Gesellschaft die Möglichkeiten zu verschaffen in gemeinsamer Vielfalt sich frei zu entwickeln um das eigentliche Potential des Menschen entfalten zu können.

Ja, die Problematik ist multidimensional und es ist kaum möglich alle Facetten in einem Abschnitt oder einem Artikel zu umreißen. Doch letztlich ist die Detailarbeit auch nicht unbedingt die des Schreibens, sondern die des alltäglichem Lebens von Moment zu Moment, denn das Ganze in jedem kleinen Moment zu erkennen und jeden Moment im Sinne der Prinzipien des freien Lebens, der Einheit allen Lebens zu er-leben, das wirkliche Hier in Kontrast zu der virtuellen Welt und Ideologie unseres Bewusstseins zu stellen und in Selbstehrlichkeit dieses Bewusstsein zu entflechten und neu mit der Wahrhaftigkeit des Selbst in diesem Moment in Einklang zu bringen, selbstbestimmt, gleich und eins mit allem, das ist eine persönliche Sache, der ganz eigene Weg ins Leben, in die Selbstbestimmung und die unumstößliche Ewigkeit der Einheit allen Lebens. Niemand kann diesen Weg für dich gehen und dir die Verantwortung dafür abnehmen, dass du ihn gehst oder auch nicht gehst. Das ist wohl eine der größten Verblendungen dieser Utopischen Ideale unserer Gedankenwelt, dass wir selbst nicht verantwortlich wären, dass wir nur Mitläufer und Mitspieler seinen, Opfer und gezwungenermaßen Beteiligt an all den Konsequenzen die uns offenkundig ins Gewissen stechen, dem Morden, der Ausbeutung und der Profitgier, dem Benutzen des Lebens und dem Missbrauch der Notlagen anderer. Doch wir sind eins mit alledem, wir sind Opfer und Täter zugleich. Vor allem aber sind wir Heuchler und verlogen, so lange wir so tun als sei in unserer scheinbar abgetrennten und isolierten kleinen Teilwelt alles in Ordnung. So lange wir leben und uns bemühen nur um diese Zeit irgendwie heil zu überstehen und mit einer möglichst reinen Weste herauszukommen. Das ist so würdelos und beschämend. Aber es ist genau das, was wir leben. Es gibt keinen isolierten Teil und alles steht mit allem in Verbindung, kausal, direkt, indirekt, wie auch immer ist der Gedanke der Separation und der isolierten Lösungsfindung weit unter dem geistigen Niveau zu dem wir Menschen eigentlich fähig sind oder sein sollten.

Samstag, 15. Juni 2013

Tag0111 - Warum Denken nicht = Sein ist (Teil8) - "Push my buttons!" (Das soziale Talent)

CapCat Ragu / Foter.com / CC BY-NC-SA


Fortsetzung zu Tag0110 - Warum Denken nicht = Sein ist (Teil7) - Kultur, die trügerische Entwicklung

Auszug:

"Die Kultur kultiviert den Menschen nicht, das ist von außen nicht zu bewerkstelligen. Ein derartiger Versuch wird immer nur eine Konditionierung bleiben, erzeugt durch ein Belohnungs- und Bestrafungs-System, das immer aufrecht erhalten werden muss, nichts davon bleibt wenn die äußeren, künstlichen Umstände verschwinden. Nur der Mensch selbst kann sich „kultivieren“ im eigentlichen Sinne, indem er sich selbst verstehen lernt, indem er sieht was er wann sähen muss und was er dann erntet, indem er seine Emotionen, seine Gefühle und seine Reaktionen versteht und (an)erkennt, dass er selbst sie kreiert, dass er selbst sein eigener Schöpfer ist. Ohne diese Grundlage ist jede Gesellschaftsform, jede Kultur parasitär, befallen vom Virus der Angst des Individuums vor dem Leben und seiner Verantwortung, sie kann nicht 'gesunden' ohne den Willen des Einzelnen die eigenen Schritte zu tun, aufzustehen, aufzuwachen und das Leben zu leben, eigenverantwortlich, selbst-ehrlich und selbstbestimmt."


