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Montag, 14. Juli 2014

Tag 178 - Wird Facebook die Welt retten?

boltron- / Foter / Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0)




Ich als Individuum habe es ehrlich gesagt satt auf Facebook nett gerahmte Zitate zur Weltverbesserung zu lesen. Nicht, dass ich diese nicht auch schon zu Hauf geteilt und gepostet hätte. Doch ich frage mich immer öfter: wann fangen die Menschen an selbst etwas zu schreiben zu dem / für das sie stehen können? Warum berufen wir uns immer auf irgendwelche, meist lange verstorbene, als großartig wahrgenommene Persönlichkeiten? Wir halten sie vor uns wie einen Schild oder eine Verkleidung, damit man uns selbst nicht sieht / erkennt und nicht von uns selbst Taten erwartet. Wie eine Bauchrednerpuppe setzen wir uns Persönlichkeiten auf den Schoß, drehen uns zum Publikum und lassen sie sprechen, ohne dabei tatsächlich selbst für die Worte zu stehen, in vielen Fällen verstehen wir sie nicht einmal wirklich. Wer spricht noch selbst? Wer zeigt sich noch selbst, so wie er ist? Wer sagt offen „so bin ich, und ich sehe und verstehe, dass dieses und jenes an meinen Verhaltensweisen inakzeptabel ist, ich habe es so gelernt und akzeptiert und nun werde ich mich selbst verändern, ich werde mich selbst umschulen und mich neu gestalten an einem einzigen Prinzip, dem des Lebens und dem was das Beste ist für alle.“ ? 

Der einfachste Weg.
Gib den Menschen die Möglichkeit ihre Sehnsucht nach Anerkennung, nach Gemeinschaft und nach einem ruhigen Gewissen auf die einfachste Art die möglich ist mit Ersatzhandlungen zu befriedigen und du hast sie geködert, sie beißen sich fest an der Angel. Facebook ist so eine geniale Idee, eine immer wieder in utopischen Szenarien verherrlichte technologische Errungenschaft die die Menschen und ihre Welt verändern soll. Das tut sie nicht. Lediglich die Umsetzung der Verhaltensmuster ändert sich, solche, die in der Öffentlichkeit des Persönlichen Umfelds Hemmungen haben können sich im Schutze der Anonymität jetzt ausleben, die Gehässigkeit, das Verlangen nach Überlegenheit, der Wunsch Besser zu sein, all die kulturell in unsere Charaktere eingefrästen Gedankenmuster werden mit anderen Mitteln verstärkt ausgelebt. Aber eben virtuell, in einer künstlichen Welt. Das Bewusstsein lässt seine Programme in einer Simulation laufen in der zwar wirkliche Menschen reagieren, aber eben durch die Filter einer Maschinerie deren Software genau die gewünschten psychologischen Muster auslöst. Dass diese „Befriedigung“ der menschlichen Wünsche und Sehnsüchte durch künstliche Ersatz-Szenarien die Sucht und die Wirkungstoleranzen nur erhöht zeigt sich an dem exzessiven Gebrauch dieser Medien, dem Verfall des menschlichen Potentials, seiner sozialen Kompetenz, der wachsenden Unfähigkeit vieler vor allem junger Menschen sich überhaupt noch körperlich wahrzunehmen, zu interagieren wenn man sich unter freiem Himmel trifft ohne dabei auf irgendeinen Bildschirm zu starren oder Tasten zu drücken und ohne dass einem Kabel aus den Ohren hängen. Aber neu ist das im Grunde nicht. Vor allem seit ich vor vielen Jahren den Fernseher komplett aus meinem Leben verbannt habe ist mir bewusst geworden, wie stark wir von diesem Mediengerät programmiert werden. Manche Menschen kennen kaum andere Themen und Sichtweisen auf Themen als die, die ihnen in diesen Medien vorgekaut werden. Vereinheitlicht wiederholen sie all das, was dort verkauft wird, selbst das „Querdenken“ wird in den Medien geschickt verkauft, so dass man sich auf eine sichere Weise wie ein eigenständig denkender, vielleicht sogar rebellischer Mensch vorkommen kann, ohne dabei Gefahr zu laufen nicht mehr mitreden zu können  oder gar ausgestoßen zu werden. Und so treffen sich dann die Fernsehgesteuerten und „diskutieren“ indem sie die vorgefertigten Argumente gegeneinander abspulen lassen. 

