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Donnerstag, 20. Juni 2013

Tag0114 - "Sei positiv!" Die doppelte Selbsttäuschung universaler Gedankenmanipulation (1)

marsmet543 / Foter.com / CC BY-NC-SA
„Positiv Denken“
Ha! Das ist wirklich ein Knaller unter den Selbsttäuschungen. Positives Denken kann dein Leben und deine Realität verändern. Natürlich, das ist der Fall, aber WIE? Etwa in der Weise, dass sich plötzlich alle Geschicke des Universums nach deinen persönlichen Wünschen ausrichten? Werden in dem Moment etwa alle anderen Menschen die an der Formung deiner 'Träume', deiner Wünsche und Vorstellungen beteiligt sind zu reinen Spielfiguren des Schicksals in deinem Namen? Was für ein Missbrauch wäre das! Nichts, aber auch gar nichts „Positives“ ist daran zu finden. Aber ungewöhnlich für das menschliche Bewusstsein in seiner heutigen Ausformung ist dies keineswegs, denn es ist programmiert auf Selbstüberschätzung, Größenwahn und rücksichtslosen Egoismus, und aus dem Grund halten so viele Menschen diese Art der universalen Manipulation aus Eigennutz für durchaus Plausibel. Die Art der Indoktrination des Bewusstseins durch positive Illusionen, durch das forcieren positiver Gedanken dient nur dem einen Zweck, sich fortwährend von der Wirklichkeit und den offensichtlichen Konsequenz des eigenen Handelns und Denkens abzuwenden, sich vor den Tatsachen der unausweichlichen Erkenntnis eigener Verantwortung für das Leben zu drücken. 

Positives Denken ist nichts weiter als eine elitäre Gewissensberuhigung, eine Betäubung des eigenen Potentials, eine Selbstlimitierung, eine Beschränkung auf die Märchenwelt des eigenen Geistes. Eine Selbstverblendung zum Zweck der Selbstherrlichkeit in einer Welt verantwortungsloser Akzeptanz missbräuchlicher und zerstörerischer Lebensgemeinschaften. Nur die wenigsten können sich den Luxus esoterischer Ignoranz leisten, nur die Eliten dieses ausbeuterischen Systems können sich mit künstlichen Gedanken- und Wunschwelten beschäftigen um der Wirklichkeit zu entfliehen. Selbst wenn sie arbeiten müssen um sich diesen Luxus zu leisten, so lange sie sicher sein können dass sie nach der nächsten Yoga- oder Meditationssitzung ihre Bäuche füllen können, zählen sie bereits zu den Begünstigten der räuberische-kapitalistischen Ausbeutungssystematik.
Positiv denken, vielleicht wirst du dann nächstes Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen, oder die Reparatur deines Zweitwagens wird weniger kosten als erwartet, vielleicht verlässt dich deine Frau nicht, wenn du den 'Positiven' mimst...

So lange man sich dazu anhalten muss 'positiv' zu denken, so lange ist dieses Denken sogar in doppelter Hinsicht ein Selbstbetrug. Es ist nicht einmal 'echtes' Denken, sondern ein forciertes, gekünsteltes Denken, ein erlerntes Verhalten im Geiste, nichts weiter. Es ist nicht wahrhaftig. Selbst wenn das positive Denken auf magische Weise diene Welt, dein Umfeld beeinflussen könnte, so müsste es authentisch sein, es müsste kein Denken, sondern SEIN sein, gelebt im Augenblick. Es dürfte kein Zögern oder Abwägen dahinter stehen, keine Überlegung der eine gezwungene Entscheidung folgt, Das Schicksal müsste diesem Betrug sonst sofort auf die Schliche kommen.

Fortsetzung folgt...



Montag, 10. Juni 2013

Tag0108 - Warum Denken nicht = Sein ist (Teil6) - Zersetzender Irrtum

Navy Blue Stripes / Love Photos / CC BY-NC-ND


Fortsetzung zu Tag0107 - Warum Denken nicht = Sein ist (Teil5) - Die konditionierte Angst vor dem Leben

Auszug:

"... Denn nur durch die Angst wird das System gesteuert und am Leben gehalten. Die Angst die ebenso irreal und grundlos ist wie die Macht mit der wir ihr zu begegnen versuchen. Immer und immer wieder werden einzelne an die Oberfläche gespült, erlangen das Gefühl von Kontrolle und ignorieren die Kurzweiligkeit ihres Glücksgefühls, strampeln heftig, treten nach unten und wähnen sich in Sicherheit bis die nächste Welle sie erfasst und wieder unter Wasser zerrt wo sie immer noch strampeln, aber eben auch wieder getreten werden. So erhalten wir dieses System, unsere Schöpfung, das Ergebnis unserer Selbstaufgabe. Durch Gestrampel und verzweifelte Schwimmversuche in einem Meer aus Idealen, Träumereien und falschen Vorstellungen."


Die Strukturen der Systeme und Ordnungen die wir Gesellschaften und Kulturen nennen sind Spiegel unserer inneren Systeme und Strukturen, unserer Werte und unserer Selbstwahrnehmung, dem Verhältnis in das wir uns zu „der Welt“ setzen. Und dieses Verhältnis birgt einen grundlegenden täuschenden Fehler in sich dem wir erliegen, nämlich den des abgetrennten Geistes, der Separation unserer Selbst als Gedankenwesen. Von diesem Standpunkt aus interpretieren wir ein Verhältnis zunächst zu unserem Körper, betrachten ihn als etwas das wir benutzen, als eine Art angewachsene Maschine, einen Apparat der dazu dient uns in dieser Welt, von der wir uns ebenfalls gedanklich distanzieren und isolieren, behilflich zu sein, unser Verweilen hier so angenehm und bequem wie möglich zu machen. Das scheint die Intention allen Strebens zu sein, in dem Glauben dass wir, wenn uns einst der Tod vom Körper trenne, mit all den Erfahrungen und Erlebnissen die wir in und durch den Körper hier gemacht haben in eine andere Ebene eintauchen und dort die Früchte dieses Lebens genießen könnten. Es ist nicht ganz so einfach und hier etwas abstrakt dargestellt, doch im Prinzip unterliegt den menschlichen Bestrebungen und Zielen eben diese Annahme.

