Donnerstag, 4. April 2013

Tag0053 - Die Kreativität der Angst [Teil 2] Resignative Depression und zwanghafte Selbstverletzung




Das Bewusstsein als System der Persönlichkeit, als Bildhafte Vorstellung einer geschichtlichen Entwicklung als Ich, als Sein, als der Gedanke, existiert in der Vorstellung auf Grundlage unerträglicher Angst, einer Angst vor der Verflüchtigung, vor dem Wertverlust der eigenen Selbstwahrnehmung, einer Angst die existenziell begründet ist in der Abhängigkeit von äußeren Systemen, bzw. von den Systemen die wir als das Bewusstsein als ‚äußere Systeme‘ wahrnehmen und die in hohem Maße unverlässlich und trügerisch sind. Tatsächlich sind sie eben die Konsequenz der eigenen Verängstigung, daher schließt sich hier der Kreis noch bevor der erste Schritt überhaupt getan ist und das Resultat ist ein völlig absurdes, irrationales und wahnsinniges Verhalten der “Gruppe“ als menschliche Gesellschaft oder Kommune. Jede Kommunikation wird geprüft auf den Vorteil den sie bringt, jedes Verhalten ist reaktiv aus einer inneren, emotionalen Verknüpfung mit der eigenen Vorstellungswelt heraus, unverständlich und sinnfrei für die Gemeinschaft, doch unglaublich wichtig für die Selbstbestätigung der illusionären Selbstwahrnehmung. Nahezu jedes Verhalten ist manipulativ und trügerisch. Der Nutzen der anderen ist immer ein persönlicher, ein eigener und er wird wenn möglich geheim gehalten. Stattdessen werden Gründe vorgeschoben, heuchlerische Argumente liefern die Rechtfertigung für ausbeuterisches und ausnutzendes Verhalten, Liebe, Freundschaft gilt so lange etwas wie der Nutzen erkennbar ist, auch wenn es nur ein ideeller ist. Das herauspicken von Einzelpersonen ist von vornherein eine egoistische Auswahl, ob es um Ehe, Freundschaft oder Partnerschaft geht. Sie folgt vorprogrammierten oder konditionierten Vorlieben, jenen Schlüsselreizen die dem emotional-hormonellen Gebilde den energetischen Kick versetzen der als angenehmer Rausch wahrgenommen und immer weiter verfolgt wird. Vernunft, Verstand, oder gar ein höheres Interesse als das ganz persönliche, ohne Rücksicht auf Konsequenzen und Verluste ist hier nicht zu erkennen. Und selbst jene die scheinbar selbstlos handeln und sich damit Präsentieren als uneigennützige, selbstlos-mitfühlende Menschen tun dies in viel zu vielen Fällen aufgrund eben dieser Anerkennung und oft offenbart das System selbst indem es ihnen eine gewisse Machtposition verschafft die eigentliche Struktur der Persönlichkeit und die tatsächlichen Motive, wenn sie diese dann im Glauben geschützt und verborgen zu handeln ausnutzen um die Ziele ihre geheimen, ganz persönlichen Agenda zu verfolgen.

Nach einer persönlichen Erfahrung mit meinen eigenen emotionalen Verknüpfungen und den inneren Konflikten zwischen Erwartungshaltungen und der Wirklichkeit, dem Selbstbild und dem Widerspruch der durch meine tatsächlichen Reaktionen und die Selbstrechtfertigungen die diese Verhüllen sollen entsteht, habe ich heute das erste Mal seit ewigen Jahren wieder ein wirkliches, depressives Empfinden gehabt, einen Gemütszustand der ausweglos erscheint, der so gerechtfertigt wahrgenommen wird, dass man sich nichts vorstellen kann, dass einen aus diesem Tief, dieser Resignation und diesem Zustand der Hilflosigkeit und Perspektivlosigkeit herausholen könnte. Eigentlich ist es eine Sicht dass alles Nutzlos ist, nichts wirklich Bestand, Verlässlichkeit und Wert besitzt, dass du nichts tun kannst, das irgendwie relevant wäre.