Manchmal weiß ich überhaupt nicht worum es geht wenn Menschen wie selbstverständlich im Gespräch mit mir davon ausgehen, dass ich gestern oder letzte Woche mehrere Stunden vor dem Fernseher verbracht und mir eine bestimmte Sendung angeschaut habe oder über ein bestimmtes Thema das gerade medial ausgeschlachtet wurde Bescheid weiß, wobei Bescheid wissen in dem Fall bedeutet, dass ich die medial präsentierten Scheinmeinungen kenne und mich für eine davon entschieden habe. Ich glaube ich habe keine Entscheidung in meinem Leben als so befreiend empfunden wie die, keinen Fernseher mehr im Haus zu haben.  Wir glauben es sei unheimlich fortschrittlich und eine logisch-konsequente Entwicklung für unsere Gesellschaft, dass wir mehr und mehr über virtuelle Medien kommunizieren und unsere Profile dort präsentieren. Wir scheinen es kaum erwarten zu können, die Wirklichkeit des physisch-lebendigen hinter uns zu lassen um uns virtuell unendlich und unbegrenzt nach Werten auszugestalten, die eben der Programmierung des Marktes entsprechen, der uns diese Möglichkeiten eröffnet. Eine freiwillige Selbstaufgabe, eine durch Ignoranz und Feigheit selbst gewählte Versklavung. Die einzig wirklich realen Dinge an dieser Welt der social-media sind die Macht und der Reichtum der Eliten des Systems, die unser Herdenverhalten ausnutzen um uns noch mehr und noch gezielter, noch besser zu manipulieren. Diese Menschen wissen genau, was das Leben bereithält, und zwar das wirkliche Leben, denn sie sitzen in Positionen, in denen sie auch die Ressourcen haben das wahre Leben zu „genießen“. Wir aber lassen uns lieber abspeisen und fallen auf die scheinbare Mitbestimmung und unseren angeblichen Einfluss herein ohne zu wissen, dass bereits das was wir uns wünschen manipuliert und beeinflusst ist. Der Missbrauch ist unglaublich, einerseits der an uns selbst, und andererseits der am Leben, am Physischen, Körperlichen, Lebendigen. Denn auch diejenigen die uns mit bestimmen, die das System leiten sind natürlich von derselben selbstsüchtigen Programmierung bestimmt und da sie uns, das Leben und alles was ihnen ihre Macht ermöglicht zu eigennützigen Zwecken nutzen, missbrauchen sie das Leben und hinterlassen Zerstörung anstatt ihre Ressourcen eizusetzen um dem Leben, den Menschen, der Gesellschaft die Möglichkeiten zu verschaffen in gemeinsamer Vielfalt sich frei zu entwickeln um das eigentliche Potential des Menschen entfalten zu können.

Ja, die Problematik ist multidimensional und es ist kaum möglich alle Facetten in einem Abschnitt oder einem Artikel zu umreißen. Doch letztlich ist die Detailarbeit auch nicht unbedingt die des Schreibens, sondern die des alltäglichem Lebens von Moment zu Moment, denn das Ganze in jedem kleinen Moment zu erkennen und jeden Moment im Sinne der Prinzipien des freien Lebens, der Einheit allen Lebens zu er-leben, das wirkliche Hier in Kontrast zu der virtuellen Welt und Ideologie unseres Bewusstseins zu stellen und in Selbstehrlichkeit dieses Bewusstsein zu entflechten und neu mit der Wahrhaftigkeit des Selbst in diesem Moment in Einklang zu bringen, selbstbestimmt, gleich und eins mit allem, das ist eine persönliche Sache, der ganz eigene Weg ins Leben, in die Selbstbestimmung und die unumstößliche Ewigkeit der Einheit allen Lebens. Niemand kann diesen Weg für dich gehen und dir die Verantwortung dafür abnehmen, dass du ihn gehst oder auch nicht gehst. Das ist wohl eine der größten Verblendungen dieser Utopischen Ideale unserer Gedankenwelt, dass wir selbst nicht verantwortlich wären, dass wir nur Mitläufer und Mitspieler seinen, Opfer und gezwungenermaßen Beteiligt an all den Konsequenzen die uns offenkundig ins Gewissen stechen, dem Morden, der Ausbeutung und der Profitgier, dem Benutzen des Lebens und dem Missbrauch der Notlagen anderer. Doch wir sind eins mit alledem, wir sind Opfer und Täter zugleich. Vor allem aber sind wir Heuchler und verlogen, so lange wir so tun als sei in unserer scheinbar abgetrennten und isolierten kleinen Teilwelt alles in Ordnung. So lange wir leben und uns bemühen nur um diese Zeit irgendwie heil zu überstehen und mit einer möglichst reinen Weste herauszukommen. Das ist so würdelos und beschämend. Aber es ist genau das, was wir leben. Es gibt keinen isolierten Teil und alles steht mit allem in Verbindung, kausal, direkt, indirekt, wie auch immer ist der Gedanke der Separation und der isolierten Lösungsfindung weit unter dem geistigen Niveau zu dem wir Menschen eigentlich fähig sind oder sein sollten.

