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Montag, 30. März 2015

Tag 201 - Selbstbefragung über die Bedeutung von Beziehungen und Freundschaften

-Charlotte Gonzalez- / Foter / CC BY-NC




Ist das Pflegen von Freundschaften zwingendermaßen ein kontinuierlicher Arbeitsprozess? 
Ist die Anstrengung für das Aufrechterhalten von interessanten Konversationen die Energie die notwendig ist eine Beziehung aufrecht zu erhalten? Ist Zeit ein relevanter Faktor? Vergeht die Intensität einer Beziehung bei ausbleibender Kontaktaufnahme? Was sagt uns das über die Natur einer Beziehung? Ist eine Beziehung nicht immer ein beiderseitiges festhalten wollen an Illusionen und individuellen Zukunftsprojektionen? Muss eine Beziehung nicht notwendigerweise universal sein, weil eben Menschen universal sind? Ist eine Beziehung basierend auf kulturellen und erfahrungsbedingten Wertvorstellungen, Empfindungen und Erwartungen die beide oder alle beteiligten Personen bis zu einem gewissen Grad teilen? Was ist dann der grundlegende Basiswert einer Beziehung überhaupt? Besteht er aus reinen Vorstellungen? Wie haben wir Menschen den notwendigen, physischen Kontakt zu uns selbst und untereinander verloren, unabhängig von imaginären Persönlichkeitsmerkmalen, wandelbaren Idealen, Präferenzen und Abneigungen, an illusionär geformten und programmierten Idealen gemessenen Wertungen? Wo ist der Kontakt zum Hier, zum Lebendigen in uns allen? Muss eine Beziehung nicht in erster Linie auf der bedingungslosen Akzeptanz des Selbst als Bestandteil des Lebens aufbauen, die alles Leben als Einheit mit einschließt und aus dem Selbst heraus entsteht, das du wirklich bist, anstatt aus den Erwartungen an eine andere Person? 

All diese Fragen und einige mehr habe ich mir im Lauf der letzten Jahre immer wieder gestellt und sie mir nach und nach selbst beantwortet, so dass ich absolut in jedem Moment zu diesen Antworten stehen kann. 

Eine Beziehung aufrecht zu erhalten ist anstrengend. Ja, das ist wohl so, denn wenn wir uns selbst einmal betrachten, unsere Persönlichkeit mit all ihren Vorlieben, Abneigungen, mit all ihren Wünschen, den emotionalen Reaktionen auf die unterschiedlichsten Situationen und Menschen, wenn wir erkennen wie wenig wir davon im Grunde verstehen, wie wenig wir uns selbst verstehen, und wie viel wir von alledem blind hinnehmen, es als das was wir sind akzeptieren ohne auch nur einmal innezuhalten und uns zu fragen ob das wirklich der Fall ist, ob wir unsere Beziehung zu allem nicht selbstbestimmt ändern und beeinflussen können, dann erkennen und verstehen wir zwangsläufig, dass eben aufgrund der Tatsache, dass es allen anderen Menschen, zu denen wir eine Beziehung haben können, ebenso ergeht und dass das eine Beziehung im Grunde nahezu unmöglich macht, wenn man sich nicht unheimlich dafür anstrengen würde.

Was bleibt ist die Frage, ob diese Beziehung die aus einer Anstrengung erwächst tatsächlich eine gesunde, bzw. eine Früchte tragende Beziehung ist, ob diese Beziehung tatsächlich das ist, wonach wir uns im innersten sehnen, oder ob sie ein verzweifelter Versuch ist, die eigentlich notwendige Anstrengung, die Arbeit an sich selbst, die Erkenntnis und das Verständnis für sich selbst zu erlangen zu umgehen, weil diese uns unangenehm erscheint und dafür ein Ersatzkonstrukt einer Beziehung in Kauf zu nehmen, das krampfhaft und unter erheblichem Aufwand der gegenseitigen Manipulation und des gegenseitigen Hintergehens am Leben erhalten werden muss, nur um irgendwann zwangsläufig unter der erdrückenden Last der mentalen, gedanklichen Verstrickungen und des Selbstbetrugs zusammenzubrechen und auseinanderzufallen. Dann stellt sich aber für alle Beteiligten im Grunde immer diese ehemalige Beziehung als ein Scheinkonstrukt dar, nur dass man sich selbst diese Lüge eben nicht eingesteht, sondern noch immer versucht, den anderen für das unausweichliche Scheitern verantwortlich zu machen. 

