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Montag, 30. Dezember 2013

Tag 161 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen Teil 3

"lapolab" / Foter.com / CC BY-NC


Fortsetzung der Reihe:

Tag 160 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen Teil 2

 Auszug:

...In einer Wissenschaft aber, die von eben diesen Strukturen existenziell getragen wird ist so etwas wenig bis gar nicht zu erwarten, sie wird sich vielmehr damit befassen Methoden und Möglichkeiten zu finden, die den Menschen in dem derzeitigen Stadium seines Verhaltens, seines Denkens und Handelns, also seinem psychologischen Ist.Zustand belassen, so dass die Systeme und Strukturen die Wissenschaft und vor allem hier die Psychologie 'erforderlich' und wichtig machen erhalten bleiben.


Wir müssen also schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit und der Achtung vor dem Menschen damit aufhören so zu tun als ob wir eine Wissenschaft mit anwendbaren, heilenden Erkenntnissen hätten, denn diese Vortäuschung falscher Tatsachen hat fatale Folgen für all die Menschen die Hilfe benötigen, die eine Anleitung zur Selbstanalyse benötigen und sich vertrauensvoll in die Hände der Institutionen begeben. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir diesen Instanzen rechtliche Privilegien eingeräumt haben, die jedem einzelnen Menschen einer Gesellschaft unter gewissen Bedingungen seine Grundrechte entziehen und ihn gegen seinen Willen Therapien unterziehen können, und über die Bedingungen entscheiden ebenfalls diejenigen, die diese Wissenschaft erlernt haben und sie betreiben.

