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Mittwoch, 15. Mai 2013

Tag0087 - Ich bin noch immer das Bild in meinem Kopf (Teil 2)

seyed mostafa zamani / Art Photos / CC BY


Blog vom 08.05.2013

Fortsetzung zu Tag0086 - Ich bin noch immer das Bild in meinem Kopf (Teil 1)

Auszug:

"Vielleicht war ich mit bestimmten, vorgefassten Erwartungen in diese Situation gekommen und habe mich dadurch verschlossen und mir die Möglichkeit sinnvoll und für alle Beteiligten geeignet auf die Situationen zu reAgieren verbaut. Es ist durchaus möglich, dass ich positive Erwartungen mit meiner Selbstwahrnehmung als freundlicher, zuvorkommender „Gutmensch“ verknüpft habe und aufgrund der „ent-Täuschung“ der Erwartungshaltung mit Frust und auch mit Trotz reagiert habe, was natürlich auch wenn das Verhalten des Umfeldes feindlich und ungerechtfertigt war nicht gerade zu einer Lösung und Neutralisierung des Konfliktpotentials beiträgt. " 

Erwartungshaltungen:

Aber der Punkt um den es eigentlich geht ist der der Erwartungshaltung überhaupt. Und das ist nun schon der vierte oder fünfte Post in kurzer Folge, ungeplant, der sich mit dieser Tematik auseinandersetzt. Die Erwartungshaltung an das Selbst(bild) und an die Reaktion und das Verhalten des Umfeldes, ein Versuch die Zukunft zu kontrollieren und die Dinge zu Steuern, ohne wirklich die Möglichkeit zu haben alles in Betracht zu ziehen, ganz davon abgesehen ohne zu hinterfragen wie sinnvoll eine solche Dnekweise wirklich ist.

Man darf diese innere Erwartungshatung und ihre ganze, nach bestimmten Kriterien ausgerichtete Struktur auf keinen Fall unterschätzen. Unbeachtet bestimmt sie unser gesamtes Leben, Denken und Handeln selbst dann wenn wir oberflächlich der Meinung sind uns eigenständig und selbstbestimmt durch da sLeben zu bewegen. Sie wirkt mit emotionalen reaktionsmustern, dem sogenannten „Bauchgefühl“, man trifft Entscheidungen aufgrund von Aversionen oder Vorlieben die man selbst überhaupt nicht versteht und die unter Umständen, oder sogar in allen Fällen eine fremdbestimmte Programmierung und nicht etwa eigens getroffene Entscheidungen sind. 

Das Problem ist der uns eingeimpfte mystische Glaube an eine uns wohlgesonnene, natürliche Macht die ohne dass wir uns damit auseinandersetzen müssten letztlich dafür sorgen würde, dass „alles sich zum Guten wendet“. Diesen Glauben tragen wir fast ausnahmslos alle in uns, auch wenn wir überzeugt sind dies nicht zu tun. Wie sonst könnten wir unseren Lebenswandel und all die Konsequenzen die er offensichtlich hat ertragen und verantworten? Wie sonst könnten wir weiter unserer Verschwendungssucht fröhnen, angesichts des unsagbaren Leids, der Zerstörung von Leben und des Schadens den wir uns selbst dadurch zufügen? Wir sind derart programmiert, dass wir daran festhalten, ohne uns umzusehen, ohne innezualten und wenn wir zweifeln sollten dann setzt dieses innere „Gefühl“ ein, dass eine größere, höhere Macht am Werk sei und dass diese auch die Verantwortung für die Geschehnisse hier tragen würde, so dass uns selbst letztendlich keine Schuld trifft, da wir ja nichts weiter als hilflose Spielbälle dieser schicksalhaften Kraft sind, Opfer einer überlegenen Wesenheit.

Es ist ein unvorstellbarer und doch alltäglicher Wahnsinn, und wir haben absolut nichts davon, nur und höchstens  in unserer Einbildung.  Der Preis den wir dafür bezahlen ist unsere Selbstbestimmung und unsere Würde als menschliche Lebewesen. Die Fähigkeiten und Möglichkeiten die uns gegeben sind bringen eben diese Verantwortung der bewußten Selbstbestimmung und der Akzeptanz der eigenen Verantwortlichkeit mit sich und nur ein verängstigter, verunsicherter Geist der sich seiner Feigheit hingibt und die Unterwerfung der eigenverantwortlichen Selbstbestimmung vorzieht kann diese Ausschlagen und seine Freiheit dafür aufgeben sich nicht verantwortlich zu fühlen