Doch in Wahrheit muss eine Beziehung aufgebaut auf trügerischen Lügen nicht scheitern. Wenn man es ernst meint mit der Selbstentwicklung und den schritt einmal gegangen ist, sich in Selbstehrlichkeit seiner Eigenverantwortung zu stellen, dann stellt eine solche Beziehung eine Chance dar, sich auf diesem Weg der Desillusionierung und hin zu einer ehrlichen, aufrichtigen Beziehung auf Augenhöhe und gleich miteinander gegenseitig zu stützen und bei der Einsicht in die Gedankenfallen und die trügerischen Bewusstseins-Konstrukte beiderseitig zu helfen. Ich rede dabei auch nicht unbedingt von Partnerschaften und Ehen, sondern ganz bewusst von jeder Art von Beziehung, über Verwandtschaftliche, freundschaftliche, sexuelle und Lebensgemeinschaftliche Beziehungen jeder Art.

Denn tatsächlich und für den gesunden Menschenverstand frei einsehbar ist die Erkenntnis, dass es sich bei und allen als Lebewesen, als Substanz und Existenz dieses Daseins um eine Familie handelt und dass jeder Versuch sich abzutrennen, sich hervorzuheben, sich als außergewöhnlich zu stellen –oder eben jemand anderen – eine reine Einbildung ist. Es ist der freiwillige Verzicht auf die Fähigkeit der Einsicht und die Hingabe an etwas, das man wahnhaften Glauben nennen könnte. Fortschritt, Wachstum und Entwicklung schieben wir vor als Grund für diese Lüge gegenüber uns selbst und versuchen damit all die zerstörerischen, katastrophalen und das Leben von uns allen bedrohenden Konsequenten dieses Wahnkranken Handelns zu rechtfertigen.  Wir wissen, dass unser kurzes Bewusstes Leben endet und dennoch hoffen wir, innerhalb dieser Zeitspanne die äußerlich bedingte Erfüllung zu erlangen, durch Konsum, Technologie, Komfort und Wachstum in allen Bereichen. Wir erkennen nicht, dass dieses kurzsichtige und kurzfristige Handeln enorme Konsequenzen für die nachkommenden Generationen hat, oder schlimmer noch: wir erkennen es, aber wir ignorieren es, weil wir lieber an der Unsterblichkeitsfantasie unserer eigenen Seelen festhalten. 

Und daher haben wir auch unzählige Konzepte einer perfekten Beziehung erfunden, die uns eben das vormachen sollen, die Erfüllung eines Wahns, eines Märchens das uns einlullt in die Selbstverliebte Egomanie. Eine Freundschaft zu einer bestimmten Person, unter bestimmten Bedingungen, mit hundert künstlichen Verhaltensregeln. Eine Liebe mit abertausend Bedingungen an die äußeren und inneren Umstände, eine Familiäre Bindung die unter gewissen Voraussetzungen wieder in Frage gestellt wird um sich von Verantwortung oder unangenehmen Konsequenzen loszusagen, all das sind Traumtänzereien, aber niemals wirkliche Beziehungen zu dem Lebendigen, zum Leben, zu dem Wandelbaren, Wunderbaren, dem Gleichen, dem, was uns alle eint in dieser Existenz. Diese scheinbaren Beziehungen sind Illusionen und Zwänge, und deshalb krampfhaft und unwirklich.
Eine wahrhaftig aufrichtige Beziehung kann nur der führen, der eine ebensolche zu sich selbst als Mensch und Gleicher unter Gleichen hat. Jemand der eine Beziehung zum Leben selbst hat, die ihn mit allem eint und der daher auch niemanden mehr oder weniger lieben kann als sich selbst. Eine solche Beziehung ist und muss immer universal sein, und daher Bedingungslos. 

