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Montag, 19. August 2013

Tag0139 - In dieser Welt ist alles auf den Kopf gestellt (Teil 1)

Stephen Poff / Foter / CC BY-NC-ND


Das Leben der Menschen und seine Gestaltung liegt nicht mehr in ihren Händen, nicht im Geringsten. Es gibt keine Freiheit, keine Eigenständigkeit und auch keine Individuen. Es ist alles durch gestylt und vorgegeben, programmiert und abgestempelt, Kategorien bestimmter Konsumentenrollen, nichts weiter. Und der Mensch hat diese Beschränkung freiwillig gewählt, er entscheidet sich in jedem Moment seines Lebens erneut dafür und der Grund ist sein Unwille sich seinen Ängsten zu stellen. So beherrschen sie ihn und machen ihn leicht formbar, bieten Ansatz und Hebel zur Manipulation seines Verhaltens. Er hat sich selbst an die Kette gelegt in dem Glauben dadurch Sicherheit und Vorhersagbarkeit der Ereignisse erreichen zu können. Nichts dergleichen ist der Fall, keine seiner Erwartungen ist tatsächlich real eingetroffen. Substitutionen werden in ihn hineinprojiziert, sein eigenes System bietet ihm anstatt seiner Erwartungen käufliche Ersatzleistungen die ihm ein Gefühl der Lebendigkeit vermitteln sollen, die ihm den Eindruck vermitteln er sei eigenständig und das was er ist sei sein freier Wille gewesen. Überall blicken dir verängstigte, zutieft verunsicherte Gesichter entgegen, ob sie aggressiv, demütig, schüchtern oder freundlich selbstbewusst auftreten, immer ist der Trigger ihrer emotionalen Befindlichkeit die Angst, die Angst vor dem Leben, vor der Eigenständigkeit und vor der Verantwortlichkeit für und als das Leben. Nichts kann man aufbauen mit einer Bvölkerung die unwillig ist, sich selbst als Einheit wahrzunehmen und in der der Einzelne die Verantwortlichkeit für das Ganze scheut als sei sie der Teufel persönlich. Und in eben dieser symbolisierten Wahrnehmung aller essentiellen Lebensbereiche, aller Selbstfindungsgrundlagen liegt die Möglichkeit seiner Selbstmanipulation und Selbstbeschränkung ohne dass er überhaupt jemals es gewagt hätte sich über den Tellerrand seiner persönlichen Geschichte zu beugen und die Welt als das wahrzunehmen was sie tatsächlich ist und selbstbestimmt in ihr wirken und leben zu können. Niemals hat der Mensch sich selbst bestimmt, und zu allerletzt in unserer westlichen, scheindemokratisierten Welt. Wir haben Angst vor der Freiheit und proklamieren sie als Deckmantel für unser faschistisches, tyrannisches Regime, für die Projektionen unseres dämonischen, verängstigten und aggressiven Bewusstseins als das wir uns selbst verstümmelt haben.

Nur der Einzelne kann die Entscheidung treffen sich eigenständig zu stellen, sich dem Leben zu stellen in bedingungsloser, selbst-ehrlicher Rechtfertigung vor sich selbst. Der Wahn und der Glaube die Konsequenz sei etwas das anderen widerfährt ist eine naive Illusion und die Barriere die ihn von seiner Mündigkeit und seiner eigenen Würde als menschliches Wesen trennt.


Sonntag, 2. Juni 2013

Tag0103 - Warum Denken nicht = Sein ist - und andere Fragen... (Teil1)

Andrew Mason / Art Photos / CC BY


Nun, was ist wohl der Grund dafür, dass wir Menschen denken? 