Für den Einzelnen bedeutet der Schritt zur Selbstbefreiung von den konditionierten und internalisierten Verhaltensmustern und Wertvorstellungen, dass seine Entwicklung innerhalb seines Umfeldes als feindselig, ablehnend und auch als Arrogant oder Überheblich aufgefasst werden kann. Das liegt einfach daran, dass man in der Dekonstruktion der entwickelten Normen und Verhaltensstrukturen ihre Ursächlichkeit und bisweilen auch ihre missbräuchliche Natur direkt offenlegt, auch wenn diese innerhalb der Muster die man erlernt hat in der Regel erfolgreich verschleiert wurde. Menschen die sich bis zu einem gewissen Punkt diesen Strukturen und Werten verschrieben haben, da diese ihre Gewohnheiten und auch ihre Identität für sie bedeuten werden sich gegen die Erkenntnis wehren. Sie haben alle erdenklichen Interpretationen zur Hand, die dem Gegenüber hinterhältige und niedere Motive unterstellen, das sie durch die gelebte Offenlegung dieser Verhaltens- und Denkweisen und ihrer wahren Natur ihrer eigenen Grundlage beraubt werden, diese zu eben den missbräuchlichen und verschwenderischen Zwecken einzusetzen. Daher ist es ganz besonders schwierig zwischen Menschen, die sich bereits seit vielen Jahren kennen oder zu kennen glauben, sich nicht auf diesen angestrebten Machtkampf einzulassen, um selbst nict gebremst oder verleitet zu werden diese Denkweisen und Verhaltensmuster, die emotionalen Reaktionen wieder anzunehmen und in diese Strukturen zurückzufallen. Dass dies bisweilen in einer solchen Konstellation geschieht ist wahrscheinlich unvermeidlich und kann durchaus auch genutzt werden um an bestimmten Reizpunkten noch einmal gründlich bei sich selbst nachzuforschen, da man an solchen Rückfällen natürlich erkennt, dass man noch nicht gründlich genug nachgeschaut und die eigenen Denk- und Wertsysteme noch nicht ausreichend erkannt und verstanden hat. Ob man sich tatsächlich selbstbestimmt und selbst-ehrlich, also auch frei und verantwortungs-bewusst verhält erkennt man an der Schuldzuweisung. Empfindet man eine emotionale Reaktion und hält man diese Reaktion auch noch so sehr für gerechtfertigt und natürlich, sie ist ein zerstörerisches und selbst-trügerisches Programm, aus Unsicherheit und Angst entstanden, das nun versucht auf missbräuchliche Weise das Gegenüber in die Verantwortung zu zwingen. 

Und auch wenn die eigentliche Konfliktsituation, der Ausgangspunkt der Auseinandersetzung eine solche Reaktion war, so ist deshalb nicht derjenige der zuerst aggressiv, provozierend oder diffamierend agiert hat der Verursacher oder Schuldige des Verlaufs. Die Gesamtsituation ist fast niemals so einfach, im Besonderen in einer Partnerschaft. Beide haben sicher zu der Möglichkeit dieses Ausgangspunktes beigetragen, haben ihn gemeinsam manifestiert. Und so erschließt sich auch, dass Schuldzuweisung in keinem Fall Grundlage einer Lösung der Problematik sein kann. Im Gegenteil, der Prozess der Befreiung von eben diesen Interaktionen, der Überwältigenden Emotionen und den unkontrollierten Ausbrüchen, der fehlgeleiteten Selbstrechtfertigungen ist ein Prozess der Befreiung von externalisierten Schuldideen und hin zu der Einsicht der eigenen Verantwortlichkeit und schöpferischen Mittäterschaft an allem was einem widerfährt. 