Aber woher stammen diese absurd anmutenden Annahmen, was macht uns glauben, dass dieses Leben „für uns“ da wäre und warum sehen oder erkennen wir uns nicht als dieses Leben? Ist es nicht die Angst, und nur die Angst die in uns hineingelegt, die uns einprogrammiert wird, die uns zu diesem Standpunkt verdammt und uns auf diesem Level der Selbstwahrnehmung gefangen hält? Es gibt tatsächlich in diesem Dasein keinen einzigen Anhaltspunkt, keinen realen Zwang der uns dazu bringen könnte uns allein auf das Bewusstsein zu reduzieren. Es gibt keinen Anlass zu glauben wir könnten uns freisprechen von der Verantwortung für das Leben als solches, für alle Konsequenzen unserer Handlungs- und Lebensweise. Die unbegründete Angst vor den Tatsachen lässt uns eine Illusion kreieren die uns angenehmer und bequemer erscheint, wir benutzen die Fähigkeiten unseres Bewusstseins und unserer Gedanken um uns zu verschanzen und um zu versuchen uns vor der Wirklichkeit zu schützen – aus Angst. Doch eigentlich hindern wir uns am Leben, wir verhindern unsere Entwicklung, schränken uns ein in dem Glauben wir würden damit der Verantwortlichkeit für diese Realität entgehen.

Ein fataler Irrtum, todbringend, vernichtend, zersetzend. Alles was der Mensch auf der Grundlage dieser Annahmen aufbaut bringt Vernichtung, wird die Gesellschaften zersetzen, soziale Geschwüre Schaffen die das Gesamtgefüge erkranken und untergehen lassen. Nur die Illusion der Funktionierenden Gesellschaft kann diese Zeit des Zusammenbruchs verlängern. Daher sind die Gesellschaften mit den meisten Möglichkeiten der Zerstreuung, der multimedialen Selbstbetäubung, dem freien Zugang zu sozial akzeptierten, degenerativen Nervengiften, diejenigen die sich am längsten halten, aber dafür die größten pathologischen Schäden aufweisen.

Fortsetzung folgt...


Montag, 3. Juni 2013

Tag0105 - Warum Denken nicht = Sein ist (Teil3) - Du kannst nicht nur ein 'bisschen' frei sein...

AlicePopkorn / Foter.com / CC BY-NC-ND



Du kannst nicht nur ein bisschen frei sein. Entweder du befreist dich ganz, oder du sinkst tiefer und tiefer in dich hinein. Du betäubst dich selbst immer und immer wieder mit Gedanken über deine Freiheit, deine Wahl, deine Entscheidungen, deine Kontrolle, deine Bestimmung, Für und Wider, „was wäre wenn?“, „wo ist mein Vorteil?“, all das sind Zeilen des Programms der Selbstentfremdung, der Ablenkung, um dich zu verschanzen hinter vorgefertigten Werten, Idealen und Normen die nicht die deinen und auch nicht die irgend eines anderen Menschen sind. Sie greifen nur im Kompatiblen Modus des Bewusstseins, existieren nur in der Vorstellung, in den Erwartungen und Glaubenssätzen einer symptomatischen Kulturebene. Die Schnittstelle zur Steuerungseinheit des Menschen ist die programmierte Angst, die Laufzeitroutinen sind die Erwartungen und Hoffnungen. Und gerade diese Vorstellung der Isolation vom Ganzen, die Ignoranz der Einheit allen Lebens macht den einzelnen manipulierbar und steuerbar, macht es „anderen“ möglich ihn zu kontrollieren um ihn in „ihrem“ Namen und entsprechend ihrer Interessen zu benutzen. Das ist die selbstgewählte Ursache allen Missbrauchs und aller Ausbeutung. „Die anderen“ sind nicht etwa schlechter, böser oder wissender, sie sind lediglich aufgrund teilweise unkontrollierbarer Umstände in die Positionen der Systeme, unserer Systeme, gelangt, die ihnen die Möglichkeit der Macht bieten, dies zu tun. Sie sind ebenso verunsichert, verängstigt und fremdbestimmt, sie haben ebenfalls keine Macht über ihr Selbst, keine Kontrolle. Ihr Programm der Selbstwahrnehmung gaukelt ihnen diese vor und begründet sie mit der offensichtlichen Macht die sie ausüben können. Ihre Motive aber bleiben die selben wie die Handlungsmotive aller anderen Menschen, auch derer die sie benutzen, nämlich die Angst.

Wir sind alle Täter, niemals Opfer in dieser grundlegenden Akzeptanz der Systeme. Ich spreche nicht von Gewaltopfern, Opfern der Verbrechen die als Konsequenzen unverantwortlicher Umgehensweise mit dem Menschen und seinem Potential als Verantwortlichkeit der ganzen Gesellschaft entstehen, sondern ich spreche von der Akzeptanz der sogenannten Natur des Menschen, der willentlichen Aufgabe jeder Selbstbestimmung zugunsten des persönlichen Komforts und der Bequemlichkeit. Wir sind alle Mittäter an allen Konsequenzen unserer Systeme, niemand kann sich freisprechen von der Verantwortlichkeit, das muss der Mensch endlich verstehen, akzeptieren und verinnerlichen. Jeder einzelne. Das ist der einzige Weg um als Menschheit wieder das Leben zu verdienen, um wieder so etwas wie Würde und einen Wert anzunehmen.

