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Dienstag, 1. Januar 2013

Tag 100 / 101 - Experimente mit Selbsthypnose / Analyse und Fortsetzung (T5)

h.koppdelaney / Foter / CC BY-ND


Fortsetzung der Blogreihe "Experimente mit Selbsthypnose":
Tag 87/88/89 - Meine Experimente mit Selbsthypnose Einleitung (T1)
Tag 90/91 - Meine Experimente mit Selbsthypnose / Die Flucht ins Bewußtsein (T2) 
Tag 93/94/95 - Experimente mit Selbsthypnose / Wer ich bin in Gedanken verloren (T3)
Tag 96 / 97 - Experimente mit Selbsthypnose / Selbsttest 1 (T4) 

Nach nochmaligem Anschauen meiner eigenen 'Hypnosesitzung' habe ich interessanterweise festgestellt, dass ich eine Methode der Manipulation in der Hypnose angewandt habe, ohne es zu merken/zu wissen. Die in das Hypnoseskript von mir selbst eingebaute Frage nach einem beschreibenden Wort für meine Empfindung des Zustandes wurde von mir mit Schwere beantwortet. Tatsächlich habe ich meine Glieder, meinen Körper zwar als sehr entspannt, aber auch als schwer empfunden. Diese beiden Eindrücke müssen ja nicht zwangsläufig miteinander einhergehen und daher habe ich mich gefragt warum ich gerade Schwere empfunden habe. Schließlich könnte gerade die hier verwendete Visualisierung von Strand, Wasser und Wellen ja auch eher ein Gefühl der Leichtigkeit und des Getragen-seins suggerieren. Als ich aber meine Einleitung nochmal gehört habe stellte ich fest, dass ich in der Vorbereitung an die sich die eigentliche Induktion ja direkt anschließt etwa 5 mal kurz hintereinander das Wort Schwere benutzt habe, das heißt ich habe es zumindest auffallend oft verwendet, so dass ich davon ausgehen kann hier eine Methode die man seeding nennt bei mir selbst angewendet zu haben. Das 'Einstreuen' des Begriffs der Schwere, wenn hier auch nicht auf besonders subtile Weise sondern ganz direkt, im Vorfeld einer Hypnose, richtet das Bewußtsein, bzw. das Unterbewußtsein auf eine bestimmte Weise aus, so dass die Befragung oder die Suggestion die auf etwas Bestimmtes abzielt dementsprechend auch aufgenommen wird. Besonders interessant finde ich das vor allen Dingen deshalb, weil es mir bis einige Stunden nach diesem kleinen Experiment überhaupt nicht bewußt war, also so funktionieren konnte als ob irgendjemand mir gezielte seedings gesetzt hätte. Es wird schwer dies noch einmal zu testen, da ich mir ja nun darüber im Klaren bin. Allerdings könnte es ja dennoch funktionieren und man stellt sich die Frage, ob solche Dinge vielleicht öfter vorkommen, selbst dann wenn der hypnotisierende Part sich dieser vorbereitenden Konstrukte überhaupt nicht bewußt ist. Man muss also sozusagen jede Hypnosesitzung retrospektiv genauestens analysieren.

*

Ich komme also hier nicht ausschließlich aufgrund meiner ersten Selbsthypnoseerfahrung und deren Analyse, sondern aufgrund meiner langjährigen Arbeit mit mir selbst als Mensch, dem Austausch mit zahlreichen anderen Menschen im Bezug auf die Selbstarbeit und Entschlüsselung des Bewußtseins, der Gedankenmuster und des Egos, aufgrund meines Studiums der Psychologie und der Philosophie, und nicht zuletzt durch meine noch jungen Erfahrungen und Selbststudien der Hypnose zu folgenden weiteren Feststellungen:

Das menschliche Bewußtsein ist unglaubwürdig. Es ist aus sich heraus nicht vertrauenswürdig. Der Instinkt, das Bauchgefühl das wir als Menschen haben ist bereits dermaßen manipuliert und programmiert nach vorbestimmten Schemata, dass wir nicht uns selbst, sondern dem System das uns geprägt hat folgen. Nicht einer 'natürlichen Kraft' die uns 'zur richtigen Entscheidung' führt, sondern einer vielschichtigen, verschachtelten Programmierung die zum Teil unserem Bewußtsein zugrunde gelegt und zum anderen von uns selbst akzeptiert und erlaubt wurde. Das ist und war die Entwicklung unserer Selbstfindung, dazu verleitet immer nur auf die gedankliche Ebene der Vorstellung gerichtet zu sein und das eigentliche Leben, das physisch reale Existieren als lästiges Beiwerk zu verstehen. Wir leben in einer völlig realitätsfremden Identität und versuchen uns um die Realität herumzudrücken, weil wir nie wirklich gelernt haben uns selbst zu verstehen. Wir sind geboren und programmiert worden etwas zu sein, an etwas zu glauen das vorherbestimmt und ein passgenaues Konzept für die Welt und die sogenannte Ordnung die der Mensch darin geschaffen hat ist. Das ist so klar in allen menschlichen Gesellschaften und den angestrebten Zielen und Werten zu erkennen, dass wir sogar die offensichtlichsten Absurditäten als selbstverständlichen Teil unserer Existenz akzeptieren, wie beispielsweise die lächerlichen Versuche einiger Menschen durch stümperhafte Modellierungen ihren Alterungsprozess vor anderen zu verbergen, was niemals funktioniert und ihn damit eigentlich nur noch mehr in das Zentrum der Aufmerksamkeiten rückt, und dennoch reißt diese Mode und diese Entwicklung nicht ab. Welchen Zweck erfüllt dieser Trend? Was trägt er zur Entwicklung des Menschen und des Lebens bei? Repräsentiert er Fortschritt? Kultivierung? Intelligenz? Verstand? Weisheit? Nichts von alledem kann ernsthaft in dieser beispielhaft absurden Verhaltensweise erkannt werden. Und das ist wahrlich nur EIN greifbares, vergleichsweise harmloses Beispiel für die Verwirrtheit und Verlorenheit, die Selbstverleugnung und Unehrlichkeit gegenüber sich selbst die der Mensch an den Tag legt.
Was sind die tatsächlichen Fortschritte die wir als Menschen gemacht haben? Wir haben unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten durch vielfältige Manifestationen, Konstruktionen und technische Entwicklung präsentiert, doch das Kernproblem menschlicher Existenz haben wir nicht einmal gestreif: die grundlegende Angst vor der Eigenverantwortlichkeit. Und so ist auch im Umgang mit all unseren 'Errungenschaften' des Fortschritts und der Wissenschaft so gut wie kein Verantwortungsbewußtsein, keine Vernunft, keine Weisheit zu erkennen. Wir haben zwar die Mittel, und darin entlarven wir ja auch unsere Ignoranz gegenüber der Verantwortung die in diesen Fähigkeiten liegt, aber wir weisen jede Vernunft und jeden gesunden Menschenverstand weit von uns. Eher noch versuchen wir, die Bedeutung dieser Begriffe an unsere durch willentliche Ignoranz beschränkte Wahrnehmung anzupassen indem wir geschlossen logische Gedanken- und Wertsysteme schaffen, die eine auf sie reduzierte neue Bedeutung der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes zulassen. Doch dauernd müssen wir uns in Dummheit, Naivität und Ignoranz üben um diesen Glauben in uns aufrecht zu erhalten, andererseits müssten wir uns der eigentlichen Wahrheit unserer Selbstverleugnung stellen. Das scheint keine Option zu sein für die Identität als Geisteswesen in unserer Vorstellung, denn dadurch würde alles was es ausmacht, alle Konzepte, Ideologien und Ideale, alle emotionalen Verknüpfungen, einfach alles was wir glauben zu sein in Frage gestellt. Wir greifen zum Zweck der Selbstverblendung beispielsweise nach vorgefertigten konzepten wie politischen, ethnischen oder ökonomischen Ideologien, wie Faschismus, Rassismus oder Kapitalismus. Wir verschreiben uns und unsere Persönlichkeit der Vertretung und Verteidigung dieser Ideologien und gehen dabei gleichzeitig einen Handel ein, der uns als menschliche Wesen auf die Regeln und Dogmen dieser Ideologien beschränkt. Darin glauben wir eine Bestimmung zu finden, wir glauben dadurch als Person zu profitieren, gaukeln uns Selbstsicherheit vor, weil wir uns nun einer 'Gruppierung' zuschreiben können. Wir müssen dazu diese Theorien und Ideologien nicht einmal selbst verstehen, wie man sehr gut am Beispiel der erfolgreichsten Ideologie, dem Kapitalismus, sehen kann. Alle Welt, zumindest die Teile, die profitieren und noch teilweise mitreden wie die Regeln zu interpretieren sind, verteidigen dieses System bis aufs Messer, sogar die Opfer dieser Systematik streben nicht nach Erneuerung, nach Veränderung, sondern eher danach selbst Teil der sogenannten 'Erfolgreichen' dieses Augenwischersystems zu werden, obwohl ein Großteil der Menschen überhaupt nichts von der Geldsystematik versteht. Manche glauben es, glauben noch blauäugig an die Lehren die sie aus der Schule kennen oder kopieren irgendwelche Interpretierenden Schriften sogenannter 'Experten', doch niemand versteht wirklich was hinter unserem Geldsystem steckt und wie es tatsächlich funktioniert, außer diejenigen wenigen die tatsächlich profitieren und die keinerlei Interesse daran haben, dass jeder Mensch auch nur ansatzweise Einblick in die Systematik erhält.

Fortsetzung folgt...