Bedingungslos bedeutet aber eben auch, dass körperliche Trennung, der mangelnde Kontakt zu einer bestimmten Person, die mangelnde Pflege dieser Beziehung, wie man es gesellschaftlich bezeichnen würde, keinerlei Rolle für das Fortbestehen oder die Intensität dieser Beziehung spielt. Denn all diese Konstrukte der Enttäuschung, des Beleidigt Seins, der zwanghaften, genötigten Kontaktaufnahme, dienen nur einem Zweck, der Entstehung eine krankhaften, egoistisch-parasitären gegenseitigen Ausnutzung der beteiligten Persönlichkeiten. Diese Form der Zusammenhänge, egal wie auch immer man sie nennt – ob Freundschaft, Partnerschaft, Ehe, Liebe, ist eine sind ein Resultat mehrerer untereinander verketteter Ego-Persönlichkeiten, die in dem jeweils anderen vor allem einen Vorteil sehen, egal welcher Art. Das muss nicht einmal immer ein sozialer, finanzieller Vorteil sein, es reicht völlig, wenn sich die Ego-Persönlichkeit, das eingebildete Gedankenkonstrukt eines Selbst von diesem Verhältnis ernähren und aufrecht erhalten kann, wenn genügend Energie aus dem Fleisch emotional generiert wird, um es zu füttern.

Der Beweis meiner Behauptungen liegt, neben der Beobachtung des Menschen und menschlicher Auseinandersetzungen während und vor allem nachdem Beziehungen beendet wurden, in der ständigen Erwartungshaltung und den mit ihr verbundenen Enttäuschungen, die immer wieder, fortwährend eintreten aber geduldig und angestrengt ignoriert und übersehen werden, bis auf diejenigen Male in denen sich dann der Frust und die Unzufriedenheit in systemkonformen Momenten die explizit vom Unterbewusstsein ausgewählt werden entlädt. Das heißt der Beweis bleibt einzig und allein jedem selbst zugänglich, wenn er bereit ist sich und seine inneren Reaktionen zu studieren, zu beobachten und sich in Selbstehrlichkeit zu schulen wenn es darum geht die eigenen, tatsächlichen Motive in jedem Moment und in jeder emotionalen Reaktion zu erkennen.


Mittwoch, 3. April 2013

Tag0052 - Die Kreativität der Angst [Teil 1] „Nicht so viel Denken!“





Was ist der Ursprung der Angst? Ich meine nicht die Angst der unmittelbaren Bedrohung, die lebendige, auf reale Situationen reagierende, körperlich bedingte Todes-Angst, die ist ein anderes Thema, sondern die Angst der gedanklichen Konstruktion von Szenarien, die Befürchtungen und Zukunftsprojektionen die dich in Angst versetzen.

Die Angst vor Vorstellungen und Erwartungen kann doch nur dann relevant, von Bedeutung oder überhaupt erst möglich sein, wenn man seine eigenen Gedanken als prophetisch wahrnimmt und sich selbst als Opfer der Umstände betrachtet, also glaubt man sei der Zukunft hilflos ausgeliefert und nicht an ihrer Gestaltung beteiligt. Dieser Geisteshaltung sind wir in unserer Welt fast alle verfallen, wir nehmen uns als Opfer wahr, denken wir seien unschuldige Individuen, dazu verdammt in dieser mehr oder weniger feindseligen Gesellschaft zu leben, wir müssen und dazu zwingen uns anzupassen und an die Regeln zu halten, weil wir so unseren Vorteil erringen können, nur so unsere persönlichen Bedürfnisse befriedigt bekommen. Doch unsere Bedürfnisse sind Teil dieser Gesellschaft, sind von ihr geformt und geprägt, unsere Vorstellungen von Werten, Idealen und von uns selbst sind durch die Systeme geprägt in denen wir aufgewachsen sind und daher sind sowohl unsere Vorstellungen als auch wir selbst eins mit dem System, wir sind diese Welt, wir sind die „Umstände“ denen wir uns ausgeliefert sehen und so ist letztlich auch die Angst vor den möglichen Geschehnissen die Angst vor den Konsequenzen unserer selbst als diese fremdbestimmten, programmierten Kulturroboter.