Interessanterweise war mir die ganze Zeit über durchaus bewußt, dass ich mich aus dieser Situation der Gedankenverlorenen Selbstaufgabe herausholen kann, ich wußte es aufgrund meiner eigenen Entwicklung, dem bewußten Prozeß des Selbst-Verstehens und der Selbstbefreiung dass es möglich ist. Und dennoch konnte ich es nicht, ich war nicht in der Lage, oder besser gesagt nicht bereit dazu. Und genau das ist nämlich der Punkt, dass dieser Zustand der Depression nur eine Facette des Egos, der Welt der vergeistigten, illusionären Selbstidentifikation als abgetrennt von der Wirklichkeit, als ein isoliert im Kopf existierendes Wesen, in deren Erleben man sich ebenso heimisch und bestätigt fühlen kann wie in sogenannter positiv energetischer Selbstwahrnehmung eines ‚Hochs‘, einer freudigen Erregung, daher ist es nicht verwunderlich warum diese zwei Extreme Hand in Hand gehen wenn man sie Psychopathologisch betrachtet.

Doch zurück zu dem Punkt des „nicht-bereit-seins“ sich zu Lösen von diesen Gedankenmustern:
Es gab keinen wirklichen Grund für meine Reaktion und den Zustand in den ich mich mehr oder weniger bewusst versetzt hatte. Ich war mir darüber im Klaren als ich gemerkt habe, dass die Rechtfertigungsversuche in meinem inneren Dialog erhebliche Lücken aufwiesen. Und ich entschied mich also, gar nicht weiter der tatsächlichen Ursache für mein Empfinden nachzugehen, sondern weiter darin hängen zu bleiben. Die Entscheidung ist getroffen durch die Vermeidung der selbstehrlichen Selbstanalyse. Tatsächlich reagierte ich auf ein Phantom das ich in meinem Geist unterschwellig aufgebaut und aufgestaut hatte, eine enttäuschte Erwartungshaltung und die persönliche Verletzung die ich daraus geformt hatte, eine Vorstellung von mir, meinem Wirken und Handeln, und von dem Feedback und der  zu erwartenden Haltung der beteiligten Personen mir gegenüber, kurz gesagt einer Erwarteten Dankbarkeit, aber nicht in Form einer direkten Belohnung, sondern in diesem Fall in Form der Nachsichtigkeit im Bezug auf unangemessenes oder ungerechtes Verhalten, Rücksichtnahme auf  und Akzeptanz meiner „persönlichen Schwäche“ und damit eine Legitimation oder besser gesagt eine erkaufte Freiheit für mich, mich hin und wieder gehen zu lassen, in altgewohnte Verhaltensmuster zurückzufallen ohne die Konsequenzen auf mich zurückkommen zu lassen. Ein äußerst missbräuchliches Gedankengut, wenn man es so in Worten vor sich ausbreitet. Doch gar nicht so selten anzutreffen. Es ist eine schwer zu durchschauende, fast perfekte Tarnung hinter scheinbarer Schwäche, hinter Aufopferung und Selbstlosigkeit, während man tatsächlich sich selbst wieder zur Hauptperson des Geschehens macht und innerliche Rechnungen schreibt und Schulden eintreibt in einer Währung die es überhaupt nicht gibt, Papiergeld im Spiel der Verlorenen Geister, der Illusionen, der energiesüchtigen Vorstellungsbilder des Bewusstseins. Das Tückische daran ist der versteckte Dolch, die geheimen Motive hinter tatsächlichen Verhaltensweisen und Taten, die durchaus allen Nutzen bringen, die durchaus auch im Moment der Ausführung und Planung selbstlos motiviert sein können, doch das Ego, die Persönlichkeit kann sich  ebenso zu einem späteren Zeitpunkt einschalten und die Umstände neu auslegen, interpretieren und umdeuten, einspinnen in eine Intrige der selbstsüchtigen Selbstaufgabe an Gewohnheiten, Bequemlichkeiten und die Sucht nach Potentiellen Energiemomenten. Auch das als verletzend wahrgenommene Verhalten der/des anderen kann durchaus wahrhaftig von Ignoranz und Undank getragen sein, allerdings ist die Reaktion darauf mit Verletztet und angekratztem Stolz in erster Linie ein Beweis für die heuchlerische Natur der scheinbar selbstlosen Tat.

