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Montag, 30. März 2015

Tag 201 - Selbstbefragung über die Bedeutung von Beziehungen und Freundschaften

-Charlotte Gonzalez- / Foter / CC BY-NC




Ist das Pflegen von Freundschaften zwingendermaßen ein kontinuierlicher Arbeitsprozess? 
Ist die Anstrengung für das Aufrechterhalten von interessanten Konversationen die Energie die notwendig ist eine Beziehung aufrecht zu erhalten? Ist Zeit ein relevanter Faktor? Vergeht die Intensität einer Beziehung bei ausbleibender Kontaktaufnahme? Was sagt uns das über die Natur einer Beziehung? Ist eine Beziehung nicht immer ein beiderseitiges festhalten wollen an Illusionen und individuellen Zukunftsprojektionen? Muss eine Beziehung nicht notwendigerweise universal sein, weil eben Menschen universal sind? Ist eine Beziehung basierend auf kulturellen und erfahrungsbedingten Wertvorstellungen, Empfindungen und Erwartungen die beide oder alle beteiligten Personen bis zu einem gewissen Grad teilen? Was ist dann der grundlegende Basiswert einer Beziehung überhaupt? Besteht er aus reinen Vorstellungen? Wie haben wir Menschen den notwendigen, physischen Kontakt zu uns selbst und untereinander verloren, unabhängig von imaginären Persönlichkeitsmerkmalen, wandelbaren Idealen, Präferenzen und Abneigungen, an illusionär geformten und programmierten Idealen gemessenen Wertungen? Wo ist der Kontakt zum Hier, zum Lebendigen in uns allen? Muss eine Beziehung nicht in erster Linie auf der bedingungslosen Akzeptanz des Selbst als Bestandteil des Lebens aufbauen, die alles Leben als Einheit mit einschließt und aus dem Selbst heraus entsteht, das du wirklich bist, anstatt aus den Erwartungen an eine andere Person? 

All diese Fragen und einige mehr habe ich mir im Lauf der letzten Jahre immer wieder gestellt und sie mir nach und nach selbst beantwortet, so dass ich absolut in jedem Moment zu diesen Antworten stehen kann. 

Eine Beziehung aufrecht zu erhalten ist anstrengend. Ja, das ist wohl so, denn wenn wir uns selbst einmal betrachten, unsere Persönlichkeit mit all ihren Vorlieben, Abneigungen, mit all ihren Wünschen, den emotionalen Reaktionen auf die unterschiedlichsten Situationen und Menschen, wenn wir erkennen wie wenig wir davon im Grunde verstehen, wie wenig wir uns selbst verstehen, und wie viel wir von alledem blind hinnehmen, es als das was wir sind akzeptieren ohne auch nur einmal innezuhalten und uns zu fragen ob das wirklich der Fall ist, ob wir unsere Beziehung zu allem nicht selbstbestimmt ändern und beeinflussen können, dann erkennen und verstehen wir zwangsläufig, dass eben aufgrund der Tatsache, dass es allen anderen Menschen, zu denen wir eine Beziehung haben können, ebenso ergeht und dass das eine Beziehung im Grunde nahezu unmöglich macht, wenn man sich nicht unheimlich dafür anstrengen würde.

Was bleibt ist die Frage, ob diese Beziehung die aus einer Anstrengung erwächst tatsächlich eine gesunde, bzw. eine Früchte tragende Beziehung ist, ob diese Beziehung tatsächlich das ist, wonach wir uns im innersten sehnen, oder ob sie ein verzweifelter Versuch ist, die eigentlich notwendige Anstrengung, die Arbeit an sich selbst, die Erkenntnis und das Verständnis für sich selbst zu erlangen zu umgehen, weil diese uns unangenehm erscheint und dafür ein Ersatzkonstrukt einer Beziehung in Kauf zu nehmen, das krampfhaft und unter erheblichem Aufwand der gegenseitigen Manipulation und des gegenseitigen Hintergehens am Leben erhalten werden muss, nur um irgendwann zwangsläufig unter der erdrückenden Last der mentalen, gedanklichen Verstrickungen und des Selbstbetrugs zusammenzubrechen und auseinanderzufallen. Dann stellt sich aber für alle Beteiligten im Grunde immer diese ehemalige Beziehung als ein Scheinkonstrukt dar, nur dass man sich selbst diese Lüge eben nicht eingesteht, sondern noch immer versucht, den anderen für das unausweichliche Scheitern verantwortlich zu machen. 