Die Möglichkeit dazu haben wir, sie liegt in jedem Moment direkt vor uns. Es ist die eine, selbstbestimmte Entscheidung aus der Programmierung auszubrechen um sich selbst „ein Bild“ zu machen, um den Verstand als dieses Leben das man ist zu gebrauchen, ihn zu benutzen um sich in der Welt zu finden und um zu erkennen was hier passiert. Erst in diesem Schritt kann letztlich die Lösung entwickelt werden, kann die Möglichkeit eines anderen Lebens, einer anderen Bestimmung des Menschen erkannt und Schritt für Schritt realisiert werden, in einem eigenständigen und selbstbestimmten Prozess, einem Selbstexperiment als ein Beispiel, um zu zeigen, dass die „Natur des Menschen“ keineswegs eine alternativlose, festgelegte Bestimmung, sondern eine selbstgewählte Ausrichtung ist. Dass der Verstand mehr, viel mehr sein kann als lediglich eine Waffe oder ein Instrument um das eigene Überleben zu sichern.
Es hindert uns allein die Angst, dieses Konzept geboren aus der Isolation, aus der Vergeistigten Selbstwahrnehmung in Abgrenzung zu „den anderen“. Dieser Angst sich zu stellen ist die Entscheidung, sich allein ihr zu stellen, ohne Rückhalt bei „andern“ suchen zu müssen, das ist die Herausforderung des Lebens, darin liegt der Schlüssel zur eigenverantwortlichen Selbstbestimmung als das Leben. 

Ich meine, wie können wir uns vollständig in die Hände von etwas geben, das wir nicht verstehen, dessen wir nicht Herr sind, dessen Bedeutung und Herkunft uns überhaupt nicht klar ist? Und allein die Tatsache, dass ich diese Frage überhaupt stellen kann zeigt die Fehlbarkeit und Unzuverlässigkeit dieses Systems des Bewusstseins, der Gedanken und der gedanklichen Selbstwahrnehmung auf. Erst wenn wir steuernd eingreifen, wenn wir Entscheidungen anhand der tatsächlichen Analyse der Situation unter Berücksichtigung aller Punkte die für das Leben, für alle Beteiligten Lebensformen auch langfristig günstig sind ausrichten und treffen handeln wir verantwortungsbewusst und zeigen uns der Eigenschaften und der Fähigkeiten des denkenden Bewusstseinsapparates würdig.

Bis heute stellt sich die menschliche Welt allerdings anders dar, bietet der Mensch das Bild eines naiven, ungebildeten Kindes dem man ein gefährliches, doch interessantes Spielzeug in die Hand gegeben hat.

Fortsetzung folgt...


Tag0104 - Warum Denken nicht = Sein ist (Teil2) - selbstbestimmte Auferstehung

Untitled blue / Foter.com / CC BY


Wenn ich ganz offen sein soll, ganz ehrlich, ohne Rücksicht, frei heraus, dann geht es hier nur in der Nebensache um die Zukunft der Menschheit. Es geht nur beiläufig um eine neue Weltordnung, eine neue Lebensweise der menschlichen Gesellschaften, politische Strukturen und Wirtschaftssysteme. Es geht hier in der Hauptsache um die Erschaffung von etwas, das es nie zuvor gegeben hat. Einen neuen Menschen, der sich dann kaum mit diesem kümmerlich beschränkten Begriff des heutigen „Menschen“ einengen lassen wird. Es geht um etwas, das den Menschen zu Lebzeiten untergehen lässt, das sein Ende bedeutet ohne ihn zu vernichten. Der Mensch wird zum Sein, zur Existenz in Einheit. All die Manifestationen, die Lebensformen sind nur noch Umstände, nicht mehr das Zentrum der Selbstwahrnehmung. Das Leben, das Sein ist die Identifikationsgrundlage und aus dieser gestärkten, unerschütterlichen Haltung kann das Potential des Lebens, können die Möglichkeiten des Lebens sich erstmals unbeschränkt und frei entfalten.

Das ist die Auferstehung des wahren Lebewesens Mensch, der sich nicht definiert über künstliche, unbeständige Werte, der sich nicht durch visuelle Interpretationen oder pseudowissenschaftlichen, an der Oberfläche kratzenden Genidealismus definiert. Der Mensch als die Fleischwerdung des sich selbst bewussten Lebens der aus eigener Kraft aufersteht oder untergeht. Und der Untergang wird kein einfaches Ende sein. Es wird ein von Schmerzen und Qualen begleiteter Prozess sein, ein trostloses, sinnloses Gegeneinander in einer Welt des Misstrauens, der Ausbeutung und des Missbrauchs. Ein trauriges Schauspiel so wie es in vielen Teilen der Welt schon seit jeher zu beobachten ist, denn wir befinden uns bereits mitten drin. Einzig die eigenständige, bewusste Entscheidung für das Leben, für die Verantwortlichkeit, für die selbstbestimmte Selbstentwicklung im Namen des Lebens kann den Prozess dieses Niedergangs stoppen.