In der Konsequenz fühlt er sich allerdings auch nicht mehr lebendig. Diese Kraft und Motivation, die Freude und der Sinn für das Leben sind fremd geworden und gehen verloren in dieser kauernden Haltung, dieser versteckten aber dennoch suchenden Erwartungshaltung. Eine krankhafte Selbstbezogenheit entsteht, eine Sucht nach Ersat für das Leben, das freie Atmen, die Eigenständigkeit, die Wahrhaftigen Bedingungen menschlichen lebens die nicht wirklich ersetzt werden können. Wir suchen nach diesem Gefühl der Lebendigkeit in unserm Geist, in der Interpretation unserer emotionen ohne zu verstehen woher diese kommen und dass sie nur durch unsere Körperlichkeit, das wahre Leben das wir hier sind, generiert werden. Wir streben nach Erlebnissen die wir mit Gedankenkonzeten Verknüpfen, mit derartigen Philosophien die uns vorgaukeln wir müssten unser Versteck im Geist nicht verlassen um wahrhaftig zu leben, wir könnten uns ganz in dieser selbstverliebten Welt der Vorstellungen und energetischen Einbildungsreaktionen verlieren und würden darin irgendwann unsere Glückseligkeit finden. Die äußere Welt sei nur Schein, eine Repräsentatio unserer inneren Selbstherrlichkeit, daher kreieren wir Symbolische Gebilde, Muster die Schlüsselreize darstellen und die gewünschten emotionalen Reaktionen triggern, die uns dann in unserer Interpretation den eindruck von Zufriedenheit und erreichten Zielen vermiteln. All das ist ein Spiel der Energien auf Kosten der tatsächlichen Existenz als Lebendige Wesen, als Organismen, als Leben hier und jetzt in Einheit und Gleichheit in dieser Existenz.




Tag0086 - Ich bin noch immer das Bild in meinem Kopf (Teil 1)

Extra Medium / Beach Photos / CC BY-NC-ND


Blog vom 07.05.2013



Noch immer habe ich Schwierigkeiten mich in dieser Umgebung hier frei zu bewegen. Es mag damit zusammenhängen, dass ich hier von Anfang an eher ablehnend behandelt oder zumindest argwöhnisch empfangen wurde. Extreme und hinterhältige Ablehnung schlug mir vor allen Dingen von einer Person entgegen, und zwar in einer sehr offenen, aggressiven, dreisten und verbohrten Weise. Nicht besonders clever, nicht mit genügend Geschick, aber hartnäckig wurde gegen meine Person intrigiert und gezielt Gerüchte, bzw.Lügen verbreitet. Ich kann auch gar nicht sagen, dass mich das wirklich ernsthaft verletzt hat, denn ich weiß wohl was es mit sogenannten verletzten Gefühlen wahrhaftig auf sich hat und dass man sich selbst etwas vormacht wenn man glaubt jemand anderes könne einem so etwas antun, dennoch war ich ehrlich gesagt etwas geschockt von dieser offenherzigen Gehässigkeit die vor keinen Mitteln Halt gemacht hat um einen Versuch zu unternehmen mir in irgendeiner Weise zu schaden. So wurde letztlich, als keine Provokation mich zu irgendeiner emotionalen Reaktion mehr hinreißen konnte versucht, meine Person in der Umgebung schlecht zu reden, es wurden Lügen über mich verbreitet, an den Haaren herbeigezogene „Informationen“ und erfundene Aktionen die ich gemacht haben soll.Ich habe leider den Fehler gemacht solcherlei Gespräche zunächst durch Zufall und dann gezielt mehrere Male mitzuhören. Eigentlich dachte ich immer, diese Art der Persönlichkeitsstörung, die nach außen gekehrte Schuldzuweisung, die Ablenkung von den eigenen Problemen und Konflikten indem man sich ununterbrochen über ‚andere‘ Menschen unterhält und sich Dinge über sie ausdenkt und einbildet sei mir ausreichend bekannt und tatsächlich ist mir auch sehr deutlich klar warum Menschen so denken und handeln, da ich natürlich wie jeder andere selbst in solchen Mustern gedacht und gehandelt habe.  Allerdings ist es eine ganz andere Erfahrung so etwas am eigenen Leib sozusagen zu „spüren“, vor allem dann, wenn an sich sowieso in einer geschwächten Position befindet, weil man neu in der Gegend ist und mit den Menschen dort noch nicht so bekannt. 

