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Donnerstag, 23. Januar 2014

Tag 166 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen [Exkurs 1: Verhaltensmuster 'Arroganz']

De kleine rode kater / Foter.com / CC BY-NC-ND


Ein Exkurs zum Thema aus aktuellem Anlass.


Erlernt - kultivierte Arroganz

Die Überheblichkeit mit der Menschen anderen Menschen gegenübertreten ist in den Meisten Fällen durch völlig illusorische Annahmen begründet, deren Zusammenhänge und Wertmaßstäbe einzig in dem Glauben an und durch die Aufrechterhaltung von tradierten Denkmustern ihre Gültigkeit haben. Das heißt natürlich, dass die Arroganz auch nur in solchen Kreisen in denen alle unmittelbar einbezogenen Menschen sich an diese Traditionen gebunden fühlen – was ihnen völlig frei steht, da diese lediglich Glaubenssätze ohne jeglichen Bezug zur Wirklichkeit des tatsächlich passierende Lebens sind - Wirkung haben kann. Die Wirkung von Arrogantem Verhalten, die beabsichtigt und gezielt eingesetzt ist, ist die, dass sich die der Arroganz ausgesetzten Menschen herabgewürdigt, minderwertig und unsicher fühlen sollen, um der arroganten Person die Voraussetzung zu bieten, trotz eigener Unsicherheiten und Schwächen das gewünschte Selbstbild eines selbstbestimmten, selbstbewussten und unabhängigen Menschen darstellen zu können. Es mag wie eine Unterstellung klingen, dass ein arroganter Mensch immer auch von Verunsicherungen und dem Wissen um die eigenen Unzulänglichkeiten geplagt und getrieben ist. Doch wenn man sich selbst genug versteht, sich selbst beobachtet sowohl in der eigenen Reaktion auf arrogantes Verhalten als auch in den Momenten in denen man sich selbst überheblich gezeigt hat, dann sucht man vergeblich – sofern man die Selbstbeobachtung aufrichtig und selbst-ehrlich durchführt – nach einem abweichenden Motiv das als Rechtfertigung in einem vernunftbasierten, dem Verstand folgenden Sinne gültig wäre.
Das Selbstbild, das man durch Arroganz nach außen zu 'senden' versucht, ist nicht einmal vollständig repräsentiert im Moment des arroganten Verhaltens, es muss nicht einmal direkt im erlebbaren Moment gespielt werden, es ist kein präsentes Programm das tatsächlich hier als eine Person mit den jeweiligen Fähigkeiten oder Eigenschaften erkennbar wäre, sondern es ist eine in die Zukunft oder Vergangenheit projizierte Unterstellung, oder besser gesagt Anmaßung, ein so tun als ob diese Person die überlegen, erfolgreich und der Sieger dieser Situation ist bereits in der Zukunft oder der Vergangenheit existieren würde. Das, was man im Moment des Erlebens einer arroganten und überheblichen Person wahrnimmt oder wahrnehmen kann, ist lediglich das als Arroganz und Überheblichkeit bezeichnete charakteristische Verhalten. Das floskelhafte, herablassende Abwerten von Standpunkten anderer, die Ignoranz gegenüber Vernunft und notwendiger Flexibilität, die Unfähigkeit sich auf neue Bedingungen einzustellen, und oftmals das Ignorieren einzelner Personen und ihrer Bedürfnisse oder Äußerungen. Dieses Veralten ist das einzige, egal in welchem Kontext sich ein Mensch arrogant verhält, das charakteristisch wahrnehmbar ist und das diese Person tatsächlich in diesem Moment ausmacht. Es ist ein Verhaltensmuster das dem Umfeld etwas weiszumachen versucht, einen Glauben erzeugen will. Es ist der verzweifelte Versuch eines maroden, frustrierten und panischen Egos das Wunschbild des Selbst durch Projektion in der Wahrnehmung anderer Wirklichkeit werden zu lassen.