Dienstag, 26. März 2013

Tag0044 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 2





Fortsetzung zu

Tag0043 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 1



Was haben wir zu verbergen?

Das war die erste Frage im letzten Satz des letzten Abschnitts meines Blogs über soziale Interaktion und sie ist eine der wichtigsten wenn es um das Verständnis der eigenen  Unsicherheiten, der eigenen Komplexe, Befürchtungen und Erwartungen geht. Denn was könnte es für einen Grund geben, im Umgang mit anderen Menschen verunsichert zu sein, sich zu genieren, oder einfach nur zu glauben man müsse eine bestimmte Rolle spielen, man könne nicht man selbst sein, außer dem, dass man glaubt das was man wahrhaftig ist könne einem zum Nachteil ausgelegt werden? Und was für ein Nachteil wäre das dann? Ich habe beispielsweise viele Jahre meines Lebens versucht, anderen Menschen zu gefallen, um mit ihnen befreundet zu sein. Ich habe versucht Konflikte zu vermeiden und mich ihren Vorstellungen und Vorlieben angepasst um sie nicht zu verärgern oder zu verlieren. Und wenn ich dann tatsächlich mal in einen größeren Konflikt mit ihnen geraten bin, dann war das unerträglichste daran die Zeit danach, in der ich von Angst zerfressen und verzweifelt  war aus Angst ich könnte jetzt alleine sein. Ich habe in meiner ganzen Jugend und Kindheit immer die Gefühle gehabt und interessanterweise schien es immer so zu sein, dass ich derjenige in Angst gewesen bin, während die anderen nicht um meine Freundschaft bangten. Das ist ein Ergebnis der Akzeptanz der eigenen Konditionierung als ‚Opfertyp‘, als Abhängiger von ihren emotionalen Stützen. Es ist das Ergebnis meiner eigenen Erlaubnis mich mit meiner inneren Unsicherheit nicht selbst zu beschäftigen, sondern die Außenwelt verantwortlich zu machen, die Lösung meiner Probleme in dem Kontakt und der Gesellschaft anderer zu suchen. Diese ‚Verhältnis‘ ist keine Freundschaft, es kann auch niemals überhaupt ein gesundes Verhältnisirgendeiner Art sein, da man kein gleichberechtigter und gleichwertiger Partner ist. Man ‚hängt‘ sich rein, man lässt sich ‚erfüllen‘ durch die Persönlichkeiten der anderen oder das, was man in ihnen sieht. Und genau das ist es, was man zu verbergen hat in dem Moment der Begegnung, dass man sich eben nicht als gleichwertiger Partner oder Freund sieht, dass man nicht am Austausch interessiert ist, an gegenseitiger Unterstützung, sondern dass man seine eigene Vervollkommnung sucht, dass man sich ablenken will von der eigenen Unsicherheit und leere, von Unzufriedenheit mit der eigenen Existenz und Selbstwahrnehmung. Das ist übrigens nicht unbedingt mit einer offensichtlichen, bewusst wahrgenommenen Minderwertigkeitsempfindung verbunden, sondern kann auch quasi gegenteilig wahrgenommen werden, so dass man einfach glaubt diese Menschen zu brauchen um Spaß zu haben, sich zu amüsieren und sich zu präsentieren. Sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und dabei eine ‚coole‘ Rolle zu spielen mit der Lobby im Rücken. Das ist einer der Gründe warum die meisten aufdringlich selbstbewussten Charaktere in Gesellschaft aufleben, aber im eins zu eins Gespräch oder ungewohnten Situationen ein völlig anderes, bisweilen zurückhaltendes Verhalten zeigen.