Der andere / die anderen spielen niemals wirklich eine Rolle bei der depressiven Verstimmung. Zumindest nicht, wenn man sich in Selbstehrlichkeit durchleuchtet, sich selbst analysiert und durchschaut. Das ist natürlich ein langer Prozess dessen Beginn während einer solchen Verstimmung vielleicht unglücklich gewählt wäre. Daher habe ich auch erwähnt dass ich die ganze Zeit hindurch wusste, dass ich selbst verantwortlich sein muss für diesen Zustand, und faszinierender Weise dennoch nicht gewillt war ihn aufzulösen, sondern mich in der Entscheidung der Untätigkeit ihm hingegeben habe.  Ich muss gar nicht davon sprechen, wie man sein Umfeld mit einem solchen Verhalten belasten kann, was auch dann nicht gerechtfertigt wäre, wenn wie oben erwähnt deren Verhalten tatsächlich undankbare oder sogar ignorante Züge gezeigt hat. Vor allem das Umfeld, das gezwungenermaßen die Zeit mit einem verbringen muss ist oftmals Opfer solcher „verstimmten“ Persönlichkeiten und diese nutzen oder brauchen sogar die Reaktionen der anderen als Beweis der Wirkung ihres Missmutes, als Bestätigung dass ihre Stimmung real ist.

Die Selbstaufgabe an einen Zustand der Rsignation, der Depression als Sinn- und Nutzlosigkeit allen Handelns ist eine extreme Form der Selbstverletzung. Die Verletzung der Persönlichen Gefühle ist selbst herbeigeführt durch bewusst manipulativ interpretierte Wahrnehmung der Wirklichkeit, durch die Selbsthypnose im inneren Dialog mit dem sarkastischen Ich, das nicht aus  Verletztheit, sondern aus Trotz redet und denkt, aggressiv, alles wirkliche verleugnend und die innere Isolation und Abgeschlossenheit als Opfer herbeisehnt.  Die längst verlorene Unschuld um genau zu sein. Doch dahin zurück führt kein Weg, auch nicht der ins Innere des Bewusstseins, schon allein weil er nicht real ist. Allein die Selbstehrliche Akzeptanz der Eigenverantwortung, also der Schuld wenn man so will an allem was die Umstände und Gegebenheiten erst möglich gemacht hat, die „Mittäterschaft“  an der Wirklichkeit sozusagen, die Annahme des eigenen Selbst als das was man erlaubt und zugelassen hat, das was man geworden ist und das geradestehen mit und für alle Konsequenzen der eigenen Entscheidungen, der Vergangenen und der zukünftigen, die Selbstvergebung und lebendige Selbstkorrektur und Neuausrichtung  führen den Prozess der persönlichen, individuellen Rechenschaft, den Prozess der selbstbestimmte Selbst-Überführung, Selbst-Anklage und Selbst-Habilitation (im Sinne von Selbst-Befähigung) zugleich ist. Ich schreibe bewußt nicht Re-habilitation, weil es keine Ausrichtung an den alten, gewohnten Prinzipien ist, sondern eine Neu-Befähigung zum Leben, am Leben, als das Leben, an den Prinzipien der Einheit und Gleichheit allen Lebens ausgelegt. Nur so kann eine Gemeinschaft entstehen, die verlässlich und vertrauenswürdig als Representation des Lebens, als Ausdruck des menschlichen Lebens gedeihen kann, in der ein jeder in eigenverantwortlicher Selbstentwicklung das menschliche Potential im Sinne des Lebens, im Sinne der Nachhaltigkeit und somit im Sinne aller ausschöpft, in der der Gemeinnutzen gleichermaßen der Eigennutz ist, ein „Naturgesetz“ des Lebens sozusagen, das völlig aus dem Blickwinkel des vergeistigt verblendeten Bewußtseinssklaven gerückt ist, zu dem wir uns entwickelt haben. Diese Selbstbeschränkung auf Kosten aller muss ein Ende haben. Wir müssen die Entscheidung treffen, den Weg der Verantwortung zu gehen, gerade weil es der herausfordernde Weg ist, nicht der Bequeme. Bequemlichkeit ist Stillstand, wenn wir uns tatsächlich entwickeln, tatsächlich fortschrittlich sein wollen als „Menschheit“, dann muss jeder sich als gleichwertigen Teil dieser Menschheit und darin seine Verantwortlichkeit erkennen und sie leben.

Verantwortung tragen bedeutet zu leben, für das Leben zu Handeln bedeutet nichts zu verbergen, kein persönliches Interesse, außer das des eigenen Selbst als Leben. Und in dieser Selbstlosigkeit entdeckt man das eigentliche Selbst als das Leben wieder, als die Existenz in Einheit und Gleichheit, das physische, vielseitige, pulsierende [1]Leben.
Fortsetzung folgt…

Bastian Neumann / Ramstein / Deutschland / 04.04.2013


[1] Ich bin mir über die polemisch-hochtrabende Note durchaus bewusst, allerdings ist auch etwas sehr nüchternes und wahres in diesem Ausdruck wenn man darüber nachdenkt.


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