Das ist eben die Ironie dieses Bewusstseinssystems, dieser vorprogrammierten Selbstwahrnehmung als isolierter Geist, dass sie uns das Recht auf persönliche Freiheit, auf Möglichkeiten und Individualität vormacht, während das eigentliche körperliche Leben das wir sind in dieser Existenz immer enger eingezwängt und mehr und mehr beschnitten wird. Wenn man aus diesem Schlaf erwacht bemerkt man nahezu schockierend was man tatsächlich begehrt als das Leben, wonach man sich in Einheit mit dem Leben wirklich sehnt und dass all das worauf es dabei ankommt, all die Dinge die einen selbstbestimmten Menschen eigenverantwortlich und frei leben lassen, überhaupt nicht mehr möglich sind in dieser Welt, in diesem Netzwerk der Bewusstseinskontrolle durch Manipulation, Existenzielle Bedrohung, durch den Gruppenzwang und die von Geburt an einsetzende Gehirnwäsche, die die Grundlage der Isolationshaft im Geiste bietet und damit die Schnittstelle zur absoluten Kontrolle des menschlichen Wesens programmiert: die Angst.
Dabei ist der Verstand selbst nicht einmal das Problem, der Fehler liegt in der Annahme der Einzigartigkeit des eigenen Verstandes. In dem Glauben man sei durch ihn abgetrennt vom Ganzen, allein mit ihm in sich selbst verankert.

Fortsetzung folgt...




Sonntag, 2. Juni 2013

Tag0103 - Warum Denken nicht = Sein ist - und andere Fragen... (Teil1)

Andrew Mason / Art Photos / CC BY


Nun, was ist wohl der Grund dafür, dass wir Menschen denken? 

Das ist bereits Denken, diese Frage beinhaltet zahlreiche Gedanken und der Urgedanke dieser Frage entspringt wiederum einem Netzwerk aus Gedanken. Ich kann nicht einmal sagen aus Gedanken und Annahmen, oder aus Gedanken und Bildern, denn sowohl die Annahmen als auch die Bilder bestehen aus Gedanken. Wenn wir also herausfinden wollen warum wir Menschen denken, dann müssen wir verstehen, was Gedanken eigentlich sind. Dabei findet der gesamte Prozess der Selbstbefragung innerhalb derselben Strukturen statt die es zu hinterfragen gilt. Die eigentliche Frage müsste also lauten, können wir uns überhaupt fragen? Oder: Können wir uns selbst befragen über die Gedanken, wenn diese doch die Frage selbst und auch ihre eigene Motivation begründen?
Jedenfalls denken wir, und wenn wir auch nicht wissen warum, so müssen wir uns zunächst mit dieser Tatsache abfinden. 

Gehen wir noch einen Schritt zurück und versuchen die Motive zu hinterfragen warum wir uns selbst befragen. Warum kann ich mir diese Frage nach dem Grund meiner Gedanken überhaupt stellen? Warum geht das? Wäre es nicht viel sinnvoller oder logischer gewesen, die Natur hätte ein Bewusstsein geschaffen das sich diese Frage nicht stellen kann? Denn eine Antwort können wir uns scheinbar, gemäß der eben erwähnten Gründe nicht geben und wozu sollten wir dann Zeit und Energie verschwenden darüber nachzudenken? Also warum nicht das Bewusstsein derart Programmieren oder Ausstatten, dass die Frage nach dem Grund überhaupt nicht gestellt werden kann? Aber wir können es und wir tun es auch. Allerdings stellen wir nicht immer die richtigen Fragen. Stattdessen geben wir uns unseren Gedanken hin, verheddern uns in ihnen, grübeln über unser Leben ohne es wirklich zu sehen, halten uns an Gewohnheiten fest, Programmroutinen die, wenn und so lange sie flüssig laufen, uns angenehm erscheinen. Weil wir so lange nicht gezwungen sind zu hinterfragen. Wir sind damit zufrieden, denn unser Leben ist nicht mehr in unseren Händen, wir glauben frei geworden zu sein weil alles so leicht erscheint. Wenn dann doch Schwierigkeiten entstehen, Konflikte zwischen der Wirklichkeit dieser Existenz und unserer vergeistigten Gedankenwelt, dann streben wir sofort wieder nach den gewohnten Routinen, versuchen das Programm wieder zu flicken, den gewohnten Ablauf wieder herzustellen. Was für ein Programm uns antreibt, welche Funktionen es durch uns erfüllt ist im Grunde völlig gleichgültig. Wichtig ist nur, dass es schlüssig in das Getriebe des direkten Lebensumfeldes integrierbar ist. Dabei kann es sich aber ebenso um eine rebellierende Routine handeln, eine Persönlichkeit die sich eben durch die gezielte Reibung an den Strukturen des Umfeldes, der Familie, der Gesellschaft und der Kultur definiert. Das ist eine ebenso betäubende, sich verselbstständigende Programmroutine wie die des braven Bürgers. 

Wo liegt also der Unterschied zwischen dem sich hinterfragenden Verstand und dem sich hingebenden Verstand? Gibt es so etwas wie eine Kontrolle? Gibt es eine Entscheidungsfreiheit? Gibt es vielleicht sogar nur diese eine Entscheidungsfreiheit für den Verstandes-Menschen, nämlich die, sich entweder kontinuierlich zu hinterfragen und bewusst zu steuern, oder aber sich willenlos der Konditionierung und dem Einfluss des Umfeldes hinzugeben und gesteuert zu werden? Wenn es diese Entscheidungsfreiheit gibt, dann ist sie tatsächlich die einzige, wirkliche und wahrhaftige Entscheidungsfreiheit des Menschen, die eine Entscheidung die allerdings immer und immer wieder getroffen werden muss, in jedem Moment des Seins und in jedem Atemzug.

Die Frage nach dem „Warum?“ oder „Wer bin Ich?“ erübrigt sich im Prozess dieser
Selbst-Werdung, denn in jeder getroffenen Entscheidung für das selbstbestimmte Leben liegt die Handlungsmacht eines eigenverantwortlichen Lebewesens das Eins wird mit dem Leben. Die Existenz im Moment der Selbsterkenntnis verweilend, der Selbstwahrnehmung ohne Vermutungen, ohne Projektionen und Erinnerungen ist das pure Selbst, das Leben HIER.