Das System des Denkens, die Konzepte, Ideale, Vorstellungen, Erwartungen und die emotionalen Verknüpfungen konstituieren die Auseinandersetzung, sie halten das interaktive Programm aufrecht und sorgen für die energetische Auf- und Entladung. Dieser ganze Prozess ist ein verzehrender, nutzloser Prozess, denn er basiert einzig auf Interpretation ganz persönlicher Erinnerungen. Die Externalisierung der Schuld ist eine Flucht vor dem Selbst, ist eine Flucht vor der Eigenverantwortung.

Und so muss man auch die Reaktionen des Umfelds verstehen können, muss offen bleiben auch wenn man angegriffen wird, falschen Verdächtigungen ausgesetzt oder verurteilt wird. Man muss die Interpretationen der / des anderen verstehen können, weil man sich selbst sonst nicht verstanden hat. Und dann ist es eine Prüfung eben nicht auf diese Unterstellungen emotional zu reagieren. Natürlich wird das eigene Verhalten dann um so mehr als Arroganz oder Kälte wahrgenommen und man wird nach immer wirksameren Methoden der Provokation suchen. Das sind Dinge die man verstehen muss, mit denen man zu leben lernen muss. Es kann durchaus auch sein, dass es für alle beteiligten besser ist in einer bestimmten Lage weiter mitzuspielen, zumindest zeitweise so zu tun als sei man selbst noch in diesen Reiz-Reaktionsmustern gefangen, um den oder die anderen zu schonen. Das ist in unserer Welt ein kompliziertes Unterfangen, kein Zweifel. Eine Herausforderung an das eigene soziale Talent. 


Dienstag, 26. März 2013

Tag0044 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 2





Fortsetzung zu

Tag0043 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 1



Was haben wir zu verbergen?

Das war die erste Frage im letzten Satz des letzten Abschnitts meines Blogs über soziale Interaktion und sie ist eine der wichtigsten wenn es um das Verständnis der eigenen  Unsicherheiten, der eigenen Komplexe, Befürchtungen und Erwartungen geht. Denn was könnte es für einen Grund geben, im Umgang mit anderen Menschen verunsichert zu sein, sich zu genieren, oder einfach nur zu glauben man müsse eine bestimmte Rolle spielen, man könne nicht man selbst sein, außer dem, dass man glaubt das was man wahrhaftig ist könne einem zum Nachteil ausgelegt werden? Und was für ein Nachteil wäre das dann? Ich habe beispielsweise viele Jahre meines Lebens versucht, anderen Menschen zu gefallen, um mit ihnen befreundet zu sein. Ich habe versucht Konflikte zu vermeiden und mich ihren Vorstellungen und Vorlieben angepasst um sie nicht zu verärgern oder zu verlieren. Und wenn ich dann tatsächlich mal in einen größeren Konflikt mit ihnen geraten bin, dann war das unerträglichste daran die Zeit danach, in der ich von Angst zerfressen und verzweifelt  war aus Angst ich könnte jetzt alleine sein. Ich habe in meiner ganzen Jugend und Kindheit immer die Gefühle gehabt und interessanterweise schien es immer so zu sein, dass ich derjenige in Angst gewesen bin, während die anderen nicht um meine Freundschaft bangten. Das ist ein Ergebnis der Akzeptanz der eigenen Konditionierung als ‚Opfertyp‘, als Abhängiger von ihren emotionalen Stützen. Es ist das Ergebnis meiner eigenen Erlaubnis mich mit meiner inneren Unsicherheit nicht selbst zu beschäftigen, sondern die Außenwelt verantwortlich zu machen, die Lösung meiner Probleme in dem Kontakt und der Gesellschaft anderer zu suchen. Diese ‚Verhältnis‘ ist keine Freundschaft, es kann auch niemals überhaupt ein gesundes Verhältnisirgendeiner Art sein, da man kein gleichberechtigter und gleichwertiger Partner ist. Man ‚hängt‘ sich rein, man lässt sich ‚erfüllen‘ durch die Persönlichkeiten der anderen oder das, was man in ihnen sieht. Und genau das ist es, was man zu verbergen hat in dem Moment der Begegnung, dass man sich eben nicht als gleichwertiger Partner oder Freund sieht, dass man nicht am Austausch interessiert ist, an gegenseitiger Unterstützung, sondern dass man seine eigene Vervollkommnung sucht, dass man sich ablenken will von der eigenen Unsicherheit und leere, von Unzufriedenheit mit der eigenen Existenz und Selbstwahrnehmung. Das ist übrigens nicht unbedingt mit einer offensichtlichen, bewusst wahrgenommenen Minderwertigkeitsempfindung verbunden, sondern kann auch quasi gegenteilig wahrgenommen werden, so dass man einfach glaubt diese Menschen zu brauchen um Spaß zu haben, sich zu amüsieren und sich zu präsentieren. Sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und dabei eine ‚coole‘ Rolle zu spielen mit der Lobby im Rücken. Das ist einer der Gründe warum die meisten aufdringlich selbstbewussten Charaktere in Gesellschaft aufleben, aber im eins zu eins Gespräch oder ungewohnten Situationen ein völlig anderes, bisweilen zurückhaltendes Verhalten zeigen.