Die Selbsterkenntnis die zur Selbstheilung befähigen würde ist möglich. Sie ist nicht nur möglich, sondern sie ist auch notwendig, wenn die Menschen sich von einer Gesellschaft bestehend aus verängstigt verunsicherten, von Institutionen abhängig gemachten Bürgern zu einer mündigen, eigenständigen Gesellschaft die sich als Einheit wahrnimmt, deren einzelne Bürger verantwortungsbewusst und selbstbestimmt dem Wohl der Gemeinschaft widmen und darin eben durch ihre eigene Eigenständigkeit und Individualität aufgehen entwickeln soll. Und das sollte der Zielzustand einer jeden Gemeinschaft die sich als aufgeklärt und demokratisch sieht sein.
Dafür ist die selbstgewählte Entscheidung jedes einzelnen Individuums zur eigenständigen Erforschung des Selbst und des eigenen Seelenlebens unter der Voraussetzung selbst-ehrlicher Betrachtung erforderlich. Selbst-ehrlich und eigenverantwortlich, nur dem wahren Selbst gegenüber Rechenschaft schuldig und damit eigenständig. Wahres Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen kann nur aus einer solchen, von innen gerichteten Entscheidung entwickelt werden, es kann nicht durch Belehrung und Anweisung von außen geschehen, denn dadurch entwickelt sich immer eine Abhängigkeit von einem anderen Menschen, von einem im Grunde gleichgestellten. Dieser Widerspruch der Überlegenheit kann also nur künstlich geschaffen und erhalten werden. Aus diesem wahren Selbstbewusstsein aus Eigenverantwortlichkeit in jeder Beziehung ergibt sich die Integrität und Vertrauenswürdigkeit eines Menschen und letztlich auch wahrhaftiger Individualismus, persönliche Freiheit und selbstbestimmte Entfaltung. Derzeit ist in unserer Welt nichts und niemand frei, selbstbestimmt oder individuell. Diese Werte wie wir sie propagieren sind keine gelebten Werte, sie existieren nur in der Vorstellung und der Erwartung.. Es mag freiere und weniger freie Menschen geben, durch innere aber vor allem auch äußere, aufgezwungene Umstände. Aber der Weg zu wahrer Freiheit in Einheit als Mensch und Teil des gesamten Lebens muss selbst gewollt und gewählt werden in einer bewussten Entscheidung als ein Versprechen an sich selbst. Nur so kann der Mensch sich und seine Gemeinschaft, die Gesellschaft und letztendlich die Menschheit befreien.
Der einzige und schwerwiegendste Hinderungsgrund der Angst einflößend generiert und kultiviert wird ist der, dass man in dieser Entscheidung jede Möglichkeit der Schuldzuweisung und Anklage, der Suche ach Gründen im Äußeren aufgeben muss und zwar endgültig. Es gibt dann keine Entschuldigung und keine Flucht vor der eigenen Verantwortung mehr. Die hat es auch nie wirklich gegeben, aber man entscheidet sich, sich selbst diese Illusion zu nehmen.
Es ist einfach das. Immer wieder den Grund bei sich selbst zu suchen. Jedes mal wenn sich der innere Zorn, die Wut und Aggression gegen jemanden richtet innezuhalten und in sich zu schauen, den Verstand zu benutzen um die Empfindungen und ihre Wurzeln bis zum Ursprung zu verfolgen, sich selbst gegenüber jede Möglichkeit der Eigenverantwortung an ihrer Entstehung aufrichtig einzugestehen, nach der Verantwortung zu forschen und ihr gegenüberzutreten selbst wenn die Angst überwältigend scheint. Und es ist ein Forschen, ein Bohren, man wird Krusten und Wunden aufbrechen müssen, denn diese Vernarbungen die die klare Sicht auf die Eigenverantwortlichkeit versperren sind über Jahrzehnte gewachsen und gepflegt worden. Immer wieder aufgebrochen hat man Übung darin bekommen sie schnell und sicher wider zu verschließen nur um sich gleich in die nächste Ablenkung zu stürzen, nur um für den Schmerz der Verwundung verantwortliche und schuldige zu suchen. Aus dieser fortwährenden Selbstverletzung ist dieses vernarbte, aggressive und hinterhältige Wesen der Ego-Persönlichkeit geworden dessen Fassaden und verkleidete, maskierte Spielfiguren sich gegenseitig die Welt vorgaukeln die wir die unsere nennen. Daher ist unser Streben ein einziges Unterhaltungstheater des Geistes, daher brauchen wir Religionen und spirituelle Fantasien um unseren Schmerz der uns innerlich plagt zu betäuben. Und wenn uns das dann einigermaßen gelingt, sehen wir in diesem oberflächlichen Erfolgserlebnis unsere Bestimmung, sehen in dieser Selbstberauschung das evolutionäre Heil des Menschen. In alles und jedes wollen und müssen wir Vorstellungen überwertiger Natur projizieren. In die Waren und Artikel unserer industrialisierten Konsumkultur, in unsere Beziehungen zueinander, die Liebe, die Familie, alles wollen wir verherrlicht sehen, strahlend in unserem Bewusstsein, banal in der reinen Wahrnehmung, weil wir das Wirkliche, das wahrhaftig Schöne nicht mehr ertragen können, stellt es sich uns doch direkt als Gleiches dar, als Teil von uns Selbst. Selbst in die Natur, unsere alleinige Lebensgrundlage fantasieren wir übernatürliches hinein. Alles nur um uns nicht der Wahrhaftigkeit unserer eigenen Verantwortlichkeit und der gewollten Unfähigkeit zur Mündigkeit stellen zu müssen.