Das ist bereits Denken, diese Frage beinhaltet zahlreiche Gedanken und der Urgedanke dieser Frage entspringt wiederum einem Netzwerk aus Gedanken. Ich kann nicht einmal sagen aus Gedanken und Annahmen, oder aus Gedanken und Bildern, denn sowohl die Annahmen als auch die Bilder bestehen aus Gedanken. Wenn wir also herausfinden wollen warum wir Menschen denken, dann müssen wir verstehen, was Gedanken eigentlich sind. Dabei findet der gesamte Prozess der Selbstbefragung innerhalb derselben Strukturen statt die es zu hinterfragen gilt. Die eigentliche Frage müsste also lauten, können wir uns überhaupt fragen? Oder: Können wir uns selbst befragen über die Gedanken, wenn diese doch die Frage selbst und auch ihre eigene Motivation begründen?
Jedenfalls denken wir, und wenn wir auch nicht wissen warum, so müssen wir uns zunächst mit dieser Tatsache abfinden. 

Gehen wir noch einen Schritt zurück und versuchen die Motive zu hinterfragen warum wir uns selbst befragen. Warum kann ich mir diese Frage nach dem Grund meiner Gedanken überhaupt stellen? Warum geht das? Wäre es nicht viel sinnvoller oder logischer gewesen, die Natur hätte ein Bewusstsein geschaffen das sich diese Frage nicht stellen kann? Denn eine Antwort können wir uns scheinbar, gemäß der eben erwähnten Gründe nicht geben und wozu sollten wir dann Zeit und Energie verschwenden darüber nachzudenken? Also warum nicht das Bewusstsein derart Programmieren oder Ausstatten, dass die Frage nach dem Grund überhaupt nicht gestellt werden kann? Aber wir können es und wir tun es auch. Allerdings stellen wir nicht immer die richtigen Fragen. Stattdessen geben wir uns unseren Gedanken hin, verheddern uns in ihnen, grübeln über unser Leben ohne es wirklich zu sehen, halten uns an Gewohnheiten fest, Programmroutinen die, wenn und so lange sie flüssig laufen, uns angenehm erscheinen. Weil wir so lange nicht gezwungen sind zu hinterfragen. Wir sind damit zufrieden, denn unser Leben ist nicht mehr in unseren Händen, wir glauben frei geworden zu sein weil alles so leicht erscheint. Wenn dann doch Schwierigkeiten entstehen, Konflikte zwischen der Wirklichkeit dieser Existenz und unserer vergeistigten Gedankenwelt, dann streben wir sofort wieder nach den gewohnten Routinen, versuchen das Programm wieder zu flicken, den gewohnten Ablauf wieder herzustellen. Was für ein Programm uns antreibt, welche Funktionen es durch uns erfüllt ist im Grunde völlig gleichgültig. Wichtig ist nur, dass es schlüssig in das Getriebe des direkten Lebensumfeldes integrierbar ist. Dabei kann es sich aber ebenso um eine rebellierende Routine handeln, eine Persönlichkeit die sich eben durch die gezielte Reibung an den Strukturen des Umfeldes, der Familie, der Gesellschaft und der Kultur definiert. Das ist eine ebenso betäubende, sich verselbstständigende Programmroutine wie die des braven Bürgers. 

Wo liegt also der Unterschied zwischen dem sich hinterfragenden Verstand und dem sich hingebenden Verstand? Gibt es so etwas wie eine Kontrolle? Gibt es eine Entscheidungsfreiheit? Gibt es vielleicht sogar nur diese eine Entscheidungsfreiheit für den Verstandes-Menschen, nämlich die, sich entweder kontinuierlich zu hinterfragen und bewusst zu steuern, oder aber sich willenlos der Konditionierung und dem Einfluss des Umfeldes hinzugeben und gesteuert zu werden? Wenn es diese Entscheidungsfreiheit gibt, dann ist sie tatsächlich die einzige, wirkliche und wahrhaftige Entscheidungsfreiheit des Menschen, die eine Entscheidung die allerdings immer und immer wieder getroffen werden muss, in jedem Moment des Seins und in jedem Atemzug.

Die Frage nach dem „Warum?“ oder „Wer bin Ich?“ erübrigt sich im Prozess dieser
Selbst-Werdung, denn in jeder getroffenen Entscheidung für das selbstbestimmte Leben liegt die Handlungsmacht eines eigenverantwortlichen Lebewesens das Eins wird mit dem Leben. Die Existenz im Moment der Selbsterkenntnis verweilend, der Selbstwahrnehmung ohne Vermutungen, ohne Projektionen und Erinnerungen ist das pure Selbst, das Leben HIER.