In der Nachschau erinnert mich diese ganze Geschichte, diese Anfangszeit hier an eine Zeit in meiner Jugend oder besser gesagt Kindheit, als ich einmal für etwa ein halbes Jahr aus familiären Gründen die Schule und auch mein gewohntes Umfeld wechseln musste und in dieser Schule extremen Ausgrenzungen und Mobbing sowohl von Lehrern als auch von Schhülern ausgesetzt war. Ich hatte diese Zeit schon fast aus meiner Erinnerung verdrängt, erst im Zuge meiner Selbstarbeit im Bezug auf meine Prüfungsangst und eben diese Thematik hier ist sie mir wieder in den Sinn gekommen.

Nun, es sieht jedenfalls so aus, als ob meine Reaktion auf eine solche Verhaltensweise anderer tiefer geht als ich dachte und dass es nicht ausreichend war wie ich bisher damit umgegangen war. Auch wenn ich mir eine gewisse Gleichgültigkeit und in der Analyse meiner selbst und auch der betreffenden Personen und ihrem Verhalten ein gewisses Verständnis habe zu eigen werden lassen, sitzen in mir und meiner Persönlichkeitsstruktur verankert offensichtlich noch einige wirkungsvolle emotionale Verknüpfungen die undefinierte Ängste und Hemmnisse hervorrufen, wenn es um mich, mein Sebstbild und die Wahrnehmung meiner Person in den Augen anderer geht. 

Vielleicht war ich mit bestimmten, vorgefassten Erwartungen in diese Situation gekommen und habe mich dadurch verschlossen und mir die Möglichkeit sinnvoll und für alle Beteiligten geeignet auf die Situationen zu reAgieren verbaut. Es ist durchaus möglich, dass ich positive Erwartungen mit meiner Selbstwahrnehmung als freundlicher, zuvorkommender „Gutmensch“ verknüpft habe und aufgrund der „ent-Täuschung“ der Erwartungshaltung mit Frust und auch mit Trotz reagiert habe, was natürlich auch wenn das Verhalten des Umfeldes feindlich und ungerechtfertigt war nicht gerade zu einer Lösung und Neutralisierung des Konfliktpotentials beiträgt.

Fortsetzung folgt...




Freitag, 15. März 2013

Tag0033 - Diffus-ideologisches Theater des Lebens oder: die Angst vor Offenheit



Was bringt und dazu, uns über das Gedanken zu machen, was andere über uns denken?
Warum ist es von Bedeutung und warum ist es ein Thema das einen zu bewußter Sorge veranlaßt, das einen dazu bringt sich angestrengt angepasst zu verhalten? Warum ist das überhaupt notwendig oder wird als notwendig betrachtet? Ist es tatsächlich Angst vor eventuellem Konflikt? Ist diese Angst motiviert durch die Sorge umd den 'Frieden' des gemeinschaftlichen Lebens?

In nachbarschaftlichem Zusammenleben, in den alltäglichen Begegnungen innerhalb der Gemeinschaft die einen unmittelbar umgibt kann man in vielerlei Hinsicht gewisse Ängste oder Befürchtungen bei sich beobachten wenn es darum geht, was andere über dich erfahren, was sie von deinem Privatleben wissen, was sie von dir denken. Mal abgesehen davon, dass Menschen in unserer Zeit so geprägt sind, dass sie so oder so irgendwie wertend über dich denken, egal was sie wirklich wissen, hat es mich persönlich immer gestört mit gewissen Sachen 'hinterm Berg halten' zu müssen, Dinge zu verheimlichen oder vielleicht sogar zu 'erfinden', um einen gewissen Schein zu wahren. Und der Grund dafür war meistens nicht einmal wirklich nachvollziehbar, sondern es ging in meiner Familie beispielsweise vor allem um das 'Ansehen', gemessen an bestimmten Wertvorstellungen, wie zum Beispiel der Ordnung, der Disziplin, des Erfolgs und der 'Weißen Weste' unserer Familie. Man musste möglichst fehlerfrei und unangreifbar erscheinen.
Ich selbst hatte in dem Dorf in dem ich aufgewachsen bin keine großen Schwierigleiten dieses Bild in meiner Jugend erheblich zu schädigen, und aufgrund meiner 'rebellischen' und ebenso idiotischen Lebensart bin ich also eher trotzig mit dieser Abneigung gegenüber der Wahrung des Scheins und der heuchlerischen Fassaden der Dörfler umgegangen ohne mir natürlich klarzumachen, dass ich auf diese Weise ebenso stetig damit beschäftigt war was andere über mich denken, allerdings eben auf gegenteiliger Basis als beispielsweise meine Großmutter.