In dieser Vertiefung in Befürchtungen, Sorgen und Ängsten, auch wenn sie unangenehm erscheinen, fühlen wir uns aus Gewohnheit im Grunde wohl, es ist ein energetisches Erleben das die Selbstidentifikation als Opfer der Systeme, als Idealbild eines unschuldigen, isolierten Wesens verstärkt und wie auch das Vergleichen, die Kategorisierung, das Annehmen von Rollenverhalten und das Verlangen nach materiellen Symbolen des eigenen Existenzwertes der Rückversicherung und Bestätigung des eigenen Seins dient. Deshalb fällt es uns ebenso schwer uns von diesen Denkmustern zu befreien wie von der Selbstverblendung des ‚positiven Denkens‘.

Weder die eine noch die andere „Richtung“ der gedanklichen Selbsthypnose hat natürlich einen rationalen, praktischen, Problemlösenden Sinn. Wir wissen das. Was aber veranlasst uns dennoch so hartnäckig an diesem Verhalten festzuhalten? Warum verschwenden wir Zeit und Energie darauf uns in Fantasien zu ergehen die nichts zur Lösung unseres Problems, zur Beseitigung der Angst beitragen?

Wenn man sich beobachtet in der Rolle des verängstigten, von Befürchtungen geplagten Menschen, dann erkennt man einen unwiderstehlichen Drang nach Austausch mit anderen, man möchte seine Sorgen mit jemandem teilen, man möchte sich darüber auslassen, sie ‚besprechen‘ als ob man sie dadurch wahrscheinlicher und wirklicher machen wollte. Der Sinn dieses Austausch ist aber in aller Regel eine Bestätigung und damit eine Verstärkung der eigenen Ängste zu erhalten und dadurch seine Selbstwahrnehmung als Opfer in selbstmitleidiger Manier noch intensiver auszukosten, oder aber der Versuch die Angst von jemandem schlichten oder sich nehmen zu lassen, indem man eine „Absolution“ erhält, indem man sich von der Meinung oder Einschätzung eines anderen abhängig macht.

Nichts von alledem ist real, weder die Absolution, noch der Einfluss des Gesprächspartners in bestätigender Weise. Es ist allein die Vorstellung in Gedanken die dieses Schauspiel inszeniert und die Regie führt. Es ist ein ganz eigenes, persönliches Spiel mit den Energien des Bewußtseins, mit der inneren Erlebniswelt im Namen des Bedürfnisses einer imaginären Identität als Ego, als isoliertes Wesen in einer feindlichen Welt, das aufgrund seiner Unschuld einen Anspruch auf Rettung hat. Eine Fantasie, ein Märchen auf das wir getrimmt werden, das uns einprogrammiert ist damit wir uns nicht selbst finden, damit wir nicht eigenständig denken, handeln und entscheiden, damit wir nicht erkennen, dass wir selbst das Leben und verantwortlich für all die künstlichen Systeme die wir schaffen sind.  

Befürchtungen und Ängste repräsentieren egoistische und selbstsüchtige Motive, isolierte Motive die eine künstliche Trennung zwischen der inneren illusionären Existenz und der Wirklichkeit des Lebens und des Selbst als Einheit mit dem wirklichen Leben herstellen und darin die rücksichtslose Selbstsucht und den Egoismus rechtfertigen und legitimieren sollen. Verantwortungsvoller und selbstbestimmter Umgang mit Problemen, mit wahrhaftigen Schwierigkeiten lebt im Handeln und nicht im prophetischen Denken, sondern im lebendigen Moment des Geschehens. Die Planung erfolgt im Verlauf des Geschehens, in weitsichtigem  Umgang mit dem Leben und den Konsequenzen eventueller Entscheidungen. Angst hat man nur um sich selbst, um den eigenen Status und diese ist begründet in einem eingebildeten Glauben an einen Anspruch auf persönlichen Schutz vor den eigenen Konsequenzen, den Konsequenzen unseres Lebens und unserer Anpassung.

Erst die Akzeptanz der universalen Verantwortung für und als das Leben transformiert die Angst zu Handlungsmotivation, zu lebendigem Drang, zu Aktivität in der Eigenarbeit und in der externen Organisation, Planung und Unternehmung der notwendigen Schritte zur Lösung des „Problems“, zur Bewältigung der Situation im Sinne aller, aller Beteiligten und allem Leben.
Fortsetzung folgt…

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 03.04.2013