Doch in Wahrheit muss eine Beziehung aufgebaut auf trügerischen Lügen nicht scheitern. Wenn man es ernst meint mit der Selbstentwicklung und den schritt einmal gegangen ist, sich in Selbstehrlichkeit seiner Eigenverantwortung zu stellen, dann stellt eine solche Beziehung eine Chance dar, sich auf diesem Weg der Desillusionierung und hin zu einer ehrlichen, aufrichtigen Beziehung auf Augenhöhe und gleich miteinander gegenseitig zu stützen und bei der Einsicht in die Gedankenfallen und die trügerischen Bewusstseins-Konstrukte beiderseitig zu helfen. Ich rede dabei auch nicht unbedingt von Partnerschaften und Ehen, sondern ganz bewusst von jeder Art von Beziehung, über Verwandtschaftliche, freundschaftliche, sexuelle und Lebensgemeinschaftliche Beziehungen jeder Art.

Denn tatsächlich und für den gesunden Menschenverstand frei einsehbar ist die Erkenntnis, dass es sich bei und allen als Lebewesen, als Substanz und Existenz dieses Daseins um eine Familie handelt und dass jeder Versuch sich abzutrennen, sich hervorzuheben, sich als außergewöhnlich zu stellen –oder eben jemand anderen – eine reine Einbildung ist. Es ist der freiwillige Verzicht auf die Fähigkeit der Einsicht und die Hingabe an etwas, das man wahnhaften Glauben nennen könnte. Fortschritt, Wachstum und Entwicklung schieben wir vor als Grund für diese Lüge gegenüber uns selbst und versuchen damit all die zerstörerischen, katastrophalen und das Leben von uns allen bedrohenden Konsequenten dieses Wahnkranken Handelns zu rechtfertigen.  Wir wissen, dass unser kurzes Bewusstes Leben endet und dennoch hoffen wir, innerhalb dieser Zeitspanne die äußerlich bedingte Erfüllung zu erlangen, durch Konsum, Technologie, Komfort und Wachstum in allen Bereichen. Wir erkennen nicht, dass dieses kurzsichtige und kurzfristige Handeln enorme Konsequenzen für die nachkommenden Generationen hat, oder schlimmer noch: wir erkennen es, aber wir ignorieren es, weil wir lieber an der Unsterblichkeitsfantasie unserer eigenen Seelen festhalten. 

Und daher haben wir auch unzählige Konzepte einer perfekten Beziehung erfunden, die uns eben das vormachen sollen, die Erfüllung eines Wahns, eines Märchens das uns einlullt in die Selbstverliebte Egomanie. Eine Freundschaft zu einer bestimmten Person, unter bestimmten Bedingungen, mit hundert künstlichen Verhaltensregeln. Eine Liebe mit abertausend Bedingungen an die äußeren und inneren Umstände, eine Familiäre Bindung die unter gewissen Voraussetzungen wieder in Frage gestellt wird um sich von Verantwortung oder unangenehmen Konsequenzen loszusagen, all das sind Traumtänzereien, aber niemals wirkliche Beziehungen zu dem Lebendigen, zum Leben, zu dem Wandelbaren, Wunderbaren, dem Gleichen, dem, was uns alle eint in dieser Existenz. Diese scheinbaren Beziehungen sind Illusionen und Zwänge, und deshalb krampfhaft und unwirklich.
Eine wahrhaftig aufrichtige Beziehung kann nur der führen, der eine ebensolche zu sich selbst als Mensch und Gleicher unter Gleichen hat. Jemand der eine Beziehung zum Leben selbst hat, die ihn mit allem eint und der daher auch niemanden mehr oder weniger lieben kann als sich selbst. Eine solche Beziehung ist und muss immer universal sein, und daher Bedingungslos. 

