Donnerstag, 13. Dezember 2012

Tag 90/91 - Meine Experimente mit Selbsthypnose / Die Flucht ins Bewußtsein (T2)

This Is A Wake Up Call / Foter / CC BY-NC


Fortsetzung zu 
Tag 87/88/89 - Meine Experimente mit Selbsthypnose Einleitung (T1)


Teil 2 - Die Flucht ins Bewusstsein

Haben wir als Menschen uns eigentlich jemals gefragt wie es wäre, oder wie es sein könnte, völlig frei zu sein von den inneren Konversationen, die fast immer Konfliktcharakter haben, frei zu sein von den unbeabsichtigten Zweifeln, den Unsicherheiten und dem Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber wichtigen, lebensbestimmenden Entscheidungen? Haben wir jemals wirklich in Erwägung gezogen wie entmachtend und einschränkend sich diese Selbstgespräche auf uns und unser Leben auswirken und wie sinnvoll sie tatsächlich sind? Das Bestreben diese Unsicherheit und diese Wankelmütigkeit zu überwinden, indem wir eine Persönlichkeit entwickeln die eine Selbstsicherheit konstruiert welche auf kraftvoller Dominanz basiert und eher eine gewisse Starrsinnigkeit repräsentiert als eine bewusste, vernunftsbasierte, aus dem Moment heraus getroffene, richtungsweisende und selbstbestimmte Entscheidungsfähigkeit, führt weder zu einer profunden Selbstsicherheit und Authentizität, noch zu einem wahren Verständnis der Herkunft und Ursache des ursprünglichen Problems, das sich aus diffusen Ängsten und vorprogrammierten Befürchtungen konstituierte.
Das Leitmotiv dieser aus Angst geborenen Unsicherheit ist letztendlich immer das Selbstinteresse der Persönlichkeit, die in ihren grundlegenden charakterlichen Eigenschaften ja eine zutiefst verunsicherte, unvollkommene und unselbstständige Persönlichkeit ist, was dazu führt, dass dieses Selbstinteresse vor allen Dingen dem Verlangen nach Sicherheit und Vervollkommnung eben dieser unfertigen Struktur folgt. Da diese Persönlichkeit eine Vorstellung geformt aus den mit emotionalen Mustern verknüpften Gedanken des Bewußtseins ist die zwar geprägt wird durch die Erfahrungen des Menschen mit und in seinem Umfeld, aber dennoch getrennt von allem, isoliert in der Vorstellungswelt des Menschen zu existieren scheint, ist diese Art des Selbstinteresses ein Motiv das die Verfolgung der persönlichen Ziele über die Interessen der das Umfeld bildenden Gemeinschaft stellt, da die Persönlichkeit als Vorstellung des eigenen Bewusstseins die äußere Welt immer nur als Ressource für die Sammlung von Erfahrungen und Erlebnissen nutzt um die angestrebte Vollständigkeit als idealisierte Vorbedingung für die Selbstsicherheit zu erreichen.
Doch diese Art der Selbstsicherheit ist immer abhängig von der affirmativen Bestätigung der bestehenden, gesellschaftlichen und kulturellen Ordnung und deren Prinzipien. D.h., es ist eben keine Selbstsicherheit, sondern eine Abhängigkeit durch die die Person zu einem fremdbestimmten, durch Reaktionen, vorprogrammierten Erwartungshaltungen, Belohnungssystemen und Soll Erfüllung konstituierten Wertesystem wird.

Anna Fischer / Foter / CC BY-NC-ND
Dieses Prinzip der Selbstidentifikation in Abhängigkeit von bestehenden Wertesystemen wird dem Menschen bereits während der elterlichen Erziehung grundlegend untergejubelt. Denn betrachtet man gewöhnliche und übliche Erziehungsmethoden, dann erkennt man schnell, dass der Mensch durch angewandte Reizreaktion und Belohnungssysteme konditioniert wird, und weniger zu eigenständigem Denken, Handeln und organisieren durch freie Beobachtung angeleitet wird, denn das würde voraussetzen, dass die Eltern, bzw. die erziehungsberechtigten Personen einen wahrhaftigen Vorbildcharakter erfüllen, indem sie die zu vermittelnden Prinzipien und Werte tatsächlich Vorleben. Interessanterweise laufen aber die Werte die wir unseren Kindern vermitteln möchten, die menschlichen Ideale, Moralvorstellungen, Mitgefühl, Empathie, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Respekt in vielerlei Hinsicht konträr zu den realen Bedingungen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Das kommt nicht zuletzt daher, dass diese Werte die wir uns als Menschen zuschreiben möchten lediglich in unserer Vorstellung existieren und daher einen humanistischen Idealismus repräsentieren, den wir nur durch tatsächliches Leben eben dieser Eigenschaften verwirklichen könnten. Doch daran hindert uns eben die scheinbare Isolation unserer selbst in unserer gedanklichen Selbstwahrnehmung als reine, bildhafte, ideologische Vorstellung einer Person. Es kommt daher immer wieder zu dem inneren Konflikt mit der Wirklichkeit, da wir spüren, dass unsere verinnerlichten Ideale der Selbstwahrnehmung von uns als Mensch, mit der gegenläufigen Wahrhaftigkeit des realen Gesellschaftslebens kollidieren. Dabei ist diese Manifestation des tatsächlich realen gesellschaftlichen Lebens eine Projektion der Wahrhaftigkeit unserer Existenz als menschliche Wesen, die ihre Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit zu Gunsten des Rückzugs in die innere, gedankliche Interpretation unserer selbst und der Welt abgeben, und nun sozusagen mit leeren Händen dem Leben gegenüber stehen, und spüren das sie nun immer mehr an Grund und Substanz verlieren, da sie alle Werkzeuge die sie zu handlungsfähigen, eigenständigen und vernunftsbegabten Wesen werden lassen aufgegeben haben.