Wo sind wir uns selbst gegenüber nicht ehrlich?

Wir sind uns selbst gegenüber in der grundlegenden Erkenntnis unserer Falschheit nicht ehrlich. Wir wollen selbst an die Rolle glauben, die wir spielen und wir erwarten dabei Berechenbarkeit und Ehrlichkeit von anderen. Dabei wissen wir, dass andere ebenso funktionieren wie wir. Dass sie ebenso versuchen zu gefallen, zu beeinflussen und zu manipulieren. Daher hangeln wir uns stattdessen an künstlichen Verhaltensmustern entlang, an kulturellen Normen und gesellschaftlichen Konventionen, da wir wissen oder zumindest hoffen, dass der andere das gleiche tun wird.


Warum denken wir es nötig zu haben, uns selbst und anderen etwas vorzumachen?

Zunächst wahrscheinlich weil wir uns selbst gar nicht kennen, weil wir überhaupt nicht wissen wie es ist  wir selbst zu sein, uns eigenständig und selbstbestimmt zu leben. Wir haben tatsächlich furchtbare Angst vor unserem Selbst, wir haben immer nur gelernt uns an bestehende Strukturen anzupassen, an die Wertvorstellungen und Normen der Systeme die uns umgeben und haben uns dann über die Rückmeldungen aus unserem Umfeld identifiziert. Daher können wir uns in der Umgebung andere auch nicht authentisch geben, außer vielleicht authentisch ‚gelernt‘ indem wir eine Rolle perfektioniert haben die in ein bestimmtes Umfeld passt, aber eben nur in dieses Umfeld.
Und natürlich ist da noch die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit, der eigenen Unfähigkeit weil immer die Annahme besteht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihre Erfüllung in den systemischen Nischen gefunden haben, die sich rundum zufrieden, frei und lebendig fühlen. Wir glauben an dieses Ideal der perfekten Anpassung und dem daraus resultierenden Erfolg, weil wir dazu programmiert wurden. Die Strukturen brauchen die Hoffnung der Massen irgendwann ebenso erfolgreich und mächtig zu sein wie das berühmte 1 %. Wir streben danach, träumen davon, hoffen darauf und nicht zuletzt weil wir glauben dass wir dann, wenn wir in dieser begehrten, mächtigen Position sind, uns selbst leben könnten ohne Angst haben zu müssen abgelehnt zu werden. Wir verschieben also unsere Selbstwerdung in eine unbestimmte Zukunft, in eine ‚bessere‘ Zukunft, in der wir selbst ‚besser‘ sind. Das ist das Prinzip der Selbstbeschneidung und freiwilligen Selbstversklavung unter die ausbeuterischen Methoden und Strategien der bestehenden Machtsystematik, gesteuert durch die Elite, am Leben gehalten durch gezielte Manipulation und den Glauben, die Hoffnung des verunsicherten, Identitäts- und Selbstlosen Individuums.