Freitag, 27. September 2013

Tag0146 - Über das Schreiben

madamepsychosis / Foter / CC BY-NC-ND


Schreiben ist der Weg zur Freiheit. Der Prozess des Schreibens ist ein intimer Prozess, ein Vorgang der dich ganz auf dich selbst zurückwirft. Sogar wenn man versucht etwas vollkommen fiktives zu schreiben stellt man schnell fest, dass alles was herauskommt auf einen Selbst zurückzuführen ist. Keine neue Kreation, nichts Unbekanntes, nur Vergessenes und Verdecktes, verborgenes und ignoriertes kommt zum Vorschein. Und nicht nur das. Schreibt man in selbstehrlicher Absicht, dann erkennt man auch die Strukturen der persönlichen Vertuschungsmaßnahmen, der Selbstverblendungen und die Methoden der Intrigen und Lügenspinnereien die man anwendet um sich in seinem ganz persönlichen Wunderland der eigenen Märchengeschichte von sich und der Welt zu halten. Man entdeckt und entlarvt die eigenen Versuche der ignoranten Selbstrechtfertigungen, der Schauspielerei vors ich selbst und anderen, man beginnt zu verstehen warum man nie zuvor wahrlich eigenständig und eigen verantwortlich gelebt und gehandelt hat. Man legt sich selbst offen, man liest sich selbst, schritt für schritt, Wort für Wort und Satz für Satz bewegt man sich in die dunkelsten Tiefen des eigenen Bewusstseins, der Erinnerungen, des Persönlichkeitsgeistes, bis man sich immer mehr und letztlich vollends selbst erkennt. Das Schreiben ist eine Selbstarbeit, eine Selbstanalyse ohne äußeren Analytiker, ein sich selbst Finden, eine Therapie ohne Theorie, ohne Konzept sondern nur hier und jetzt angewandt, im Moment, direkt und unverblümt ehrlich. Sofern man natürlich sich selbst zu Selbstehrlichkeit und Offenheit verpflichtet, sofern man sich vorbereitet und langsam auf den Weg der Selbstentdeckung und der Erkenntnis begibt und dabei jeden persönlichen Gedanken, jedes persönliche Motiv der Erwartung eines Gewinns, eines Vorteils oder reiner Unterhaltung aufspürt und auflöst und sich ganz der Sache der eigenverantwortlichen Selbstbestimmung durch Selbstbefreiung hingibt.
Schreiben befreit, es wirkt als Entschlackung für den Geist, als Reinigung des Bewusstseins.





Montag, 27. Mai 2013

Tag0099 - Vier Katzen gaben mir ihr Leben





Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und zugeassen habe das Leben von vier Katzen für meine eigennützigen Zwecke der emotionalen Stabilisierung und ind em Versuch meine depressiven Stimmungen und unzulängliche Eigenverantwortung auszugleichen benutzt zu haben, sie in ihrer Freiheit eingeschränkt zu haben, dass ich mir nicht vergegenwärtigt habe wie sehr ich sie von mir abhängig gemacht habe entgegen ihrer Natur und ihrer Fähigkeiten, dass ich mich selbst belogen und sie betrogen habe indem ich diese Gefangenschaft mit meiner Sorge um ihre Sicherheit rechtfertigen wollte und dass ich mich in vielen Momenten meiner Verantortung für sie entzogen habe.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe die Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen, sie in ein Abhängigkeitsverhältnis zu mir zu bringen obwohl ich zu diesem Zeitpunkt und viele der Folgenden Jahre nicht einmal ansatzweise für mich selbst verantwortlich zu Handeln in der Lage war.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir nicht erlaubt und es nicht zugelassen habe die Lehre die „meine“ Katzen mir zur Verfügung gestellt hatten indem sie mir bedingungslos zugetan waren, indem sie mir ihr Vertrauen trotz ihrer zeitweise sehr unglücklichen Lage, eingesperrt in einer kleinen Wohnung ohne Ausgang nie entzogen haben, wirklich zu erkennen und zu verstehen, dass ich es nicht gewagt habe über mich hinauszuwachsen, mir klar zu machen dass es meine Verantwortung gewesen wäre zuerst an ihr Wohl zu denken, mich selbsterhlich zu befragen und mir das, was ich immer wusste, nämlich dass sie nicht artgerecht, nicht frei und gesund bei mir leben konnten, dass ich trotz des „guten Willens“ nicht in der Lage war die Verantwortung wirklich zu leben, und dass ich um mir das nicht eingestehen zu müssen die Ereknntnis dessen was richtig gewesen wäre verdrängt habe, offen einzugestehen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe meine Angst vor der Welt, vor dem System, den Menschen, dem was aus ihnen wird als Rechtfertigung dafür genommen zu haben diese Tiere bei mir einzusperren, dass ich mir eingeredet habe es sei trotz aller Umstände immer noch das Beste für sie bei mir zu bleiben, angesichts all des Missbrauchs und der Qualen die Tiere von anderen zu befürchten hätten, angesichts der Gefahren und Unwägbarkeiten des Lebens in Freiheit.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe mir einzureden ich sei besonders begabt im Umgang mit Katzen, weil sie mir immer gleich Vertrauen entgegenbringen, weil meine Katzen mir immer vertraut haben und mir zugetan waren, und dass ich nicht erkennen wollte, dass es die Katzen sind, die diese Entscheidung treffen, und dass sie selbst in Gefangenschaft nicht hätten zu mir stehen müssen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe die Abgabe zweier Katzen vor vielen Jahren so lange zu bedauern und zu betrauern, dass ich mich emotional habe gehenlassen ohne die Chance und Möglichkeiten für diese Tiere zu erkennen und mich für sie zu freuen da sie in ein Umfeld kamen, in dem sie eben nicht auf kleinem Raum eingesperrt, sondern gemeinsam mit anderen Tieren mit freiem Auslauf leben konnten.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe mcih selbst immer wieder zu verurteilen und zu bedauern in der Erkenntnis des emotionalen Missbrauchs den ich betrieben habe, indem ich Lebewesen für meine eigenen, persönlichen emotionalen Interessen meinem Willen unterworfen habe.