Wo sind wir uns selbst gegenüber nicht ehrlich?

Wir sind uns selbst gegenüber in der grundlegenden Erkenntnis unserer Falschheit nicht ehrlich. Wir wollen selbst an die Rolle glauben, die wir spielen und wir erwarten dabei Berechenbarkeit und Ehrlichkeit von anderen. Dabei wissen wir, dass andere ebenso funktionieren wie wir. Dass sie ebenso versuchen zu gefallen, zu beeinflussen und zu manipulieren. Daher hangeln wir uns stattdessen an künstlichen Verhaltensmustern entlang, an kulturellen Normen und gesellschaftlichen Konventionen, da wir wissen oder zumindest hoffen, dass der andere das gleiche tun wird.


Warum denken wir es nötig zu haben, uns selbst und anderen etwas vorzumachen?

Zunächst wahrscheinlich weil wir uns selbst gar nicht kennen, weil wir überhaupt nicht wissen wie es ist  wir selbst zu sein, uns eigenständig und selbstbestimmt zu leben. Wir haben tatsächlich furchtbare Angst vor unserem Selbst, wir haben immer nur gelernt uns an bestehende Strukturen anzupassen, an die Wertvorstellungen und Normen der Systeme die uns umgeben und haben uns dann über die Rückmeldungen aus unserem Umfeld identifiziert. Daher können wir uns in der Umgebung andere auch nicht authentisch geben, außer vielleicht authentisch ‚gelernt‘ indem wir eine Rolle perfektioniert haben die in ein bestimmtes Umfeld passt, aber eben nur in dieses Umfeld.
Und natürlich ist da noch die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit, der eigenen Unfähigkeit weil immer die Annahme besteht, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihre Erfüllung in den systemischen Nischen gefunden haben, die sich rundum zufrieden, frei und lebendig fühlen. Wir glauben an dieses Ideal der perfekten Anpassung und dem daraus resultierenden Erfolg, weil wir dazu programmiert wurden. Die Strukturen brauchen die Hoffnung der Massen irgendwann ebenso erfolgreich und mächtig zu sein wie das berühmte 1 %. Wir streben danach, träumen davon, hoffen darauf und nicht zuletzt weil wir glauben dass wir dann, wenn wir in dieser begehrten, mächtigen Position sind, uns selbst leben könnten ohne Angst haben zu müssen abgelehnt zu werden. Wir verschieben also unsere Selbstwerdung in eine unbestimmte Zukunft, in eine ‚bessere‘ Zukunft, in der wir selbst ‚besser‘ sind. Das ist das Prinzip der Selbstbeschneidung und freiwilligen Selbstversklavung unter die ausbeuterischen Methoden und Strategien der bestehenden Machtsystematik, gesteuert durch die Elite, am Leben gehalten durch gezielte Manipulation und den Glauben, die Hoffnung des verunsicherten, Identitäts- und Selbstlosen Individuums.

Es bleibt festzuhalten, dass in unserer Welt so wie wir sie gestaltet haben die Notwendigkeit besteht, sich den Gegebenheiten in gewisser Weise anzupassen, zumindest in so fern, dass man sich selbst in den Strukturen bewegen und versorgen kann, und da gehören auch die Abhängigkeiten und Zwänge dazu die uns in der Gesellschaftsordnung auferlegt werden.