Einheit ist noch nicht verstanden worden. Gleichheit ist noch nicht verstanden worden. Der ganze Mensch hat sich noch nicht verstanden. Er gibt sich lieber mit Wahn- und Trugbildern seines Geistes ab, anstatt den Grund seiner Existenz zu erforschen, anstatt sich selbstbestimmt und eigenständig als das Leben zu bewegen. Diese krankhafte Haltung kann ihn natürlich nur in sein Verderben führen. Und genau dort steuert die Menschheit seit Anbeginn ihrer Zeit hin, auf ihren Untergang. 

Fortsetzung folgt...

Montag, 27. Mai 2013

Tag0100 - Du bist immer allein Teil1 - Leben oder Sterben wir?

Foter.com / Public Domain Mark 1.0




Du bist letztlich immer allein, und das ist dein Glück. Eigentlich ist „letztlich“ der falsche Ausdruck, denn du bist natürlich von Anfang an allein. Du bist allein in dieser Existenz, in diesem Leben, du stehst ganz allein für dich und dein Leben gerade. Du legst auch nicht vor irgendwem Rechenschaft ab, sondern einzig und allein vor dir selbst. Sollte dir das zweifelhafte Glück vergönnt sein den Zeitpunkt deines Todes bewusst zu erleben, dann besteht kein Zweifel, dass du allein das Resümee deines Lebens ziehst. All die Menschen aus deinem früheren Umfeld, deine Familie, deine Freunde, können dich nicht begleiten. Es gibt keine Referenz, es gibt keinen Beistand eines erfahrenen Menschen, niemand kann sich in dich hineinversetzen. Es gibt niemanden, den du um Rat fragen, oder bei dem Du dich Rück versichern könntest, da niemand da ist der diese Erfahrung die du jetzt machst schon einmal gemacht hätte und mit dir darüber sprechen könnte.

Im Leben ist es allerdings genauso, nur dass wir über genügend Zeit und Freiraum verfügen, dass wir ausreichend Abwechslung und Ablenkungen haben, um uns über diese Tatsache hinweg zu täuschen. Wir bauen ein Sozialgefüge auf das uns den Eindruck vermittelt, wir könnten uns über die Relationen und die mentale Angleichung an Verhaltensweisen Wertvorstellungen und Lebensziele anderer unserer eigenen Existenz versichern. Unsere Wahrnehmung allein, Interpretationen der Verhaltensmuster anderer Menschen, ihrer Ideale Vorstellungen und Ziele, sind rein imaginär und existieren in dieser Form lediglich in unseren Gedanken.

Vor kurzem habe ich einen Satz gelesen den ich sehr treffend formuliert finde, eigentlich ist es eine an sich selbst gestellte Frage. Sie lautet frei zitiert: „Vielleicht leben wir nicht, sondern sterben immerfort und die Zeit rast an uns vorbei“
Das Leben ist vom Standpunkt des persönlichen Bewusstseins tatsächlich viel wahrhaftiger wahrgenommen und gelebt, wenn man es als Sterben sieht, und dazu müsste man sich nicht einmal etwas vormachen, denn genau betrachtet läuft alles Leben darauf hinaus. Jeden Tag sollte uns der eigene Endpunkt vor Augen sein, der Tag der Rechenschaft vor uns selbst. Aber auch dafür haben wir Scheininstanzen und Institutionen geschaffen die uns bei diesem Schritt der Annahme unserer Lebensverantwortung vertreten sollen. Die Religionen schaffen dafür ihre Götter und das Paradies, der Atheist hat sein Nichts. Doch beides liegt allein im Glauben verankert, in den Gedanken der Illusion selbst, dem ICH als Person, dem Ego. 

Es ist schon eine Faszinierende Einrichtung, dieses Selbst-Bewusstsein. Es kann eine gesamte Spezies auf Jahrunderte und Jahrtausende hinweg unterjochen und versklaven. Ein hochkomplexes Virus, eine Tödliche Infektion der Existenz.