Sonntag, 19. Mai 2013

Tag0091 - Warum Schreiben? (Teil 2) Überzeugung und Liebe...

JonathanCohen / Foter.com / CC BY-NC


Blog vom 12.05.2013

Fortsetzung zu Tag0090 - Warum Schreiben? Und für wen?

Auszug:

"[...] Und dann gilt ein anderer Text wesentlich mehr, er dient zu viel mehr als zu einer Anleitung oder Wissensquelle, er ist eine unterstützende Begleitung, ein gleichwertiger Gefährte, ein Teil der Einheit zu der man selbst zurückkehrt."

Aus diesem Grund ist auch eine Überzeugung etwas, das aus einem Menschen selbst kommen muss, ganz und gar, niemand kann wahrhaftig von jemandem überzeugt werden. Jede Überzeugung dieser Art ist entweder eine geschickte Manipulation die früher oder später an ihre Grenzen stößt, sich auflöst und unwirksam wird, oder sie ist ein Einwilligung aufgrund von Bequemlichkeit, Feigheit oder dem Verlangen nach Sicherheit und Gemeinsamkeit ohne dass diese Grundlage selbstbestimmt erkannt und akzeptiert wäre. En solcher Teil eier „Gemeinschaft“ ist immer ein unsicheres und schwaches Glied in der Kette, eine Persönlichkeit die nicht vertrauenswürdig und auch nicht verlässlich sein kann.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Liebe. Die eigensinnige Überzeugung einen Menschen, besser gesagt eine Persönlichkeit gefunden zu haben, deren Eigenheiten und Eigenschaften man erkannt, analysiert und auf Kompatibilität überprüft hat, von der man glaubt dass sie exakt das widerspiegelt, was man von einem Partner der Liebe erwartet. Die Vorstellung der Verliebtheit, oder der Beziehungs-Bildung aufgrund einer Emotion, eines emotionalen Erlebens der scheinbaren Übereinstimmung eines Charakters, eine Persönlichkeit, und ihren äußerlichen Attributen als Grundlage einer Lebenspartnerschaft anzunehmen ist im äußersten Maße trügerisch, und auch missbräuchlich rücksichtslos gegenüber der gewählten Person. Schließlich gründet man eine Partnerschaft aufgrund einer Erwartungshaltung, die einzig und allein auf den persönlichen Vorstellungen und Interpretationen, welche Vielmehr Projektionen der eigenen Persönlichkeitsmerkmale sind, basiert, und lockt dadurch eine Person in eine Situation in der unerfüllbare Erwartungen an sie gestellt werden, da sie ihrerseits die Ansprüche die an sie gestellt werden nicht einmal erkennen oder verstehen kann. Nicht umsonst ist der Prozess des Kennenlernens, des Herantastens, ein Prozess der Verstellung, der Schauspielerei, bisweilen Prahlerei, der Manipulation und nicht selten der gezielten Vortäuschung falscher Tatsachen. Lediglich die Tatsache, dass diese Methoden von beiden Seiten angewandt werden verhindert eine frühzeitige Entlarvung des Betrugs, da natürlich jede Partei einer solchen Beziehung an der Vertuschung ihrer Täuschungsversuche interessiert ist und allerhöchstens einen Ausweg durch die gezielte, hinterhältige Entlarvung der Gegenseite bei gleichzeitigem Aufrechterhalten der eigenen Fassade sucht. Auch dieser Prozess ist ein alltäglicher, immer wiederkehrender, schon alles obligatorisch zu bezeichnender Trennungsprozess bei dem ohne große Rücksicht auf Verluste von beiden Seiten sprichwörtlich dreckige Wäsche gewaschen wird.