Bedingungslos bedeutet aber eben auch, dass körperliche Trennung, der mangelnde Kontakt zu einer bestimmten Person, die mangelnde Pflege dieser Beziehung, wie man es gesellschaftlich bezeichnen würde, keinerlei Rolle für das Fortbestehen oder die Intensität dieser Beziehung spielt. Denn all diese Konstrukte der Enttäuschung, des Beleidigt Seins, der zwanghaften, genötigten Kontaktaufnahme, dienen nur einem Zweck, der Entstehung eine krankhaften, egoistisch-parasitären gegenseitigen Ausnutzung der beteiligten Persönlichkeiten. Diese Form der Zusammenhänge, egal wie auch immer man sie nennt – ob Freundschaft, Partnerschaft, Ehe, Liebe, ist eine sind ein Resultat mehrerer untereinander verketteter Ego-Persönlichkeiten, die in dem jeweils anderen vor allem einen Vorteil sehen, egal welcher Art. Das muss nicht einmal immer ein sozialer, finanzieller Vorteil sein, es reicht völlig, wenn sich die Ego-Persönlichkeit, das eingebildete Gedankenkonstrukt eines Selbst von diesem Verhältnis ernähren und aufrecht erhalten kann, wenn genügend Energie aus dem Fleisch emotional generiert wird, um es zu füttern.

Der Beweis meiner Behauptungen liegt, neben der Beobachtung des Menschen und menschlicher Auseinandersetzungen während und vor allem nachdem Beziehungen beendet wurden, in der ständigen Erwartungshaltung und den mit ihr verbundenen Enttäuschungen, die immer wieder, fortwährend eintreten aber geduldig und angestrengt ignoriert und übersehen werden, bis auf diejenigen Male in denen sich dann der Frust und die Unzufriedenheit in systemkonformen Momenten die explizit vom Unterbewusstsein ausgewählt werden entlädt. Das heißt der Beweis bleibt einzig und allein jedem selbst zugänglich, wenn er bereit ist sich und seine inneren Reaktionen zu studieren, zu beobachten und sich in Selbstehrlichkeit zu schulen wenn es darum geht die eigenen, tatsächlichen Motive in jedem Moment und in jeder emotionalen Reaktion zu erkennen.


Dienstag, 15. Juli 2014

Tag 179 - Warten auf das "Jetzt"

ArTeTeTrA / Foter / Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)




Ich stelle immer wieder fest, dass es für mich ein hohes Maß an Motivation immer dann gibt, wenn das, was mich motiviert, in einer vorgestellten Zukunft liegt und zwischen dem Jetzt und diesem Moment eine Phase der Erfüllung von Bedingungen. In so einem Fall kann ich mich enorm verausgaben an der Erfüllung dieser Bedingungen, werde Kreativ und arbeite ohne Ermüdung daran. Doch wenn die Bedingungen für diese Sache dann erfüllt sind und das eigentliche Projekt losgehen sollte, bin ich uninteressiert, demotiviert und scheue die Aufgabe sogar, betrachte alles in einem ganz anderen Licht. 

Derzeit durchlaufe ich eine Phase in der mein Mind / mein Bewusstsein es mir sehr schwer macht mich selbst zu motivieren, und zwar aufgrund meines Alters. Ich habe mich durch das oben beschriebene Muster der Projektion und durch die Verausgabung an Bedingungslegung  immer in einem Zustand des unfertigen, des auszubildenden gehalten. Ich stehe hier in einem System das enorm auf Wettkampf unter den vorgegebenen Bedingungen und Regeln ausgelegt ist und habe nicht einmal das geringste Qualifikationspotential vorzuweisen. Gut, ich habe Abitur, aber auch das habe ich nachträglich mehr mit halber Backe zwangsläufig nachgeholt um nicht völlig unter die Räder zu gelangen. Ich habe auch einige Semester studiert und auch einige Jahre Berufserfahrung in unterschiedlichen Bereichen, hauptsächliche Vertrieb und Konstruktion/Technik, aber all das befähigt mich kaum zur Arbeit, zur erfolgreichen Arbeit um mich oder mein Potential entfalten zu können.
Doch was ist überhaupt mein Potential? Tatsächlich habe ich mein halbes Leben lang versucht einen vorgeschriebenen Weg einzuschlagen um mich durch die Institutionen zu qualifizieren um dann mit dieser Qualifikation etwas zu machen, Erfolg zu haben und Geld zu verdienen. Tatsächlich habe ich was meine persönliche Leidenschaft angeht, diese immer zweitrangig behandelt oder zurückgeschoben, habe sie nicht zu schätzen gelernt und sie dadurch auch nicht weiter entwickelt, ausgebaut und verbessert. Tatsächlich habe ich meine Talente verdorren lassen, habe sie abgewertet und verleugnet. Ich habe mir nie eingestanden, dass ich das Zeug dazu habe allein und selbständig mit kreativer Arbeit und durch meine Ideen etwas zu erreichen, auch ohne die Abhängigkeit von Systemqualifikationen. Ich habe diese Fähigkeit verkümmern lassen und es mir erlaubt und es zugelassen, dass ich Ängste aufbaue aufgrund von Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber „den anderen“, die einen „normalen“ Weg in diesem System gehen können und habe es diesen Ängsten erlaubt meine Fähigkeiten und mein Selbst-Bewusstsein zu ersticken. 