Doch es ist nicht nur das Bewusstsein allein, es ist die Struktur des Verstandes, das was uns scheinbar zum Menschen macht, das was uns als überlegen darstellt. Wir sind unheimlich stolz, fühlen uns als Krone der Evolution oder eben als Krone der Schöpfung, doch gleichzeitig geißeln wir uns selbst durch  unserem Verstand, wissen nicht warum, wieso wir diese Fähigkeit haben und genau das ist unser Problem. Wir suchen nach einem Sinn, etwas das unser Leben Lebenswert macht. Nicht nur auf individueller Ebene, nein, auch wenn wir glauben uns nur um uns selbst zu kümmern, wenn wir uns für den größten und rücksichtslosesten Egoisten haletn, dienen wir letztendlich dem Grundprogramm unserer Selbstwahrnehmung, der allen menschlichen Handlungen innewohnenden Überheblichkeit des denkenden Seins, der entfremdeten, Illusionären Existenz eines göttlichen, übernatürlichen Strebens. Wir glauben in der Ziellosen Anwendung unserer Möglichkeiten, der Umsetzung aller Denkbarkeiten läge der Antrieb unserer Entwicklung, das nennen wir Fortschritt und diesen Weg beschreiten wir um jeden Preis, mit schwindelerregendem Tempo. Wir fühlen uns innerlich in unserer Existenz so sehr verunsichert, dass wir immer schneller rennen ohne wirklich das Ziel zu kennen. Doch der erste Schriitt ging bereits in die falsche Richtung, der erste Schritt der Flucht vor der Unsicherheit, der Einsamkeit und der Leere war ein verzweifelter, irregeleiteter Schritt direkt ins Maul der Bestie.

Fortsetzung folgt...





Dienstag, 26. März 2013

Tag0044 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 2





Fortsetzung zu

Tag0043 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 1



Was haben wir zu verbergen?

Das war die erste Frage im letzten Satz des letzten Abschnitts meines Blogs über soziale Interaktion und sie ist eine der wichtigsten wenn es um das Verständnis der eigenen  Unsicherheiten, der eigenen Komplexe, Befürchtungen und Erwartungen geht. Denn was könnte es für einen Grund geben, im Umgang mit anderen Menschen verunsichert zu sein, sich zu genieren, oder einfach nur zu glauben man müsse eine bestimmte Rolle spielen, man könne nicht man selbst sein, außer dem, dass man glaubt das was man wahrhaftig ist könne einem zum Nachteil ausgelegt werden? Und was für ein Nachteil wäre das dann? Ich habe beispielsweise viele Jahre meines Lebens versucht, anderen Menschen zu gefallen, um mit ihnen befreundet zu sein. Ich habe versucht Konflikte zu vermeiden und mich ihren Vorstellungen und Vorlieben angepasst um sie nicht zu verärgern oder zu verlieren. Und wenn ich dann tatsächlich mal in einen größeren Konflikt mit ihnen geraten bin, dann war das unerträglichste daran die Zeit danach, in der ich von Angst zerfressen und verzweifelt  war aus Angst ich könnte jetzt alleine sein. Ich habe in meiner ganzen Jugend und Kindheit immer die Gefühle gehabt und interessanterweise schien es immer so zu sein, dass ich derjenige in Angst gewesen bin, während die anderen nicht um meine Freundschaft bangten. Das ist ein Ergebnis der Akzeptanz der eigenen Konditionierung als ‚Opfertyp‘, als Abhängiger von ihren emotionalen Stützen. Es ist das Ergebnis meiner eigenen Erlaubnis mich mit meiner inneren Unsicherheit nicht selbst zu beschäftigen, sondern die Außenwelt verantwortlich zu machen, die Lösung meiner Probleme in dem Kontakt und der Gesellschaft anderer zu suchen. Diese ‚Verhältnis‘ ist keine Freundschaft, es kann auch niemals überhaupt ein gesundes Verhältnisirgendeiner Art sein, da man kein gleichberechtigter und gleichwertiger Partner ist. Man ‚hängt‘ sich rein, man lässt sich ‚erfüllen‘ durch die Persönlichkeiten der anderen oder das, was man in ihnen sieht. Und genau das ist es, was man zu verbergen hat in dem Moment der Begegnung, dass man sich eben nicht als gleichwertiger Partner oder Freund sieht, dass man nicht am Austausch interessiert ist, an gegenseitiger Unterstützung, sondern dass man seine eigene Vervollkommnung sucht, dass man sich ablenken will von der eigenen Unsicherheit und leere, von Unzufriedenheit mit der eigenen Existenz und Selbstwahrnehmung. Das ist übrigens nicht unbedingt mit einer offensichtlichen, bewusst wahrgenommenen Minderwertigkeitsempfindung verbunden, sondern kann auch quasi gegenteilig wahrgenommen werden, so dass man einfach glaubt diese Menschen zu brauchen um Spaß zu haben, sich zu amüsieren und sich zu präsentieren. Sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und dabei eine ‚coole‘ Rolle zu spielen mit der Lobby im Rücken. Das ist einer der Gründe warum die meisten aufdringlich selbstbewussten Charaktere in Gesellschaft aufleben, aber im eins zu eins Gespräch oder ungewohnten Situationen ein völlig anderes, bisweilen zurückhaltendes Verhalten zeigen.