Sonntag, 31. März 2013

Tag0049 - Ich kann die Menschen lesen wie mich selbst [Teil1]





Ich weiß nicht, wie ich es genau bezeichnen soll, doch irgendwie, und ich werde mich Schritt für Schritt durcharbeiten bis zu dem Punkt der Erkenntnis darüber, hatte ich schon immer, seit ich mit genügend Verstand denken kann, die Fähigkeit die Handlungsweisen und Reaktionen der Menschen zu verstehen. Nicht im Sinne von Billigen, sondern ich verstehe worum es geht, die Motive, vor allem die, die eigentlich verborgen sein sollen.

Ich weiß, dass das nichts besonderes ist. Heute weiß ich, dass es eine ganz natürliche Entwicklung ist, eine Funktion des Bewusstseins die gleichzeitig sein Fluch ist. Wir können fast immer hinter die Fassaden der Menschen schauen, hinter die vorgeschobenen Argumente und Rechtfertigungen, hinter die Verhaltensmuster und die angenommenen, internalisierten Dogmen als Lebensprinzipien. Wir können die Ängste und Sorgen, die Befürchtungen und Unsicherheiten erkennen, spüren und verstehen, weil wir Menschen sind, und gleich als Menschen.

Das Problem das wir haben in unserer Welt ist, dass wir uns entwickeln und dass wir erzogen werden in einem ganz bestimmten Glauben, nämlich dem, dass wir abgetrennt und isoliert wären, dass wir in ein System hineinwachsen und uns anpassen müssten, an ein System das unabhängig von uns ist und das unser Lebensraum ist, alternativlos, und wir versuchen aufgrund dieser Lebenslüge uns anzupassen, das Spiel mitzuspielen so gut es eben geht. Doch da ist immer diese innere Unsicherheit, weil wir spüren dass wir unsere Vorstellungen von uns selbst nicht wirklich leben, dass wir auch die angelernten und konditionierten Verhaltensmuster nicht vollständig verinnerlichen, dass wir innerlich verzweifeln aufgrund der heuchlerischen Versuche zu der Rolle zu werden die wir uns selbst zugeteilt haben- Wir beobachten ‚die anderen‘, wir glauben, dass sie das Spiel beherrschen, dass sie nicht einmal denken, dass sie eine Rolle spielen, wir sind zutiefst verunsichert über unser Selbst und unsere Fähigkeiten. Und das ist der Grund, oder einer der Gründe, warum wir trotz unserer Bewusstseinsbegabung und der Fähigkeit zu Vernunft und Einsicht an einem lebensverachtenden System wie dem unseren festhalten. Tiefe, verinnerlichte, unbearbeitete Angst.

Aus dieser Angst und dem Frust über die vermeintliche Unfähigkeit zu einem guten Konformisten zu werden, zu einem Vollwertigen Mitspieler, wachsen natürlich alle erdenklichen Formen der Aggression, der Wut und des Zorns.