Auch jetzt, mit 38 Jahren erkenne und ertappe ich mich, wie ich versuche Taten in die Zukunft zu verlegen, weil ich mir einrede, dass sie nur dann wirksam sein können, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, und diese Bedingungen sind beispielsweise ein Studium und/oder eine Ausbildung. Selbstverständlich sind diese Wege auch notwendig und sehr sinnvoll, dennoch sind sie nicht die absolute Voraussetzung um überhaupt etwas zu tun oder erreichen zu können. Vor allen Dingen muss auch klar sein, was ich überhaupt damit meine wenn ich selbst  von „Erfolg“ oder „etwas erreichen“ spreche. Vor allem geht es mir dabei um eine gewisse Art der Selbstentfaltung im Sinne  dessen wofür ich diesen weg meines Lebens, vor allem der letzten fünf Jahre etwa, gegangen bin. Mein Potential  als Mensch, meine Fähigkeiten und Möglichkeiten für die Sache des Lebens selbst, für die Befreiung des Lebens von eben diesen Strukturen die auch mich gefangen gehalten und beschränkt haben. Mein Potential das ich leben kann ist dabei natürlich einerseits etwas mir eigenes, ein Punkt der in meiner ganz persönlichen Verantwortung liegt, andererseits ist aber auch zu bedenken, dass das Ausleben und das wirksame Umsetzen von Ideen in dieser Welt bestimmte Voraussetzungen erfordert, wie zum Beispiel eine gewisse Qualifikation in den Bereichen über die man spricht und mit denen man sich befasst, die auch institutionell bestätigt ist, um eine Glaubwürdigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung zu erreichen. Ich bin nicht hundert Prozent sicher, ob dieser Punkt nicht überschätzt und überbewertet ist, denn die Fähigkeit und das Wissen das man lebt wird entweder als Fähigkeit und Qualifikation wahrgenommen oder eben nicht,  eigentlich denke ich ist für die wenigsten wirklich die Zertifizierung von Bedeutung. Allerdings dient dieses Argument mir selbst noch immer als Rechtfertigung dafür, mich selbst aufzuhalten und abzuhalten davon tätig zu werden.
Warten ist das Stichwort. Immer warte ich auf etwas. Eine Gelegenheit, anderes Wetter, besseres Licht oder was auch immer. Und wenn dieser Augenblick dann eintritt findet sich wieder irgendein Grund warum ich das mir vorgenommene dann doch nicht umsetzen will/kann. Auch auf meine eigene Qualifikation habe ich gewartet, habe immer geglaubt dass das, was ich machen kann und will etwas ist, das ich erst im Laufe der Qualifizierung, also der Ausbildung erkenne und „bekomme“. Tatsächlich aber ist diese Vorstellung eine angelernte, eine die mit idealistischen Erwartungen und Ideen spielt die man von sich und seinem Leben hat/bekommt und die fast ausnahmslos nach vorgefertigten kulturellen, gesellschaftlichen und soziologischen Schablonen gestanzt sind. Bei alledem ist die eigentliche Fähigkeit des Selbst, der eigene Antrieb, die Leidenschaft wenn man so will, etwas, das man ganz frei und unabhängig von allem, vom Umfeld, von den sozialen Strukturen und dem Zwang eines erdrückenden Geldsystems entwickeln müsste. Ich sage bewusst müsste, weil mir natürlich bewusst ist, dass diese Problematik in unserer Welt eine Luxus-Problematik darstellt und dass bei Weitem nicht alle Menschen überhaupt die Möglichkeit haben zu überlegen und zu entscheiden was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Ich kenne diese Zwangssituation aus meiner eigenen Biografie sehr genau und daher ist es mir ja auch so wichtig hervorzuheben, dass es hier nicht um selbstbezogene Eitelkeit und enttäuschte Erfolgserwartungen geht, sondern darum die Programme und Systeme des Bewusstseins aufzudecken, die letztlich uns alle beeinflussen, hemmen, einschränken und auf die eine oder andere Art fesseln können. Nicht nur das, mir ist bei all dem völlig klar, dass es im Grunde nicht um eine Entscheidungsfindung für mich persönlich und allein geht, sondern darum, was unter den gegebenen Umständen dieser Welt, der notwendigen Umstrukturierung aller menschlicher Werte und seiner Lebensweise für alle das Beste ist. Aber gerade das macht es so wichtig in einer mehr oder weniger privilegierten Situation das zu tun, was eben genau dem Interesse aller gilt und dem vollen Potential meiner eigenen, persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten entspricht.

