Montag, 6. August 2012

Tag 37 - Die Zustimmung anderer ist kein Ersatz für Eigenverantwortlichkeit in der Selbstbestimmung

Als ich kürzlich meine Partnerin/Frau über eine meiner Entscheidungen in Kenntnis gesetzt habe, (und dabei ist es nicht relevant um was es bei dieser Entscheidung genau ging, denn das worum es hier geht kann jede Entscheidung betreffen, ob es um eine Anschaffung geht, ob es um eine Ernährungsfrage, eine berufliche oder eine ganz banale Entscheidung der Kleiderwahl für einen bestimmten Anlass geht), habe ich festgestellt, dass ich emotional enttäuscht reagiert habe, als sie mir in meiner Wahrnehmung nicht eifrig und zustimmend genug auf meine Offenbarung hin entgegenkam. Ich hatte in meiner Vorstellung wohl bereits festgelegt, wie eine zufriedenstellende Antwort auf meinen Bericht in etwa auszusehen hat und als dies aus welchen Gründen auch immer nicht erfüllt wurde, habe ich nicht nur enttäuscht reagiert, sondern sogar Gefühle wie Beleidigung, Trotz und Frust in mir wahrgenommen. Ich wollte also diese Entscheidung bestärkt haben, ich wollte, dass sie als meine Frau/Partnerin sich darüber ebenso freut wie ich mich freuen wollte, dass sie ebenso zufrieden damit ist wie ich es sein wollte. Ich schreibe jetzt sein wollte, weil mir natürlich klar geworden ist, dass ich nicht wirklich selbst von dieser Entscheidung überzeugt war, bzw. dass ich nicht bereit war selbst für diese meine Entscheidung einzustehen und daher nach einer zusätzlichen Person gesucht habe, die mit mir die Verantwortung für diese Entscheidung trägt. Doch ganz klar geworden ist mir das erst einige Stunden später, nach diesem Ereignis als meine Frau/Partnerin mir genau diesen Punkt in einem Gespräch vor Augen hielt und mich fragte, was denn dieser Wunsch nach ihrer Bestätigung genau für mich bedeuten könnte. Erst dann konnte ich mir hunderte solcher und ähnlicher Ereignisse vor Augen führen und mir selbst offenbaren in wie vielen Punkten man von dieser Sucht nach Bestätigung geprägt und geformt wird, so dass man sogar die Entscheidungen des Lebens schon im Vorfeld nach den Wahrscheinlichkeiten der Anerkennung anderer, auf welcher Grundlage diese auch immer bestehen mögen, ausrichtet.
Ich stoppe mich selbst in diesem Programm der Fremdbestimmung durch ein von mir selbst akzeptiertes, mitgestaltetes Programm das mich in ein System der Fremdgesteuerten Konsumroboter eingliedert, welches mich zu einer verängstigt sich hinter Fassaden materiell oder imaginär gestalteter Scheinwelten verbergenden Wesenheit gemacht hat, die in verzweifelter Ohnmacht ihr Bewußtsein und ihre Vorstellungskraft immer mehr ausgewrungen und benutzt hat um Selbstrechtfertigungen aller Art entweder einfach anzunehmen oder selbst zu kreieren um sich der eigenen Angst und damit der eigenen Freiheit nicht stellen zu müssen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe zu glauben ich bräuchte für meine Entscheidungen die unterstützende Zustimmung meines Partners, und dass meine Entscheidungen dadurch mehr Wert und Richtigkeit bekommen würden.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe, nicht meine eigene Unsicherheit und meine eigenen Ängste und Befürchtungen in dieser Unsicherheit zu erkennen, die sich in dem Bedürfnis nach einer weiteren unterstützenden Meinung einer anderen Person offenbaren.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe meine Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung abzulegen und sie in eine andere Person hineinzuprojizieren, indem ich eine Entscheidung die ich zu treffen habe abhängig von der Zustimmung oder der Begeisterung einer anderen Person mache.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir nicht erlaubt und es nicht zugelassen habe, dass ich in absoluter Selbstsicherheit in Selbstehrlichkeit eigenverantwortlich und selbstbestimmt für mich als das Leben in jeder Entscheidung stehen kann, und dass ich darin in jedem Moment die Wahrhaftigkeit meiner Existenz und damit auch die Erfüllung meines Selbst sehe, für und als das Leben hier zu sein, unabhängig von Gedankenkonstrukten und den durch sie generierten Unsicherheiten und Ängsten.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir nicht erlaubt und es nicht zugelassen habe mich in jedem Atemzug der Verführung des Geistigen Abschweifens in vorprogrammierte Welten, mich von der Ego-zentrierten Sucht nach Hochgefühl und Selbstbefriedigungen durch unterhaltsame Berieselung mit Glaubensvorstellungen, Wahnideen und dogmatischen Wertzuweisungen zu befreien, mich in meinen Gedankenfluchten zu stoppen und als das Leben neu selbst zu bestimmen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe in der Vorstellung eines Charakters, einer Persönlichkeit zu leben, von deren Existenz ich mich kontinuierlich und in jedem Atemzug anhand von Vergleichen mit antrainierten Mustern, anhand von Vergleichen mit anderen Menschen von denen ich mir ebenfalls auf gleiche Weise eine Vorstellung mache, rückversichern muss, eine Vorstellung die nur dann einen Wert hat, wenn ich unter völliger Aufgabe meiner eigenständigen, eigenverantwortlichen Existenz und deren Akzeptanz in Selbstehrlicher Hingabe die Leugnung der Wahrheiten des Lebens in Ignoranz meiner Gegenwärtigkeit im Leben über das Leben selbst stelle.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe durch die Aufgabe meiner Selbstbestimmung mein Leben und Wirken als Mensch aus meinen Händen zu geben und unter die Kontrolle eines Systems zu stellen, das kein Interesse am Leben und am Wohl aller hat, sondern das eine Projektion der Ängstlichkeit der vergeistigten Individuen der Bevölkerung ist, und darin die eigene/persönliche Bedürfnisbefriedigung unter der Voraussetzung der vorherigen Bedürfnisgenerierung im Kontext der gesellschaftlichen Werte und Akzeptierten kulturellen Prägungen als oberstes Gebot über die Handlungsmotivation und -Rechtfertigung setzt.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe, Jahre meines Lebens in dieser geistigen Verwirrung verstreichen zu lassen, ohne meine persönliche Verantwortung zu akzeptieren und darin die eigentliche Befreiung meiner Selbst als das Leben zu erkennen.