Diese Werkzeuge sind tatsächlich Werkzeuge des Bewusstseins, wobei sie gleichermaßen dazu dienen können, die Verlockungen der Selbstaufgabe durch den Rückzug in die innere Gedankenwelt und das Bilden überwertiger Ideen der Selbstidentifikation als eine lediglich aus Gedanken konstruierte Persönlichkeit und der Verneinung aller realen Bedingungen und Konsequenzen zu überwinden. Dieser Schritt aber würde bedeuten, zu einem wahrhaftig lebendigen Wesen zu werden, und zwar durch die selbstbestimmte Entscheidung das Bewusstsein, das menschliche Potential zu benutzen um das Leben als das was es ist zu würdigen und zu verwirklichen, in einem selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Prozess, anstatt vom eigenen Bewußtsein benutzt zu werden. Diese Entscheidung bringt zwingend die Einsicht in die Einheit und die Gleichwertigkeit allen Lebens mit sich, da sie zu selbstehrlicher Selbstschau und dem Erkennen der Konsequenzen des eigenen Handelns, bzw. der eigenen Handlungsmotivation in größtmöglichem Umfang befähigt. Das ist im Grunde keine schwer zu erlangende Erkenntnis, bzw. ist sie eben genau so schwer zu erkennen, wie der Aufwand schwer war der getrieben wurde um sich selbst vor dieser Einsicht zu verstecken und sich in Ignoranz zu schulen. Erstaunlich. wieviel unserer Energie, unserer Lebenszeit und unserer Ressourcen wir allein darauf verwenden uns vor den Konsequenzen unserer eigenen Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit zu bewahren. Nicht nur, dass wir vor ihnen davonlaufen, dass wir einen Lebensstil kreieren der fast gänzlich auf der Ausbeutung Schwächerer, bzw. dem Erzeugen eines Machtgefälles in erster Instanz und der daraus folgenden Ausbeutung dieser gewaltsam 'Besiegten' Teile der Weltbevölkerung begründet ist, nein, wir haben auch ein System geschaffen, dass es den mächtigsten dieses brutalen und gewalttätigen Eroberungzuges, den sogenannten reichsten Ländern, was innerhalb dieser Systematik gleichbedeutend ist mit einflussrecihsten Ländern - (was ja nicht unbedingt gleichbedeutend sein müsste, wenn man es einmal wagt aus der Box herauszudenken wird man das schnell verstehen) - erlaubt sich von den realen Konsequenzen sozusagen freizukaufen. Dadurch werden natürlich nicht dei Konsequenzen selbst beseitigt oder in Luft aufgelöst, denn die Wirklichkeit ist unbestechlich, das Leben, die Realität des Lebens lässt sich nicht beeindrucken von mentalen Wahnideen, sondern sie werden lediglich weit weg abgeschoben, verlagert, auf andere Lebewesen umgewälzt, die dann die schwere Last der Konsequenzen unseres verantwortungslosen Missbrauchs am Leben zu ertragen haben. Das ist unsere Welt, das ist unsere Realität, so stellt sie sich alltäglich unumstößlich dar. Ob es nun die auf monopolistischen Profitgeschäften begründeten Hungersnöte der ausgebluteten Menschen in Teilen Afrikas und Südamerikas, die unter unwürdigsten Bedingungen für einen Hungerlohn schuftenden Kinder, Frauen und Männer Indiens, Vietnams oder Chinas sind, ob es die verpestete Luft industrieller Ballungszentren oder die allgemeine Vergiftung und Zerstörung der weltweiten Ökosysteme im Namen einer Vernichtungsmaschinerie die wir 'Wirtschaftswachstum' nennen ist, ob es der tagtägliche Holocaust an den Tieren den wir im Namen einer überflüssigen, würdelosen Überflußproduktion von billigen Nahrungsmitteln und der illusionären Aufrechterhaltung sogenannter 'Vielfalt' als Konsum-Zeichen einer fortschrittlich zivilisierten Kultivierung ist, all das sind tragische, aber sehr reale Konsequenzen menschlicher Handlungsweisen, menschlicher Entscheidungen und Toleranzen. Nichts davon aber birgt auch nur ein Fünkchen von dem in sich, was wir uns hinter der Stirn, hinter all den imaginären Selbstrechtfertigungen und Scheinlegitimationen unserer Mitläuferschaft an menschlichen Werten einbilden. Nichts dieses imaginären Wertes und schon gar nicht der ÜBER-Wert den wir uns als Menschen zuschreiben ist real. Zu sagen 'wir könnten aber...' bedeutet gar nichts, denn erst das gelebte Wort macht uns wirklich zu Menschen. Erst die Tat ist lebendig. 

Derzeit sind wir nichts weiter als eine kranke Spezies, erkrankt durch unnatürliches, dem Lebensdrang widerstrebendes Verhalten das wir uns selbst aufzwingen. Wir leiden unter einem Hospitalismus der aus den eigens geschaffenen Zwängen entsteht, ohne dass wir ihn als eine pathologische Erscheinung verstehen würden. Wir nehmen ihn stattdessen als unsere Natur wahr und glauben machtlos gegen sie zu sein. Doch letztlich zeigen wir selbstzerstörerisches, sinnloses, aggressiv-mörderisches Verhalten, etwas, das man sonst fast ausschließlich bei Lebewesen feststellt, die unter lebensunwürdigen, widernatürlichen Bedingungen gefangen, gequält, gefoltert oder ausgehungert werden.

Fortsetzung folgt...

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Kommentare:

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  2. Auf den Punkt gebracht! Vielen Dank Bastian! (Beim vorherigen Kommentar ist was daneben gegangen - darum 'gelöscht')

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