Warum aber wagen wir es nicht, oder wenn dann nur unter Umständen die uns selbst erschüttern, die unser Weltbild ins Wanken gebracht oder zum Einsturz gebracht haben, die gesamte Systematik, das Selbstbild und das System der Selbstidentifikation über die Systeme in Frage zu stellen? Weil die  Angst vor Ablehnung, die Angst vor dem Verlust der Gemeinschaft die eigentlich gar nicht existiert unerträglich ist für eine Existenz, die nur über die Werte, die Ideale und Vorstellung eben dieser Gemeinschaftsideologie oder Kultur  identifiziert ist. Und diese Unerträglichkeit rührt aus der Illusionären Natur der grundlegenden Selbstidentifikation als Mensch in Abgetrenntheit und Isolation in geistigen Idealen, Prinzipien und Vorstellungen.

Dabei könnte es ein einfacher Schritt sein sich von dieser Angst zu befreien. Einmal, in einer einzigen selbstbestimmten Entscheidung  für sich selbst geradezustehen und das Spiel offenzulegen, sich selbst zu entblößen, die Maske fallen zu lassen und die ewige Vermutung, dass es vielen anderen ebenso ergeht, dass diese Unsicherheit weit verbreitet ist, dass wir alle nur versuchen irgendwie durchzukommen und für uns das scheinbar beste dabei herauszuholen, in ständiger Angst. Sicher gibt es solche und solche, es gibt Persönlichkeiten die so sehr angepasst, abgelenkt und beschäftigt sind, dass sie nicht einmal darüber nachdenken was und warum es in ihnen brodelt, warum sie voller Argwohn, Misstrauen und Zorn stecken, warum sie sich nicht öffnen können, warum ihre Beziehungen nicht funktionieren oder warum sie nie wirklich zufrieden sind. Doch das System selbsthält auch für diese den Moment des Erwachens bereit, dann eben gezwungenermaßen und nicht selbstbestimmt.

Ich konnte nie etwas damit anfangen, dass ich das Verhalten der Menschen ‚verstand‘, und dass ich es vor allem deshalb in so vielen Fällen abstoßend und verachtenswert fand. Ich habe selbst nicht wirklich verstanden was ich es war, und ich habe viel zu oft und zu lange an mir selbst und meiner Sicht gezweifelt. Dabei hätte ich nur auf mich selbst und in mich selbst schauen müssen. Ich hätte mich mit mir selbst befassen müssen so wie mit allen anderen, mit den Verhaltensmustern und Motiven , den selbstsüchtigen Interessen und den ängstlichen Aggressionen die ich in den Verhaltensweisen anderer zu erkennen glaubte, die ich aber im Grunde aus mir selbst heraus kannte. Darin hätte ich schon früh die Einheit und Gleichheit erkennen können.

Es ist lange kein Geheimnis mehr, dass Menschen und Unternehmen genau diese Einsichten in die Ängste und Sorgen, die Handlungsmotivationen der Menschen für ihre ganz persönlichen Zwecke ausnutzen. Und bis zu einem gewissen Grad machen wir das alle im alltäglichen Zusammenleben, weil die gesamten gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen eben dieses Prinzip der eigennützigen, misstrauischen Grundhaltung in sich tragen. Mir ging dieses Verhalten immer gegen den Strich und es hat lange gedauert bis ich verstanden hatte, dass ich mich dadurch versucht habe ‚rein zu waschen‘, mich herauszuhalten aus diesen Machenschaften, und dass ich mich dadurch in überheblicher Weise eingebildet von allem getrennt habe. Doch diese Trennung ist eine Illusion und im Grunde führt sie zu völliger Selbstaufgabe, denn man verliert den Bezug zu den Systemischen Strukturen die notwendig geworden sind um sich eine Existenz zu sichern, und zum anderen verkennt man, dass man selbst, dass wir alle als Teilnehmer das System konstituieren, also sind, dass wir alle dafür verantwortlich sind, dass wir ein Erziehungs- und Ausbildungssystem, eine Kultur und Vorstellungen vertreten und an unsere Kinder weitergeben, die alle auf Angst und Verunsicherung, auf gegenseitiger Ausbeutung und Übervorteilung basieren.
Wir können uns und alle Menschen verstehen lernen, indem wir jeder für sich, in einem eigenen, selbstgewollten Prozess uns selbst verstehen lernen, indem wir uns selbstehrlich vor uns selbst offenbaren, und darin liegt der Schlüssel zur Erkenntnis der grundlegenden Wahrheit, der Einheit und Gleichheit des Lebens und aus dieser Erkenntnis  resultiert die Freiheit von Angst.