Einheit ist noch nicht verstanden worden. Gleichheit ist noch nicht verstanden worden. Der ganze Mensch hat sich noch nicht verstanden. Er gibt sich lieber mit Wahn- und Trugbildern seines Geistes ab, anstatt den Grund seiner Existenz zu erforschen, anstatt sich selbstbestimmt und eigenständig als das Leben zu bewegen. Diese krankhafte Haltung kann ihn natürlich nur in sein Verderben führen. Und genau dort steuert die Menschheit seit Anbeginn ihrer Zeit hin, auf ihren Untergang. 

Fortsetzung folgt...

Donnerstag, 9. Mai 2013

Tag0078 - „Das wird nie passieren“...

Keoni Cabral / People Photos / CC BY

Blog vom 28.04.2013

„Das wird nie passieren!“ - ist ein häufiger Einwand von Menschen die meine Blogs lesen, die sich mit der Arbeit die wir gemeinsam mit 'Desteni' leisten zumindest oberflächlich auseinandersetzen, die sich mit den Begriffen der Gleichheit allen Lebens und der Einheit des Lebens konfrontiert sehen. Dieser Einwand der eigentlich lediglich eine Reaktion ist, ist auch verständlich und erfolgt ganz logisch aus der Bewusstseinswahrnehmung so wie sie bei uns ausgeprägt ist. Von dem Standpunkt der vereinzelten, isolierten Selbstwahrnehmung in mehr oder weniger fatalistischer Opferhaltung klingt die Möglichkeit einer Welt der Gleichheit und Einheit, der Gleichbehandlung und der bedingungslosen gegenseitigen Unterstützung unvorstellbar utopisch. Das ist auch ganz klar, denn die ganze Geisteshaltung eines Menschen unserer Welt ist auf die Umweltbedingung der Ungleichheit geprägt und ausgelegt. Wir wachsen auf in einem Umfeld künstlich erzeugter Ungleichheit und Ungleichbehandlung und nehmen dieses Umfeld als natürlich gegeben hin, und das schon seit ewige Generationen. Daher begründen wir auch gerne unsere fatalistische Grundhaltung mit der Geschichte, mit den Worten „Das ist schon immer so gewesen...“, die ungefähr so viel Wirkung auf einen eigenständigen Geist haben wie ein kurzer Juckreiz.
Was bedeutet eine einfache Behauptung in Form einer Prophezeiung im Gegensatz zu der gelebten Wandlung eines lebendigen Menschen, zu der aktiven Selbstarbeit die als Resultat ein empirisches, lebendiges Beispiel für die Möglichkeit der Neuausrichtung, der gewollten Anerkenntnis der Einheit und Gleichheit allen Lebens gibt?
Allein die Tatsache dass sich so viele Menschen, wenn man sich offen zu dem Weg der Selbstbefreiung von den Glaubenssätzen der Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit menschlicher Entwicklung begibt, die Mühe machen dir immer wieder versichern zu wollen wie hoffnungs- und aussichtslos deine Anstrengungen seien ist ein deutliches Zeichen für die wahrhaftige Wirksamkeit deiner Bemühungen. Doch auch das ist eine nicht einfach so zu verhindernde Entwicklung in deinem Umfeld, dass es ganz egal ist wie deutlich wirksam deine Veränderung auch sein mag, die Ignoranz vieler Menschen wird kongruent dazu wachsen und sie werden es übersehen, oder sogar verunglimpfen, dich diffamieren, dich einen Heuchler oder ähnliches nennen, sobald sie glauben dich 'erwischt ' zu haben. Die Unterstellungen werden sich häufen und die Lügen auch.
Aber all das spielt keine Rolle. Es ist das Unverständnis und der Selbstschutz des Egos der sie dazu veranlasst, ebenso wie es bei dir selbst der Fall war. Die Überwindung dieses Punktes ist der schwerste der ersten Schritte zu eigenständigem Denken und selbstverantwortlichem Leben. Es geht nur um dich, nicht um Überzeugungen. Wenn du als das Leben, unabdingbar verbunden mit allem Leben als das Beispiel gerade stehst für die gelebte Einheit und Gleichwertigkeit allen Lebens, bist du selbst die Veränderung und es ist keine Überzeugung und Selbstbehauptung nötig.
Es ist auch nicht nötig auf ein Ziel hinzuarbeiten, denn der Prozess der Veränderung, der gelebten Selbstbestimmung und Ausrichtung am leben ist bereits das Ziel. Es gibt keinen endgültigen Endzustand zu erreichen von dem aus man dann auf alles zurückblicken könnte. Das Leben ist und muss ein Entwicklungsprozess bleiben, es ist lediglich die Grundlage, der Ausgangspunkt, die Perspektive von der aus man ist und Handelt, die sich grundlegend ändert eben durch die selbstehrliche Selbstarbeit. Diese Eröffnung, diese Erkenntnis ist nicht vermittelbar, sie ist nur dir selbst offenbar, wenn der Schritt über den Widerstand hinaus getan ist, wenn die freiwillige Selbstbeschränkung durch das Dogma der Aussichtslosigkeit durchbrochen wird. Dieser Schritt scheint nur aus einem Grund ein solches Wagnis für das verängstigte Ich zu sein, nämlich dem, dass im Falle der Wahrhaftigkeit seiner Verheißung ein Zurück nicht mehr möglich ist und endlose Schritte in eigenverantwortlicher Selbstregie folgen müssen, und dass von dem Zeitpunkt an die Eigenverantwortung allgegenwärtig ist und nicht mehr ignoriert werden kann. Doch davor Angst zu haben ist nachher unvorstellbar, denn es sind genau diese Punkte die dich angstfrei und wahrlich Selbstbewusst werden lassen, die dir die Lebenskraft in die eigenen Hände zurückgeben und dich zum Leben erwecken, indem du dich selbst als das Leben in allem Leben wiederentdeckst. Sich selbst zu stoppen, sich zu bremsen und seine eigene, selbstbestimmte Entwicklung zu begrenzen nur aufgrund einer Empfindung, einer ängstlichen Prophezeiung, eines vagen Glaubens hin ist dann unvorstellbar und der Gedanke wirkt geradezu lächerlich. Es ist überhaupt nicht relevant wie sehr und ob man an das Eintreten einer Utopie glaubt. Was zählt ist das was ist, und das ist die Wahrheit der Möglichkeit und damit der Verantwortlichkeit des Menschen zur verantwortlichen, des Lebens würdigen Selbstgestaltung in Selbstbestimmung. Die Selbstverleugnung, die Ignoranz gegenüber dieser Möglichkeit aus irrationaler Angst heraus beseitigt nicht die Wahrhaftige Tatsache. Und je mehr Menschen sich offenbaren, sich selbst dekonstruieren und als Beispiel den Weg des lebendigen Wortes, des tatsächlichen Selbst-Wandels gehen, desto klarer wird diese Verantwortlichkeit als symbolische Lebenskraft jedem klar vor Augen geführt und nach und nach, Schritt für Schritt werden Die Geister sich hinterfragen und das Leben wird sich durchsetzen, der Mensch wird sich selbst überwinden.