Das Gefühl zu haben nicht zu sozialer Interaktion und der Pflege sozialer Kontakte fähig zu sein ist also lediglich die Offenbarung der eigenen Defizite in der Selbstwahrnehmung und Selbstehrlichkeit. Es ist eine Frage der Motivation. Ist das Motiv die Suche nach Befreiung von der Eigenverantwortung ist die soziale Interaktion zum Scheitern verurteilt. Ist das Motiv reiner Eigennutz, reiner Egoismus, dann kann man zwar erfolgreich sein, bleibt aber weiterhin abhängig und unfrei, ein Sklave des Systems, der programmierten und konditionierten Bedürfnisse einer imaginären Persönlichkeit.  Ist das Motiv der Anpassung der Erhalt eines grundlegenden Status um in der Lage zu sein den selbstgewählten Prozess der Selbsterkenntnis zu durchlaufen und für das  Verständnis eben dieser inneren Gedankensysteme und Wertstrukturen zu leben um sie ändern zu können, um sich von ihrer mentalen Umklammerung lösen zu können, so ist das ein Motiv dass einem die Kontrolle wieder ermöglicht, ein bewusst gewählter Schritt der nicht dem Eigennutz und Eigensinn folgt, sondern ein Kompromiss für die Selbstbefreiung ist und darin den kleinstmöglichen Schaden oder Verlust anstrebt.


Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe in meiner Vergangenheit immer wieder zu versuchen bestimmten Menschen zu gefallen, um an ihrem Leben als Freund teilhaben zu können, weil ich glaubte ohne die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe verloren und wertlos zu sein, dass ich durch diese Angst vor dem ‚mit mir alleine sein‘ den Kontakt zu mir selbst nahezu vollständig verloren hatte und mein Leben und mein Streben sich lediglich noch mit den Versuchen der Anpassung an erwartete Normen und Verhaltensweisen beschäftigt hatte.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe nicht zu erkennen, dass in diesen verzweifelten Versuchen meine Eigenverantwortlichkeit für mich, mein Leben und das Leben aller nach außen abzugeben, meine inneren Unsicherheiten und Konflikte an den Leben anderer zu gesunden ich diese Probleme die ich mir selbst durch Ignoranz und Feigheit verursache in andere hineinprojiziere, sie übertrage, mit mir trage wohin ich gehe und diese Konfliktpotentiale in alles mit hineinbringe mit dem ich interagiere, so dass ich in der einen oder anderen Weise unvorbereitet mit den Konsequenzen meiner eigenen Verantwortungslosigkeit konfrontiert werde.

Ich bestimme mich selbst als Mensch und als das  Leben zur Selbstkorrektur in der Wahrnehmung meiner Unsicherheiten und Ängste wann immer sie auftauchen, indem ich mich ihnen in bedingungsloser Selbstehrlichkeit stelle, sie analysiere und zurückführe auf ihre Ursachenzusammenhänge, sie dekonstruiere und mich von diesen Gedankenmustern eigenständig und selbstbestimmt befreie, da ich erkannt und verstanden habe, dass ausschließlich in Selbstehrlicher Einheit und Gleichheit mit mir selbst als dem Leben, in der Wahrnehmung allen Lebens in Einheit und Gleichheit eine soziale Interaktion in Aufrichtigkeit, auf lebendige und gleichwertige Weise möglich ist. 



Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 26.03.2013
 

Montag, 25. März 2013

Tag0043 - Wie lernt man soziale Interaktion? Teil 1





Ich kann in dieser Sache aus eigener Erfahrung reichlich berichten, denn ich war Jahre meines Lebens ein Opfer meiner eigenen Selbstbewertung und der selbstauferlegten Unfähigkeit soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Diese Selbstprogrammierung, die natürlich unterstützt wurde durch die grundlegend heuchlerische Wertstruktur unserer Erziehungs- und Bildungssysteme, ist im Grunde ein Zeichen für einen Restbestand an gesundem Menschenverstand, denn die Unfähigkeit an den vorgegebenen sozialen Strukturen ernsthaft, mit der notwendigen Motivation und dem Eifer teilzunehmen deutet darauf hin, dass man sich mit dem gestellten und heuchlerischen Charakter, mit der Grundlage der sozialen, gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Systeme in denen wir leben noch nicht ganz abgefunden hat, dass man sich nicht sicher ist ob man es richtig verstanden hat, dass man nicht weiß, wie genau es funktioniert oder dass man eben einfach glaubt unfähig zu sein, in diesem Spiel mitzuspielen.