Wenn dieser Versuch in regelmäßigen Abständen funktioniert, wenn das Umfeld auf das überhebliche Verhalten reagiert, wenn es Wirkung zeigt – ob das Ablehnung oder Bewunderung ist spielt kaum eine Rolle, denn letztendlich geht es um die Wirksamkeit an sich, um die Relevanz des eigenen Daseins durch jedwede emotionale Reaktion – dann kann diese Persönlichkeitswahrnehmung zu einer dauerhaften Selbstidentifikation werden, so dass dieses Verhalten nicht mehr bewusst angewandt wird, sondern zur Persönlichkeit selbst, auch in der eigenen Selbstwahrnehmung gehört. Das kann dann so weit gehen, dass dieser Mensch sich in jeder Situation arrogant, überlegen oder überheblich aufspielt, selbst in Bereichen in denen er oder sie sich überhaupt nicht auskennt und sich durchaus auch der Lächerlichkeit preisgeben könnte – was natürlich auch passiert, aber wie eben bereits erwähnt, ist auch die Belustigung anderer in der Nachschau eine relevante Reaktion die durchaus ihren Zweck der Rückversicherung über die Wertigkeit der eigenen Existenz als diese Person erfüllt.
Man kann aber nicht genug betonen, wenn man das Verhalten arroganter Personen analysieren möchte, wie wichtig dabei die Unterstützende Rolle des Umfeldes ist, die eine Entwicklung einer solchen Persönlichkeitsstruktur überhaupt erst möglich macht. Der Freundeskreis der dieses Verhalten duldet und bisweilen sogar bewundert, die Familie die mit Stolz die Überheblichkeit welche auf sozialem und beruflichen Status gründen mag fördert, und vor allem auch die gesellschaftlichen und kulturellen Dogmen, werte und Normen welche eine Wertabstufung und Kategorisierung von Menschen statuieren. Beispielsweise in der Geschlechterrolle des Mannes gegenüber der der Frau, der Abwertung der Frau gegenüber dem Mann, eine über Jahrhunderte 'geduldete' erlaubte und zugelassene Diffamierung die es Männern ermöglichte, quasi als angeborenes Attribut von Kindes Beinen an Arroganz und Überheblichkeit als Teil ihrer 'Natur' zu kultivieren. Die Folgen sind so vielfältig und zerstörerisch für die Entwicklung der gesamten Bevölkerung, dass man mehrere Bücher mit den Ausführungen darüber füllen könnte. Der Stillstand, die Rückständigkeit und zerstörerische Kraft dieser patriarchalischen Geistesstörung ist kaum in Worte zu fassen. Wir haben die Folgen auch heute noch nicht im Ansatz überwunden.
Arroganz ist ein Selbstschutz. Sie ist im Grunde ein aggressiv-defensives Verhaltensmuster das der Abschottung und der Abwendung von Gefahr dient. Die Gefahr ist natürlich die Entlarvung und Bloßstellung der wahrhaftigen Persönlichkeit, des eigentlichen Innenlebens und der tatsächlichen Fähigkeiten der betreffenden Person.
Arroganz ist also ein erlerntes Verhalten an dessen Genese das Umfeld einer Person ebenso beteiligt ist wie die Persönlichkeit selbst. Die Verantwortung für die Entwicklung solcher Persönlichkeitsstörungen* liegt also bei allen beteiligten Personen des direkten Umfeldes einer Person, als auch in der der gesamten Gesellschaft die in ihrer kulturellen Ausrichtung der Werte und Normen eine derartige Entwicklung mit trägt und auch fördert.


*Persönlichkeitsstörung deshalb, weil die Ausprägung und Wirkungsweise arroganten Verhaltens eine Belastung für die Gemeinschaft darstellt, ebenso wie für die betroffene Person selbst, die durch den Verlust oder Mangel an Selbstwertgefühl, an Identifikation mit der Gemeinschaft des Lebens fremdbestimmt zum Opfer der gewählten Rolle wird und somit ihre Eigenständigkeit und Selbstbestimmung verliert. Arrogantes Verhalten erzeugt Ablehnung, Frustration und Feindseligkeit, aber auch heimliche Bewunderung wenn die reagierende Person selbst wünscht ein solches Maß an Arroganz und falschem Selbstbewusstsein aufbringen zu können. Da beides aber nicht real ist, erliegt auch die bewundernde Person dem Irrtum und bremst, beurteilt und hemmt sich dadurch selbst in der eigenen Entwicklung und Selbstbestimmung.