Freitag, 15. März 2013

Tag0033 - Diffus-ideologisches Theater des Lebens oder: die Angst vor Offenheit



Was bringt und dazu, uns über das Gedanken zu machen, was andere über uns denken?
Warum ist es von Bedeutung und warum ist es ein Thema das einen zu bewußter Sorge veranlaßt, das einen dazu bringt sich angestrengt angepasst zu verhalten? Warum ist das überhaupt notwendig oder wird als notwendig betrachtet? Ist es tatsächlich Angst vor eventuellem Konflikt? Ist diese Angst motiviert durch die Sorge umd den 'Frieden' des gemeinschaftlichen Lebens?

In nachbarschaftlichem Zusammenleben, in den alltäglichen Begegnungen innerhalb der Gemeinschaft die einen unmittelbar umgibt kann man in vielerlei Hinsicht gewisse Ängste oder Befürchtungen bei sich beobachten wenn es darum geht, was andere über dich erfahren, was sie von deinem Privatleben wissen, was sie von dir denken. Mal abgesehen davon, dass Menschen in unserer Zeit so geprägt sind, dass sie so oder so irgendwie wertend über dich denken, egal was sie wirklich wissen, hat es mich persönlich immer gestört mit gewissen Sachen 'hinterm Berg halten' zu müssen, Dinge zu verheimlichen oder vielleicht sogar zu 'erfinden', um einen gewissen Schein zu wahren. Und der Grund dafür war meistens nicht einmal wirklich nachvollziehbar, sondern es ging in meiner Familie beispielsweise vor allem um das 'Ansehen', gemessen an bestimmten Wertvorstellungen, wie zum Beispiel der Ordnung, der Disziplin, des Erfolgs und der 'Weißen Weste' unserer Familie. Man musste möglichst fehlerfrei und unangreifbar erscheinen.
Ich selbst hatte in dem Dorf in dem ich aufgewachsen bin keine großen Schwierigleiten dieses Bild in meiner Jugend erheblich zu schädigen, und aufgrund meiner 'rebellischen' und ebenso idiotischen Lebensart bin ich also eher trotzig mit dieser Abneigung gegenüber der Wahrung des Scheins und der heuchlerischen Fassaden der Dörfler umgegangen ohne mir natürlich klarzumachen, dass ich auf diese Weise ebenso stetig damit beschäftigt war was andere über mich denken, allerdings eben auf gegenteiliger Basis als beispielsweise meine Großmutter.

Man muss bei diesen Verhaltens- und Denkweisen die Dynamik betrachten, die gegenseitige Beeinflussung und die Glaubenssätze und Überzeugungen der beteiligten Personen. Natürlich weiß jeder, dass der andere nur einen Teil von sich preisgibt und den Rest verschleiert, jeder denkt er würde den anderen hinters Licht führen und vermutet bei ihm verborgene, dunkle Geheimnisse, oder zumindest Ungereimtheiten und Probleme, so wie man sie bei sich selbst ja auch vorfindet, die man aber versucht nicht offen zur Geltung zu bringen. Alle Kommunikation scheint sich nur in oberflächlichen Bereichen zu bewegen, mit Vorsicht und argwöhnischem Misstrauen tasten sich die Menschen aneinander heran. Erst wenn man sich schon etwas länger kennt, scheint das Verhältnis lockerer zu werden, doch das ist nur ein Trugschluß, denn es werden lediglich die Verhaltensmuster trainierter, man weiß bereits worüber man reden kann und worüber besser nicht, man ist routinierter, aber nicht vertrauter.
Vertrauen ist sowieso in weiter Ferne und unvorstellbar unter den Menschen. Nicht einmal innerhalb der Familien, nicht einmal zwischen den Ehepartnern ist Vertrauen eine Selbstverständlichkeit. Viele Indikatoren gibt es die diese Behauptung bestätigen, zum beispiel die Eifersucht oder die Zwänge und gesetzlichen Bindungen durch eheliche Verträge. Und wenn diese Ver-Bindungen dann offiziell gelöst werden, kommt in der Regel all das zum Vorschein, was jede der beteiligten Persönlichkeiten unter der dünnen Oberflächlichkeit ihrer alltagsmasken verborgen gehütet und kultiviert hat.