Was bin ich bereits, was habe ich bereits und kenne ich mich, nehme ich mich an, so wie ich bin?  Wenn ich mich betrachte, meine Situation, mein Umfeld, dann wird mir klar, dass ich unheimlich gute Voraussetzungen für mich geschaffen habe, um eben diese Fähigkeiten, mein Potential voll zum Einsatz zu bringen. Dennoch verschwende ich Zeit, Monate, Jahre  mit warten auf einen Moment oder ein Ereignis, auf eine Möglichkeit. Ich denke noch immer erst einen Weg gehen zu müssen, bevor ich tatsächlich „etwas tun“ kann. Sicher, man lernt immer etwas dazu, kann sich immer wieder verbessern oder seinen Horizont erweitern, aber das ist kein Grund nicht jetzt und hier bereits vollen Einsatz zu bringen.

Wenn ich nicht jetzt schon das bin, was ich mir vorstelle zu sein, dann werde ich es auch nicht sein. Qualifikationen kann man erwerben, man kann sich prüfen lassen und diese dann bescheinigt bekommen. Doch was macht das aus dir selbst? Einen anderen Menschen? Kannst du das selbe nicht auch alleine erreichen und dir dessen sicher sein? Das einzige was eine Zertifizierung notwendig macht ist das System und die Menschen in diesem System die eben – genau wie ich – sich nahezu blind auf diese institutionellen Auszeichnungen verlassen und dadurch ist dieser Teil der eigenen Ausbildung angepasst an die Normen und geltenden Regeln einer Gesellschaft Teil meiner eigenverantwortlichen Entfaltung für den Einsatz meines Potentials. Wenn es eben notwendig ist Graduiert zu sein, offiziell, um sich Gehör zu verschaffen, um Menschen zu beeindrucken, dann muss dieser Prozess zu meinem Weg gehören, wenn ich tatsächlich daran interessiert bin mich einzubringen, Einfluss zu nehmen und die dringend notwendigen Veränderungen anzustoßen. Das habe ich all die Jahre nicht ernst genug genommen und habe mich vor mir selbst entschuldigt indem ich mir eingeredet habe ich sei dazu nicht fähig und ich könne die Herausforderung der Systematik nicht annehmen, weil sie mir in ihren Grundsätzen widerstrebt und weil sie zutiefst heuchlerisch und unehrlich ist. 