Man muss bei diesen Verhaltens- und Denkweisen die Dynamik betrachten, die gegenseitige Beeinflussung und die Glaubenssätze und Überzeugungen der beteiligten Personen. Natürlich weiß jeder, dass der andere nur einen Teil von sich preisgibt und den Rest verschleiert, jeder denkt er würde den anderen hinters Licht führen und vermutet bei ihm verborgene, dunkle Geheimnisse, oder zumindest Ungereimtheiten und Probleme, so wie man sie bei sich selbst ja auch vorfindet, die man aber versucht nicht offen zur Geltung zu bringen. Alle Kommunikation scheint sich nur in oberflächlichen Bereichen zu bewegen, mit Vorsicht und argwöhnischem Misstrauen tasten sich die Menschen aneinander heran. Erst wenn man sich schon etwas länger kennt, scheint das Verhältnis lockerer zu werden, doch das ist nur ein Trugschluß, denn es werden lediglich die Verhaltensmuster trainierter, man weiß bereits worüber man reden kann und worüber besser nicht, man ist routinierter, aber nicht vertrauter.
Vertrauen ist sowieso in weiter Ferne und unvorstellbar unter den Menschen. Nicht einmal innerhalb der Familien, nicht einmal zwischen den Ehepartnern ist Vertrauen eine Selbstverständlichkeit. Viele Indikatoren gibt es die diese Behauptung bestätigen, zum beispiel die Eifersucht oder die Zwänge und gesetzlichen Bindungen durch eheliche Verträge. Und wenn diese Ver-Bindungen dann offiziell gelöst werden, kommt in der Regel all das zum Vorschein, was jede der beteiligten Persönlichkeiten unter der dünnen Oberflächlichkeit ihrer alltagsmasken verborgen gehütet und kultiviert hat.