Was aber ist der wahre Grund für die Angst vor der Bloßstellung der 'heimlichen' Persönlichkeitsbereiche? Und ich spreche hier natürlich nicht davon, dass man bei geöffneten Türen und Fenstern die Toilette benutzt oder das Bad, oder sein Sexualleben offengelegt wird. Da unterscheidet wir uns nicht wesentlich voneinander, es ist im Grunde uninteressant, das wissen wir bereits, auch wenn wir so tun als gäbe es dort etwas 'ganz Besonderes' zu verbergen.
Ich spreche von den verborgenen 'Plänen', der persönlichen Agenda, der Selbstwahrnehmung in der Welt und im Vergleich mit 'den anderen' und was genau für Ziele sie verfolgt.
Was kann es für einen Grund geben, diese Offenbarung zu fürchten? Vielleicht den, dass sie einen Hinterhalt offenbart, oder zumindest einen ungerechtfertigten Wertgrundsatz, der die eigene Person und das eigene, persönliche Interesse in vielen Bereichen über das anderer stellt? Eine Ideologie der persönlichen Priorität, die einem rationalen Argumentationsaustausch nicht standhalten könnte und daher verborgen bleiben muss und hinter der Maske des freundlichen, wohlgesonnenen, hilfsbereiten Menschen versteckt bleibt?
Das kann die eine Erklärung sein, eine weitere ist die Angst vor der Erniedrigung, die Angst davor, schlechter zu sein als andere, unfähiger und fehlerhafter im offenen Vergleich. Und so kann man ja auch in vielen Bereichen die voyoristische Genugtuung derer beobachten, die sich hinter Masken und Fassaden verstecken während sie sich an den Offenbarungen anderer ergötzen, ob diese nun freiwillig oder unfreiwillig zur Schau gestellt wurden. Gute Beispiele sind die Fernsehsendungen die von genau diesem Prinzip, dieser von Angst getriebenen Konditionierung leben, oder aber die Cliquenbildung und das Mobbing das bereits in Schulen die erschreckend frühe Konditionierung der Kinder auf genau diese Angstgenährte Grundhaltung aufzeigt. Wichtig dabei ist aber immer die Wahrung der eigenen Fassade, der Schutz der eigenen Geheimnisse und die Aufrechterhaltung des Scheins besser zu sein, mehr zu sein als 'der andere'. Die ganze Zeit über aber ist diese Grundhaltung auf einer unglaublichen Unsicherheit gebaut, sie resultiert aus irrationalen Ängsten die in dem Glauben basieren, dass ein anderer 'besser' oder 'mehr wert' sein könnte als man selbst, und um sich diese Angst vor Unzulänglichkeit nicht eingestehen zu müssen, sich ihr nicht stellen zu müssen, werden die Ursachen, die Fehler, die unbearbeiteten egoistischen Triebe, die Minderwertigkeitsgefühle unterdrückt und verborgen, vor sich selbst und anderen, und da kommt natürlich jede Gelegenheit recht, sich an offenbaren Fehlern anderer zu ergötzen. Dadurch lenkt man sich von der eigenen Angst ab.
Was allerdings ist es wirklich, wovor man in diesem Verhalten davonläuft?
Es ist die grundsätzliche Realität der Gleichheit aller, die man nicht wahrhaben will in diesem Denken. Egal, ob man sich selbst verblendet mit direkter Überheblichkeit, mit der Illusion einer Überwertigkeit der eigenen Person und damit die 'geheime Agenda' des Feldzugs der egoistischen Manipulation rechtfertigt, oder ob man sich eine Fassade aus reiner Angst, aus Minderwertigkeitsgefühlen zulegt, weil man glaubt man sei nicht gut genug, nicht diszipliniert genug und von Natur aus fehlerhafter als andere, und damit seiner Eigenverantwortlichkeit den Rücken kehrt.
Dieser Grundsatz der Vergleichsweisen Bemessung des eigenen Wertes ist eine krankhafte Wahnidee, die nur in Verbindung mit rein fantastischen Vorstellungen überhaupt eine ansatzweise logische Verknüpfung erhält. Die Vorstellung der eigenen Person, als ein Konstrukt aus Verhaltensweisen, geformt und genormt an vorgegebenen, kulturellen Werten und Ideologien sozialen Denkens, eine Idee des Selbst als eine Geschichte, die sich dann misst und vergleicht mit ebensolchen Ideen von 'anderen' Personen, die der selben Quelle, dem selben Bewußtsein entspringen wie die eigene Vorstellung des Ichs. Und somit hat dieses System, dieses Programm sich selbst die Grundlage geschaffen für alle weiteren Verhaltens- und Denkvoergänge sowie deren Schlußfolgerungen und Urteile. Dieses System wird sich in seiner Grundstruktur der Unsicherheits- und Angstgeprägten Selbstkonstrultion durch das Bewußtsein niemals ändern, allerdings die Inhalte der Idealisierungen dieser Bilder immer den jeweiligen äußeren Bedingungen anpassen können. Eine fantastische, sich selbst immer wieder antreibende Beschäftigungsmaschinerie des Bioautomaten Mensch.
Warum er sich dem hingibt bleibt schleierhaft, zumindest solange man sich nicht mit der Projektion seiner inneren Persönlichkeitsstrukturen, dem äußeren System der gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Zwänge auseinandersetzt, denn dort setzt sich die sich selbst antreibende Konstruktion fort in der scheinlogischen manifestation einer übergeordneten Instanz, die zwar ein Produkt unserer eigenen Schöpfungskraft ist, an deren Überlegenheit und richtungsweisende Autorität wir aber Paradoxerweise glauben wollen, damit wir an sie unsere Verantwortung und dadurch unsere Angst abgeben können. Es funktioniert nicht, das ist jedem klar, jedem für sich, der die Angst vor 'dem anderen' oder vor der eigenen Offenbarung in sich spürt, aber wir glauben so sehr an das Funktionieren, dass wir fürchten wir seien aufgrund unserer Unzulänglichkeit noch immer nicht überzeugt und andere wären es. Und während jeder seine innersten Ängste verbirgt und gleichzeitig in diesem Versteck des Geistes seine dunklen Pläne schmiedet um wenigstens seine persönlichen Tiebe und Verlangen auf irgendeine Weise befriedigt zu bekommen, spielen wir uns gegenseitig etwas vor, halten an einem System fest, an einer Philosophie die auf Angst und Unsicherheit begründet ist und daher niemals Sicherheit und Zufriedenheit bringen kann. Im Gegenteil, durch ihr unterschwelliges, unterdrücktes Konfliktpotential zerfrißt sie den Menschen und die Gemeinschaft, richtet sich im Namen einer reinen Ideologie gegen das Leben und richtet es offensichtlich, in der realen Konsequenz, auch zu Grunde.