Es gibt keinen Zweifel an der mangelhaften Ausbildung, vor allem der schulischen und auch der universitären. Hier werden Drohnen herangezüchtet, hochspezialisierte Nano-Roboter die im Rumpf der monströsen Maschinerie des Wirtschaftssystems an ihren vorbestimmten Plätzen funktionieren sollen. Nichts ist dort zu sehen von ganzheitlicher Ausbildung, von humanistischen Werten und Menschlichkeit, geschweige denn von der Kultivierung des Menschen. Angst herrscht vor, Wettbewerb und Misstrauen, Hinterhältigkeit und Eigennutz sind die Antriebe der Studierenden. Das große Gerangel um Platz 1. Und im Endeffekt haben sie nicht sich selbst verwirklicht, sind nicht gewachsen und schon gar nicht über sich hinaus, sondern nehmen ihre Plätze ein. Und wenn es auch teilweise sehr komfortable Plätze sind, so ist all das doch nichts weiter als ein Abspulen von Routinen, das Funktionieren nach Plan, ein Leben gefristet im Dienste der Systeme, gemäß der dem Geist eingebläuten Programmierung.  Daher ist der Teil der ganzheitlichen Selbstausbildung, sich selbst verstehen und sich selbst bestimmen zu lernen zu unserer eigenen, ganz persönlichen Herausforderung und Verantwortung geworden. Von diesem Standpunkt aus habe ich bereits die Entscheidung dazu getroffen und habe diesen Weg, diesen Prozess der Selbst-Perfektionierung eingeschlagen für den ich keine Qualifikation und kein Zertifikat brauche, für den ich auch keine Auszeichnung und keine Bestätigung bekomme. Das mach diese Entscheidung und diesen Weg der Sebstbildung auch zu einem der schwersten und anspruchsvollsten für den Menschen überhaupt.
Also wie soll man Einfluss nehmen können, wie sich Gehör verschaffen, wenn man nicht diesen Weg geht und ist es nicht im Grunde ein Verrat am Leben, wenn man diese Möglichkeit ungenutzt verstreichen lässt?

Ich habe viele dieser Möglichkeiten verstreichen lassen und bin nun in der Situation, dass ich eine weitere habe, und jetzt finde ich wieder Gründe und gedankliche Hemmnisse mit denen ich mich selbst daran zu hindern versuche. Ich bin zu alt. Das ist das Hauptargument meiner Minderwertigkeitsprogrammierung geworden. Zu alt wenn ich „fertig“ bin um noch etwas mit dieser Qualifikation anfangen zu können. Doch was genau ist denn das, was ich anfangen will? Ich bin der, der ich bin und werde das, was ich mir erlaube, was ich akzeptiere. Und das unabhängig von meinem Alter ( natürlich in gewissen Grenzen). Ist nicht gerade der Umstand eines eher ungewöhnlichen Lebenslaufes Grund genug daran festzuhalten und gerade deshalb diesen Weg zu gehen, um selbst als Statement für andere Werte und andere Wege, für die ganzheitliche Betrachtung des Menschen und des Lebens zu stehen? Wäre nicht gerade das, diesen Weg zu gehen wie jeder andere auch, in einem höheren Alter, mit Standhaftigkeit und Entschlusskraft der lebendige Beweis dafür, dass es um das Leben geht, dass die Einheit und Gleichheit allen Lebens durch die Befreiung von den gedanklichen Fesseln erreicht und gelebt werden kann?

Eigentlich nicht. Denn die eigentliche Form eines Beweises ist der gelebte Moment, die Entscheidung hier und jetzt bewusst zu treffen und direkt umzusetzen. Nicht die Frage „kann ich es?“ oder „kann ich es nicht?“ sondern vielmehr „tue ich es?“ oder „tue ich es nicht?“. Und nach der Entscheidung kein Schwanken mehr, keine Zweifel mehr und keine Reue. Denn dadurch verlegt man das Leben und die Aufgaben die sich einem stellen wieder in die künstliche Realität der Gedankenwelt, man entwirft und idealisiert, erschafft Systeme und Strukturen, baut eine andere Wirklichkeit auf während die eigentliche, das tatsächliche Leben an einem vorbei weiter läuft, ohne dass man steuernd und kontrolliert bewussten Einfluss nimmt. 