Was aber ist der wahre Grund für die Angst vor der Bloßstellung der 'heimlichen' Persönlichkeitsbereiche? Und ich spreche hier natürlich nicht davon, dass man bei geöffneten Türen und Fenstern die Toilette benutzt oder das Bad, oder sein Sexualleben offengelegt wird. Da unterscheidet wir uns nicht wesentlich voneinander, es ist im Grunde uninteressant, das wissen wir bereits, auch wenn wir so tun als gäbe es dort etwas 'ganz Besonderes' zu verbergen.
Ich spreche von den verborgenen 'Plänen', der persönlichen Agenda, der Selbstwahrnehmung in der Welt und im Vergleich mit 'den anderen' und was genau für Ziele sie verfolgt.
Was kann es für einen Grund geben, diese Offenbarung zu fürchten? Vielleicht den, dass sie einen Hinterhalt offenbart, oder zumindest einen ungerechtfertigten Wertgrundsatz, der die eigene Person und das eigene, persönliche Interesse in vielen Bereichen über das anderer stellt? Eine Ideologie der persönlichen Priorität, die einem rationalen Argumentationsaustausch nicht standhalten könnte und daher verborgen bleiben muss und hinter der Maske des freundlichen, wohlgesonnenen, hilfsbereiten Menschen versteckt bleibt?
Das kann die eine Erklärung sein, eine weitere ist die Angst vor der Erniedrigung, die Angst davor, schlechter zu sein als andere, unfähiger und fehlerhafter im offenen Vergleich. Und so kann man ja auch in vielen Bereichen die voyoristische Genugtuung derer beobachten, die sich hinter Masken und Fassaden verstecken während sie sich an den Offenbarungen anderer ergötzen, ob diese nun freiwillig oder unfreiwillig zur Schau gestellt wurden. Gute Beispiele sind die Fernsehsendungen die von genau diesem Prinzip, dieser von Angst getriebenen Konditionierung leben, oder aber die Cliquenbildung und das Mobbing das bereits in Schulen die erschreckend frühe Konditionierung der Kinder auf genau diese Angstgenährte Grundhaltung aufzeigt. Wichtig dabei ist aber immer die Wahrung der eigenen Fassade, der Schutz der eigenen Geheimnisse und die Aufrechterhaltung des Scheins besser zu sein, mehr zu sein als 'der andere'. Die ganze Zeit über aber ist diese Grundhaltung auf einer unglaublichen Unsicherheit gebaut, sie resultiert aus irrationalen Ängsten die in dem Glauben basieren, dass ein anderer 'besser' oder 'mehr wert' sein könnte als man selbst, und um sich diese Angst vor Unzulänglichkeit nicht eingestehen zu müssen, sich ihr nicht stellen zu müssen, werden die Ursachen, die Fehler, die unbearbeiteten egoistischen Triebe, die Minderwertigkeitsgefühle unterdrückt und verborgen, vor sich selbst und anderen, und da kommt natürlich jede Gelegenheit recht, sich an offenbaren Fehlern anderer zu ergötzen. Dadurch lenkt man sich von der eigenen Angst ab.
Was allerdings ist es wirklich, wovor man in diesem Verhalten davonläuft?
Es ist die grundsätzliche Realität der Gleichheit aller, die man nicht wahrhaben will in diesem Denken. Egal, ob man sich selbst verblendet mit direkter Überheblichkeit, mit der Illusion einer Überwertigkeit der eigenen Person und damit die 'geheime Agenda' des Feldzugs der egoistischen Manipulation rechtfertigt, oder ob man sich eine Fassade aus reiner Angst, aus Minderwertigkeitsgefühlen zulegt, weil man glaubt man sei nicht gut genug, nicht diszipliniert genug und von Natur aus fehlerhafter als andere, und damit seiner Eigenverantwortlichkeit den Rücken kehrt.
Dieser Grundsatz der Vergleichsweisen Bemessung des eigenen Wertes ist eine krankhafte Wahnidee, die nur in Verbindung mit rein fantastischen Vorstellungen überhaupt eine ansatzweise logische Verknüpfung erhält. Die Vorstellung der eigenen Person, als ein Konstrukt aus Verhaltensweisen, geformt und genormt an vorgegebenen, kulturellen Werten und Ideologien sozialen Denkens, eine Idee des Selbst als eine Geschichte, die sich dann misst und vergleicht mit ebensolchen Ideen von 'anderen' Personen, die der selben Quelle, dem selben Bewußtsein entspringen wie die eigene Vorstellung des Ichs. Und somit hat dieses System, dieses Programm sich selbst die Grundlage geschaffen für alle weiteren Verhaltens- und Denkvoergänge sowie deren Schlußfolgerungen und Urteile. Dieses System wird sich in seiner Grundstruktur der Unsicherheits- und Angstgeprägten Selbstkonstrultion durch das Bewußtsein niemals ändern, allerdings die Inhalte der Idealisierungen dieser Bilder immer den jeweiligen äußeren Bedingungen anpassen können. Eine fantastische, sich selbst immer wieder antreibende Beschäftigungsmaschinerie des Bioautomaten Mensch.
Warum er sich dem hingibt bleibt schleierhaft, zumindest solange man sich nicht mit der Projektion seiner inneren Persönlichkeitsstrukturen, dem äußeren System der gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Zwänge auseinandersetzt, denn dort setzt sich die sich selbst antreibende Konstruktion fort in der scheinlogischen manifestation einer übergeordneten Instanz, die zwar ein Produkt unserer eigenen Schöpfungskraft ist, an deren Überlegenheit und richtungsweisende Autorität wir aber Paradoxerweise glauben wollen, damit wir an sie unsere Verantwortung und dadurch unsere Angst abgeben können. Es funktioniert nicht, das ist jedem klar, jedem für sich, der die Angst vor 'dem anderen' oder vor der eigenen Offenbarung in sich spürt, aber wir glauben so sehr an das Funktionieren, dass wir fürchten wir seien aufgrund unserer Unzulänglichkeit noch immer nicht überzeugt und andere wären es. Und während jeder seine innersten Ängste verbirgt und gleichzeitig in diesem Versteck des Geistes seine dunklen Pläne schmiedet um wenigstens seine persönlichen Tiebe und Verlangen auf irgendeine Weise befriedigt zu bekommen, spielen wir uns gegenseitig etwas vor, halten an einem System fest, an einer Philosophie die auf Angst und Unsicherheit begründet ist und daher niemals Sicherheit und Zufriedenheit bringen kann. Im Gegenteil, durch ihr unterschwelliges, unterdrücktes Konfliktpotential zerfrißt sie den Menschen und die Gemeinschaft, richtet sich im Namen einer reinen Ideologie gegen das Leben und richtet es offensichtlich, in der realen Konsequenz, auch zu Grunde.