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Freitag, 21. Dezember 2012

Tag 96 / 97 - Experimente mit Selbsthypnose / Selbsttest 1 (T4)

mastrobiggo / Foter / CC BY-NC-SA


Ok, es wird also Zeit das Experiment zu starten. Ich habe noch keine Erfahrung mit Hypnose, ich habe keine Ahnung wie sich das anfühlen wird, ich weiß nicht worauf das hinausläuft. Es könnte sein, dass sich überhaupt nichts weiter ergibt, es kann aber auch sein, dass sich einfach das bestätigt was ich bis zu diesem Punkt über Hypnose, ihre Wirkungsweise und ihren Einfluss gesagt habe. Vielleicht werde ich aber auch völlig überrascht und auch darauf bin ich gefasst.


Schluß 1:
Tatsächlich vertrete ich zu diesem Zeitpunkt den Standpunkt, dass die Showhypnose und vielleicht noch die medizinische Hypnose beispielsweise als Ersatz für medikamentöse Sedierung die einzig wirklich vertretbaren Anwendungsformen der Hypnose sind, da sie sehr eindrucksvoll zeigen, dass das menschliche Drama der Imagination und Einbildung, der Glaubenssätze und Überzeugungen aus dem Bewußtsein heraus nichts weiter als eine große Show ist, die immer wieder der suggestiven Bestätigung und Erneuerung, ja sogar einer stetigen Vertiefung des tranceartigen Zustands der vergeistigten Selbstidentifikation bedarf. Jedwede Anwendung als Therapieform ist im Grunde lediglich eine Umprogrammierung und ein Austricksen des Bewußtseins, als solches eine reine Symptombekämpfung und führt in keiner Weise dazu, dass der Betroffene Eigenständigkeit und selbstbestimmten Umgang mit sich selbst und der Ursache seiner Problematik erlernt. Im Gegenteil, er wird gezielt abhängig gemacht von einem künstlich erzeugten Mindset, das er dann entweder routiniert unbewußt oder auch ganz bewußt anwendet, so wie ein Medikament, beispielsweise eine Pille. Natürlich war auch das ursprüngliche Mindset das zu dem Problem führte ein künstlich erzeugtes, allerdings ist das einfache Überschreiben dieses Konzeptes keine Beseitigung der ganz individuellen, ursprünglichen Problematik.

Was die Rückführung und die Erinnerung an bestimmte Lebensereignisse der Vergangenheit einer Person angeht, die ja in den meisten Fällen auch notwendig ist um zu dem Ausgangspunkt einer sich entwickelnden Problematik zu gelangen, so sind die auf diese Weise erzeugten Bilder und Gefühle/Emotionen aufgrund der suggestiven Anleitung einer anderen Person und der mittlerweile veränderten Persönlichkeit/Wahrnehmung der befragten Person mit äußerster Vorsicht zu genießen und keineswegs als selbstverständlich real und wahrhaftig zu verstehen.

Man darf bei all der Faszination für die Wirkungsweise und den Einfluß des Unterbewußtseins nicht vergessen, dass auch das Unterbewußte einem Entwicklungsprozess unterliegt und sich eben an die Äußeren Umstände und die Einflüsse des gegebenen Umfeldes sozusagen angepasst hat. Und wenn die Systematik der äußeren Einflüsse nicht vollständig Vertrauenswürdig ist im Bezug auf die unterstützende, hilfreiche Strukturierung für eine gesunde Entwicklung eines Menschen, dann ist natürlich auch an der Vertrauenswürdigkeit des Unterbewußtseins selbst zu zweifeln, wenn man einen gesunden und hilfreichen Umgang damit anstrebt. Allzu oft bekommt man aber beim Studium der sich mit Hypnose befassenden Lektüre den Eindruck einer dogmatischen Überzeugung von einer ganz natürlichen 'Wohlgesonnenheit' des Unterbewußtseins, die sich in einem scheinbaren Glauben an eine übernatürliche und vor allem gütige Macht die das Unterbewußtsein erschaffen hat oder es in dieser Vorstellung sogar selbst ist, begründet.

Ich werde also zunächst versuchen, mich selbst in Trance zu versetzen indem ich für den Anfang vorgegebene Hypnose Skripte verwende. Zunächst geht es einfach darum den Zustand selbst zu erfahren um dann weiter damit arbeiten zu können. Danach werde ich aus ganz persönlichem Interesse Erinnerungen aus meiner Vergangenheit in mein Bewußtsein zu rufen. Persönliches interesse deshalb, weil ich vergleichsweise wenige klare Erinnerungen an beispielsweise meine frühe Kindheit habe. Ich möchte dann herausfinden, ob und inwieweit es mir möglich ist durch unterschiedliche Herangehensweisen in der Hypnosebefragung meine Erinnerungen an ein bestimmtes Ereignis zu beeinflussen und zu manipulieren und vor allem ob meine Überzeugung die Glaubwürdigkeit der Richtigkeit dieser Erinnerung jedesmal die gleiche sein wird. Natürlich wäre es notwendig mir sozusagen professionelle Hilfe zu holen, beispielsweise einen erfahrenen Hypnosetherapeuten, um eine gewisse Wissenschaftlichkeit in dieses Experiment hereinzubringen, doch zunächst muss diese Methode reichen. Meine erste 'Erfahrung' werde ich in meinem nächsten Blog beschreibend analysieren.