Fortsetzung folgt...


Montag, 30. Dezember 2013

Tag 161 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen Teil 3

"lapolab" / Foter.com / CC BY-NC


Fortsetzung der Reihe:

Tag 160 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen Teil 2

 Auszug:

...In einer Wissenschaft aber, die von eben diesen Strukturen existenziell getragen wird ist so etwas wenig bis gar nicht zu erwarten, sie wird sich vielmehr damit befassen Methoden und Möglichkeiten zu finden, die den Menschen in dem derzeitigen Stadium seines Verhaltens, seines Denkens und Handelns, also seinem psychologischen Ist.Zustand belassen, so dass die Systeme und Strukturen die Wissenschaft und vor allem hier die Psychologie 'erforderlich' und wichtig machen erhalten bleiben.


Wir müssen also schon aus Gründen der Glaubwürdigkeit und der Achtung vor dem Menschen damit aufhören so zu tun als ob wir eine Wissenschaft mit anwendbaren, heilenden Erkenntnissen hätten, denn diese Vortäuschung falscher Tatsachen hat fatale Folgen für all die Menschen die Hilfe benötigen, die eine Anleitung zur Selbstanalyse benötigen und sich vertrauensvoll in die Hände der Institutionen begeben. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir diesen Instanzen rechtliche Privilegien eingeräumt haben, die jedem einzelnen Menschen einer Gesellschaft unter gewissen Bedingungen seine Grundrechte entziehen und ihn gegen seinen Willen Therapien unterziehen können, und über die Bedingungen entscheiden ebenfalls diejenigen, die diese Wissenschaft erlernt haben und sie betreiben.