Die Schlussfolgerungen, die ganz persönlichen Urteile sind es dann, auf die es ankommt. Wie gehe ich mit dieser Unsicherheit um? Und eben genau da besteht die Gefahr,  dass man sich akzeptiert als ‚eine Persönlichkeit‘, die eben entweder schüchtern, einzelgängerisch oder unfähig zu den einfachsten, natürlichen Handlungen ist. Dabei ist genau das der Knackpunkt, dass die soziale Interaktion, die Systeme des Umgangs miteinander, eben alles andere als natürlich sind. Überall will man uns, bzw. sich selbst weismachen, dass der Mensch in den heutigen Strukturen in denen er lebt, und seien sie noch so absurd, noch so lebensfeindlich und schädlich,  nur die grundlegend natürlichen Prinzipien des Lebens und seiner Entwicklung repräsentieren würde. Nichts aber könnte weiter von der Wahrheit entfernt und gleichzeitig für den Menschen so schwer zu akzeptieren sein. Die einfache Akzeptanz dieser dogmatischen Annahme bedeutet eben Alternativlosigkeit und entbindet damit gedanklich von der Verantwortung nach solchen zu suchen, sich zu engagieren und Dinge zu verbessern. Das ist einer der Gründe, warum wir Menschen es in all den Jahrhunderten nicht geschafft haben die grundlegenden gesellschaftlichen Probleme auch nur annähernd in den Griff zu bekommen. Wir haben all unser schöpferisches, kreatives Potential auf die Bekämpfung und Unterdrückung von Symptomen verwendet und niemals ernsthaft die grundlegenden Akzeptanzen unserer Selbstwahrnehmung, die anthropomorphen Dogmen unserer eigenen Geschichte und der Geschichte der Menschheit selbst in Frage gestellt und auf den Prüfstand des gesunden Menschenverstandes gehoben. Nicht etwa, weil wir dazu nicht in der Lage wären oder darauf nicht kommen würden, sondern weil wir in zutiefst gläubiger, religiöser Manier die Infragestellung unserer eigenen Funktionsweise und die Überlegung ob wir selbst unsere ‚Natur‘ schaffen und gestalten können, bzw. das schon längst tun, als eine moralische Unmöglichkeit betrachten. Es ist als hätten wir eine mentale Sperre in unserem Bewusstsein die uns vor der Selbsterkenntnis und der eigentlichen Selbstbestimmung bewahren soll. Aber wir alle wissen es im Grunde längst. Wir erleben es bei uns selbst im Umgang mit anderen, anhand der manipulativen Methoden die wir anwenden, der wechselnden Gesichter die wir auflegen, wir erfahren es bei anderen, wenn unsere Erwartungshaltungen enttäuscht werden, wenn ihr Verhalten plötzlich nicht mehr zu unserer ganz persönlichen Agenda passt, wir kennen die Maskerade des Alltags alle und beherrschen sie auch alle. Doch scheinen wir akzeptiert zu haben, dass diese Art der Manipulation notwendig sei für den sozialen Umgang und dass sie der Natur des Menschen auch entspräche. Es tut mir leid da enttäuschen zu müssen, das ist sicher nicht der Fall, es sei denn, ich bin kein Mensch. Soll solch ein Verhalten die Natur des Menschen und notwendig für sein überleben sein, so ist das so, weil er diese Natur selbst kultiviert und darin seinen selbst geschaffenen Systemen angepasst hat. Und es hat vielmehr den Anschein, dass die Systeme die ihn abhängig gemacht haben, das Geldsystem, die Konsumphilosophie, der Kapitalismus und die gesellschaftlichen Normen und Zwänge viel mehr ein Resultat dieser Akzeptanz der  manipulativen Oberflächlichkeit und der darunter brodelnden Systeme der Angst, der Unsicherheit, der Selbstsucht, des Argwohns und Misstrauens als Natur des Menschen.