Man fürchtet die Offenheit nur dann, wenn man etwas zu verbergen hat. Dass wir ein System leben, in dem es der persönlichen Existenz, dem Wohl eines Menschen schaden kann sich zu offenbaren wenn er nichts zu verbergen hat, wenn er nichts tut, nichts denkt oder wünscht das irgendjemandem schaden könnte, wenn er sich nur offenbart als Mensch mit allem menschlichen, wenn er für das Leben und das Recht allen Lebens auf Würde und gleichheit einsteht, zeigt nur die grundlegende Fehlerhaftigkeit und die inakzeptable Ausrichtung des Systems selbst, also unserer Selbst. Denn wir sind das System, wir repräsentieren es.

Im Schutz der Anonymität wird aus dem verängstigten Ich ein aggressiver, zutiefst frustrierter und verbitterter Dämon. Im Schutz der Privatsphäre tritt die ganze Erkrankung der menschlichen Bewußtseinsentwicklung und seiner Konditionierung auf Überwertigkeit und Abgetrenntheit von allem anderen Leben in all ihren grausamen Symptomatiken zu Tage. Hinter den verschlossenen Türen, in der sogenannten Privatsphäre, vor allem aber im Schutz der Anonymität im Internet, in den weltweiten Netzwerken zeigt sich eine zutiefst verdorbene, grenzenlos wütende und Zerstörungswillige Wesenheit, eine geistige Struktur der menschlichen Natur - nicht der Natur so wie sie ihm angeboren wäre, nein, einer Natur der Persönlichkeiten die unser aller Schöpfung und unser aller Verantwortung ist. Und in jedem noch so kleinen Beitrag unseres Alltagslebens, in jeder innerlichen Be- und Verurteilung einer Wahnvorstellung die wir uns von 'anderen' oder uns selbst machen, in jedem Komplott den wir innerlich schmieden und jeder Manipulation zu unserem scheinbaren Vorteil und sei es nur eine Verschwiegenheit steuern wir unseren Teil der Verantwortung bei für diese Auswüchse, den Mißbrauch, das Schweigen, die Ausbeutung aus dem Schutz des Verborgenen und der Privatsphäre heraus.

Ich habe nichts zu verbergen und habe nichts zu fürchten. Finde ich einen Punkt in dem ich offenbarung befürchten sollte, so muss ich mir selbstehrlich den Grund für diese Angst eingestehen, muss herausfinden und beseitigen was diese Unehrlichkeit mir und dem Leben gegenüber verursacht, denn es kann nur ein missbräuchlicher Grund sein.
Es mag Gründe geben, so lange die soziale und existentiell bedrohliche Repression noch funktioniert, so lange noch so viele willenlose Schergen der verrottenden Systeme sind, die eine Verschwiegenheit oder eine gewisse Zurückhaltung rechtfertigen. Doch hier ist Vorsicht vor den Tücken des Egos geboten wenn es einem Ernst ist mit seiner Würde, seiner Glaubwürdigkeit und Selbstehrlichkeit, denn allzu leicht läßt sich damit die Ängstlichkeit vor notwendiger und unerläßlicher Konfrontation rechtfertigen. Der Selbstschutz durch Zurückhaltung und Verschwiegenheit in Sachen Wahrhaftigkeit sollte daher immer nur das Mittel letzter Wahl sein und nicht zu allererst in Erwägung gezogen werden.

Ich stehe als Mensch für das Leben, als das Leben. Ich stehe hier gleich und eins mit allem Leben. Meine Persönlichkeit und meine Geschichte sind ein Teil meines Lebensweges, sie sind nicht das was ich bin. Ich habe darin keine Verwendung für Kämpfe um Ideen und Überlegenheit. Als das Leben verfolgen wir alle dieselben grundlegenden Interessen und als das formbare und geformte Bewußtsein kämpfen wir alle mit denselben Wiedersprüchen und Konflikten. Sollten wir in dieser Grundakzeptanz zusammenfinden ist es ein leichtes, diese Wiedersprüchlichkeiten gemeinsam zu entwirren und uns als Menschen in akzeptierter Gleichheit neu am Leben auszurichten. Und alles was über diese Gleichheit des Lebens hinausgeht, die persönliche Geschichte, die daraus erwachenden Interessen und Fähigkeiten, erwachsen daraus als die Blüten und Zweige der Vielheit, der Mannigfaltigkeit als Ausdrücke des Lebens, aus dem Stamm der Einheit. Alle bremsenden, rückschrittigen, das Leben im Keim erstickenden, irrationalen und unnötigen Programme des Bewußtseins, allen voran die Ängste, sind in dieser bewußten Entscheidung zum offenkundigen Leben aufgelöst.

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 15.03.2013