Die Selbsterkenntnis die zur Selbstheilung befähigen würde ist möglich. Sie ist nicht nur möglich, sondern sie ist auch notwendig, wenn die Menschen sich von einer Gesellschaft bestehend aus verängstigt verunsicherten, von Institutionen abhängig gemachten Bürgern zu einer mündigen, eigenständigen Gesellschaft die sich als Einheit wahrnimmt, deren einzelne Bürger verantwortungsbewusst und selbstbestimmt dem Wohl der Gemeinschaft widmen und darin eben durch ihre eigene Eigenständigkeit und Individualität aufgehen entwickeln soll. Und das sollte der Zielzustand einer jeden Gemeinschaft die sich als aufgeklärt und demokratisch sieht sein.
Dafür ist die selbstgewählte Entscheidung jedes einzelnen Individuums zur eigenständigen Erforschung des Selbst und des eigenen Seelenlebens unter der Voraussetzung selbst-ehrlicher Betrachtung erforderlich. Selbst-ehrlich und eigenverantwortlich, nur dem wahren Selbst gegenüber Rechenschaft schuldig und damit eigenständig. Wahres Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen kann nur aus einer solchen, von innen gerichteten Entscheidung entwickelt werden, es kann nicht durch Belehrung und Anweisung von außen geschehen, denn dadurch entwickelt sich immer eine Abhängigkeit von einem anderen Menschen, von einem im Grunde gleichgestellten. Dieser Widerspruch der Überlegenheit kann also nur künstlich geschaffen und erhalten werden. Aus diesem wahren Selbstbewusstsein aus Eigenverantwortlichkeit in jeder Beziehung ergibt sich die Integrität und Vertrauenswürdigkeit eines Menschen und letztlich auch wahrhaftiger Individualismus, persönliche Freiheit und selbstbestimmte Entfaltung. Derzeit ist in unserer Welt nichts und niemand frei, selbstbestimmt oder individuell. Diese Werte wie wir sie propagieren sind keine gelebten Werte, sie existieren nur in der Vorstellung und der Erwartung.. Es mag freiere und weniger freie Menschen geben, durch innere aber vor allem auch äußere, aufgezwungene Umstände. Aber der Weg zu wahrer Freiheit in Einheit als Mensch und Teil des gesamten Lebens muss selbst gewollt und gewählt werden in einer bewussten Entscheidung als ein Versprechen an sich selbst. Nur so kann der Mensch sich und seine Gemeinschaft, die Gesellschaft und letztendlich die Menschheit befreien.
Der einzige und schwerwiegendste Hinderungsgrund der Angst einflößend generiert und kultiviert wird ist der, dass man in dieser Entscheidung jede Möglichkeit der Schuldzuweisung und Anklage, der Suche ach Gründen im Äußeren aufgeben muss und zwar endgültig. Es gibt dann keine Entschuldigung und keine Flucht vor der eigenen Verantwortung mehr. Die hat es auch nie wirklich gegeben, aber man entscheidet sich, sich selbst diese Illusion zu nehmen.
Es ist einfach das. Immer wieder den Grund bei sich selbst zu suchen. Jedes mal wenn sich der innere Zorn, die Wut und Aggression gegen jemanden richtet innezuhalten und in sich zu schauen, den Verstand zu benutzen um die Empfindungen und ihre Wurzeln bis zum Ursprung zu verfolgen, sich selbst gegenüber jede Möglichkeit der Eigenverantwortung an ihrer Entstehung aufrichtig einzugestehen, nach der Verantwortung zu forschen und ihr gegenüberzutreten selbst wenn die Angst überwältigend scheint. Und es ist ein Forschen, ein Bohren, man wird Krusten und Wunden aufbrechen müssen, denn diese Vernarbungen die die klare Sicht auf die Eigenverantwortlichkeit versperren sind über Jahrzehnte gewachsen und gepflegt worden. Immer wieder aufgebrochen hat man Übung darin bekommen sie schnell und sicher wider zu verschließen nur um sich gleich in die nächste Ablenkung zu stürzen, nur um für den Schmerz der Verwundung verantwortliche und schuldige zu suchen. Aus dieser fortwährenden Selbstverletzung ist dieses vernarbte, aggressive und hinterhältige Wesen der Ego-Persönlichkeit geworden dessen Fassaden und verkleidete, maskierte Spielfiguren sich gegenseitig die Welt vorgaukeln die wir die unsere nennen. Daher ist unser Streben ein einziges Unterhaltungstheater des Geistes, daher brauchen wir Religionen und spirituelle Fantasien um unseren Schmerz der uns innerlich plagt zu betäuben. Und wenn uns das dann einigermaßen gelingt, sehen wir in diesem oberflächlichen Erfolgserlebnis unsere Bestimmung, sehen in dieser Selbstberauschung das evolutionäre Heil des Menschen. In alles und jedes wollen und müssen wir Vorstellungen überwertiger Natur projizieren. In die Waren und Artikel unserer industrialisierten Konsumkultur, in unsere Beziehungen zueinander, die Liebe, die Familie, alles wollen wir verherrlicht sehen, strahlend in unserem Bewusstsein, banal in der reinen Wahrnehmung, weil wir das Wirkliche, das wahrhaftig Schöne nicht mehr ertragen können, stellt es sich uns doch direkt als Gleiches dar, als Teil von uns Selbst. Selbst in die Natur, unsere alleinige Lebensgrundlage fantasieren wir übernatürliches hinein. Alles nur um uns nicht der Wahrhaftigkeit unserer eigenen Verantwortlichkeit und der gewollten Unfähigkeit zur Mündigkeit stellen zu müssen.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Tag 160 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen Teil 2

Research Report Series: Therapeutic Community / Foter.com / Public domain


Fortsetzung zu:

Tag 159 - Psychologie aus der Sicht eines Nicht-Psychologen Teil 1

 Auszug:


In der Werbung beispielsweise werden gezielt psychologische Erkenntnisse benutzt, um Menschen für ein bestimmtes Produkt zu begeistern. In einer Welt/Kultur des Überflusses, des nicht enden wollenden Konsums, sind es längst nicht mehr die realen Eigenschaften oder der die realen Werte eines Produkts die den Kunden zum Kauf veranlassen, sondern um das Produkt herum wird eine Aura der imaginativen Eigenschaften und Werte erzeugt, das Produkt erlangt ideellen oder Kult -Status. Doch nicht nur diese Erzeugung der künstlichen Bedürfnisse ist ein Werkzeug der einseitig 'von oben herab' angewandten Psychologie, sondern die Entwicklung des Menschen selbst, seines Bewusstseins und seiner Persönlichkeit wird bereits von Kindesbeinen an mit psychologischen Methoden gezielt beeinflusst, so dass beispielsweise die Ängste und Unsicherheiten des Menschen in einer Gesellschaft wie der unseren durch den Glauben an die Funktionalität und Vertrauenswürdigkeit von Institutionen beruhigt werden sollen, welche dann wiederum im Sinne der Systeme arbeiten, die den Menschen lenken, manipulieren und benutzen wollen, bzw. die überhaupt erst zu der Problematischen Situation des gelenkten Menschen geführt haben.



So ist die Therapie für psychische Auffälligkeiten und Krankheiten großenteils eine Zurückführung in/auf eine Denkstruktur, die sich funktional in die bestehenden Systeme eingliedert und führt nicht zu einem Selbst-Verständnis, führt nicht zur Befreiung des Individuums von der Kontrollmöglichkeit der 'Besser-Wissenden', sondern lässt ihn in dem Glauben nun, da er/sie wieder einigermaßen sozial interagieren kann, geheilt oder zumindest auf dem Weg der Genesung zu sein, auf dem Weg zu einem Ziel, das es in dieser Form überhaupt nicht gibt. Denn einen psychisch gesunden Menschen gibt es nicht, diese Art der Klassifizierung liegt überhaupt nicht im Ermessen irgendeines Menschen. Lediglich durch künstlich oder auch zwangsweise/gewaltsam erzeugte Hierarchien und Machtverhältnisse, wie beispielsweise durch das Zurückhalten oder Manipulieren von Information und wissenschaftlichen Erkenntnissen, kann der Eindruck einer Überlegenheit erzeugt und ein falsches Vertrauensverhältnis zu dem Therapeuten/der Therapeutin erzwungen werden, das den Eindruck erweckt man könne ein solches Ziel durch Anpassung und Hörigkeit erreichen. Und in kaum einem anderen wissenschaftlichen Bereich ist diese Lüge der Erhabenheit so extrem widersprüchlich zur Wirklichkeit wie in der Psychologie.
So hat jede Form der Psychotherapie den unangenehmen Beigeschmack einer Manipulation, oder zumindest einer Bevormundung, oder aber im geringsten Fall einer Nutzlosigkeit, einer Placebo-Maßnahme die keinem anderen Sinn dient, als der Gewissensberuhigung der Gesellschaften einerseits und der Rechtfertigung des Berufsstandes der Psychologen unter der Annahme einer existierenden gesunden Psyche des Durchschnittsbürgers andererseits. Denn in welchen Bereich der Psychologie, der akademischen Psychologie so wie sie an Universitäten gelehrt wird, man auch vordringt, man kann nicht umhin einzusehen, dass es ein abschließendes Wissen, oder auch ein nur annähernd ergründendes Wissen über die Psychologie des Menschen, die psychischen Vorgänge, die Ursprünge der Gedanken und die Art der Selbstwahrnehmung, der Bewusstheit und ihrer Herkunft nicht gibt.
Was also weiß mein Gegenüber, der Psychotherapeut, der Analytiker oder der Psychiater von mir und damit auch von sich selbst, von seinen eigenen innersten Vorgängen, den Beschaffenheiten seiner emotionalen Gefüge, der Gedanken und Erinnerungen, seiner Wahrnehmungswelt und seiner Wirkung auf mich und andere, vor allem aber auf sich selbst?