Man fürchtet die Offenheit nur dann, wenn man etwas zu verbergen hat. Dass wir ein System leben, in dem es der persönlichen Existenz, dem Wohl eines Menschen schaden kann sich zu offenbaren wenn er nichts zu verbergen hat, wenn er nichts tut, nichts denkt oder wünscht das irgendjemandem schaden könnte, wenn er sich nur offenbart als Mensch mit allem menschlichen, wenn er für das Leben und das Recht allen Lebens auf Würde und gleichheit einsteht, zeigt nur die grundlegende Fehlerhaftigkeit und die inakzeptable Ausrichtung des Systems selbst, also unserer Selbst. Denn wir sind das System, wir repräsentieren es.

Im Schutz der Anonymität wird aus dem verängstigten Ich ein aggressiver, zutiefst frustrierter und verbitterter Dämon. Im Schutz der Privatsphäre tritt die ganze Erkrankung der menschlichen Bewußtseinsentwicklung und seiner Konditionierung auf Überwertigkeit und Abgetrenntheit von allem anderen Leben in all ihren grausamen Symptomatiken zu Tage. Hinter den verschlossenen Türen, in der sogenannten Privatsphäre, vor allem aber im Schutz der Anonymität im Internet, in den weltweiten Netzwerken zeigt sich eine zutiefst verdorbene, grenzenlos wütende und Zerstörungswillige Wesenheit, eine geistige Struktur der menschlichen Natur - nicht der Natur so wie sie ihm angeboren wäre, nein, einer Natur der Persönlichkeiten die unser aller Schöpfung und unser aller Verantwortung ist. Und in jedem noch so kleinen Beitrag unseres Alltagslebens, in jeder innerlichen Be- und Verurteilung einer Wahnvorstellung die wir uns von 'anderen' oder uns selbst machen, in jedem Komplott den wir innerlich schmieden und jeder Manipulation zu unserem scheinbaren Vorteil und sei es nur eine Verschwiegenheit steuern wir unseren Teil der Verantwortung bei für diese Auswüchse, den Mißbrauch, das Schweigen, die Ausbeutung aus dem Schutz des Verborgenen und der Privatsphäre heraus.

Ich habe nichts zu verbergen und habe nichts zu fürchten. Finde ich einen Punkt in dem ich offenbarung befürchten sollte, so muss ich mir selbstehrlich den Grund für diese Angst eingestehen, muss herausfinden und beseitigen was diese Unehrlichkeit mir und dem Leben gegenüber verursacht, denn es kann nur ein missbräuchlicher Grund sein.
Es mag Gründe geben, so lange die soziale und existentiell bedrohliche Repression noch funktioniert, so lange noch so viele willenlose Schergen der verrottenden Systeme sind, die eine Verschwiegenheit oder eine gewisse Zurückhaltung rechtfertigen. Doch hier ist Vorsicht vor den Tücken des Egos geboten wenn es einem Ernst ist mit seiner Würde, seiner Glaubwürdigkeit und Selbstehrlichkeit, denn allzu leicht läßt sich damit die Ängstlichkeit vor notwendiger und unerläßlicher Konfrontation rechtfertigen. Der Selbstschutz durch Zurückhaltung und Verschwiegenheit in Sachen Wahrhaftigkeit sollte daher immer nur das Mittel letzter Wahl sein und nicht zu allererst in Erwägung gezogen werden.

Ich stehe als Mensch für das Leben, als das Leben. Ich stehe hier gleich und eins mit allem Leben. Meine Persönlichkeit und meine Geschichte sind ein Teil meines Lebensweges, sie sind nicht das was ich bin. Ich habe darin keine Verwendung für Kämpfe um Ideen und Überlegenheit. Als das Leben verfolgen wir alle dieselben grundlegenden Interessen und als das formbare und geformte Bewußtsein kämpfen wir alle mit denselben Wiedersprüchen und Konflikten. Sollten wir in dieser Grundakzeptanz zusammenfinden ist es ein leichtes, diese Wiedersprüchlichkeiten gemeinsam zu entwirren und uns als Menschen in akzeptierter Gleichheit neu am Leben auszurichten. Und alles was über diese Gleichheit des Lebens hinausgeht, die persönliche Geschichte, die daraus erwachenden Interessen und Fähigkeiten, erwachsen daraus als die Blüten und Zweige der Vielheit, der Mannigfaltigkeit als Ausdrücke des Lebens, aus dem Stamm der Einheit. Alle bremsenden, rückschrittigen, das Leben im Keim erstickenden, irrationalen und unnötigen Programme des Bewußtseins, allen voran die Ängste, sind in dieser bewußten Entscheidung zum offenkundigen Leben aufgelöst.

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 15.03.2013