Ich werde ein Präsenzstudium beginnen und meine Zweifel der letzten Woche drehten sich um das Fach und den Studienort, die Frage meines Alters und die Versagensängste die mich plagen. Ich werde diesen Schritt jetzt unternehmen und die Entscheidung ist auf Jura gefallen. Einer der Gründe ist sicherlich der, dass meine Frau Anwältin ist und ich einerseits dadurch  Unterstützung für das Studium von ihr bekommen kann und andererseits mein Alter für den Berufseinstieg nicht die Hauptrolle spielt, wie das in vielen Fällen heute eben ist. Ich habe immer ein Affinität zur Psychologie gehabt und mich in privaten Studien tief in die Thematik und die bestehende, herrschende Literatur eingearbeitet, habe Fernstudienkurse belegt und vieles mehr. Ich kann mich aber was die Psychologie im Speziellen betrifft nicht mit der Methodik und den gängigen Lehrmeinungen anfreunden. Ich kann die ‚Großen‘ Figuren der Psychologiegeschichte im Selbststudium durchaus nachvollziehen und verstehen lernen, ich bin aber nicht bereit mich in meiner eigenen Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche an Ihre Interpretationen anzulehnen, ihre Ansichten zu teilen und so zu tun als sei ich ein Anwender ihrer Werkzeuge, selbst wenn ich sie für Falsch und unwirksam halte. Natürlich ist es notwendig sich mit der Entwicklung und der Geschichte dieser Wissenschaft auseinanderzusetzen, allerdings scheint das Studium der Psychologie sich ausschließlich auf den scheinbaren Erkenntnissen dieser Personen auszuruhen und gerade im Studium in dem es darauf ankäme sich einem Thema forschend zu nähern sollten auch die Grundlagen einer Fachrichtung der forschenden Natur offen sein. Daher habe ich mich gegen ein Studium der Psychologie entschieden und werde sie weiter als mein persönliches Hobby-Forschungsgebiet betrachten, denn Psychologe sollte in der einen oder anderen Form jeder Mensch sein und werden, indem er sich mit sich selbst auseinandersetzt und sich selbst verstehen lernt. 

Jura ist im Gegensatz dazu für mich ein ganz anderer Ansatz, denn hier geht es um ein höchst interessantes und mächtiges Substrat der menschlichen Entwicklungsgeschichte, ein System das alles umspannt und bestimmt und das in all seinen Facetten die wahre Menschlichkeit, so wie wir sie erlaubt, akzeptiert und kultiviert haben widerspiegelt und zwar nicht nur als die Gesetze und das System der Justiz, sondern auch und vor allem in dem Kontrast und dem stetigen Konflikt mit der Wirklichkeit dieser menschlichen Gesellschaften die diese Gesetze mit geformt, erlaubt und zugelassen haben. Diesen Konfliktraum zu einem Arbeits- und Forschungsgebiet zu machen ist unvorstellbar interessant, denn es lässt sich an kaum einer anderen Stelle die Zwiegespaltenheit des menschlichen Lebewesens von seinem einfachen körperlichen und bedürfnisorientierten Leben und der geistigen Entwicklung und Programmierung durch sich selbst, die Gesellschaft und das kollektive Sozialgefüge herausarbeiten. Die Doppelmoral des kultivierten, zivilisierten Menschen, die Fähigkeit und Unfähigkeit zur Ignoranz gegenüber der Diskrepanz zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Identität und tatsächlichem Sein. Das Studium ist eben bestimmt durch die Fakten dessen wie es ist, wie es war und wie es so kam. Daher gibt es für mich dort keinen Konflikt, sondern nur das Lernvergnügen der Arbeitsmethoden und der mathematisch-logischen Denkweise. Die interessante Tätigkeit ist sicherlich die vermittelnde zwischen Mensch und System, also zwischen dem Menschen und seiner Welt, dem, was er mit gestaltet und schafft, wenn auch oft ohne sich seiner Einheit bewusst zu sein. Ich habe keine Karriere Ambitionen, ich strebe diesen Abschluss an um in Einheit, Hand in Hand mit dem System arbeiten zu können, um in meiner Entwicklung und meinem persönlichen Prozess die Erkenntnisse und Fähigkeiten, mein Potential die eigenen Bewusstseinsstrukturen in den Systemen menschlicher Gesellschaften wiederzuerkennen als lebendes Beispiel schöpferisch einfließen zu lassen und mit dem System die Veränderung zu bewirken dadurch, dass ich sie bin. Große Pläne? Nein, denn das, was ich bin und was ich zu tun gedenke, das beginnt jetzt und hier. Mit jedem Schritt und jedem Atemzug. Bleibe ich gesund liegen nach Abschluss des Studiums noch gute zwanzig Jahre Arbeitsleben vor mir, mehr als genug um mcih entsprechend einzubringen. Ich will hier nicht klingen wie ein unreifer Idealist, daher stoppe ich diesen Gedankengang hier. Die Entscheidung ist gefallen und diese Entscheidung wird in dieser Größenordnung wohl meine letzte sein. Ich konnte immer schon am besten unter existentiellem Druck arbeiten also habe ich die besten Voraussetzungen für mich und diesen Moment geschaffen.