Wo sind wir uns selbst gegenüber nicht ehrlich?

Wir sind uns selbst gegenüber in der grundlegenden Erkenntnis unserer Falschheit nicht ehrlich. Wir wollen selbst an die Rolle glauben, die wir spielen und wir erwarten dabei Berechenbarkeit und Ehrlichkeit von anderen. Dabei wissen wir, dass andere ebenso funktionieren wie wir. Dass sie ebenso versuchen zu gefallen, zu beeinflussen und zu manipulieren. Daher hangeln wir uns stattdessen an künstlichen Verhaltensmustern entlang, an kulturellen Normen und gesellschaftlichen Konventionen, da wir wissen oder zumindest hoffen, dass der andere das gleiche tun wird.


Warum denken wir es nötig zu haben, uns selbst und anderen etwas vorzumachen?

Zunächst wahrscheinlich weil wir uns selbst gar nicht kennen, weil wir überhaupt nicht wissen wie es ist  wir selbst zu sein, uns eigenständig und selbstbestimmt zu leben. Wir haben tatsächlich furchtbare Angst vor unserem Selbst, wir haben immer nur gelernt uns an bestehende Strukturen anzupassen, an die Wertvorstellungen und Normen der Systeme die uns umgeben und haben uns dann über die Rückmeldungen aus unserem Umfeld identifiziert. Daher können wir uns in der Umgebung andere auch nicht authentisch geben, außer vielleicht authentisch ‚gelernt‘ indem wir eine Rolle perfektioniert haben die in ein bestimmtes Umfeld passt, aber eben nur in dieses Umfeld.
Und natürlich ist da noch die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit, der eigenen Unfähigkeit weil immer die Annahme besteht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihre Erfüllung in den systemischen Nischen gefunden haben, die sich rundum zufrieden, frei und lebendig fühlen. Wir glauben an dieses Ideal der perfekten Anpassung und dem daraus resultierenden Erfolg, weil wir dazu programmiert wurden. Die Strukturen brauchen die Hoffnung der Massen irgendwann ebenso erfolgreich und mächtig zu sein wie das berühmte 1 %. Wir streben danach, träumen davon, hoffen darauf und nicht zuletzt weil wir glauben dass wir dann, wenn wir in dieser begehrten, mächtigen Position sind, uns selbst leben könnten ohne Angst haben zu müssen abgelehnt zu werden. Wir verschieben also unsere Selbstwerdung in eine unbestimmte Zukunft, in eine ‚bessere‘ Zukunft, in der wir selbst ‚besser‘ sind. Das ist das Prinzip der Selbstbeschneidung und freiwilligen Selbstversklavung unter die ausbeuterischen Methoden und Strategien der bestehenden Machtsystematik, gesteuert durch die Elite, am Leben gehalten durch gezielte Manipulation und den Glauben, die Hoffnung des verunsicherten, Identitäts- und Selbstlosen Individuums.