 
Natürlich können immer nur einige wenige sich Zeit ihres Lebens intensiv mit Experimenten und Forschung in dem Bereich der Psychologie, des Verhaltens und Erlebens des Menschen befassen, dafür muss eine Gesellschaft ja auch diese Möglichkeiten und Ressourcen zur Verfügung stellen daraus einen Beruf oder eine Berufung machen zu können. Die Frage aber bleibt, was dann mit / aus den gewonnenen Erkenntnissen wird, wozu man sie verwendet und wem man diese Erkenntnisse zur Verfügung stellt. Vor allem aber auch was passiert, wenn die Erkenntnisse die grundlegend akzeptierten Normen und Sichtweisen unserer Gesellschaft, des Menschen an sich in Frage stellen oder sie sonst irgendwie erschüttern? Ist eine Wissenschaft überhaupt langfristig ernst zu nehmen und tragbar, wenn sie nicht gleichermaßen auch bereit ist, die kulturellen, sozialen gesellschaftlichen Strukturen aus denen sie sich entwickelt offen zu hinterfragen und wenn nötig sogar zu verwerfen? In einer Wissenschaft aber, die von eben diesen Strukturen existenziell getragen wird ist so etwas wenig bis gar nicht zu erwarten, sie wird sich vielmehr damit befassen Methoden und Möglichkeiten zu finden, die den Menschen in dem derzeitigen Stadium seines Verhaltens, seines Denkens und Handelns, also seinem psychologischen Ist.Zustand belassen, so dass die Systeme und Strukturen die Wissenschaft und vor allem hier die Psychologie 'erforderlich' und wichtig machen erhalten bleiben.

...Fortsetzung folgt!


Mittwoch, 2. Oktober 2013

Tag0149 - Die Reiz-Reaktionsmaschine Mensch o.: Leben in der Zeitschleife

DerrickT / Foter / CC BY


An Erinnerungen festzuhalten oder besser gesagt fest zu kleben bedeutet nicht immer, dass man die Erinnerung wie einen Film oder wie Bilder eines Geschehens im Kopf behält. In vielen Fällen sind die Erinnerungen einem nicht einmal direkt als solche gegenwärtig. Dennoch sind sie vorhanden und man hält an ihnen fest als Teil der eigenen Persönlichkeitsstruktur, als Teil des Systems als das man sich selbst sieht und sich selbst repräsentiert. Die emotionalen Verknüpfungen mit den jeweiligen Erinnerungen treten als Charaktereigenschaften zu Tage indem sie durch Vergleichbare Schlüsselerlebnisse in der Gegenwart, im Hier und Jetzt hervorgerufen werden und man auf völlig andere Gegebenheiten und Situationen spontan mit einer emotionalen Wallung reagiert die im Grunde zu einer ganz anderen, längst vergangenen Situation gehört. Und selbst da kann man nicht einfach so sicher sein, dass nicht auch diese Erinnerung emotional getriggerte Reaktionen hervorgerufen hatte die bereits zuvor festgelegt und programmiert wurden, dass eben der Verlauf gerade dieses Erlebnisses besondere Aufmerksamkeit bekommen hat und deshalb als Schlüsselerlebnis in der Erinnerung gespeichert wurde. 