Ich vergebe mir selbst, dass ich es mir erlaubt und es zugelassen habe freiwillig eine völlig überflüssige Unsicherheit zu akzeptieren, sie mein Leben und meine Entscheidungen bestimmen und beeinflussen zu lassen ohne dabei zu erkennen, dass die eigene Unsicherheit lediglich ein Zeichen für eine zugrundeliegende Angst ist und dass diese Angst die Angst vor der eigenen Verantwortlichkeit als lebendes Wesen für die eigenen Entscheidungen und deren Konsequenzen ist und dass jede Form der nach aussen gerichteten Verunsicherung und der Suche nach Bestätigung/Verstärkung durch die Zustimmung anderer eine feige, verantwortungslose und manipulativ-missbräuchliche Verhaltensweise und der fruchtlose Versuch ist, jemand anderem die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen, sprich das eigene Leben aufzubürden.

Ich mache mir in jedem Moment der Suche nach Zustimmung und Bestätigung klar, dass ich hier einen Punkt gefunden habe, den ich mir selbst erst noch selbstehrlich vor Augen führen muss, der mit Angst und daraus resultierender Unsicherheit und Verantwortungslosigkeit zu tun hat.
Ich stoppe mich selbst in meinen Gedanken, atme, bringe mich zurück in den realen Moment der lebendigen Existenz und gehe jeden Punkt dieser Entscheidung um die es geht durch, bis ich die tatsächliche Motivation für die Sache selbst gefunden, oder aber den Grund meiner Angst hervorgebracht und mir selbst vergeben habe, so dass ich für die Entscheidung und darin zu mir selbst eigenständig und bedingungslos stehen kann. Voraussetzung für diesen Punkt ist letztlich immer, dass die Entscheidung in ihrer Konsequenz für das Leben, also für das Beste für alle steht.


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