Es bleibt festzuhalten, dass in unserer Welt so wie wir sie gestaltet haben die Notwendigkeit besteht, sich den Gegebenheiten in gewisser Weise anzupassen, zumindest in so fern, dass man sich selbst in den Strukturen bewegen und versorgen kann, und da gehören auch die Abhängigkeiten und Zwänge dazu die uns in der Gesellschaftsordnung auferlegt werden.

Das Gefühl zu haben nicht zu sozialer Interaktion und der Pflege sozialer Kontakte fähig zu sein ist also lediglich die Offenbarung der eigenen Defizite in der Selbstwahrnehmung und Selbstehrlichkeit. Es ist eine Frage der Motivation. Ist das Motiv die Suche nach Befreiung von der Eigenverantwortung ist die soziale Interaktion zum Scheitern verurteilt. Ist das Motiv reiner Eigennutz, reiner Egoismus, dann kann man zwar erfolgreich sein, bleibt aber weiterhin abhängig und unfrei, ein Sklave des Systems, der programmierten und konditionierten Bedürfnisse einer imaginären Persönlichkeit.  Ist das Motiv der Anpassung der Erhalt eines grundlegenden Status um in der Lage zu sein den selbstgewählten Prozess der Selbsterkenntnis zu durchlaufen und für das  Verständnis eben dieser inneren Gedankensysteme und Wertstrukturen zu leben um sie ändern zu können, um sich von ihrer mentalen Umklammerung lösen zu können, so ist das ein Motiv dass einem die Kontrolle wieder ermöglicht, ein bewusst gewählter Schritt der nicht dem Eigennutz und Eigensinn folgt, sondern ein Kompromiss für die Selbstbefreiung ist und darin den kleinstmöglichen Schaden oder Verlust anstrebt.


Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe in meiner Vergangenheit immer wieder zu versuchen bestimmten Menschen zu gefallen, um an ihrem Leben als Freund teilhaben zu können, weil ich glaubte ohne die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe verloren und wertlos zu sein, dass ich durch diese Angst vor dem ‚mit mir alleine sein‘ den Kontakt zu mir selbst nahezu vollständig verloren hatte und mein Leben und mein Streben sich lediglich noch mit den Versuchen der Anpassung an erwartete Normen und Verhaltensweisen beschäftigt hatte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe nicht zu erkennen, dass in diesen verzweifelten Versuchen meine Eigenverantwortlichkeit für mich, mein Leben und das Leben aller nach außen abzugeben, meine inneren Unsicherheiten und Konflikte an den Leben anderer zu gesunden ich diese Probleme die ich mir selbst durch Ignoranz und Feigheit verursache in andere hineinprojiziere, sie übertrage, mit mir trage wohin ich gehe und diese Konfliktpotentiale in alles mit hineinbringe mit dem ich interagiere, so dass ich in der einen oder anderen Weise unvorbereitet mit den Konsequenzen meiner eigenen Verantwortungslosigkeit konfrontiert werde.

Ich bestimme mich selbst als Mensch und als das  Leben zur Selbstkorrektur in der Wahrnehmung meiner Unsicherheiten und Ängste wann immer sie auftauchen, indem ich mich ihnen in bedingungsloser Selbstehrlichkeit stelle, sie analysiere und zurückführe auf ihre Ursachenzusammenhänge, sie dekonstruiere und mich von diesen Gedankenmustern eigenständig und selbstbestimmt befreie, da ich erkannt und verstanden habe, dass ausschließlich in Selbstehrlicher Einheit und Gleichheit mit mir selbst als dem Leben, in der Wahrnehmung allen Lebens in Einheit und Gleichheit eine soziale Interaktion in Aufrichtigkeit, auf lebendige und gleichwertige Weise möglich ist. 



Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 26.03.2013