Vor allem in Konfliktsituationen mit anderen Menschen, wenn man sich beleidigt, provoziert oder ungerecht behandelt fühlt, wenn Worte dich verletzen, dann kann man sicher sein, dass diese Reaktion, die Wut, der Zorn und der Ärger bereits in dir selbst angelegt sind, dass sie von dir selbst und allein von dir gestartet und gehalten werden als eine erlernte Reiz-Reaktion, eine Konditionierung sozusagen auf ein bestimmtes Verhalten anderer, ein Wort, eine Geste, einen Blick, die Konflikte, Unsicherheiten und Unzufriedenheiten mit dir selbst aufwühlen und hervorholen und anstatt diesen Moment dazu zu nutzen sich selbst zu erkennen, die eigenen inneren Mechanismen, Programme und Fremdbestimmungen zu verstehen und sich von ihnen zu befreien reagiert dein Ego umgehend mit einer verblendenden Selbstschutzmaßnahme indem es eine Erinnerung, einen Film, eine Geschichte hervorkramt, sie vor deinem inneren Auge abspielt und dich in blinder Art auf eine längst vergangene Situation reagieren lässt, dich sozusagen in eine Zeitschleife schickt. Man gibt sich in solchen Momenten der Steuerung durch Gedankenkonstrukte hin die zum Zweck des Selbsterhalts einer Fiktion, nämlich der rein gedanklichen Identität deiner Charakter- und Persönlichkeitsstruktur dienen soll. Dadurch verlebt man seine Momente als fremdgesteuerter Zombie, als Maschine ohne Selbstbestimmung, ohne eigenen Willen, ohne Individualität. Nach dem selben Prinzip funktionieren selbstverständlich auch alle ähnlichen Reizreaktionsmomente die durch das Ego bestimmt sind, die durch die Werbung hervorgerufenen Einbildung und emotionalen Halluzinationen, die Wünsche und Ideale, die Werte einer gesamten Konsumgesellschaft sind durch solche Bilder der Erinnerung und durch gezielte emotionale Verknüpfungen konstruiert und manipuliert, so dass im wahren Leben eine Reaktion des Neids, der Minderwertigkeit aus mangelndem Besitz, der Überlegenheit und der Macht hervorgerufen wird indem man völlig banale, meist überflüssige und nutzlose Produktionsartikel und Waren erwirbt, sich vor das Haus stellt, um den Hals hängt oder in der Tasche mit sich herumträgt. Diese Programmierungen kann man hervorragend offensichtlich bei Kindern beobachten, die zu nahezu hilflosen und auch Schutzlosen Opfern unseres wahnwitzigen Wirtschaftssystems geworden sind und deren mentale Programme gezielt attackiert und manipuliert werden damit sie sich völlig nutzlose, unsinnige, oftmals ungesund giftige und maßlos überteuerte Dinge wünschen, sich danach sehnen diese zu besitzen nur und allein aus einer Emotion, aus einem Gefühl heraus dessen Zusammenhänge und Ursachen offensichtlich rein mentaler und gedanklicher Natur sein müssen, die in ihrer Gedankenwelt ganze Geschichten erzählen und sie nahezu in Trance versetzen welche beinahe unmittelbar nach Erwerb dieses Gegenstandes endet ebenso wie das Interesse an eben diesem. Ein Kind verliert allerdings nie völlig das Interesse an frischer Luft, am Spielen unter freiem Himmel, an Stöcken, Bäumen, Laub, Wiesen und Bächen. Es bedarf aber auch keiner Geschichten, keiner Manipulation um sie auf diese Idee zu bringen auf einen Baum zu klettern oder in einem Bachlauf zu waten. Allerdings sind solche natürlichen und gesunden Verhaltensweisen in keiner Weise der Konsummaschinerie unserer zerstörerischen Lebensweise zuträglich.
Aber wie sollten wir auch unsere Kinder vor diesen Manipulationen und gezielten Attacken auf ihre sich entwickelnden Persönlichkeiten schützen, wo wir doch selbst nicht verstehen warum wir so sind wie ir sind, warum wir so denken wie wir denken und warum wir so emotional reagieren wie wir das tun? Wie sollen wir unseren Kindern eine Anleitung zu Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung geben wenn wir diese Begriffe nur oberflächlich und symbolisch gebrauchen, sie aber überhaupt nicht leben? Wie sollten wir uns selbst erklären, dass wir zwar solche Werte menschlicher Existenz wie Selbstbestimmung und eigenverantwortliches Verhalten unseren Kindern lehren wollen, aber andererseits Schöpfer und Unterstützer dieses Systems der Massenmanipulation, der Zwangsversklavung und Unterdrückung sind? Wir können es nicht! Und daher fliehen wir entweder in die totale Ignoranz der Selbstherrlichkeit und spielen einen soziopathischen Patrioten der Überzeugung heuchelt und offen in paranoiden Parolen Schuldige für die Beschmutzung eines sonst so herrlichen Systems sucht und herbeiredet, oder aber indem wir uns als Opfer darstellen, als hilfslose Mittäter und Kollaborateure die nur zum Zweck des eigenen Überlebens handeln würden. Es gibt noch weitere Fluchtmöglichkeiten, doch alle haben sie eins gemeinsam: sie sind Illusionen. Du kannst vor deiner Verantwortlichkeit nicht fliehen, sie wird dich immer einholen, spätestens im Tod. Die Konsequenzen dieses Lebens sind real, sie treffen uns alle und damit einen jeden. Die Verantwortungslosigkeit unserer Generation wird das Leid unzähliger Menschen und Tiere zur Folge haben, unsere eigenen Kinder werden die Konsequenzen tragen müssen und noch die vieler weiterer Generationen. Sich in der heutigen Zeit für den Erhalt der althergebrachten Systeme einzusetzen bedeutet, dass man entweder intellektuell tatsächlich verblödet, oder aber ein sadistischer Soziopath ist der dringend der professionellen und unterstützenden Hilfe bedarf, der aber unter allen Umständen von einflussreichen Entscheidungspositionen ferngehalten werden muss. Unglücklicherweise sind derzeit gerade diese Soziopathen es, die die einflussreichsten Positionen in der Wirtschafts- und Finanzwelt besetzen. Die Welt steht Kopf. Es wird Zeit, dass wir aufwachen, aufstehen und unsere Verantwortung als Menschen, als Eltern, Brüder und Schwestern für und als das Leben übernehmen.



Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe in meiner emotionalen Reaktion auf Worte oder Verhaltensweisen anderer Menschen nicht die eigenen Persönlichkeitsprogramme wirken zu sehen,sondern meine Reaktionen und meine Emotionen auf diese Menschen zu projizieren, sie als Ursache und Schuldige für meinen Zustand zu sehen und mich entsprechend ablehnend und aggressiv zu verhalten.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es erlaubt und es zugelassen habe in diesen emotionalen Reaktionen nicht die Möglichkeit der Selbstbefreiung zu sehen die sie darstellen, sondern mich in der Emotion der Wut beispielsweise verloren zu haben, diesen Zustand emotionaler Verwirrung und gedanklicher Raserei als real, als wirklich und substantiell gesehen zu haben obwohl im Moment gedanklicher Raserei das Leben aus der Hand gegeben an mir vorbeizieht während ich in gedanklichen Strukturen gefangen wie in einer Trance innerliche Fantasiewelten durchleben und dabei meine Selbstbestimmung, meine Eigenverantwortlichkeit und schlicht mein Leben völlig ignoriere.

Ich bestimme mich selbst als Mensch und als das Leben in Momenten persönlicher Begegnungen in denen ich mich provoziert, beleidigt oder in irgendeiner Art emotional manipuliert fühle innezuhalten und nicht umgehend zu reagieren, zu atmen und mir die Vorgänge dieser emotionalen Reaktion vor Augen zu halten, die Kette der Erinnerungen und Zusammenhänge die mir innerlich immer zugänglich sind nicht zu ignorieren sonder sie zu erkennen und zu verstehen, so dass ich mir klar werden kann, dass ich selbst Herr dieses meines Momentes bin, dass ich nicht auf diesen Menschen oder das was er sagt reagiere, sondern aufgrund eines Programms das ich selbst mit gestaltet und zugelassen habe das in mir, meiner Persönlichkeitsstruktur und meiner Gedankenwelt arbeitet und dass jede Unterwerfung meines tatsächlichen Verhaltens, meines Atems, meiner Stimme, meines Körpers, meiner Worte unter diese Programmierung eine Selbstbeschränkung und Selbstaufgabe bedeutet und dass es daher in dieser Weise, auf diesem Weg auch nichts zu verteidigen gibt, das irgendeine Anstrengung dieser Art Wert wäre, sondern dass lediglich das Ego versucht sich selbst an diesen Emotionen und Erinnerungen zu nähren.