Es bleibt festzuhalten, dass in unserer Welt so wie wir sie gestaltet haben die Notwendigkeit besteht, sich den Gegebenheiten in gewisser Weise anzupassen, zumindest in so fern, dass man sich selbst in den Strukturen bewegen und versorgen kann, und da gehören auch die Abhängigkeiten und Zwänge dazu die uns in der Gesellschaftsordnung auferlegt werden.

Das Gefühl zu haben nicht zu sozialer Interaktion und der Pflege sozialer Kontakte fähig zu sein ist also lediglich die Offenbarung der eigenen Defizite in der Selbstwahrnehmung und Selbstehrlichkeit. Es ist eine Frage der Motivation. Ist das Motiv die Suche nach Befreiung von der Eigenverantwortung ist die soziale Interaktion zum Scheitern verurteilt. Ist das Motiv reiner Eigennutz, reiner Egoismus, dann kann man zwar erfolgreich sein, bleibt aber weiterhin abhängig und unfrei, ein Sklave des Systems, der programmierten und konditionierten Bedürfnisse einer imaginären Persönlichkeit.  Ist das Motiv der Anpassung der Erhalt eines grundlegenden Status um in der Lage zu sein den selbstgewählten Prozess der Selbsterkenntnis zu durchlaufen und für das  Verständnis eben dieser inneren Gedankensysteme und Wertstrukturen zu leben um sie ändern zu können, um sich von ihrer mentalen Umklammerung lösen zu können, so ist das ein Motiv dass einem die Kontrolle wieder ermöglicht, ein bewusst gewählter Schritt der nicht dem Eigennutz und Eigensinn folgt, sondern ein Kompromiss für die Selbstbefreiung ist und darin den kleinstmöglichen Schaden oder Verlust anstrebt.


Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe in meiner Vergangenheit immer wieder zu versuchen bestimmten Menschen zu gefallen, um an ihrem Leben als Freund teilhaben zu können, weil ich glaubte ohne die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe verloren und wertlos zu sein, dass ich durch diese Angst vor dem ‚mit mir alleine sein‘ den Kontakt zu mir selbst nahezu vollständig verloren hatte und mein Leben und mein Streben sich lediglich noch mit den Versuchen der Anpassung an erwartete Normen und Verhaltensweisen beschäftigt hatte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe nicht zu erkennen, dass in diesen verzweifelten Versuchen meine Eigenverantwortlichkeit für mich, mein Leben und das Leben aller nach außen abzugeben, meine inneren Unsicherheiten und Konflikte an den Leben anderer zu gesunden ich diese Probleme die ich mir selbst durch Ignoranz und Feigheit verursache in andere hineinprojiziere, sie übertrage, mit mir trage wohin ich gehe und diese Konfliktpotentiale in alles mit hineinbringe mit dem ich interagiere, so dass ich in der einen oder anderen Weise unvorbereitet mit den Konsequenzen meiner eigenen Verantwortungslosigkeit konfrontiert werde.

Ich bestimme mich selbst als Mensch und als das  Leben zur Selbstkorrektur in der Wahrnehmung meiner Unsicherheiten und Ängste wann immer sie auftauchen, indem ich mich ihnen in bedingungsloser Selbstehrlichkeit stelle, sie analysiere und zurückführe auf ihre Ursachenzusammenhänge, sie dekonstruiere und mich von diesen Gedankenmustern eigenständig und selbstbestimmt befreie, da ich erkannt und verstanden habe, dass ausschließlich in Selbstehrlicher Einheit und Gleichheit mit mir selbst als dem Leben, in der Wahrnehmung allen Lebens in Einheit und Gleichheit eine soziale Interaktion in Aufrichtigkeit, auf lebendige und gleichwertige Weise möglich ist. 



Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 26.03.2013