Freitag, 19. April 2013

Tag0068 – Selbstvergebung und Selbstbestimmung „Was wäre, wenn...?“



Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe mir 'was wäre wenn...' Vorstellungen zu machen und an diesen Idealisierten Vorstellungen meine tatsächliche Lebenssituation zu messen, wodurch ich natürlich unentwegt auf nachteilige und vergleichsweise schlechtere Ergebnisse in meiner tatsächlichen Lage komme und in Ärger und Frust gerate, ohne dabei den absurden Selbstbetrug und die Limitation meiner Möglichkeiten durch erstens die Schaffung einer künstlichen Realität in meinen Gedanken als ein unvollkommenes, ausschließlich auf bewußte und unbewußte Unzufriedenheiten und Wünsche ausgerichtetes und fokussiertes Bild und zweitens durch den Selbstbetrug in der Opferrolle ohne vernünftige Analyse der Wahrhaftigen Gründe für meine Unzufriedenheiten einerseits und die tatsächlich sinnvollen Maßnahmen zur Veränderung der Situation entsprechend einer sinnvollen, für alle Beteiligten passenden Planung andererseits zu bemerken.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe nicht für die Konsequenzen meiner getroffenen Entscheidungen geradestehen zu wollen und in unbesonnenem Selbstmitleid versucht habe in Gedanken logische Folgerungen für alle erdenklichen Situationen und Gründe meiner Unzufriedenheiten zu konstruieren, die andere scheinbar verantwortlich für mein Empfinden machen, ohne zu bemerken wie ich mich auf diese Weise selbst betrüge und mir die Hände binde, und mich durch diese eingebildete Opferrolle in der mir keine Möglichkeiten eigenverantwortlicher und selbstbestimmter Handlungen / Aktionen zur Verfügung stehen in eine verzweifelte Wahnsituation bringe in der mir keine andere Wahl bleibt, als meine innere, selbstgeschaffene Verbitterung zu kanalisieren indem ich sie auf andere und in andere Personen hineinprojiziere.

Ich bestimme mich selbst als Mensch und als das Leben dazu, in jedem Moment aufkommender, emotionaler energien und Spannungen durchzuatmen, mich zu stoppen, die Gedankenmuster und Programme zu betrachten die mich zu bestmmen versuchen, zu erkennen und mir zu vergegenwärtigen dass ich sie schaffe und erlaube, dass ich sie somit auch jederzeit stoppen kann um meine Selbstbestimmung und eigenverantwortlichkeit zu leben, dass ich unter Aufwendung meines Verstandes und der Abwägung aller Konsequenzen trotz der eingeschränkten Sicht und Möglichkeit wahrhaftig alles abzuschätzen meinen Aktionsradius eigenverantwortlich und so gestalten kann, dass ich als Mensch offen und jederzeit dafür gerade stehen kann.

Ich bestimme mich selbst als Mensch und als das Leben zu eigenverantwortlicher, selbstbestimmter Selbstanalyse und zur Dekonstruktion der Beschuldigungs und Selbstmitleidsmuster, der Gedanklichen Selbstrechtfertigung für selbstzerstörerische und Schädliche Reaktionen, verpflichte mich zur Selbstvergebung und Neugestaltung meiner Verhaltens- und Denkmuster, ausgerichtet am Leben selbst, an dem was allem Leben im Sinne der Einheit und Gleichheit allen Lebens bestmögliche Resultate bringt.

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 19.04.2013