Wir haben also die Wahl zu versuchen an diese Natürlichkeit der gegenseitigen Verblendung aus Ängstlichkeit zu glauben, indem wir unsere Reaktionen, unsere inneren Gefühle, die Überwältigenden körperlichen Reaktionen in Angst- und überschwänglichen Glücksmomenten als das und ausschließlich das annehmen, was uns ausmacht, was wir sind und uns dabei den systematischen Prinzipien einer Kommunikation zu  unterwerfen, auf deren Spracherwerb wir einen Großteil unserer Entwicklung und der unserer Kinder verwenden und durch die wir uns immer wieder in Konfliktsituationen bringen die dann in der inneren, energetischen Aufladung eben diese Empfindungsmomente triggern und bewirken, welche wir so sehr herbeisehnen, dass wir dafür bereit sind unser Leben und unsere Selbstbestimmung aufzugeben, weil wir glauben darin, in diesen Erlebnismomenten unsere Identität zu finden und zu sein. Gemeint sind die programmierten Empfindungsmuster von Sympathie, Verliebtheit, Abneigung, Hass, Empörung, beleidigt sein usw.

Wir haben aber auch eine andere Wahl, nämlich die, diese Systeme und Strukturen zu durchschauen, sie vor allem bei uns selbst, aber in der Konsequenz eben auch bei allen anderen zu erkennen, zu verstehen wie sie entstehen, welcher Verzweiflung sie entspringen und welche Ängste sie zu verbergen suchen. Wir können feststellen, wenn wir Selbstehrlichkeit üben, wann wir selbst und wann andere offen und aufrichtig sind und warum sie es in aller Regel eben nicht sind.  Doch diese Entscheidung muss vollständig, aufrichtig und durch den Willen zum Leben motiviert sein, um tatsächlich eine selbstbestimmte Entscheidung zu sein. Sie muss im Bewusstsein der Verantwortlichkeit in Einheit und Gleichheit für alles Leben getroffen werden, unter Berücksichtigung der Konsequenzen, der Wirkung auf das Leben. Denn die Versuchung als die auf Angst, Argwohn und Selbstsucht geprägte Persönlichkeit ist groß, die Oberflächlichkeit und das Verständnis für die Fassadenhafte und heuchlerische ‚Natur‘ des menschlichen Bewusstseins in unserer Welt zur Erfüllung der eigenen Interessen manipulativ zu benutzen. Es gibt wahre Meister darin, die man dann, wenn man ihre Streifzüge Aufdeckt ‚Soziopathen‘ nennt. Man behandelt sie dann als Kranke Menschen und das was sie taten oder tun als moralisch verwerflich und unmenschlich. Doch auch hier zeigt sich wieder die heuchlerische Grundhaltung des Menschen in diesem Zustand, in dieser Zeit, denn im Grunde haben sie lediglich mehr verstanden als der Durchschnitt, haben die Verhaltensweisen die sie erlernt und erfahren haben sozusagen zu ihrer persönlichen Profession gemacht, sind aber nicht frei genug, haben nicht den letzten Schritt zu Eigenverantwortlichkeit, Selbstehrlichkeit und Selbsterkenntnis gewagt der sie von dem Zwang des selbstsüchtigen Handelns und dem Teufelskreis der immer wiederkehrenden Verlangen nach mehr Bewusstseins reizen und mehr persönlicher Erfüllung hätte befreien können. Es ist gar nicht so sehr der Fall, dass diese Menschen kein oder weniger Mitgefühl haben als andere, sie haben ich selbst vielmehr eingestanden, dass es in dieser Welt, in dieser Gesellschaft und dieser Kultur  irrelevant ist, da niemand tatsächlich Mitgefühl zu haben scheint, sondern es nur heuchelt. Die Wirklichkeit der unnötigen Ungleichheit, der Armut und des Hungers, der Kriege und Gewalttaten gegen Schutzlose beweisen diesen Standpunkt recht deutlich.