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 31.03. - 01.04.2013





Mittwoch, 26. September 2012

Tag 48 - Selbstgewählt beschränkt (Teil 1)



Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe, dass ich mich selbst so wie es mir beigebracht wurde fast gänzlich der Welt der Gedanken hingegeben habe, dass ich in Ignoranz gegenüber den wahren Konsequenzen menschlichen Lebens gelebt habe, dass ich es vorgezogen habe unwissend über die Zusammenhänge und Gründe für Konflikte, Hunger, Armut, Gewalt und Verbrechen zu bleiben, weil es 'angenehmer' und 'bequemer' war sich dem eigenen Umfeld anzupassen, in der abgegerenzten Umgebung seines ganz persönlichen Wahrnehmungsbereiches, in dem die Welt noch in Ordnung zu sein schien, in dem Séparée der selbstgefälligen, oberflächlichen Rechtfertigungen sich die emotional ansprechenden Floskeln sozialer 'Kritik' anzueignen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und zugelassen habe mich selbst derartig als Mensch zu beschränken, im Namen meiner Vorstellungswelt und dem energetischen Gefühl, dem Empfinden ausgelöst durch mentale Reize, von meinem Geist interpretiert als 'gut', 'schlecht', 'unangenehm', 'angenehm', dass ich meine Selbstbestimmtheit als Mensch freiwillig aufgegeben habe und das begründet einzig durch die irrationalen, künstlich generierten inneren Ängste nicht mehr anerkannt zu werden, verachtet zu werden, ausgestoßen und abgelehnt zu werden, von anderen 'Personen', die sich in eben solcher Weise über ihre Vorstellungen und Gedanken allein identifizieren, ihre ganz persönliche Wahrnehmung und Interpretation als den Maßstab für alle nehmen und dadurch allein schon niemals wirklich relevant sein können für mich oder irgendjemand anderen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und zugelassen habe allein aufgrund der Tatsache, dass fast alle Menschen auf diese Weise das Leben, ihre Verantwortung und ihr Selbst ignorieren, etwas an dieser Lebensweise 'natürlich' oder 'richtig' sein muss, ohne zu erkennen, dass es das gemeinschaftliche Bewußtsein in einer Gruppierung von über das Bewußtsein gesteuerten Menschen ist, das als eine Projektion der einzelnen geistigen Formen ein System schafft, das eben für jeden einzelnen genau diesen Eindruck erweckt, nämlich dass andere dieses gedankliche Bild leben und sind, und dass ich selbst alles tun muss um diesen Anforderungen ebenfalls zu entsprechen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und zugelassen habe Feindbilder in meinem Geist zu erschaffen, von Menschen die 'böse' oder 'schlecht' sind, die unsere Welt zerstören, unsicher machen, die für all das verantwortlich sind was das Leben beeinträchtigt, ohne dabei zu erkennen, dass jeder Mensch eine zeitliche Entwicklung durchmacht und dass es die Prägung des Menschen über den Geist ist und seine völlige Unterwerfung als Lebewesen unter sein Bewußtsein, der erlaubte, akzeptierte und von uns allen getragene Umgang mit uns selbst, unsere Sicht auf uns selbst und das Leben, was diese Verhaltensweisen 'einzelner' erst möglich macht, und dass wir im Umgang miteinander, mit uns selbst und durch die von uns allen getragenen Werte und Denkweisen mitverantwortlich sind an jeder einzelnen Tat, die wir vielleicht verurteilen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und zugelassen habe die energetische, emotionale Aufladung durch Gedanken und Urteile zum einzigen Zweck meiner Existenz gemacht zu haben.

Ich fahre in meinem nächsten Post mit diesem Teil fort.