Die Entscheidung ist also nur dann wirklich entschieden und nicht nur eine weitere Schicht eines immer noch systemkonformen Egos, wenn sie in Selbstehrlichkeit und mit wahrhaftigen dem Willen zur Umsetzung, zur  lebendigen Transformation der eigenen Fassade und der eigenen Ängste, der Konditionierten Gedanken- und Wertstrukturen durch das eigene Leben, durch den eigenen Leib  getroffen wird. Ohne Hintergedanken, ohne Selbstsüchtige Motive, ohne den kleinsten Hauch von Persönlichkeits-Ideologie. Der Schritt dorthin muss klar definiert sein, die Konsequenzen und notwendigen Folgeschritte ebenfalls. Es muss klar sein, dass diese Selbstarbeit, diese Dekonstruktion ein schwieriger und langer Prozess ist, dass es hier nicht um eine ‚Heldentat‘ geht, sondern dass man hier die eigenen Abgründe erforschen muss, ohne Garantie auf Erfolg, ohne Aussicht auf Entlohnung in irgendeiner Form. Kein Nirvana, kein Himmel wird hier versprochen. Keine Glücksgefühle und keine Wonne. Den Himmel und die Vorstellungen paradiesischer Zustände können nur durch diese Selbsthäutung von Menschen eigenhändig und eigenständig hier in dieser Existenz realisiert werden. Eigenständigkeit und Selbstbestimmung sind hier zunächst die einzigen persönlichen Errungenschaften die in Aussicht stehen. Doch dass es sich dafür lohnt alles zu geben und alles aufzugeben was man bisher an sich geschätzt hat, alles in Frage zu stellen was einem bisher Wervoll erschien und es auf seine Konsequenzen und motive zu prüfen, sich selbst am Leben zu messen, das kann jeder bestätigen der auch nur die ersten paar Schritte in diese Richtung unternommen hat.

Ich habe also fast mein ganzes Leben in dem Glauben verbracht, ich sei unfähig soziale Kontakte zu knüpfen, weil ich mich einfach für die meisten sozialen Rituale des Kennenlernens und der Freundschaftspflege nicht erwärmen konnte. Ich war von vielen dieser Rituale sogar angewidert, vor allem von denen der Partnerwerbung oder denen der jugendlichen Partylaune. Ich habe irgendwann für mich akzeptiert, dass ich ein Außenseiter bin, und mir in innerem Frust eingeredet, dass das an meiner Komplizierten Persönlichkeit, also im Grunde an meiner Überlegenheit liegen müsse. Natürlich, heute bereue ich keinen Moment dieser Zeit mehr und auch nicht, dass ich solche Abneigungen verspürt habe. Aber ich verstehe mich natürlich heute besser und auch die Gründe und eigentlichen Motive. 

Die Frustreaktionen jedenfalls haben mich nicht unbedingt weiter gebracht und die Isolation die immer weiter fortschritt auch nicht. Natürlich gab es für mich keinen Weg ‚zurück‘ und im Lauf der Jahre konnte ich durch meine vorrangige Beobachterrolle  viel mehr dieser sozialen Rituale durchschauen als das vielleicht andere konnten, die aber eben in ihrer Anwendung besser waren als ich. Das verbaute mir allerdings die Möglichkeit diese Fähigkeiten tatsächlich gekonnt zu internalisieren, weil ich umso abgestoßener von ihnen war, je mehr ich sie verstand.

Verstehen und Anwenden sind also zwei verschieden Dinge. Und man muss immer gekonnte Manipulative Strategien anwenden, wenn man in unserer Welt der Menschen vorankommen oder auch nur einfach vor sich hin leben will. Man muss andere Überzeugen, obwohl man keine Argumente hat, man muss Freundlich zu Menschen sein auf eine Art, die einfach nur geheuchelt ist und  die auch das Gegenüber nicht wirklich als Freundlichkeit versteht, sondern als eine Form der Unterwerfung, man muss Dinge über sich verschweigen um notwendige Wege zu beschreiten, wie beispielsweise einen Arbeitsplatz bekommen und man muss seinem Partner vormachen dass man niemals einen anderen Menschen begehren könnte außer ihn. All das und noch viel mehr in gegenseitigem Einverständnis des offenen Betrugs, der offensichtlichen  Heuchelei. Doch das ist die Welt, die wir ‚entwickelt‘ haben. Das ist die ‚Natur‘ die wir uns selbst angeeignet haben. Wir könnten auch anders. Wir können ehrlich sein, wir können offen sein. Die Frage ist doch, was haben wir zu verbergen? Wo sind wir uns selbst gegenüber nicht ehrlich?  Warum denken wir es nötig zu haben uns selbst und anderen etwas vor zu machen?

Auf diese Fragen und mehr gehe ich in meinem nächsten Post zu diesem Thema ein.

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 25.03.2013